Freitag, 27. März 2026

ZukunftsstädteFundamente der Smart City

[09.06.2016] Viele Städte wollen Smart Cities werden und arbeiten dazu mit IT-Konzernen zusammen. Kommune21 sprach mit dem Berater und Smart-City-Podcast-Produzent Willi Kaczorowski über den Sinn und Zweck solcher Kooperationen.
Willi Kaczorowski ist Berater und Smart-City-Podcast-Produzent.

Willi Kaczorowski ist Berater und Smart-City-Podcast-Produzent.

(Bildquelle: Privat)

Herr Kaczorowski, derzeit wird viel über Smart Cities, aber auch Digitale Dörfer diskutiert. Geht es hier nur um Breitband-Anschlüsse und vernetzte Infrastruktur oder auch um die Digitalisierung der Verwaltung? Wie lautet Ihre Definition der Begriffe?

Die meisten Definitionen von Unternehmen oder Wissenschaftsinstitutionen, die sich ja auch durch Drittmittel finanzieren, sind interessengeleitet. Deshalb verwende ich die Definition von Wikipedia: Danach ist Smart City ein Sammelbegriff für gesamtheitliche Entwicklungskonzepte, die darauf abzielen, Städte effizienter, technologisch fortschrittlicher, grüner und sozial inklusiver zu gestalten. Diese Konzepte beinhalten technische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Innovationen. Unter Smart Country verstehe ich dann die Anpassung dieser Konzepte an die besonderen Gegebenheiten der Räume jenseits der Metropolen und großen Städte. Zum ganzheitlichen Konzept gehört dann natürlich die digitale Verwaltung.

Berlin, Hamburg, aber auch Gelsenkirchen oder Heidelberg wollen Smart Cities werden und haben Verträge mit IT-Unternehmen unterzeichnet. Warum sollten Städte mit diesen globalen Konzernen kooperieren?

Die Zusammenarbeit mit IT-Unternehmen bietet Chancen, ruft aber auch Probleme hervor. Chancen bestehen beispielsweise darin, Projekte mitfinanziert zu bekommen, weil die großen IT-Unternehmen an Vorzeigeprojekten interessiert sind, die sie dann auch vermarkten können. Darüber hinaus spricht für eine Zusammenarbeit auch der schnelle technologische Fortschritt bei der Digitalisierung. Stichwort: Know-how-Transfer. Außerdem gibt es die Chance, die Projekte professioneller zu managen, weil börsennotierte Unternehmen agiler und zielorientierter arbeiten müssen. Und schließlich ist die Umgestaltung zu einer Smart City auch ein Teil der Wirtschaftsförderung. Durch die Zusammenarbeit mit IT-Unternehmen bekunden Städte ihren Fortschrittswillen und bauen sich für Start-ups ein positives Image auf. Die größte Gefahr liegt darin, dass sich die Konzepte zu einer geschlossenen Veranstaltung entwickeln, ohne die Stadtgesellschaft daran zu beteiligen.

Auf welchen technologischen Fundamenten wird die Smart City errichtet?

Das wichtigste Fundament ist die Verfügbarkeit schneller, hochleistungsfähiger Internet-Verbindungen – möglichst stationär und mobil. Viele Städte setzen hier zu Recht auf Glasfaser als die Anschlusstechnologie der Zukunft. In der Smart City ist Breitband ein Bestandteil der Daseinsvorsorge, der die traditionelle Versorgungs- und Entsorgungsinfrastruktur sowie die soziale Infrastruktur gleichberechtigt ergänzt. Durch die Veränderungen, die jetzt aufgrund technischer Möglichkeiten wie intelligente Vernetzung und Sensorik sowie Big Data oder Cloud Computing für die herkömmliche Daseinsvorsorge erfolgen werden, kommt dieser vernetzten und intelligenten Infrastruktur im 21. Jahrhundert eine Leitrolle zu. Für demografisch benachteiligte Regionen stellt das hochleistungsfähige Internet sogar einen Beitrag zur Dableibensvorsorge dar.

„Durch die Zusammenarbeit mit IT-Unternehmen bekunden Städte ihren Fortschrittswillen.“
Welche Ziele verfolgen die IT-Konzerne und warum wollen die Städte smart werden?

Beginnen wir mit den Städten: Die Zukunftskommission der Stadt Neuss hat beispielsweise drei Ziele formuliert: Wirtschaftskraft und Wohlstand mehren, gesellschaftliche Teilhabe und Gemeinsinn fördern, effizientere Gestaltung der Daseinsvorsorge. In anderen Städten kommt noch das Ziel der ökologischen Nachhaltigkeit mit besonderer Betonung auf Ressourceneffizienz hinzu. Die IT-Unternehmen sind primär an Leuchtturmprojekten interessiert, die zeigen, dass ihre Technologie helfen kann, die Lebens-, Aufenthalts- und Arbeitsqualität einer Stadt erheblich zu verbessern. Jenseits vom Gewinnstreben haben aber auch die Beschäftigten dieser Unternehmen den Wunsch, in einer Stadt zu leben, die digitale Technologien zur Erreichung ihrer Ziele selbst einsetzt.

Von welchen internationalen Beispielen können deutsche Städte lernen, sich für die Zukunft besser aufzustellen?

Smart-City-Vorreiter sind in Europa Barcelona, Wien, Kopenhagen, Stockholm oder Amsterdam. Deshalb kooperieren Städte wie Köln oder München mit diesen internationalen Champions auch in EU-Projekten. Dabei zeigt sich ein interessanter Trend. Auch international erobert die digitale Teilhabe in Regionen jenseits der Metropolen die politische Agenda. Aufgrund vielfältiger Verflechtungen im digitalen Alltag, etwa in den Bereichen Verkehr, Umwelt, Logistik oder Gesundheitsversorgung, werden die Schnittstellen zwischen der Metropole und ihrem Umland stärker in die Gesamtkonzeption einbezogen.

Sie veröffentlichen den Podcast Smart City Talk. An wen richtet sich das Angebot und was sind die Inhalte?

Der Podcast ging im Oktober 2015 an den Start. Er richtet sich an Verantwortliche in Politik und Verwaltung in den Kommunen und Regionen. Im Podcast sollen Visionäre, Multiplikatoren, Macher und Projektverantwortliche für Smart-City-Projekte zu Wort kommen. Darüber hinaus gibt es Einzelausgaben, in denen ich Eindrücke und Erkenntnisse aus Smart-City-Konferenzen oder Projekte vorstelle. Beispielsweise konnte die rheinland-pfälzische Staatssekretärin Heike Raab ihre Digitalstrategie und die Konsequenzen für das Projekt Digitale Dörfer erläutern. Auch der Städte- und Gemeindebund war mehrfach durch den Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg oder den Sprecher Franz-Reinhard Habbel dabei. Interviewpartner in einer der nächsten Folgen wird beispielsweise der neue Oberbürgermeister der Stadt Ulm sein. Gunther Czisch hat die Digitalisierung ganz oben auf seiner Agenda.

Interview: Alexander Schaeff




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Panorama
Eine junge Frau macht per Smartphone ein Foto vom Potsdamer Rathaus.
bericht

Serie Digitalstädte: Stadt mit Gründergeist

[23.03.2026] Am Anfang war Nixdorf. Heute ist die Stadt Paderborn ein Hotspot der ostwestfälischen IT-Wirtschaft mit starkem Mittelstand, ausgezeichneter Universität und ambitionierter Verwaltung. Ein Besuch. mehr...

Ein Mann und eine Frau recken ihre Handys der Kamera entgegen.

Erfurt: Hilfe per Knopfdruck

[17.03.2026] Für viele Menschen gehören Stadtfeste und Märkte zum urbanen Lebensgefühl. Um diese sicherer zu machen, hat die Stadt Erfurt nun mit dem Anbieter der Sicherheits-App SafeNow einen Rahmenvertrag unterzeichnet. mehr...

Dreieckiges Baustellenschild mit schaufelndem Männchen aus der Untersicht aufgenommen.

Nordrhein-Westfalen: Kommunen melden ihre Baustellen digital

[13.03.2026] Werden Baustellen an der öffentlichen Infrastruktur überregional erfasst, können Terminkollisionen und Potenziale zur Bündelung leichter erkannt werden. In Nordrhein-Westfalen sollen Kommunen nun gesetzlich zur Meldung in einem zentralen digitalen Portal verpflichtet werden. mehr...

Transparente, kubische Trophäen stehen aufgereiht auf einem grauen Podest.

OSBA: Innovative Open-Source-Lösungen gesucht

[06.03.2026] Zum zweiten Mal findet der bundesweite Wettbewerb für erfolgreiche Open-Source-Lösungen aus der öffentlichen Verwaltung statt. Behörden und öffentliche Stellen aller föderalen Ebenen können sich bis Ende Juni bewerben, die Preisverleihung erfolgt im Rahmen der Smart Country Convention. mehr...

Bremen: Verwaltung punktet mit Online-Services.

Bremen: Schub für die Verwaltungsdigitalisierung

[03.03.2026] Performa Nord, ein Verwaltungsdienstleister der Freien Hansestadt Bremen, erhält aus dem Investitionssofortprogramm des Landes rund vier Millionen Euro. 2026 und 2027 sollen Terminmanagement, Heil- und Dienstunfallfürsorge sowie die IT-Ausstattung der Einrichtung digitalisiert und modernisiert werden. mehr...

Holzklötze mit Icons: Buch, Hirn, Schachfigur

Praxisleitfaden: Wissen bewahren und nutzen

[19.02.2026] Speziell an die Führungsebene in der öffentlichen Verwaltung richtet sich eine Orientierungshilfe der Innovationsstiftung Bayerische Kommune. Der Leitfaden liefert praxisnahe Impulse, wie erfolgreiches Wissensmanagement in kleinen Schritten aufgebaut werden kann. mehr...

Rotweißer Leuchtturm hinter Sünden auf der Insel Amrum

Föhr-Amrum: Digitale Lösungen für die Zukunft der Inseln

[18.02.2026] Im Rahmen der Föhr-Amrumer Zukunftsimpulse hat das Amt Föhr-Amrum den Island Future Award initiiert. Ausgezeichnet werden Projekte, die Inseln und Küstenregionen durch praxistaugliche Digitalisierung konkret stärken. mehr...

Mehrere Personen halten bunte Zahnräder aneinander.

NExT-Netzwerk: Arbeit neu strukturiert

[17.02.2026] Mit einer neuen strategischen Struktur richtet der Verein NExT seine Arbeit zur Verwaltungstransformation neu aus: Künftig sollen Austausch, Analyse und politische Einordnung enger verzahnt werden. Ein Relaunch der Website macht diesen Anspruch auch nach außen sichtbar. mehr...

Detailaufnahme Bauplan mit Bleistift

Schleswig-Holstein: Unterstützung für kommunale Bauleitplanung

[05.02.2026] Schleswig-Holstein will Bauleitpläne künftig mit dem Standard XPlanung und einer zentralen Bereitstellungsplattform landeseinheitlich digital verfügbar machen. Das Land unterstützt Kommunen bei der Umwandlung bestehender Pläne. mehr...

Zeichnung von Händen, die je ein Puzzleteil in der Hand halten, die zusammengefügt werden. Daneben steht ÖFIT-Wegbereiter geschrieben.

ÖFIT-Wegbereiter-Reihe: Kompetenzaufbau in der Verwaltungspraxis

[30.01.2026] Als niedrigschwellige, anwendungsorientierte Lern- und Arbeitsinstrumente sollen die ÖFIT-Wegbereiter die interdisziplinäre Bearbeitung von Digitalisierungsprojekten in der öffentlichen Verwaltung unterstützen. Die Reihe umfasst derzeit vier Ausgaben unter anderem zu den Themen Low Code, generative Künstliche Intelligenz und Digitale Souveränität. mehr...

Junger Mann mit Kopfhörern in einer Büroumgebung, die untere Hälfte seines Gesichts von einem Monitor verdeckt.

Vitako: Die Verwaltung der Zukunft im Podcast

[16.01.2026] Orientierung schaffen, Debatten anstoßen und zeigen, wie öffentliche IT den digitalen Staat mitgestaltet – das will der neue Podcast von Vitako, der Bundesarbeitsgemeinschaft der Kommunalen IT-Dienstleister. mehr...

KDO: IT-Wissen praxisnah vermittelt

[14.01.2026] Die KDO-Akademie vermittelt IT-Kompetenz: Im vergangenen Jahr wurden mehr als 200 Schulungen durchgeführt. Nun entwickelt sich das Angebot weiter. In verschiedenen Formaten wird neben Know-how zu konkreten IT-Lösungen auch Wissen zu übergreifenden Themen vermittelt. mehr...

Grafik, die den Ablauf des Kölner IT-Planungsprozesses erläutert.

Köln: Erster IT-Planungsprozess

[22.12.2025] Um die IT- und Digitalisierungsvorhaben der Verwaltung schneller bewerten und priorisieren zu können, hat Köln erstmals einen gesamtstädtischen IT-Planungsprozess umgesetzt. Er orientiert sich an Industriestandards für die IT-Planung in Unternehmen und sorgt für einen optimalen Ressourceneinsatz sowie eine nachhaltig gesteuerte digitale Transformation. mehr...

Vier Personen stellen das Aachener Baumkataster vor

Aachen: Straßenbäume exakt dokumentiert

[19.12.2025] In Aachen wurden in den vergangenen Jahren alle Stadtbäume mit Stamm- und Zustandsdaten in ein Kataster eingepflegt. Das soll der Stadtverwaltung künftig alle Prozesse rund um Baumkontrolle und -pflege erleichtern. mehr...

Cuxhaven: Schnell informiert im Notfall

[19.12.2025] Seit 2005 informiert die Stadt Cuxhaven ihre Bürgerinnen und Bürger über regionale Gefahrenlagen oder Schadensereignisse per App. Nun erhielt die mobile Anwendung ein umfassendes Update. mehr...