Donnerstag, 29. Oktober 2026

KölnBlockchain in der Verwaltung

[17.01.2019] Mit einem Prototyp im Bereich Bewohnerparken hat die Stadt Köln die Blockchain-Technologie praktisch erprobt. Um die Parkberechtigung eines Pkw zu überprüfen, können Nutzer innerhalb und außerhalb der Verwaltung auf den gleichen zentralen Datenbestand zugreifen.
Köln: Blockchain managt Bewohnerparken.

Köln: Blockchain managt Bewohnerparken.

(Bildquelle: Hanoi Photography/stock.adobe.com)

In einem Co-Innovation-Projekt hat sich die Stadt Köln der Blockchain gewidmet. Zusammen mit dem Unternehmen Materna hat die Stabsstelle Digitalisierung einen Proof of Concept entwickelt, mit dem die Nutzer die Parkberechtigung eines Pkw innerhalb eines bestimmten Bewohnerparkgebiets über eine Web-Anwendung prüfen und sich die Lage dieses Gebiets auf einer Karte anzeigen lassen können. Neben den gesammelten Erfahrungen in der technischen Umsetzung des Prototyps soll dieser vor allem für Möglichkeiten und Grenzen der Blockchain-Technologie im Verwaltungshandeln sensibilisieren. Er läuft hierfür losgelöst und autark zu der in der Stadtverwaltung eingesetzten Fach­anwendung.
Unter einer Blockchain versteht man ein verteiltes, dezentrales Register. Innerhalb dieses Registers werden Transaktionen oder (digitale) Werte unveränderbar gesichert. Jeder Teilnehmer des verteilten Rechnernetzes hat Zugriff und verwaltet dieses Register über festgelegte Mechanismen. Alle Einträge sind für jeden Teilnehmer transparent, weshalb eine nicht berechtigte Änderung erkannt und verworfen werden kann. Erprobt wird die Technologie unter anderem auf Verwaltungsebene. Beispielsweise haben sich innerhalb der Bundes-Arbeitsgemeinschaft der Kommunalen IT-Dienstleister, Vitako, acht kommunale Rechenzentren zu einem Blockchain-Lab zusammengeschlossen. In einem Use Case erproben sie, wie sich die Führerscheinverifikation, beispielsweise bei einem Autovermieter, mittels Blockchain-Nutzung digitalisieren lässt.

Know-how aufbauen

In dem prototypisch umgesetzten Kölner Szenario Bewohnerparken soll in kleinerem Umfang den Fragen nach neuen Datenhaltungsmodellen nachgegangen werden. Die Forderung nach mehr Transparenz jenseits von Geschäftsmodellen und im Hinblick auf die Daseinsvorsorge (Bürgerservice) ist ebenfalls zentral. Ziel war keine produktiv einsetzbare Lösung, sondern der verwaltungsinterne Aufbau von Know-how und die Erprobung der Technologie. Zudem standen künftige Interaktionsmodelle zwischen Bürgern und der Verwaltung im Fokus.
Zur Umsetzung des Szenarios wurde ein digitales Abbild eines Bewohnerparkausweises in eine private, auf Hyperledger basierende und in einer Microsoft-Azure-Umgebung betriebene Blockchain geladen. Die verschlüsselt abgelegten Daten beruhen ausschließlich auf bereits öffentlich einsehbaren Informationen: das Kfz-Kennzeichen, das für den Pkw gültige Parkgebiet und der spezifische Gültigkeitszeitraum des Ausweises. Mithilfe eines responsiven Web Front End lassen sich die Validität eines Bewohnerparkausweises oder die Ordnungsmäßigkeit eines in einem Parkgebiet geparkten Kfz mobil abfragen. Ausgestaltet wurde das Szenario für drei Nutzergruppen: In der Bürgersicht zeigt eine Karte das zum jeweiligen Pkw gehörige Parkgebiet an und simuliert die Position des Autos über den Ortungsdienst des Mobiltelefons. Sofern sich der Nutzer nicht im Parkgebiet befindet, kann er die Ansicht verwenden, um zum hinterlegten Parkgebiet zu gelangen. Über die Ansicht für die Verkehrsüberwachungskraft ist eine einfache Abfrage der Gültigkeit eines Bewohnerparkausweises möglich. Über die Sachbearbeitersicht schließlich können bestehende Parkausweise verlängert oder neue Ausweise in den Datenbestand aufgenommen werden. Jede Änderung des Datenbestands wird als Transaktion innerhalb der zugrundeliegenden Blockchain dargestellt und ist somit nachvollziehbar.

Basis für weitere Blockchain-Szenarien

Durch die Blockchain-Umsetzung und die Zusammenarbeit sowie den Wissensaustausch mit Materna konnten viele Ansätze bei der Nutzung der Technologie angesprochen werden. So wurden technische Aspekte wie die Wahl einer Blockchain, deren Ausprägung und unterschiedliche Methoden der Konsensbildung mithilfe des Prototyps ebenso bearbeitet wie organisatorische Aspekte, etwa Transaktionskosten oder die Verteilung der Knoten auf unterschiedlichen Systemen. Darüber hinaus ließen sich mögliche Problemstellungen beim Einsatz der Technologie betrachten, angefangen bei Sicherheitsrisiken bis hin zum Datenschutz.
Der Kölner Prototyp gilt als Basis für weitere verwaltungsinterne Workshops, um mögliche Blockchain-Szenarien zu entwickeln und zu evaluieren. Über den Prototyp konnte insbesondere die Ausprägung eines neuen Datenhaltungsmodells skizziert werden. Anders als bisher greifen Nutzer, egal ob außerhalb oder innerhalb der Verwaltung, auf den gleichen potenziell dezentralen Datenbestand zu. Eine Öffnung der Verwaltung im Bereich der Datenhaltung ließ sich so ansatzweise erproben.

Jayan Areekadan verantwortet in der Stabsstelle Digitalisierung der Stadt Köln den Bereich Open Data.




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: IT-Infrastruktur
bericht

Registermodernisierung: Was Kommunen jetzt tun sollten

[28.10.2026] Die Registermodernisierung nimmt Fahrt auf. Was Kommunen bereits jetzt vorbereiten können, welche Erfahrungen erste Pilotprojekte liefern und wie gemeinsame IT-Lösungen die Umsetzung erleichtern sollen, diskutierten Experten im Webinar „Kommune21 im Gespräch“. mehr...

bericht

Darmstadt: Leuchtturmpolitik ist beendet

[26.10.2026] Ein massiver Ausfall des E-Mail-Systems hat in Darmstadt die Schwachstellen einer über Jahre gewachsenen IT-Infrastruktur offengelegt. Im Interview mit Kommune21 sprechen Oberbürgermeister Hanno Benz und Digitalisierungsdezernent Holger Klötzner über die Konsequenzen, welche die Stadt aus dem Vorfall zieht. mehr...

Handshake zu viert

Registermodernisierung: Gemeinsam zum cloudbasierten Register

[22.10.2026] AKDB, Komm.ONE, ekom21 und Dataport wollen eine gemeinsame Plattform für Register-as-a-Service entwickeln und betreiben. Cloudbasierte Dienste und standardisierte Adapter sollen den Anschluss von Registern an die Infrastruktur der Registermodernisierung vereinfachen. mehr...

Modernes Konzept für technischen Support mit Touchscreen-Oberfläche, die verschiedene Kommunikationssymbole anzeigt, sowie einem Headset für Kundenservice-Lösungen.

Böblingen: IT-Support teilweise ausgelagert

[13.10.2026] Die Stadt Böblingen hat die Erstannahme von IT-Störungen und Anwenderanfragen an den IT-Dienstleister enthus vergeben. Damit will die Verwaltung ihre IT-Abteilung entlasten und Kosten sparen. Die Bearbeitung der Störungen und die Verantwortung für die Fachverfahren bleiben bei der Stadt. mehr...

bericht

Cloud-Infrastruktur: Souveräne Smart City

[07.10.2026] Smarter, vernetzter, bürgerfreundlicher und trotzdem digital souverän. Städte und Gemeinden müssen sich modernisieren und gleichzeitig die Herrschaft über ihre digitale Zukunft behalten. Eine standardisierte und interoperable Cloud-Architektur hilft dabei. mehr...

Grünlich ausgeleuchteter Gang in einem Rechenzentrum, Mann mit Arbeitsweste und Tablet aus Untersicht aufgenommen
bericht

RPM Technical Solutions: Rechenzentren modernisieren – bei laufendem Betrieb

[06.10.2026] Rechenzentren müssen technisch up to date sein, um Performance und Sicherheit zu gewährleisten. Sie im Live-Betrieb ohne Ausfälle umzubauen, ist anspruchsvoll. Der Rechenzentrumsspezialist RPM Technical Solutions erläutert in einem Fachbeitrag, wie worauf es dabei ankommt. mehr...

Hand mit Holzsteinchen, auf denen Icons für Aktenordner und Pfeile aufgedruckt sind

KDN sozial: Registermodernisierung einfach erklärt

[01.10.2026] Die Registermodernisierung gilt als Basis für eine effiziente und bürgerfreundliche Verwaltung. Doch was ändert sich dadurch eigentlich für die Hersteller und Anwender von Fachverfahren? Ein Informationsangebot von KDN.sozial erläutert die wichtigen Basics. mehr...

Ausschnitt eines Computer-Keyboards, bei dem die Return-Taste die Aufschrift "Open Source" trägt.

ZenDiS: openDesk-Partnerprogramm startet

[24.09.2026] Die Nachfrage nach der digital souveränen Office- und Kollaborationssuite openDesk ist hoch. Das ZenDiS, das die Lösung seit 2024 weiterentwickelt, reagiert darauf mit neuen Bezugswegen: Erstmals können neben öffentlichen IT-Dienstleistern auch privatwirtschaftliche Cloud-Anbieter und IT-Dienstleister eigene openDesk-Enterprise-Angebote aufbauen. mehr...

Das passende Vorgehensmodell zu wählen

Hessen: Land fördert Low Code für Kommunen

[17.09.2026] Der Main-Kinzig-Kreis will die Open-Source-Plattform Limbas für den Einsatz in Kommunalverwaltungen weiterentwickeln. Das Land Hessen unterstützt das Projekt OSLOCO-Hessen mit rund 1,3 Millionen Euro. Verwaltungen sollen damit eigene Anwendungen ohne spezielle Programmierkenntnisse erstellen können. mehr...

Abgedunkelter Saal mit Holzvertäfelung, Blick über Zushcauerköpfe aufs Podium, wo man eine grüße Projektion und verschiedene Flaggen sieht.

Baden-Württemberg: Kommunalregister vor dem Umbau

[05.08.2026] Kommunen müssen ihre Register fit für die Zukunft machen. Baden-Württemberg ist mit einer Kick-off-Veranstaltung zum Identitätsdatenabruf der Kommunalregister den ersten Schritt zur Umsetzung gegangen. Informationsmaterialien zur RegMo und der Veranstaltung sollen in Kürze zur Verfügung stehen. mehr...

Luftbild der Gemeinde Eichenzell
bericht

Eichenzell: Infrastruktur setzt Maßstäbe

[24.07.2026] Mit einer kommunalen Datenplattform sowie vernetzter Sensorik hat die hessische Gemeinde Eichenzell ein starkes Fundament für die digitale Daseinsvorsorge gelegt. Perspektivisch soll die Infrastruktur auch von Nachbarkommunen genutzt werden können. mehr...

Geschäftsmann hält Puzzle mit virtuellem Symbol.
bericht

IT-Dienstleister: Next Level IT

[22.07.2026] Das Programm Komm2IT arbeitet daran, Kompetenzen zu bündeln, Doppelstrukturen zu reduzieren und landesweit einheitliche, stabile Lösungen für die Kommunen zu schaffen. mehr...

Lennart_Schaer_Stephan_Brinkmann
interview

IT-Dienstleister: Kompetenzen vereinen

[22.07.2026] Stephan Brinkmann und Lennart Schaer sprechen als Leiter über das Programm Komm2IT. mehr...

drei Personen durchtrennen vor einem Gebäude ein rotes Band

regio iT: Energieeffizientes Rechenzentrum

[14.07.2026] In Aachen hat der kommunale IT-Dienstleister regio iT sein neues Rechenzentrum namens EURaix Evolution (EVO) in Betrieb genommen. Es soll Maßstäbe bei der Energieeffizienz setzen. mehr...

Darmstadt: Städtische IT ist zu alt

[13.07.2026] Die Stadt Darmstadt hatte Ende Juni mit einem massiven Ausfall ihres E-Mail-Systems zu kämpfen. Der Grund: veraltete Technik. Mittlerweile ist die Erreichbarkeit der betroffenen Ämter wiederhergestellt – und die städtische IT soll nun mit Nachdruck modernisiert werden. mehr...