Samstag, 26. September 2026

FachverfahrenElektronischer Titel

[30.09.2011] Für die Ausländerbehörden bedeutete die Einführung des elektronischen Aufenthaltstitels (eAT) zum 1. September dieses Jahres nicht nur den Umstieg auf eine neue Software, sondern auch Änderungen der Arbeitsabläufe.

Mit der Einführung des elektronischen Aufenthaltstitels (eAT) zum 1. September 2011 hat sich in den Ausländerbehörden vieles verändert. Wurden die Aufenthaltstitel zuvor von den Ämtern selbstständig angefertigt und per Klebeaufdruck in den Pass der Antragsteller eingefügt, wird der eAT im Namen der Ausländerbehörden von der Bundesdruckerei in Berlin hergestellt. Ausgeliefert wird er als Multifunktionskarte im Kreditkartenformat mit Daten-Chip, der auch biometrische Daten und eine elektronische Identitäts- sowie Signaturfunktionen enthält. Diese Umstellung sorgt für deutlich mehr Publikumsverkehr in den zuständigen Behörden.

Mehraufwand durch eAT

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hatte schon frühzeitig über die rechtlichen Veränderungen informiert. Daher war allen Verantwortlichen klar, dass durch den eAT ein Mehraufwand zu bewältigen sein wird und sich Arbeitsabläufe verändern. Gemeinsam mit Kommunen wurden Überlegungen angestellt, wie dies am besten bewältigt werden könnte. Dabei wurde schnell deutlich, dass die Gegebenheiten in den meisten Behörden nicht so bleiben konnten, wie sie waren. Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen zählten eine Aufstockung des Personals, die Erweiterung von Räumlichkeiten und eine Änderung der Öffnungszeiten. Zumindest in größeren Ausländerbehörden führten die Überlegungen außerdem zu einer Teilung der Aufgaben in Front und Back Office. Eine weitere Lösung war die Einführung einer Terminvergabe, um personelle Ressourcen effektiv nutzen zu können.

Diese Anregungen hat die Firma Kommunix bei der Integration des eAT in die Anwendung ADVIS (Ausländerdaten Verwaltungs- und Informationssystem) aufgenommen. Die Lösung wird von mehr als einem Drittel der Ausländerämter bundesweit genutzt. Die erweiterte Version von ADVIS beinhaltet die integrierte Terminverwaltung TeVIS, welche einen reibungslosen und zeitschonenden Arbeitsablauf durch Steuerung des Publikums-verkehrs ermöglicht. Über eine weitere Funktion können alle Personen aufgelistet werden, deren Aufenthaltstitel innerhalb der nächsten Wochen abläuft. Mit einem automatisch erzeugten Anschreiben inklusive einer Mitbringliste können die betroffenen Personen frühzeitig zu einem individuellen Termin mit ihrem Ansprechpartner in der Behörde oder der zuständigen Mitarbeitergruppe gebeten werden. Ergänzt wird das System durch die Aufrufanlage TeVIS-ARA.

Die Kommunix-Lösung wird unter anderem vom Märkischen Kreis eingesetzt. In der dortigen Ausländerbehörde ist das Front Office mit seinen fünf Schalterplätzen für das normale Tagesgeschäft zuständig, komplizierte oder vertrauliche Sachverhalte werden mit den Sachbearbeitern im Back Office erörtert. Priorität hatte für den Kreis die Einführung einer Terminverwaltung, die hilft, Wartezeiten zu verkürzen und bis zu 85 Prozent der Kundenbetreuung über Termine zu regeln. Die einzelnen Sachbearbeiter dürfen Termine selbst koordinieren und über ihre individuelle Arbeitszeit verteilen, unabhängig von den regulären Sprechstunden des Fachdienstes. TeVIS sorgt somit einerseits für eine Entzerrung der Arbeitsspitzen und trägt zur Entlastung der Verwaltungsmitarbeiter bei, andererseits erhöht die Anwendung den Service und reduziert Wartezeiten. Im Eingangsbereich der Ausländerbehörde des Märkischen Kreises steht ein modernes Anmelde-Terminal mit Touchscreen, über das die Besucher in verschiedenen Sprachen ihre Terminkennung oder ihr Anliegen eingeben können. Aufgrund der Eingaben und der Sprachwahl können die Sachbearbeiter dann je nach Fachgebiet ihre Kunden gezielt über die Aufrufanlage TeVIS-ARA informieren und führen.

Einführung geglückt

Die Einführung des eAT konnte insgesamt betrachtet von den Beteiligten bestens gemeistert werden, sowohl seitens der EDV mit den doch sehr differierenden IT-Landschaften in den einzelnen Kommunen als auch seitens der Fachämter, die ihre Arbeitsabläufe anders zu regeln und neue rechtliche Bedingungen zu erfüllen hatten. Fachverfahrenshersteller wie Kommunix haben den eAT zudem rechtzeitig in ihre Software eingebunden und die entsprechenden Schnittstellen geschaffen. Für die Unterstützung durch den Anbieter hat sich unter anderem die Stadt Salzgitter bedankt: „Der Umstieg hat reibungslos geklappt, bislang läuft alles einwandfrei“, so das Fazit der Kommune.

Wolfgang Buresch ist Mitarbeiter im Vertrieb der Kommunix GmbH, Unna.




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Fachverfahren

Wennigsen: Ferienbetreuung digital buchen

[21.09.2026] Die Gemeinde Wennigsen setzt für die Anmeldung zur Ganztagsbetreuung in den Herbstferien die Fachsoftware NOLIS | Schulkind ein. Nach Angaben des Anbieters lagen zwischen Bereitstellung und Produktivbetrieb lediglich zwei Wochen. mehr...

Märkischer Kreis: WiNOWiG im Echtbetrieb

[15.09.2026] Der Märkische Kreis hat die Umstellung auf die Software WiNOWiG abgeschlossen. Die Lösung für die Bearbeitung von Ordnungswidrigkeiten soll schrittweise das bislang eingesetzte Verfahren SC-OWi ablösen. Weitere Kreise und Kommunen sollen folgen. mehr...

Junge Frau im Auto sitzend präsentiert ihre Führerscheinkarte

Kreis Calw: Führerscheinwesen neu aufgestellt

[08.09.2026] Der Landkreis Calw hat sein Führerscheinwesen mithilfe des kommunalen IT-Dienstleisters Komm.ONE auf ein neues Fachverfahren umgestellt. Die Einführung von KM-Fahrerlaubnis ist ein wichtiger Schritt zur Digitalisierung der Verwaltungsdienstleistungen im Bereich Verkehrswesen. mehr...

Ein Geschäftsmann in Startposition vor einer Startlinie

Gewerbewesen: Praxisbewährte Lösungen statt Schlagworte

[08.09.2026] Die Modernisierung und Vereinfachung von Gründungsverfahren ist aktuell ein großes Thema und wird im Rahmen des Bundesprojekts „Schneller Gründen“ derzeit in neun Pilotkommunen erprobt. Dabei sind die Voraussetzungen zur schnellen Unternehmensgründung längst vorhanden und die digitalen Prozesse werden bereits intensiv genutzt. Darauf weist jetzt das Unternehmen EDV Ermtraud hin. mehr...

Kreis Dachau: Bilanz nach Systemwechsel

[07.09.2026] Seit Anfang 2025 arbeitet das Sozialamt des Landkreises Dachau mit dem Fachverfahren LÄMMkom LISSA. Nach mehr als einem Jahr im Echtbetrieb zieht der Landkreis Bilanz und berichtet von Verbesserungen bei Struktur, Auszahlungen und Auswertungen. mehr...

Junge Grundschüler mit Lehrer bei Schreibübungen

Nolis: Ganztagsbetreuung digital organisieren

[02.09.2026] Neben dem Ausbau der Betreuungsangebote für Grundschulkinder rückt auch deren Organisation zunehmend in den Fokus. Eine Lösung für die digitale Anmeldung und Platzvergabe bietet das Unternehmen Nolis mit seiner Software NOLIS | Schulkind, die jetzt bei den ersten Kommunen im Einsatz ist. mehr...

Close-up auf papierbasiertes Formular zur Gewerbeanmeldung

Mannheim: Gewerbemeldungen ohne Medienbruch

[01.09.2026] Mannheim bietet Gewerbean-, -ab- und -ummeldungen ab sofort vollständig online an. Die Anträge fließen ohne Medienbruch in das Fachverfahren der Gewerbebehörde und sollen dadurch schneller bearbeitet werden. mehr...

bericht

Vogelsbergkreis: Erfolgsfaktor Teamarbeit

[28.08.2026] Die Finanzsoftware des Vogelsbergkreises war fast drei Jahrzehnte lang im Einsatz. Nun wurde auf ein modernes Verfahren umgestellt. Trotz der Komplexität verlief die Einführung ohne ungeplante Ausfälle des Produktivsystems. mehr...

Zwei Männer stehen vor einem Gebäude und blicken in die Kamera

Benediktbeuern: Einwohnermeldewesen migriert ins Rechenzentrum

[25.08.2026] Die Verwaltungsgemeinschaft Benediktbeuern lässt ihre Einwohnermeldesoftware OK.EWO seit Ende August 2025 im AKDB-Rechenzentrum betreiben. Das entlastet den EDV-Verantwortlichen vor Ort: Die Verantwortung für Datenbank, Updates und Wartung liegt jetzt bei der AKDB. mehr...

Luftaufnahme von Konstanz
bericht

Konstanz: Kleine Lücken schließen

[17.08.2026] Die baden-württembergische Stadt Konstanz entwickelt digitale Anwendungen seit einigen Jahren selbst und setzt dabei auf Low Code. Der Schulterschluss mit anderen Kommunen ist der entscheidende Hebel. mehr...

Hände auf Laptop, darüber einmontiert Icons für Puzzleteile, Zahnrad, Schraubenschlüssel, Dokument
bericht

Low Code: Schlanker und smarter

[14.08.2026] Mit der Low-Code-Plattform OutSystems kann Digitalisierung schneller, wirtschaftlicher und nachhaltiger umgesetzt werden. Diese Vorteile zeigen sich im Praxiseinsatz in zahlreichen Kommunen. mehr...

Spielzeugauto und deutscher Führerschein auf deutscher Flagge

AKDB/Telecomputer: Verkehrs-IT hoch fünf

[12.08.2026] Das auf KfZ-Lösungen spezialisierte Unternehmen Telecomputer nimmt ekom21 und Komm.ONE als Gesellschafter auf und übernimmt zudem die Verkehrswesen-Bereiche von KDO und regio iT. Damit sollen die Fachverfahren und Online-Dienste der fünf beteiligten IT-Dienstleister für Kfz-Zulassung und Fahrerlaubnis gebündelt werden. mehr...

Mehrere Personen als und jung auf Matratzen in einer Flücjhtlingsunterkunft

Wiesbaden: Sozialdezernat digitalisiert mit Augenmaß

[11.08.2026] Bundesweite Entwicklungen wie die Sozialstaatsreform, die Sozialplattform oder die Deutschland-App schaffen neue Rahmenbedingungen für digitale Verwaltungsprozesse im Sozialbereich. Wie eine praxisnahe Entwicklung digitaler Services gelingt, zeigt das Sozialdezernat der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden. mehr...

Spielzeugauto und deutscher Führerschein auf deutscher Flagge

Wiesbaden: Test von KI-Assistenz für digitalen Führerscheinantrag

[11.08.2026] Wiesbaden testet eine KI-Assistenz für den digitalen Führerscheinantrag. Bürgerinnen und Bürger können die Anwendung im Zukunftswerk erproben und dabei zeigen, wo sie den Antragsprozess bereits erleichtert und wo noch nachgebessert werden muss. mehr...

Essen: Einführung von Wero

[11.08.2026] Die Stadt Essen bietet Wero als weitere Bezahlmöglichkeit für digitale Verwaltungsleistungen an. Die europäische Lösung ergänzt unter anderem PayPal und Kreditkarte und soll Online-Zahlungen direkt vom Bankkonto erleichtern. mehr...