Samstag, 1. August 2026

LeipzigKI-Fuchs spürt Wissen auf

[28.01.2026] Leipzig setzt mit dem KI-Fuchs neue Maßstäbe im Wissensmanagement. Das auf Open Source basierende System kombiniert ein multimodales Sprachmodell mit internem Verwaltungswissen, schafft damit Effizienzgewinne und deckt Bürokratieabbau-Potenziale auf.
Eine Frau arbeitet an einem Computer.

Herzstück der Leipziger KI-Initiative ist die selbstbetriebene, auf Open Source basierende Plattform LeoGPT.

(Bildquelle: Stadt Leipzig)

Die Stadt Leipzig geht das Thema Künstliche Intelligenz bewusst strukturiert an. Bevor der erste KI-Prototyp zum Einsatz kam, hat die sächsische Kommune ein umfassendes KI-Ökosystem aufgebaut. Dazu gehören eine KI-Leitlinie, ein Fragenkatalog zur Bewertung von KI-Anwendungen, ein KI-Register für Transparenz sowie eine Dienstanweisung zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Dieser Governance-Rahmen bildet das Fundament für einen verantwortungsvollen und zielgerichteten KI-Einsatz in der Verwaltung.

Herzstück der Leipziger KI-Initiative ist LeoGPT – eine selbstbetriebene, auf Open Source basierende WebOpenUI-Plattform mit multimodalem Back End. Anders als bei kommerziellen Cloud-Lösungen verbleiben alle Daten auf eigener Infrastruktur, was datenschutzrechtlich unbedenklich ist und die digitale Souveränität der Kommune sichert. Das System kann nicht nur Text verarbeiten, sondern auch Bilder, Dokumente und andere Medienformate analysieren.

Die wahre Innovation entsteht jedoch erst durch die Kombination von LeoGPT mit internem Verwaltungswissen – dem sogenannten KI-Fuchs. Während LeoGPT als allgemeines Sprachmodell grundlegende Anfragen bearbeitet, entstehen durch die Einspeisung fachspezifischer Daten spezialisierte Anwendungen für unterschiedliche Verwaltungsbereiche. Diese unterstützen die Mitarbeitenden bei ihrer täglichen Arbeit durch den schnellen Zugriff auf internes Fachwissen.

Eine Demokratisierung des Wissens

Die Funktionsweise ist dabei denkbar einfach: Das System durchsucht große Mengen an Dokumenten, Notizen, Dienstanweisungen und Gesetzestexten und liefert präzise Antworten mit vollständigen Quellennachweisen. Die hohe Trefferqualität überzeugt in der Praxis: In ersten Pilotprojekten konnten bis zu 80 Prozent der wiederkehrenden Anfragen automatisiert beantwortet werden. Was vorher Stunden an Recherchearbeit kostete, erledigt der KI-Fuchs in Sekunden.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Wissen geht nicht mehr mit einzelnen Personen verloren, sondern wird systematisch gesichert und für alle verfügbar gemacht. Das Onboarding neuer Mitarbeitender beschleunigt sich erheblich, wenn sie ihre Fragen direkt an den KI-Fuchs richten können, der rund um die Uhr verfügbar ist. Teams werden spürbar entlastet, weil wiederkehrende Standardanfragen nicht mehr manuell bearbeitet werden müssen. Und das Wissen selbst profitiert von einer KI-gestützten Qualitätssicherung, die Widersprüche aufdeckt und Aktualisierungsbedarf signalisiert. Man kann hier von einer Demokratisierung des Wissens sprechen, denn der KI-Fuchs nivelliert hierarchische Wissensstrukturen und macht Expertise unabhängig von Personen und Positionen zugänglich.

Doch der KI-Fuchs kann noch mehr: Er wird zum Werkzeug für systematischen Bürokratieabbau. Denn während das System interne Anfragen bearbeitet, analysiert es nebenbei die zugrunde liegenden Prozesse und Dokumente. Diese Transparenz ist Gold wert. Erstmals lässt sich datenbasiert erkennen, welche internen Prozesse optimierungsbedürftig sind und wo sich Digitalisierung wirklich lohnt. Der KI-Fuchs zeigt auf, wo bürokratische Hürden bestehen, die eigentlich überflüssig sind. Er identifiziert Redundanzen in Dokumenten und Abläufen. Und er macht sichtbar, wo Regelwerke so komplex geworden sind, dass selbst erfahrene Mitarbeitende Mühe haben, sie anzuwenden.

Mehr Freiräume dank Künstlicher Intelligenz

Ein konkretes Beispiel: Wenn das System bei der Suche nach bestimmten Regelungen immer wieder auf widersprüchliche oder veraltete Passagen in Dienstanweisungen stößt, signalisiert es Handlungsbedarf. Die internen Vorschriften können dann gezielt überarbeitet werden – verständlicher formuliert, konsistenter in der Anwendung, effizienter in der Umsetzung. Das gleiche Prinzip funktioniert bei Verfahrensbeschreibungen oder internen Genehmigungsprozessen. Die Stadt Leipzig nutzt diese Erkenntnisse aktiv und prüft derzeit, ob und in welcher Form die Ausbildung interner Wissensmanagerinnen und Wissensmanager sinnvoll ist. In Workshops wird systematisch erfasst, wo Optimierungspotenziale liegen. Der KI-Fuchs liefert die Datengrundlage, die menschliche Expertise bewertet die Ergebnisse und entwickelt Lösungen.

Dabei wird Künstliche Intelligenz den Menschen nicht vollständig ersetzten. Im Gegenteil: Die KI übernimmt repetitive Aufgaben und schafft dadurch Freiräume für anspruchsvolle Tätigkeiten, die echte Fachkompetenz und menschliches Urteilsvermögen erfordern. Komplexe Einzelfälle, Ermessensentscheidungen, Beratungsgespräche – hier bleibt der Mensch unverzichtbar. Die KI fungiert als intelligenter Assistent, der zuarbeitet, entlastet und dabei unterstützt, bessere Entscheidungen zu treffen.

Natürlich gibt es auch Herausforderungen. Die Aktualität der Daten im KI-Fuchs muss kontinuierlich gewährleistet werden – veraltete Informationen führen zu falschen Auskünften. Die Qualität der eingelesenen Daten, das sogenannte Embedding, entscheidet über die Antwortqualität. Und nicht zuletzt braucht es Akzeptanz bei den Mitarbeitenden, die das System nutzen und mit Leben füllen sollen.

Ein Werkzeug, das die Arbeit verbessert

Leipzig begegnet diesen Herausforderungen mit einem durchdachten Change-Management: Sensibilisierungspapiere erklären die Technologie verständlich, Schulungen befähigen zur praktischen Nutzung, und ein Experimentierraum lädt zum Ausprobieren ein. Die Devise lautet: „Nur KI(ne) Panik“ – ein Wortspiel, das Programm ist.

Was Leipzig vormacht, ist grundsätzlich auf andere Kommunen übertragbar. Die Open-Source-Basis ermöglicht es, das System ohne Lizenzkosten zu nutzen und an eigene Bedürfnisse anzupassen. Kleinere Kommunen können in Kooperation profitieren, größere Städte können das Modell ausbauen und weiterentwickeln.

Der KI-Fuchs zeigt exemplarisch, wie Künstliche Intelligenz in der öffentlichen Verwaltung sinnvoll eingesetzt werden kann: technisch souverän, datenschutzkonform, effizient und mit klarem Nutzen für Mitarbeitende und Bürgerschaft. Und er demonstriert, dass KI nicht nur Prozesse beschleunigt, sondern auch hilft, Bürokratie kritisch zu hinterfragen und gezielt abzubauen.

„Künstliche Intelligenz ist für uns kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, um die Arbeit der Verwaltung zu verbessern. Ob bei der Beschleunigung von Verwaltungsprozessen, der Optimierung von Verkehrsströmen oder der Unterstützung unserer Mitarbeitenden – KI hilft uns, effizienter, transparenter und bürgernäher zu handeln. Wichtig ist uns dabei immer der verantwortungsvolle Umgang mit Daten und die klare Orientierung am Gemeinwohl“, kommentiert Tino Beirau, Leiter IT-Servicemanagement im Amt für Digitalisierung und Organisation der Stadt Leipzig.

Daniel Krüger ist als IT-Innovationsmanager für die Koordination KI & Automatisierung im Amt für Digitalisierung und Organisation der Stadt Leipzig tätig.




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Künstliche Intelligenz
Eine Person tippt auf einer Tastatur.

KI: LLMoin auf MDD verfügbar

[28.07.2026] LLMoin ist ab sofort auf dem Marktplatz Deutschland Digital (MDD) verfügbar. Somit können Bund, Länder und Kommunen den KI-Textassistenten ohne eigene Ausschreibungen beziehen. mehr...

Rüsselsheim_Förderbescheid_KI: ein Mann überreicht einem anderen ein Papier

Rüsselsheim: Modellprojekt zu KI

[27.07.2026] Vom hessischen Digitalministerium erhält die Stadt Rüsselsheim 309.000 Euro zum Aufbau eines KI-gestützten Assistenzsystems für die Verwaltung. Drei Tools sollen für mehr Effizienz sorgen und anschließend zur Nachnutzung bereitgestellt werden. mehr...

Cover der Studie

Umfrage: Wie gut sind Kommunen für KI gerüstet?

[21.07.2026] Eine Studie des Cloud-Anbieters Yorizon untersucht, wie gut Kommunen auf Digitalisierung, KI und Nachhaltigkeitsanforderungen vorbereitet sind, wo sie Defizite sehen und wie sie das Zusammenspiel dieser Themen bewerten. mehr...

Mit dem RegMoG soll der Umgang mit Bürgerdaten sicherer und effizienter werden.

Kreis Peine: KI-gestützte Dokumentenprüfung für Aufenthaltstitel

[21.07.2026] Der Landkreis Peine erweitert seine digitalen Dienstleistungen für Aufenthaltstitel um eine KI-gestützte Dokumentenprüfung. Die neue Funktion soll die Online-Antragstellung unterstützen und zunächst bei ausgewählten Antragsverfahren zum Einsatz kommen. mehr...

Tisch, Computer und Hologramm eines Gehirns
bericht

EU AI Act: Jetzt noch Governance-Strukturen aufbauen

[20.07.2026] Anfang August tritt der EU AI Act in vollem Umfang in Kraft. Das geht für die Kommunen mit zahlreichen Aufgaben einher: Sie müssen unter anderem wissen, welche KI-Systeme in ihrer Verwaltung betrieben werden, eine Risikobewertung vornehmen und Verantwortlichkeiten regeln. mehr...

Gruppenfoto, mutmaßlich im BMDS-Foyer.

SPARK-Hackathon: KI trifft Geodaten

[20.07.2026] Beim ersten SPARK-Hackathon des BMDS erprobte ein Team unter Beteiligung der Softwarefirma con terra, wie amtliche Geodaten die KI-Assistenz für Planungs- und Genehmigungsverfahren erweitern können. Im Fokus stand die Frage, wie GIS- und BIM-Daten in die KI-Lösung SPARK integriert werden können. mehr...

Eine Person tippt auf einer Tastatur.

Dell-Studie: KI kommt in den Behörden an

[20.07.2026] Fast jede zweite deutsche Behörde nutzt bereits generative KI, viele weitere planen den Einstieg. Eine IDC-Studie im Auftrag des IT-Konzerns Dell Technologies zeigt zugleich: Datenschutz, Regulierung und fehlendes Fachwissen bremsen die Umsetzung. mehr...

Frankfurt am Main: Kompetenz für KI

[16.07.2026] Ein zentrales KI-Kompetenzteam baut die Stadt Frankfurt am Main auf. Damit sollen der Wissensaustausch einzelner Initiativen und Synergieeffekte gefördert sowie dem demografischen Wandel in der Verwaltung begegnet werden. mehr...

Referent auf dem Demo Day des NEGT
bericht

Demo Day: Vibe Modeling zum Ausprobieren

[14.07.2026] Im Rahmen eines Demo Day wurde beim NEGZ – Kompetenznetzwerk Digitale Verwaltung das Potenzial KI-gestützter Low-Code-Entwicklung für die Verwaltung aufgezeigt und über offene Fragen diskutiert. mehr...

München: KI wird noch intelligenter

[13.07.2026] München hat sein internes KI-Werkzeug MUCGPT weiterentwickelt. Die neue Version bietet eine übersichtlichere Oberfläche, technische Anbindungen über MCP und teilbare Assistenten – und steht als Open-Source-Lösung auch anderen Kommunen offen. mehr...

bericht

Studie: KI ist in deutschen Behörden angekommen

[13.07.2026] Knapp 83 Prozent der Beschäftigten im öffentlichen Sektor in Deutschland nutzen bereits Künstliche Intelligenz. Das zeigt die Studie „Global AI Adoption Survey“. Gleichzeitig fehlen nach Einschätzung vieler Befragter klare Regeln, Schulungen und technische Voraussetzungen für einen sicheren und systematischen Einsatz. mehr...

Der Landrat des Märkischen Kreises, Ralf Schwarzkopf, schaut interessiert in einen Laptop

Märkischer Kreis: Hackathon zum KI-Einsatz

[09.07.2026] Im Märkischen Kreis soll Künstliche Intelligenz künftig vermehrt Routineaufgaben übernehmen und so die Abläufe in der Verwaltung beschleunigen. Im Rahmen eines Hackathons hat der Kreis jetzt für sechs praxisnahe Anwendungsfälle erste KI-Prompts entwickelt. mehr...

Nahaufnahme der Hände und Arme eines Mannes in einem Büro, der auf verschiedenen eingeblendeten IT-Icons in der Luft zeigt
bericht

KI-Governance: Rahmen für agentische Prozesse

[08.07.2026] KI-Agenten werden zunehmend Teil operativer Verwaltungsprozesse. Damit Automatisierung im öffentlichen Sektor kontrollierbar, vertrauenswürdig und rechtssicher bleibt, braucht es klare Rollen, nachvollziehbare Entscheidungswege, geregelte Datenzugriffe und tragfähige Governance. mehr...

mit punkten durchzogenes Gehirn vor Laptop-Bildschirm

Umfrage: Echtzeitdaten schaffen Vertrauen in die KI

[07.07.2026] Der Schutz sensibler Bürgerdaten durch einheitliche Sicherheits- und Zugriffskontrollen wird zum entscheidenden Fundament für vertrauenswürdige KI im öffentlichen Sektor. Herkömmliche Datenarchitekturen erweisen sich dabei für Agentische KI als zu träge. Das zeigen die Ergebnisse einer Umfrage des Unternehmens Denodo Technologies. 
 mehr...

2 Männer vor Bildschirm, die einen Startknopf drücken_KI_Chatbot_INGO-gestartet

St. Ingbert: Chatbot INGO gestartet

[02.07.2026] Bürgerinnen und Bürger in St. Ingbert können sich künftig auch an Chatbot INGO wenden. Rückmeldungen aus der Nutzung fließen in die Optimierung des Angebots ein. mehr...