KI-AgentenDigitale Assistenten

Dass KI-Agenten die Verwaltungsarbeit ideal unterstützen können, zeigt sich unter anderem im Landkreis Lüchow-Dannenberg.
(Bildquelle: VRVIRUS/stock.adobe.com)
Bei der Präsentation des neuen KI-Assistenten BärGPT im CityLab Berlin springt gleich das erste Diagramm ins Auge. Auf die Frage „Ich nutze KI am Arbeitsplatz…“ fällt der rote Balken mit der Antwort „ganz heimlich“ am längsten aus. Dieser wohl jeder Verwaltung bekannte Umstand führt in vielen Kommunen dazu, den Umgang mit Künstlicher Intelligenz, insbesondere mit ChatGPT, per Dienstanweisung zu regulieren. Im baden-württembergischen Schorndorf war damit etwa auch der verpflichtende Besuch einer Schulung verbunden. Inzwischen ist dort eine Dienstvereinbarung entstanden. Philipp Stolz, Leiter der Stabsstelle Digitalisierung, berichtet: „Wir haben festgelegt, dass wir KI-Kompetenzen bei jedem Mitarbeiter für notwendig erachten. Wir sagen nun nicht mehr: Ein Mitarbeiter darf KI verwenden, sondern: Ein Mitarbeiter muss in der Lage sein, KI korrekt anzuwenden.“
Ein anderer Weg sind eigene KI-Systeme. Ende November ist in der Berliner Verwaltung der KI-Assistent BärGPT eingeführt worden, entwickelt vom CityLab, dem Innovationslabor der Technologiestiftung Berlin. Dort entstehen seit 2019 digitale Lösungen vornehmlich im Verwaltungskontext. Bär-GPT ist für Berliner Verhältnisse in einer Rekordzeit von einem halben Jahr realisiert worden. Der Startschuss erfolgte im Mai 2025 und am Tag der Einführung konnten den Angaben zufolge bereits 1.200 Nutzer in der Berliner Verwaltung auf das KI-System zugreifen.
Digitale Souveränität gewährleistet
BärGPT erlaubt Wissensrecherche im freien Chat, das Korrigieren, Zusammenfassen und Übersetzen von hochgeladenen Dokumenten und das Verfassen eines vollständigen Vermerks. Zudem kann auf Verwaltungswissen zugegriffen werden, das in Dokumenten wie dem Bezirksverwaltungsgesetz, Berliner E-Government-Gesetz oder der Verordnung über die Vergabe öffentlicher Aufträge abgelegt ist.
In der Hauptstadt hat man sich für eine Open-Source-Lösung entschieden, die sich am Erscheinungsbild von ChatGPT orientiert, dabei aber hauptsächlich auf Mistral zugreift, ein französisches Large Language Model. Damit sei eine sichere und praxistaugliche Lösung entstanden, die zudem digitale Souveränität gewährleistet. „Wir haben mit BärGPT eine sichere Open-Source-Anwendung entwickelt, die DSGVO-konform ist und auf BSI-zertifizierter Infrastruktur betrieben wird. Zudem geschieht der Cloud-Betrieb in einem deutschen souveränen Rechenzentrum“, sagt Ingo Hinterding, Bereichsleiter Prototyping beim CityLab Berlin. Momentan werden Mitarbeiterschulungen in Zusammenarbeit mit der Beratungsagentur init durchgeführt. Auch umfangreiches Text- und Videomaterial zum Umgang mit dem KI-Assistenten steht zur Verfügung.
Reaktive und proaktive KI-Assistenten
In Berlin geht man davon aus, bis zum Jahr 2030 bedingt durch Ruhestand und demografischen Wandel mit 30 Prozent weniger Verwaltungspersonal auskommen zu müssen. 85 Prozent der Tätigkeiten der Berliner Beamtinnen und Beamten bestünden aus Routinearbeit, heißt es zudem. KI-Lösungen sollen eine Zeitersparnis von zwei Wochen pro Jahr erbringen. Rechnerisch würden sie jede 22. Verwaltungsstelle ersetzen. Dabei ist davon auszugehen, dass sich sowohl die Einsatzgebiete einer KI im Verwaltungskontext als auch der Automatisierungsgrad von digitalen Prozessen zukünftig weiterentwickeln und zu noch größeren Effizienzgewinnen führen.
Der Hype um KI-Agenten oder digitale Assistenten begann Mitte 2024, als IT-Konzerne, Beratungsfirmen und Fachmedien das „Jahr der KI-Agenten“ für 2025 ausgerufen und schnell die Verwaltung als ideales Anwendungsgebiet ausgemacht hatten. Ein Tool, das selbstständig Dokumente durchforstet und bearbeitet, Informationen heraussucht, Berechnungen durchführt, Korrekturen anstellt und bei anderen Behörden notwendige Unterstützung anfordert – das scheint ideal für die Verwaltungsarbeit. Unterschieden wird dabei zwischen reaktiven KI-Assistenten, die ihre Arbeit auf Anfrage per Prompt ausführen, und proaktiven KI-Agenten, die teils autonom arbeiten, eigene Workflows entwickeln und etwa auf Software zugreifen können. Inzwischen starten erste Realversuche in einzelnen Kommunen.
Vielseitige Unterstützung im Verwaltungsalltag
Der Landkreis Lüchow-Dannenberg ist beim Umgang mit den KI-Tools relativ weit. Unlängst ist dort die KI-Plattform intellex der Düsseldorfer IT-Firma straiqr.ai implementiert worden, nachdem man schon gute Erfahrungen mit deren Transkriptionstool gemacht hatte. Intellex versteht sich als praxisnahe und datenschutzkonforme Lösung, die zahlreiche Routinetätigkeiten unterstützt: die Suche nach internen Vorschriften und Dokumenten, Zusammenfassung von Protokollen, Entwurf von Aktenvermerken, Vorbereitung von Bescheiden und Begleitung durch den Ablauf von Prüfverfahren. Einzelne Assistenten können nacheinander agieren, und auf der Datenschutzebene werden Realnamen automatisch pseudonymisiert.
Die Digitalisierungsbeauftragte des Landkreises, Sabrina Donner, beschreibt die zahlreichen Möglichkeiten folgendermaßen: „Ich kann verschiedene Assistenten miteinander verzahnen und einen detaillierten Prompt schreiben, der die Kern- und Teilprozesse, die erledigt werden sollen, erfasst. Ein zweiter Assistent gleicht das dann mit der aktuellen Gesetzgebung ab. In der wirtschaftlichen Jugendhilfe übernimmt ein weiterer die örtliche Zuständigkeitsprüfung und sucht selbsttätig Informationen zum Sorgerecht, Geburtsdatum, Wohnort und Ähnliches heraus – und das ist dann schon eher die Arbeit eines KI-Agenten als die eines Assistenten.“
KI-generiertes Nachschlagewerk
Ein weiterer für Verwaltungen wohl interessanter Use Case ist der Einsatz von KI-Assistenten für die Entscheidungsunterstützung. KI-Tools sind in der Lage, Vorschläge für Entscheidungen auf Basis der geltenden Rechtsgrundlage zu machen. Den Mitarbeitenden werden Erwägensgründe vorgeschlagen, an die sie womöglich selbst nicht gedacht haben. Sabrina Donner stellt fest: „Das sind immer nur Vorschläge, und die Entscheidung verbleibt bei den Sachbearbeitenden. Das steht bei uns explizit in der KI-Strategie und ist auch von der KI-Verordnung der EU so vorgesehen.“
Vor diesem Hintergrund sind weitere Unterstützungsleistungen denkbar, beispielsweise durch den automatischen Abgleich mit gleichgearteten Fällen. Dazu muss die KI an ein Dokumentenmanagementsystem angebunden sein, sodass ältere Fälle und Fallentscheidungen von vor zwei Jahren zugänglich und zum aktuellen Vergleich herangezogen werden können. Möglicherweise hat sie eine Kollegin getroffen, die nun im Ruhestand ist. Lässt sich ihr Wissen konservieren? Auch hier deuten sich interessante Hilfestellungen durch KI an, mit denen in Lüchow-Dannenberg bereits experimentiert wird. Ausscheidende Mitarbeitende werden angehalten, ihr Wissen über Rechtsgrundlagen, interne Strukturen oder technische Zusammenhänge unstrukturiert per Audio oder in einer Word-Datei festzuhalten. Ein KI-Assistent fasst dann alles strukturiert zum Nachschlagen zusammen. „Auf diese Weise wollen wir das Onboarding erleichtern und Wissen erhalten“, sagt Sabrina Donner.
Bayern: Hochwasserschutz mit KI
[27.08.2026] Bayern fördert den Ausbau eines KI-gestützten Frühwarnsystems von 28 Kommunen mit weiteren knapp 1,6 Millionen Euro. Mehr als 150 Messstationen und ein Digitaler Zwilling sollen Risiken durch Hochwasser, Starkregen und Trockenheit frühzeitig erkennen helfen. mehr...
Nordrhein-Westfalen: Test des KI-Assistenten NRW.Genius
[26.08.2026] Drei Pilotkommunen in Nordrhein-Westfalen erproben die KI-Verwaltungsassistenz NRW.Genius. Die Anwendung soll Beschäftigte beispielsweise der Stadt Essen unter anderem beim Auswerten, Durchsuchen und Erstellen von Texten unterstützen. mehr...
Interview: Mit Agenten Zeit sparen
[24.08.2026] lector.ai bietet eine Plattform zur automatisierten Verarbeitung von Behördenpost. Über das Pilotprojekt im Neckar-Odenwald-Kreis und die Teilnahme am Agentic AI Hub des Bundesdigitalministeriums sprach Kommune21 mit Unternehmensgründer Benjamin von Ardenne. mehr...
Dinslaken: Digitales Serviceangebot erweitert
[21.08.2026] Die Stadt Dinslaken erweitert ihr digitales Serviceangebot um neue Online-Dienste im Bürgerbüro und in der Ausländerbehörde. Erstmals prüft dabei auch eine KI hochgeladene Unterlagen, während eine Dokumentenbox die Abholung von Aufenthaltstiteln vereinfacht. mehr...
TSA Public Service/brainocons: Verwaltungswissen für KI-Assistenten
[20.08.2026] Statt Informationen in mehreren Systemen zu suchen, sollen Verwaltungsmitarbeitende sie künftig direkt über KI-Assistenten abrufen können. TSA Public Service und brainocons wollen dafür interne Wissensquellen mit laufend aktualisierten Verwaltungsinformationen verbinden. mehr...
Kreis Peine: Kulturwandel eingeleitet
[19.08.2026] Im Landkreis Peine sollen alle künftig eingesetzten KI-Tools zentral gesteuert werden. Um dieses Ziel zu erreichen, hat sich die Kreisverwaltung für die KI-Middleware brainomatics entschieden. Das System nutzt kommunale interne und externe Wissensquellen. mehr...
Oberhausen: Zusammen ist besser
[18.08.2026] In der Kooperationsgemeinschaft KommI entwickeln Kommunen und kommunale IT-Dienstleister KI-Lösungen. In der federführenden Stadt Oberhausen wird auch ein praxisnahes Verständnis etabliert, wie KI im Verwaltungsalltag eingeführt und genutzt werden kann. mehr...
Kreis Darmstadt-Dieburg: Belastbare Daten für die Wohnraumbedarfsanalyse
[18.08.2026] Der Kreis Darmstadt-Dieburg stellt seinen Kommunen künftig mit einer KI-basierten Wohnraumbedarfsanalyse eine belastbare Grundlage für die Wohnraumplanung zur Verfügung. Die Analyse soll kleinräumige Entwicklungen sichtbar machen und frühzeitig zeigen, wo bezahlbarer Wohnraum fehlt. mehr...
Schwalm-Eder-Kreis: Frühwarnsystem für Starkregen
[13.08.2026] Der Schwalm-Eder-Kreis baut ein digitales Frühwarnsystem für Starkregen und Hochwasser auf. Das Land Hessen unterstützt das Projekt mit 1,62 Millionen Euro. Rund 230 Sensoren sollen künftig Daten liefern und so Behörden, Einsatzkräfte sowie Bürgerinnen und Bürger frühzeitig über Gefahren informieren. mehr...
Kevelaer: KI für besseren Bürgerservice
[13.08.2026] Mehr Aufgaben, knappe Personaldecken, begrenzte Finanzspielräume und hohe Erwartungen setzen Kommunalverwaltungen unter Druck. Kevelaer nutzt KI deshalb dort, wo wiederkehrende Anfragen und zeitintensive Routinen Personal binden: im Bürgerservice und in internen Arbeitsprozessen. mehr...
Kreis Cloppenburg: Neue Wege für alte Systeme
[10.08.2026] Nach einer kurzen Pilotphase hat der Kreis Cloppenburg im Oktober vergangenen Jahres mit dem Roll-out der KI-Plattform innoGPT von Anbieter Inno KI begonnen. Dabei wird ein bedarfsorientierter Ansatz verfolgt: Erst wenn ein Amt konkrete Einsatzzwecke für die KI definiert hat, wird der Zugang freigeschaltet. mehr...
Agentic AI Hub: Start der zweiten Bewerbungsrunde
[06.08.2026] Nach einer ersten Pilotphase mit 20 Projekten in 19 Kommunen startet der Agentic AI Hub in die zweite Runde. Städte, Gemeinden und Landkreise können bis 14. August neue Anwendungsfälle für agentische KI einreichen. Erprobte Lösungen sollen leichter nachgenutzt werden. mehr...
Pfungstadt: Mit No-Code zu digitalen Diensten
[06.08.2026] Die Stadt Pfungstadt und das Unternehmen EGovC treiben gemeinsam die Digitalisierung der Verwaltung voran. Zum Einsatz kommt dafür die KI-gestützte No-Code-Plattform Omnia Suite, mit der sich Verwaltungsleistungen vollständig digital abbilden lassen. mehr...
Advertorial: Wie Verwaltungen mit KI schneller zu besseren Abläufen kommen
[05.08.2026] Künstliche Intelligenz kann dabei helfen, Prozesse in Verwaltungen zu verbessern. Sie erstellt zum Beispiel Prozessmodelle und zeigt auf, wie Abläufe optimiert werden können. Ein Beispiel ist die PICTURE-Prozessplattform. Sie demonstriert, wie KI in der Praxis funktioniert und welche Grenzen es gibt. mehr...
KI: LLMoin auf MDD verfügbar
[28.07.2026] LLMoin ist ab sofort auf dem Marktplatz Deutschland Digital (MDD) verfügbar. Somit können Bund, Länder und Kommunen den KI-Textassistenten ohne eigene Ausschreibungen beziehen. mehr...




















