BremenPionier für telli

In Bremen kann bereits mit der KI-Plattform telli gearbeitet werden.
(Bildquelle: Thomas Kieckbusch)
Die öffentliche Verwaltung steht häufig in der Kritik, technologische Trends nur zögerlich aufzugreifen. Bremen beweist das Gegenteil: Als erstes Bundesland führt die Freie Hansestadt die pädagogische KI-Unterstützungsplattform telli flächendeckend an allen Schulen ein (wir berichteten). Damit reagiert das Bildungsressort auf die Realität, dass bereits rund 75 Prozent der Schülerinnen und Schüler generative KI für schulische Zwecke nutzen. Das zeigen aktuelle Studien wie zum Beispiel die JIM-Studie des MPFS (Medienpädagogischer Forschungsverbund Süd-West). Statt den Einsatz unreguliert zu lassen, bietet Bremen nun einen rechtssicheren und pädagogisch begleiteten Zugang.
telli ist Bestandteil des länderübergreifenden Projekts AIS – Adaptives Intelligentes System, das vom FWU Medieninstitut der Länder im Auftrag aller 16 Bundesländer entwickelt wird. Ziel ist eine KI-gestützte Lernumgebung, die Schülerinnen und Schüler individuell unterstützt und Lehrkräfte bei Diagnostik und Unterrichtsplanung entlastet. Während der Start des Gesamtsystems AIS für Herbst 2026 vorgesehen ist, hat telli in Bremen bereits seinen Platz im Schulalltag gefunden. Finanziert über Mittel des DigitalPakts Schule steht die Plattform den Schulen kostenfrei zur Verfügung.
Der DigitalPakt Schule ist ein Finanzierungsprogramm von Bund und Ländern, mit dem seit 2019 der Ausbau der digitalen Bildungsinfrastruktur an Schulen unterstützt wird. Ziel ist es, eine zeitgemäße technische Ausstattung – etwa schulisches WLAN, digitale Endgeräte und lernförderliche IT-Infrastruktur – bereitzustellen und so die Vermittlung digitaler Kompetenzen im Unterricht zu ermöglichen. Grundlage ist eine Verwaltungsvereinbarung, nach welcher der Bund Milliardenmittel für Investitionen bereitstellt, während die Länder pädagogische Konzepte, Lehrpläne und Fortbildungsangebote weiterentwickeln, damit der Einsatz der Technik dem Primat der Pädagogik folgt.
Digitale Souveränität entscheidend
Für telli, wie für alle anderen Angebote im Rahmen von AIS, gilt: Gehostet in der EU, bleibt die Kontrolle über Daten und Entwicklung vollständig in öffentlicher Hand – ein zentraler Baustein digitaler Souveränität. Die Entscheidung für den landesweiten Einsatz beruhte auf klaren Zielen: Bildungsgerechtigkeit, Verfügbarkeit und Verlässlichkeit. Nach den ersten Gesprächen mit dem FWU im März 2025 startete eine Pilotphase an sechs Schulen, die bereits vor den Osterferien produktiv mit telli arbeiteten. Nach erfolgreich verlaufenen Tests erfolgte am 20. Juni 2025 die Freischaltung für alle Schulen im Land Bremen.
Die technische Anbindung geschieht datenschutzkonform über das Vermittlungssystem VIDIS. Lehrkräfte und Lernende benötigen dadurch keine separaten Accounts – ein einfacher Zugang, der im Alltag entscheidend ist. Die Accountdaten der Lehrkräfte werden via VIDID pseudonymisiert, die Schülerinnen und Schüler müssen gar keine persönlichen Nutzerdaten eingeben, sondern bekommen von den Lehrkräften zeitgesteuerte, didaktisch aufbereitete und passgenaue Zugangsfenster über Tools wie zum Beispiel Dialogpartner, Assistenten und Lernumgebungen.
Umfassende pädagogische Begleitung
Bei der Pseudonymisierung werden die Klarnamen und direkten Identifikationsmerkmale der Nutzenden durch künstliche Kennungen ersetzt, sodass aus den im System sichtbaren Accounts allein kein Rückschluss auf einzelne Personen gezogen werden kann. Die Zuordnung zwischen Pseudonym und echter Identität bleibt in einer getrennt gesicherten Liste hinterlegt, auf die nur berechtigte Stellen zugreifen dürfen.
Der Erfolg von telli beruht aber nicht allein auf Technologie, sondern auf umfassender pädagogischer Begleitung. Das Referat 10 „Medien und Bildung in der digitalen Welt“ begleitete die Einführung systematisch durch Fortbildungen, Selbstlernangebote und Support-Strukturen. In schulinternen Veranstaltungen erhalten Lehrkräfte praxisorientierte Qualifizierung: Wie unterstützt telli bei der Unterrichtsvorbereitung? Wie lässt sich KI als Dialogpartner oder Ideenquelle in den Unterricht integrieren? Gleichzeitig wurde der kritische Umgang mit KI-Ergebnissen geübt – etwa beim Erkennen von Halluzinationen oder Verzerrungen.
Ein zentrales Thema war die Entwicklung einer neuen Aufgaben- und Prüfungskultur. Lehrkräfte diskutierten, wie Leistungserhebungen gestaltet werden können, wenn KI-Werkzeuge verfügbar sind. Ziel ist es, Lernprozesse stärker in den Vordergrund zu rücken und faire, kreative Aufgabenformate zu schaffen – eine der zentralen Herausforderungen für die Lehrkräfte, da Unterricht, Leistungsüberprüfung und -Bewertung sowie Prüfungsformate in Zeiten von allgegenwärtiger KI neu gedacht werden müssen.
Selbstlernkurs verpflichtend
Für die Nutzung von telli ist ein verpflichtender Selbstlernkurs auf der Lernplattform itslearning Voraussetzung. Er vermittelt rechtliche Grundlagen, Datenschutzaspekte und praktische Einsatzszenarien. Die Resonanz ist groß: Bereits kurz nach der Freischaltung meldeten sich rund 700 neue Nutzerinnen und Nutzer für diesen Kurs an. Mittlerweile sind es über 2.000 Lehrkräfte, die den Selbstkurs besucht haben.
telli konnte in bestehende Support-Strukturen eingebunden werden. Ein digitales Austauschforum ermöglicht eine Peer-to-Peer-Kommunikation zwischen Lehrkräften, eine zentrale E-Mail-Adresse bietet direkten Kontakt zum First-Level-Support des Landes. Probleme, die nicht direkt gelöst werden können, werden an den Second-Level-Support von telli oder VIDIS weitergeleitet. Im ersten halben Jahr der telli-Nutzung mussten nur vier Support-Tickets auf diesem Wege weitergeleitet werden. Zusätzlich gewährleisten regelmäßige Abstimmungen mit dem FWU eine schnelle technische Fehlerbehebung. Diese klare Struktur sorgt für Zuverlässigkeit und stärkt das Vertrauen in das System.
Strategische Ziele verfolgt
Mit telli verfolgt Bremen nicht nur pädagogische, sondern auch strategische Ziele: Die öffentliche Hand wahrt ihre Gestaltungshoheit im digitalen Bildungsraum. Die Plattform zeigt, dass es möglich ist, moderne KI-Systeme datenschutzkonform, transparent und unabhängig von internationalen Konzernen einzusetzen. So entsteht eine Lernumgebung, die Lehrkräften Kontrolle und Orientierung gibt und Schülerinnen und Schüler befähigt, Künstliche Intelligenz kritisch und verantwortungsvoll zu nutzen. Damit stärkt das Land Bremen sowohl die pädagogische als auch die technologische Souveränität seiner Schulen.
Der landesweite Roll-out von telli ist ein Beispiel für eine Verwaltung, die Innovation aktiv gestaltet. Durch die Einbettung in das bundesweite AIS-Vorhaben und die intensive pädagogische Begleitung wird telli zu einem Motor der digitalen Schulentwicklung. Bremen zeigt damit, dass der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Schulen gelingt, wenn Technik, Organisation und Didaktik zusammengedacht werden – und Bildungsgerechtigkeit mit digitaler Souveränität verbunden bleibt.
Niedersachsen: Webshop für Schul-Hardware
[16.04.2026] Niedersachsen hat einen Webshop für die Bestellung digitaler Endgeräte an Schulen freigeschaltet. Das Land stellt dafür bis 2031 rund 800 Millionen Euro bereit. Ab dem Schuljahr 2026/2027 sollen zunächst siebte Klassen und Lehrkräfte ausgestattet werden. mehr...
Berlin: Schnelles Internet für alle Schulen
[13.04.2026] In Berlin verfügen alle öffentlichen Schulen nun über schnelles Internet. Möglich wurde das durch ein vom ITDZ koordiniertes landesweites Programm. Mit einer Reform des Schulgesetzes sichert der Senat die weitere digitale Schulentwicklung rechtlich stärker ab. mehr...
Digitale Bildung: Zehn Jahre Smart Schools
[09.04.2026] Seit zehn Jahren würdigt der Smart-School-Wettbewerb Schulen, die digitale Bildung, Infrastruktur und Lehrkräftefortbildung zusammenbringen. Rahmenbedingungen und Schwerpunktthemen sind im Wandel – doch die Digitalisierung im Bildungsbereich geht weiter. mehr...
Thüringen: KI verstehen mit telli
[09.04.2026] Der KI-Chatbot telli steht ab sofort allen Schulen in Thüringen zur Nutzung zur Verfügung. Der Freistaat profitiert dabei von den Erfahrungen anderer Bundesländer und setzt zugleich eigene Schwerpunkte bei der pädagogischen Begleitung. mehr...
Kommunale Spitzenverbände: Digitalpakt 2.0 mit verschobenem Start?
[01.04.2026] Die kommunalen Spitzenverbände kritisieren geplante Änderungen zum Digitalpakt 2.0: Der für 2025 vereinbarte Starttermin soll um ein Jahr verschoben werden. Viele Kommunen haben mit Blick auf die Vereinbarung schon 2025 teure digitale Ausstattung beschafft – und könnten dann ohne Finanzierung dastehen. mehr...
Digitales Lernen: Eintauchen in den Lernstoff
[31.03.2026] Der Digitalpakt 2.0 fördert unter anderem die Einführung KI-gestützter, adaptiver Lernsysteme und die Entwicklung digitaler Unterrichtskonzepte. Damit eröffnet sich eine Chance für Schulen, immersive Lernräume einzurichten – ein Konzept, mit dem andere Länder bereits gute Erfahrungen gemacht haben. mehr...
Aachen: Automat für Medienkonzepte
[27.03.2026] Die StädteRegion Aachen bietet ihren Schulen ein Online-Tool an, mit dem sie ihre Medienkonzepte schneller und gezielter überarbeiten können. Der sogenannte Konzept-O-Mat erfasst den Ist-Zustand der Schule, zeigt Lücken im jeweiligen Konzept auf und gibt Verbesserungshinweise. mehr...
Hannover: Zwischenbilanz zum Einsatz von Microsoft 365 an Schulen
[18.03.2026] Hannover nutzt Microsoft 365 auch im Bildungsbereich. Die Stadt ist sich des Datenschutzrisikos bewusst, lehnt europäische Open-Source-Alternativen aber ab. Nun sollen bessere Rahmenbedingungen für den Microsoft-Einsatz geschaffen werden – mit Vorbildcharakter für weitere Schulen im Land. mehr...
Nürnberg: Schul-IT als Daueraufgabe
[16.03.2026] Im Rahmen der IT-Strategie „Lernen und Lehren an städtischen und staatlichen Schulen in Nürnberg im Digitalen Zeitalter“ wurden in den vergangenen neun Jahren zahlreiche Erfolge erzielt. Diese hat das Referat für Schule und Sport jetzt in einem umfassenden Bericht zusammengefasst. mehr...
Neuwied: 2,4 Millionen Euro für die Lerninfrastruktur
[13.03.2026] Mit einem Medienentwicklungsplan für die Jahre 2026 bis 2030 stellt Neuwied rund 2,4 Millionen Euro für die digitale Ausstattung und Betreuung städtischer Schulen bereit. Mit den Mitteln soll die Lerninfrastruktur weiter modernisiert und gesichert werden. Auch ein verlässlicher IT-Support ist vorgesehen. mehr...
Niedersachsen: telli lehrt KI-Einsatz
[24.02.2026] Schule sollte junge Menschen dazu befähigen, KI kritisch, reflektiert und kompetent zu nutzen. Mit diesem Ziel nimmt jetzt Schul-Chatbot Telli in Niedersachsen seine Arbeit auf. Die datenschutzkonforme Open-Source-Lösung kann sowohl für die Unterrichtsvorbereitung als auch das fächerübergreifende, individuelle Lernen herangezogen werden. mehr...
Digitalpakt 2.0: KISA begleitet Schulen
[23.01.2026] Mit dem Digitalpakt 2.0 geht das Förderprogramm zur Digitalisierung an den Schulen in die Fortsetzung. Der Zweckverband Kommunale Informationsverarbeitung Sachsen (KISA) unterstützt Schulen und Schulträger mit passgenauer Beratung, Betreuung und erprobter Hardware. mehr...
Nordrhein-Westfalen: Leitfaden zum IT-Support an Schulen
[19.01.2026] In Nordrhein-Westfalen können Schulen, Schulträger und IT-Dienstleister einen Leitfaden zur „Effizienz in IT-Support und IT-Beschaffung“ an den Bildungseinrichtungen nutzen. Die praxisnahe Orientierungshilfe umfasst sowohl Empfehlungen als auch Best-Practice-Ansätze und berücksichtigt dabei landesweite Regelungen und Vereinbarungen. mehr...
Bayern: Eine Schul-IT-Förderung – statt zwölf
[06.01.2026] Bayern stellt die Finanzierung der digitalen Ausstattung seiner Schulen auf ein neues Fundament: An die Stelle zahlreicher komplexer, befristeter Förderprogramme tritt ab 2027 eine gesetzliche Leistung, die als Pro-Schüler-Pauschale direkt an die Schulaufwandsträger ausgezahlt wird. Gefördert werden Digitalinfrastruktur, Endgeräte, Bildungsmedien sowie IT-Wartung. mehr...























