Mittwoch, 27. Mai 2026

FachverfahrenDigitalisierung, die wirkt

[17.12.2021] Die Stadt Selm im Kreis Unna digitalisiert schrittweise die Planung und Vergabe von Betreuungsplätzen für Kinder. Jugendhilfeplaner André Kautz erläutert im Kommune21-Interview, welche Faktoren für den Erfolg des neuen Verfahrens entscheidend waren.
Stadt Selm: Vergabe von Kita-Plätzen läuft nun digital ab.

Stadt Selm: Vergabe von Kita-Plätzen läuft nun digital ab.

(Bildquelle: Stadt Selm)

Herr Kautz, die Stadt Selm hat 2020 mit der Online-Plattform kitaVM von Anbieter Trinuts die Planung und Vergabe von Kita-Plätzen digitalisiert. Was waren die Beweggründe, in diesem Bereich auf ein digitales Verfahren umzusteigen?

Für uns war dieser Schritt ein weiterer logischer Baustein im Zuge der Digitalisierungsstrategie der Stadt Selm. Wir prüfen fortlaufend, von welchen digitalen Angeboten unsere Bürgerinnen und Bürger konkret profitieren können – und natürlich spielt auch die verwaltungstechnische Prozessoptimierung eine Rolle. Die Vergabe von Betreuungsplätzen in Kindertageseinrichtungen war von jeher ein papierbasiertes Vorgehen und führte regelmäßig zu zeitaufwendigen Überprüfungen und einem Abgleichen der Daten, insbesondere vor dem Hintergrund von steigenden Anmeldezahlen. Mittlerweile gibt es diverse Anbieter auf dem Markt, um den Anmeldeprozess für Bürgerinnen und Bürger, aber auch für die Verwaltung, entscheidend zu vereinfachen und zu optimieren. Gemeinsam mit den Kindertageseinrichtungen und den Trägern haben wir dann beschlossen, uns auf den Weg zu machen.

Die Veränderung von eingeschliffenen Prozessen birgt die Gefahr von Reibungsverlusten. Was hat Sie überzeugt, dass sich dieses Problem umgehen lässt?

Gerade für uns als kleine Kommune war es besonders wichtig, eine für uns maßgeschneiderte Lösung umsetzen zu können und den Ablauf so anzupassen, dass wir bewährte Prozesse übernehmen können. Wir wollten Änderungen am Ablauf zielgerichtet und nur dort, wo wirklich Optimierungsbedarf besteht. So vermeiden wir Reibungsverluste und das hat in enger Zusammenarbeit mit dem Dienstleister wirklich gut geklappt.

Warum haben Sie sich für eine zweistufige Einführung entschlossen?

Wir haben uns bewusst für eine schrittweise Einführung entschieden. Im ersten Durchlauf wurde die Online-Anwendung der Verwaltung, den Trägern und den Kindertageseinrichtungen zur Verfügung gestellt. Wir wollten sicherstellen, dass die Prozesse stimmen. Im zweiten Schritt soll jetzt das Elternportal folgen: So ist gewährleistet, dass der Service den Erwartungen der Eltern entspricht. Von der Einführung und Umstellung des Verfahrens bis zur abschließenden Platzvergabe durch die Kindertageseinrichtungen vergingen nur sechs Monate. Diese waren natürlich arbeitsintensiv, aber es hat sich gelohnt.

„Unsere Erwartungen haben sich voll erfüllt. Die Prozesse wurden durchweg optimiert.“
Wie wurde die Einführung der digitalen Platzvergabe in Richtung Eltern, Träger und Einrichtungen kommuniziert?

Die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Kindertageseinrichtungen, Trägern und Verwaltung ist in Selm von großer Transparenz, Offenheit und einer hohen Kooperation geprägt. Wir haben den Weg des Digitalisierungsprozesses von Anfang an gemeinsam bestritten und alle Schritte sehr früh kommuniziert. Die Eltern werden durch unterschiedliche Kanäle, etwa durch die Presse, Aushänge oder Elternbriefe, über das neue Verfahren informiert.

Und wie waren die Erfahrungen der ersten Platzvergabe mit kitaVM?

Unsere Erwartungen haben sich voll erfüllt. Ein neues Verfahren benötigt natürlich immer eine gewisse Einarbeitungszeit, aber die Rückmeldungen der Einrichtungsleitungen waren durchweg positiv. Aus Sicht der Verwaltung kann ich sagen, dass ich ehrlicherweise mit größeren Problemen gerechnet habe. Die Prozesse wurden für Einrichtungen, Eltern und Verwaltung durchweg optimiert. Als Planer nutze ich zum Beispiel gerne den Zugriff auf tagesaktuelle Warte- und Zusagelisten und natürlich die umfangreichen Auswertungsmöglichkeiten zu Platzangebot und Nachfrage. Als Vater finde ich den Mehrwert unter anderem durch die geografische Darstellung mit Entfernungsangaben aller Kindertageseinrichtungen gegeben. Das ist Digitalisierung, die sofort wirkt.

Wie geht es nun weiter?

Wir denken, dass auch der zweite Schritt, also die Freischaltung des Elternportals, so reibungslos verlaufen wird wie die bisherige Einführung. Zukünftiges Entwicklungspotenzial hinsichtlich der Digitalisierung liegt zum Beispiel in der Verwaltung und Vergabe von Betreuungsplätzen in der Kindertagespflege oder dem offenen Ganztag in den Schulen. Digitalisierung darf sich aber nicht als Selbstzweck begreifen, sondern muss im Dienste der Bürger und der Prozessoptimierung stehen.

Interview: Bettina Weidemann




Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Fachverfahren
eine Frau schiebt eine Restabfalltonne auf die Straße

Kreis Oldenburg: SAP zentralisiert Abfallwirtschaft

[08.05.2026] Pünktlich zum Jahresbeginn hat der Kreis Oldenburg gemeinsam mit dem IT-Dienstleister KDO ein technisches Großprojekt auf Basis seines bestehenden SAP-Systems erfolgreich zum Abschluss gebracht: Die Zentralisierung der Abfallwirtschaft. mehr...

Auf einem Smartphone ist eine digitale G´Hundemarke zu sehen, im Hintergrund ist verschwommen ein Hundesgesicht erkennbar
bericht

Essen: Hundesteuermarke auf dem Smartphone

[06.05.2026] Wer einen Hund hält, muss diesen anmelden und erhält dafür eine Hundesteuermarke. Für die rund 30.000 Hunde in Essen steht diese seit Beginn dieses Jahres nicht mehr als Metallmarke, sondern in digitaler Form zur Verfügung. mehr...

Räumfahrzeug auf einer verschneiten Straße in einer Stadt

Winterdienst: Digital auf den nächsten Schnee vorbereiten

[05.05.2026] Bei frühsommerlichen Temperaturen bereiten sich viele Kommunen bereits auf den nächsten Winterdienst vor. Angesichts zunehmend dynamischer Wetterlagen und hoher Anforderungen an Reaktionsgeschwindigkeit und Koordination gewinnen digitale Lösungen zur Alarmierung und Einsatzsteuerung an Bedeutung. mehr...

Kita
bericht

Kita-Lösungen: Ganztagsbetreuung verwalten

[29.04.2026] Mit dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung ab dem kommenden Schuljahr stehen Kommunen vor der Aufgabe, mehr Angebote zu schaffen und deren Vergabe effizient zu organisieren. Digitale Lösungen können helfen, Nachfrage und Kapazitäten besser zu steuern. mehr...

Straßenfest mit Essensbuden

EDV Ermtraud: Gaststätte online anmelden

[15.04.2026] Das Land Baden-Württemberg hat den Anzeigeweg im Gaststättengewerbe vereinfacht. Das Unternehmen EDV Ermtraud hat jetzt einen Online-Dienst vorgestellt, über den Bürgerinnen und Bürger ihre Anzeige künftig digital einreichen können. mehr...

Mainz: Umstellung auf den digitalen Bauantrag

[14.04.2026] Die Stadt Mainz treibt die Digitalisierung ihrer Verwaltungsleistungen voran: Künftig wird auch das zentrale Fachverfahren Bauantrag digital unterstützt. Die Umstellung auf das neue Verfahren erfolgt schrittweise. 
 mehr...

Hund Vicky

nextgov iT: Digitale Hundeverwaltung

[09.04.2026] Gemeinsam mit kommunalen Fachämtern hat der Anbieter nextgov iT einen Dienst für die digitale Hundeverwaltung entwickelt. Der medienbruchfreie Prozess soll den Bürgerservice erhöhen und die Kommunen entlasten. mehr...

Park im Frühling, Bäume, ein Weg und Bänke

RIWA: Lösungen für die digitale Baumpflege

[08.04.2026] Mit seinem Produktportfolio für ein modernes, digitales Baum- und Grünflächenmanagement gibt GIS-Anbieter RIWA Kommunen ein praxisnahes Werkzeug an die Hand, um ihr Baummanagement effizient zu gestalten. mehr...

Eine Person tippt auf einer Computertastatur.

Erkrath: KRZN migriert VOIS-Plattform

[02.04.2026] Das Kommunale Rechenzentrum Niederrhein (KRZN) hat erstmals eine bereits produktiv genutzte VOIS-Plattform in sein Betriebsumfeld migriert. Es handelt sich um die VOIS-Fachverfahren der Stadt Erkrath für das Einwohnerwesen, das Gewerbewesen sowie die Gebührenkasse. mehr...

Eine lächelnde Frau hält ein Tablet in der Hand, im Hintergrund ist ein Großraumbüro zu sehen.

AKDB: Digitale Einbürgerung wird flexibler

[31.03.2026] Die Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung in Bayern hat den Online-Dienst Digitale Einbürgerung um eine Zwischenspeicherungsfunkion erweitert. Laufende Anträge können nun für bis zu 30 Tage gesichert und zu einem späteren Zeitpunkt beispielsweise über ein anderes Endgerät weiterbearbeitet werden. mehr...

Frau mit laptop auf dem Sofa - Start Kita-Portal cloppenbrügge

Coppenbrügge: Kitaportal gestartet

[26.03.2026] Über ein digitales Kitaportal verfügt jetzt der Flecken Coppenbrügge. Die Kommune im Kreis Hameln-Pyrmont setzt dabei auf Software vom E-Government-Spezialisten NOLIS. mehr...

Mehrere Personen stehen um einen Tisch mit einem Startknopf versammelt.

Kreis Kassel: Medienbruchfrei zur Baugenehmigung

[17.03.2026] Seit März nimmt der Kreis Kassel Bauanträge nur noch online entgegen. Somit läuft das gesamte Baugenehmigungsverfahren vollständig digital ab, was die Abläufe für alle Beteiligten vereinfachen und beschleunigen soll. mehr...

Advertorial: Digitale Transformation braucht Struktur – und konkrete Lösungen

[05.03.2026] Auf dem GovTech-Gipfel Berlin 2026 wurde deutlich: Digitale Transformation in der öffentlichen Verwaltung braucht mehr als Strategiepapiere – sie braucht sofort umsetzbare Lösungen. In der Masterclass von Christopher Bock zeigte sich, wie skalierbare Fachverfahren wie raum]für[raum bereits heute Effizienz, Transparenz und Struktur in hybride Arbeitsmodelle bringen. Der klare Tenor des Gipfels: Jetzt handeln – nicht später. mehr...

Stadt Wolfsburg will sich zukunftsorientiert aufstellen.

Wolfsburg: SAP für Finanz- und Personalprozesse

[05.03.2026] In Wolfsburg wird die bisherige Software zur Steuerung von Finanz- und Personalprozessen durch ein neues ERP-System (Enterprise Resource Planning) abgelöst. Zum Einsatz kommen die Lösungen SAP S/4HANA für das Finanzwesen sowie das Personalmanagement- und Abrechnungssystem SAP SuccessFactors. mehr...

Richter hält Hammer in der Hand im Gerichtssaal

München: Open Source für die Schöffenwahl

[04.03.2026] Einen weiteren Schritt hin zu einer modernen Justizverwaltung macht die Stadt München. Die Einführung der Open-Source-Anwendung Ehrenamtjustiz soll für effizientere Abläufe bei der Auswahl von Schöffen und ehrenamtlichen Richtern sorgen. mehr...