Dienstag, 17. März 2026

LeipzigKI-Fuchs spürt Wissen auf

[28.01.2026] Leipzig setzt mit dem KI-Fuchs neue Maßstäbe im Wissensmanagement. Das auf Open Source basierende System kombiniert ein multimodales Sprachmodell mit internem Verwaltungswissen, schafft damit Effizienzgewinne und deckt Bürokratieabbau-Potenziale auf.
Eine Frau arbeitet an einem Computer.

Herzstück der Leipziger KI-Initiative ist die selbstbetriebene, auf Open Source basierende Plattform LeoGPT.

(Bildquelle: Stadt Leipzig)

Die Stadt Leipzig geht das Thema Künstliche Intelligenz bewusst strukturiert an. Bevor der erste KI-Prototyp zum Einsatz kam, hat die sächsische Kommune ein umfassendes KI-Ökosystem aufgebaut. Dazu gehören eine KI-Leitlinie, ein Fragenkatalog zur Bewertung von KI-Anwendungen, ein KI-Register für Transparenz sowie eine Dienstanweisung zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Dieser Governance-Rahmen bildet das Fundament für einen verantwortungsvollen und zielgerichteten KI-Einsatz in der Verwaltung.

Herzstück der Leipziger KI-Initiative ist LeoGPT – eine selbstbetriebene, auf Open Source basierende WebOpenUI-Plattform mit multimodalem Back End. Anders als bei kommerziellen Cloud-Lösungen verbleiben alle Daten auf eigener Infrastruktur, was datenschutzrechtlich unbedenklich ist und die digitale Souveränität der Kommune sichert. Das System kann nicht nur Text verarbeiten, sondern auch Bilder, Dokumente und andere Medienformate analysieren.

Die wahre Innovation entsteht jedoch erst durch die Kombination von LeoGPT mit internem Verwaltungswissen – dem sogenannten KI-Fuchs. Während LeoGPT als allgemeines Sprachmodell grundlegende Anfragen bearbeitet, entstehen durch die Einspeisung fachspezifischer Daten spezialisierte Anwendungen für unterschiedliche Verwaltungsbereiche. Diese unterstützen die Mitarbeitenden bei ihrer täglichen Arbeit durch den schnellen Zugriff auf internes Fachwissen.

Eine Demokratisierung des Wissens

Die Funktionsweise ist dabei denkbar einfach: Das System durchsucht große Mengen an Dokumenten, Notizen, Dienstanweisungen und Gesetzestexten und liefert präzise Antworten mit vollständigen Quellennachweisen. Die hohe Trefferqualität überzeugt in der Praxis: In ersten Pilotprojekten konnten bis zu 80 Prozent der wiederkehrenden Anfragen automatisiert beantwortet werden. Was vorher Stunden an Recherchearbeit kostete, erledigt der KI-Fuchs in Sekunden.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Wissen geht nicht mehr mit einzelnen Personen verloren, sondern wird systematisch gesichert und für alle verfügbar gemacht. Das Onboarding neuer Mitarbeitender beschleunigt sich erheblich, wenn sie ihre Fragen direkt an den KI-Fuchs richten können, der rund um die Uhr verfügbar ist. Teams werden spürbar entlastet, weil wiederkehrende Standardanfragen nicht mehr manuell bearbeitet werden müssen. Und das Wissen selbst profitiert von einer KI-gestützten Qualitätssicherung, die Widersprüche aufdeckt und Aktualisierungsbedarf signalisiert. Man kann hier von einer Demokratisierung des Wissens sprechen, denn der KI-Fuchs nivelliert hierarchische Wissensstrukturen und macht Expertise unabhängig von Personen und Positionen zugänglich.

Doch der KI-Fuchs kann noch mehr: Er wird zum Werkzeug für systematischen Bürokratieabbau. Denn während das System interne Anfragen bearbeitet, analysiert es nebenbei die zugrunde liegenden Prozesse und Dokumente. Diese Transparenz ist Gold wert. Erstmals lässt sich datenbasiert erkennen, welche internen Prozesse optimierungsbedürftig sind und wo sich Digitalisierung wirklich lohnt. Der KI-Fuchs zeigt auf, wo bürokratische Hürden bestehen, die eigentlich überflüssig sind. Er identifiziert Redundanzen in Dokumenten und Abläufen. Und er macht sichtbar, wo Regelwerke so komplex geworden sind, dass selbst erfahrene Mitarbeitende Mühe haben, sie anzuwenden.

Mehr Freiräume dank Künstlicher Intelligenz

Ein konkretes Beispiel: Wenn das System bei der Suche nach bestimmten Regelungen immer wieder auf widersprüchliche oder veraltete Passagen in Dienstanweisungen stößt, signalisiert es Handlungsbedarf. Die internen Vorschriften können dann gezielt überarbeitet werden – verständlicher formuliert, konsistenter in der Anwendung, effizienter in der Umsetzung. Das gleiche Prinzip funktioniert bei Verfahrensbeschreibungen oder internen Genehmigungsprozessen. Die Stadt Leipzig nutzt diese Erkenntnisse aktiv und prüft derzeit, ob und in welcher Form die Ausbildung interner Wissensmanagerinnen und Wissensmanager sinnvoll ist. In Workshops wird systematisch erfasst, wo Optimierungspotenziale liegen. Der KI-Fuchs liefert die Datengrundlage, die menschliche Expertise bewertet die Ergebnisse und entwickelt Lösungen.

Dabei wird Künstliche Intelligenz den Menschen nicht vollständig ersetzten. Im Gegenteil: Die KI übernimmt repetitive Aufgaben und schafft dadurch Freiräume für anspruchsvolle Tätigkeiten, die echte Fachkompetenz und menschliches Urteilsvermögen erfordern. Komplexe Einzelfälle, Ermessensentscheidungen, Beratungsgespräche – hier bleibt der Mensch unverzichtbar. Die KI fungiert als intelligenter Assistent, der zuarbeitet, entlastet und dabei unterstützt, bessere Entscheidungen zu treffen.

Natürlich gibt es auch Herausforderungen. Die Aktualität der Daten im KI-Fuchs muss kontinuierlich gewährleistet werden – veraltete Informationen führen zu falschen Auskünften. Die Qualität der eingelesenen Daten, das sogenannte Embedding, entscheidet über die Antwortqualität. Und nicht zuletzt braucht es Akzeptanz bei den Mitarbeitenden, die das System nutzen und mit Leben füllen sollen.

Ein Werkzeug, das die Arbeit verbessert

Leipzig begegnet diesen Herausforderungen mit einem durchdachten Change-Management: Sensibilisierungspapiere erklären die Technologie verständlich, Schulungen befähigen zur praktischen Nutzung, und ein Experimentierraum lädt zum Ausprobieren ein. Die Devise lautet: „Nur KI(ne) Panik“ – ein Wortspiel, das Programm ist.

Was Leipzig vormacht, ist grundsätzlich auf andere Kommunen übertragbar. Die Open-Source-Basis ermöglicht es, das System ohne Lizenzkosten zu nutzen und an eigene Bedürfnisse anzupassen. Kleinere Kommunen können in Kooperation profitieren, größere Städte können das Modell ausbauen und weiterentwickeln.

Der KI-Fuchs zeigt exemplarisch, wie Künstliche Intelligenz in der öffentlichen Verwaltung sinnvoll eingesetzt werden kann: technisch souverän, datenschutzkonform, effizient und mit klarem Nutzen für Mitarbeitende und Bürgerschaft. Und er demonstriert, dass KI nicht nur Prozesse beschleunigt, sondern auch hilft, Bürokratie kritisch zu hinterfragen und gezielt abzubauen.

„Künstliche Intelligenz ist für uns kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, um die Arbeit der Verwaltung zu verbessern. Ob bei der Beschleunigung von Verwaltungsprozessen, der Optimierung von Verkehrsströmen oder der Unterstützung unserer Mitarbeitenden – KI hilft uns, effizienter, transparenter und bürgernäher zu handeln. Wichtig ist uns dabei immer der verantwortungsvolle Umgang mit Daten und die klare Orientierung am Gemeinwohl“, kommentiert Tino Beirau, Leiter IT-Servicemanagement im Amt für Digitalisierung und Organisation der Stadt Leipzig.

Daniel Krüger ist als IT-Innovationsmanager für die Koordination KI & Automatisierung im Amt für Digitalisierung und Organisation der Stadt Leipzig tätig.




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