Serie DigitalstädteStadt mit Gründergeist

In Paderborn sind bereits über 200 Verwaltungsservices online verfügbar.
(Bildquelle: Stadt Paderborn)
Ein Start-up erobert die Welt – so heißt es auf einem Infoflyer des Heinz-Nixdorf-Museumsforums (HNF) in Paderborn. Das Computermuseum feierte vergangenes Jahr „Nixdorf 100“. Der legendäre Gründer der Nixdorf Computer AG wurde 1925 in Paderborn geboren. Noch heute ist sein Vermächtnis in der ostwestfälischen Domstadt allgegenwärtig. Der Computerpionier startete im Kleinen und baute sein Unternehmen zu einem Imperium mit Milliardenumsätzen und weltweit 30.000 Mitarbeitenden aus, allein 10.000 arbeiteten in Paderborn. Das HNF mit Sitz in der ehemaligen Hauptverwaltung pflegt die Geschichte des Gründers und hat mit Sonderschauen wie „Computer.Medizin“ oder „Raumfahrt erleben“ jeweils mehr als 150.000 Besucher aller Altersstufen angezogen.
Träger des größten Computermuseums der Welt ist die Westfalen Stiftung, die zusammen mit der Heinz-Nixdorf-Stiftung das ehemalige Unternehmensvermögen verwaltet. In unmittelbarer Nachbarschaft zum HNF befindet sich das Heinz-Nixdorf-Institut, wo die renommierte Informatik der Universität Paderborn angesiedelt ist, daneben die Hochschule für Wirtschaft und ein Fraunhofer-Institut. Insgesamt sind über 300 IT-Firmen mit mehr als 10.000 Beschäftigten in Paderborn vertreten, teils noch von ehemaligen Nixdorf-Mitarbeitenden nach der Firmenpleite gegründet. Bei knapp 160.000 Einwohnern ein nicht unbedeutender Wirtschaftsfaktor.
Wirksame Vernetzung
Der Wirtschaftsstandort Paderborn ist von vielen innovativen mittelständischen Unternehmen geprägt. Darunter Hidden Champions wie OMP Computer, die vor zwanzig Jahren die Software für das Lkw-Mautsystem entwickelt haben. Der ehemalige Firmeninhaber Arjen Klei ist heute als Business Angel und Förderer von Start-ups aktiv. Aktuell zeigt sich in Paderborn eine bunte Szene aufstrebender Unternehmen. „Mit jungen Unternehmen wie Cargoboard oder Unchained Robotics in den Bereichen Logistik und Robotik, IMAscore aus der Kreativwirtschaft, dSPACE als Weltmarktführer für Simulation in der Automobilindustrie sowie Connext Vivendi mit Softwarelösungen für den Pflegebereich zeigt sich, wie breit und zugleich vernetzt die Innovationslandschaft in Paderborn aufgestellt ist“, sagt Jürgen Janke von der Wirtschaftsförderung Paderborn.
Besonders in puncto Vernetzung zeigen sich die Vorzüge einer mittleren Stadt. Die Unternehmer treffen sich in Netzwerken wie „Paderborn ist Informatik“, „InnoZent OWL“ und „Paderborn überzeugt“. Lädt die Stadt zum jährlichen IT-Empfang oder organisiert ein Unternehmensfrühstück, sind die Veranstaltungsorte regelmäßig ausgebucht. Man begegnet sich auf Augenhöhe, tauscht sich aus, profitiert voneinander. Bestes Beispiel: Als die Lufthansa im vergangenen Jahr ankündigte, die drei täglichen Flugverbindungen nach München vom Airport Paderborn-Lippstadt einzustellen, schlossen sich kurzfristig 35 Unternehmer aus der Region zur Skyhub PAD zusammen, eine Art virtuelle Fluggesellschaft, welche die Flüge nun auf eigene Rechnung organisiert. Das nennt man Gründergeist.
Den Gründergeist wecken
Dieser Gründergeist wird schon in der Garage 33 geweckt, dem zur Universität Paderborn gehörenden Start-up-Campus. Die zentrale Einrichtung zur Förderung von Ausgründungen und Selbstständigkeiten ist in einem modernen Neubau im Osten der Stadt angesiedelt, direkt angrenzend an die Barker Barracks, einem ehemaligen Kasernengelände des britischen Militärs, das zum Zukunftsquartier umgewandelt wird. Alle Fachrichtungen der Universität können die Angebote von Garage 33 nutzen. Besuchern fällt als Erstes der 1.000 Quadratmeter große Makerspace im Erdgeschoss ins Auge, mit seinen Werkbänken, Roboterarmen und 3D-Druckern. Dort werden Gründungsprojekte von Industriemeistern betreut, welche die Studierenden beim Bau von Prototypen anleiten.
„Wir sind das Gründerzentrum der Uni Paderborn und begleiten Gründerteams aller Fachrichtungen von der Ideenfindung über die Umsetzung einer Lösung bis hin zur Marktreife“, erläutert Rüdiger Kabst, Professor für Entrepreneurship und Leiter des Start-up-Campus. „Dabei arbeiten wir mit Unterstützern wie der Heinz-Nixdorf-Stiftung, der Sparkasse Paderborn-Detmold-Höxter, der Verbundvolksbank OWL und dem Wirtschaftsverein Paderborn überzeugt sowie mit Risikokapitalgebern zusammen.“ Auf Netzwerktreffen wie „Meet the Startups“ oder dem „Start-up Summit Moonshots & Moneten“ werden die Gründer mit potenziellen Investoren zusammengebracht und pitchen ihre Ideen.
Innovativ im Zeichen der Zeit
Der Start-up-Campus existiert seit 2014. Im Jahr 2016 zeigten die regionale Wirtschaft und Politik Interesse und bauten die Zusammenarbeit aus, 2019 kam eine Spitzenförderung durch das Land Nordrhein-Westfalen hinzu, die den Neubau ermöglichte.
Annähernd 200 Jungunternehmen sind bislang daraus hervorgegangen, wobei nur die Überlebenden gezählt werden, deren Geschäftsidee sich als nachhaltig erwiesen hat. Darunter die erfolgreiche Online-Spedition Cargoboard, die Nachhilfe-Plattform Studyfriends oder DC2Heat, das sich auf die Abwärmenutzung von Rechenzentren spezialisiert hat. Unter den Govtech-Start-ups – Gründungen für den öffentlichen Sektor – findet sich Heimat Digital mit der Heidi-App für Kommunen. Ladeplan wiederum unterstützt Kommunen bei der Planung von E-Ladesäulen und setzt bei der Standortanalyse Künstliche Intelligenz ein. Im Mai 2025 wurde das Start-up von der belgischen RetailSonar übernommen. Und das erst im vergangenen Jahr gegründete Start-up BarricadiX hat eine KI-gestützte Software für den Zufahrtsschutz entwickelt, die sich nicht nur für Veranstaltungen in Kommunen nutzen lässt, sondern auch im Bereich Verteidigung und Kritische Infrastruktur.
Etwa drei Kilometer vom Start-up-Campus entfernt befindet sich das altehrwürdige Rathaus von Paderborn im Stil der Weserrenaissance. Vis-à-vis steht das Stadthaus, von dem momentan nur die historische Fassade übrig geblieben ist, gestützt von riesigen Stahlträgern. Dahinter entsteht ein umfänglicher Neubau. Hierher soll die Verwaltung 2028 ziehen, und auch der Bürgerservice wird im Stadthaus unterkommen.
Prozesse durchgängig gestalten
Bei der Verwaltungsdigitalisierung hat Paderborn die Zeichen der Zeit erkannt. Im Serviceportal Mein.DigiPort sind über 200 Dienstleistungen online verfügbar. Darunter – natürlich – die volldigitale Gewerbeanmeldung, die über das Wirtschafts-Service-Portal.NRW abgewickelt wird und mittels Authentifizierung per BundID funktioniert. Unternehmensgründer können binnen Minuten eine Firma anmelden.
„In unserer Digitalstrategie haben wir uns das Ziel gesetzt, Prozesse möglichst Ende-zu-Ende zu digitalisieren“, erläutert Anna Hoblitz, Chief Digital Officer von Paderborn. „In einzelnen Bereichen, etwa im Sozialamt oder in der Ausländerabteilung, ist dies bereits nahezu vollständig umgesetzt. Dort fehlt derzeit lediglich noch der Rückkanal.“ IT-Leiter Thomas Kloppenburg ergänzt: „Der Knackpunkt für einen durchgängigen Prozess ist der Rückkanal zum Bürger – wir müssen von Fall zu Fall entscheiden, ob wir einen Brief, eine Mail oder an die BundID verschicken. Die BundID müsste im Grunde verpflichtend eingeführt werden. Das würde den Kommunen bei der Digitalisierung sehr helfen.“
In Paderborn arbeitet man seit Längerem an der Einführung eines Dokumentenmanagementsystems (DMS), das bislang an 700 Arbeitsplätzen verfügbar ist. Die Planungen für den Umzug der Verwaltung ins neue Stadthaus sehen dort allerdings weniger stationäre Arbeitsplätze vor, sodass Homeoffice und mobiles Arbeiten zukünftig eine größere Rolle spielen werden. „Momentan haben wir ein DMS-Projekt gestartet, um das Jugendamt voll digital auszustatten. Die Mitarbeitenden sind ja häufig unterwegs oder im Homeoffice und wollen dann auch auf alle Dokumente und Informationen zugreifen können. Homeoffice ist überhaupt ein großer Treiber bei der Digitalisierung“, sagt IT-Leiter Kloppenburg.
KI unterstützt vielseitig
Ein weiterer Treiber ist die Künstliche Intelligenz. Paderborn setzt KI beispielsweise in der Ausländerabteilung ein, um sich schnell notwendige Informationen aus den teils sehr umfangreichen Fallakten zusammenstellen zu lassen. Ein anderer Einsatzort ist die Schwimmoper, ein Hallenbad mit 50-Meter-Bahnen, die nicht nur von einem Bademeister, sondern auch von einer KI überwacht werden, sodass unnatürliche Bewegungsmuster entdeckt und entsprechende Rettungsmaßnahmen sofort eingeleitet werden könnten. „Wir testen KI auch im Kontext von Wissensmanagement und würden sie gerne noch mehr einsetzen, aber unbedingt datenschutzkonform“, sagt Anna Hoblitz. „Dazu arbeiten wir mit unserem kommunalen Rechenzentrum OWL-IT am Thema souveräne KI-Infrastruktur für Kommunen.“
Besonderen Stellenwert bei der Digitalisierung haben die Aktivitäten im Bereich Smart City. Paderborn nimmt am Modellprojekt Smart Cities (MPSC) teil und erhält Bundesförderung. Man arbeitet an einer technologischen Basis für digitale Anwendungen, um Paderborn als zukunftsfähige, nachhaltige und sichere Stadt weiterzuentwickeln. Daten spielen hierbei eine besondere Rolle.
Stadtplanung in der Smart City
„Im Modellprojekt Smart City sind wir stark auf Stadtplanung fokussiert und entwickeln unter anderem eine urbane Datenplattform und einen Digitalen Zwilling“, sagt Tanja Schürholz, Projektleiterin Smart Cities. „Mit den Daten aus der Geodaten-Infrastruktur und Sensorik können wir unterschiedliche Planungsszenarien für die Stadtquartiere schnell und effizient erstellen. Dabei werden zahlreiche relevante Kennwerte, wie die Abdeckung der Bedarfe an Kita- und Schulplätzen, Grünflächen oder Stellplätzen, automatisiert ermittelt.“ Auch in den Bereichen Energie, Klima und Verkehr werden datengestützte Prognosen möglich.
Bewähren kann sich der Digitale Zwilling gleich bei der Planung des neuen Zukunftsquartiers. Entstehen soll laut Masterplan „ein maximal gemischter und produktiver Stadtteil, der aktiv das Klima schützt, auf Kreislaufwirtschaft setzt und der Mobilität von morgen Raum gibt“. Genügend Aufgaben für vielfältige Simulationen.
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