Samstag, 27. Juni 2026

BonnIsolation statt Detektion

[04.04.2019] Die Stadtverwaltung Bonn sichert mit einer innovativen Lösung von Bromium die Rechner der Mitarbeiter. Der Vorteil: Das Programm schützt beim Surfen und der E-Mail-Kommunikation auch vor bisher unbekannten Schadcodes.
Stadthaus Bonn: Rund 1.500 Rechner abgesichert.

Stadthaus Bonn: Rund 1.500 Rechner abgesichert.

(Bildquelle: Bundesstadt Bonn)

Die Nutzung klassischer Sicherheitstools wie Antiviren-Lösungen, Firewalls oder Web-Filter-Technologien ist in der kommunalen IT – so auch in der Bundesstadt Bonn – heute Standard. Auch Rollen- und Berechtigungskonzepte sind eine Selbstverständlichkeit. Allerdings haben viele Sicherheitsvorfälle gezeigt, dass die Wirksamkeit herkömmlicher Sicherungsmaßnahmen begrenzt ist. Das liegt am technischen Konzept, denn traditionelle Lösungen sind beispielsweise unter Nutzung von Signaturen auf die Malware-Detektion angewiesen. Damit können neue Zero-Day-Attacken, Advanced Persistent Threats oder auch Ransomware-Trojaner kaum zuverlässig aufgespürt werden. Die zunehmenden Attacken mit Ransomware, also Schadprogrammen, die den Computer sperren und nur nach Lösegeldzahlung wieder freigeben, waren auch für die Stadt Bonn der Auslöser, die Erhöhung der Client-Sicherheit in Angriff zu nehmen. Zwei Aspekte waren für die Stadtverwaltung bei der Sicherung der Endgeräte von ausschlaggebender Bedeutung: Sicherheit beim Surfen und Sicherheit bei der E-Mail-Kommunikation.Dabei müssen Kommunen im Unterschied zu vielen Unternehmen zwei Besonderheiten berücksichtigen. Unternehmen können den Empfang von E-Mail-Anhängen oder den Zugriff auf Websites strikt reglementieren, nicht so Kommunen. Mitarbeiter der Verwaltung erhalten Tausende von E-Mails, die nicht ignoriert werden können, da sie berechtigte Bürgeranliegen enthalten können. Ein einfaches Sperren von Websites per Blacklisting ist ebenfalls nicht machbar. Das heißt, Kommunen benötigen Client-Sicherheitslösungen, die einerseits die Zugriffsmöglichkeiten nicht einschränken, andererseits aber auch die Endgeräte und damit das Behördennetz nicht gefährden.

Lösung mit Alleinstellungsmerkmal

Bei der Auswahl einer Client-Sicherheitslösung hat die Stadtverwaltung Bonn zunächst einige Applikationen in Betracht gezogen, welche die Schwachstelle Internet-Browser in den Blick nehmen und ein sicheres Surfen ermöglichen. Allerdings wird mit solchen Lösungen nicht das für die Stadtverwaltung sehr wichtige Thema E-Mail abgedeckt. Auf den Security-Spezialisten Bromium wurde die Stadt Bonn dann durch die Empfehlung einer Landesbehörde aufmerksam. Schnell wurde klar, dass die Bromium-Lösung Secure Platform durch ihr technisches Konzept – Isolation statt Detektion von Schadcode mittels Micro-Virtualisierung – ein Alleinstellungsmerkmal besitzt, sodass auch keine öffentliche Ausschreibung erforderlich war und eine freihändige Vergabe erfolgen konnte. Dirk Schumacher, Leiter Stabsstelle IT-Sicherheit und IT-Strategie im Personal- und Organisationsamt der Bundesstadt Bonn, erklärt: „Bromium bot sowohl technisch die beste, als auch durch das Lizenzierungs- und Wartungsmodell die mittel- und langfristig eindeutig wirtschaftlichste Lösung.“ In einer kurzen Evaluierungsphase im September und Oktober 2017 hat die Stadtverwaltung die Machbarkeit der Einführung der Bromium-Lösung überprüft. Dabei wurden umfangreiche Funktions- und Performance-Tests durchgeführt. Zu berücksichtigen waren rund 4.000 Endgeräte – knapp 1.500 Rechner in der zentralen Verwaltung im Stadthaus, der Rest in den zahlreichen Außenstellen der Stadt. Ein zentrales Testergebnis war, dass etwa ein Viertel aller Rechner nicht die erforderliche Hardware-Ausstattung für einen reibungslosen Einsatz der Bromium-Lösung bot. Folglich wurde ein sukzessiver Roll-out der Secure Platform in Kombination mit der Ablösung älterer Hardware und der Einführung von Windows 10 als Standardbetriebssystem beschlossen. Bis Ende 2018 waren bereits mehr als 1.000 Geräte mit der Bromium-Lösung ausgestattet. Die Anbindung aller Rechner in Verbindung mit der Windows-10-Implementierung soll Anfang 2020 abgeschlossen sein.

Isolation riskanter Aktivitäten

„Die Bromium-Lösung erlaubte die schnellstmögliche Erhöhung der Sicherheit im Client-Bereich. Schließlich dürfen wir auch bei personell wie budgettechnisch begrenzten Ressourcen keinerlei Abstriche bei der IT-Sicherheit machen“, konstatiert Schumacher. „Wir halten die Bromium-Lösung eindeutig für die derzeit technologisch führende Applikation für die Sicherung von Clients. Unseren Mitarbeitern können wir damit guten Wissens das Motto ,Keep calm and click on everything’ mit auf den Weg geben.“ Zentrales Charakteristikum der Bromium-Lösung Secure Platform ist, dass nicht die Detektion von Schadcode im Vordergrund steht, sondern das effektive Vermeiden seiner Auswirkungen. Realisiert wird dies durch die Isolierung aller riskanten Anwenderaktivitäten. So besteht Schutz vor Malware, ohne diese als solche erkennen zu müssen. Technisches Merkmal der Bromium-Lösung ist die Hardware-isolierte Micro-Virtualisierung. Tasks werden immer dann in virtuellen Instanzen verarbeitet, wenn es gefährlich werden kann – etwa beim Aufrufen einer Web-Seite, Downloaden eines Dokuments, Öffnen eines E-Mail-Anhangs oder beim Zugriff auf die Daten eines USB-Geräts. Jeder einzelne Task läuft dabei in einer eigenen Micro-VM – und zwar strikt getrennt voneinander sowie getrennt vom eigentlichen Betriebssystem und vom verbundenen Netzwerk. Eine mögliche Schädigung bleibt so immer auf die jeweilige Micro-VM beschränkt, die nach Beendigung einer Aktivität, etwa dem Schließen eines Files, automatisch gelöscht wird. Eine Kompromittierung des Endgeräts und nachfolgend des IT-Netzes ist damit ausgeschlossen.

Wolfgang Cabolet ist freier Autor in München.




Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: IT-Sicherheit
Illustration zum Thema Cybersicherheit: Im Vordergrund sitzt eine dunkel gekleidete Person mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze vor einem Laptop. Im Hintergrund sind schemenhafte Silhouetten von Menschen zu sehen, die miteinander sprechen oder arbeiten. Überlagerte digitale Elemente und eine angedeutete Stadtlandschaft in Blau- und Grautönen vermitteln den Eindruck einer vernetzten digitalen Welt und symbolisieren die Bedrohung durch Cyberangriffe auf Organisationen und Verwaltungen.
bericht

Komm.ONE: Cybersicherheit wird zur Daueraufgabe

[26.06.2026] Der IT-Dienstleister Komm.ONE warnt beim Cybersicherheitstag 2026 vor zunehmender Professionalisierung der Angreifer. Prävention, Zusammenarbeit und Künstliche Intelligenz gewinnen an Bedeutung. mehr...

Bild in Blautönen: Junger Mann in Office-Umgebung stützt Kopf in Hand, un ihn herum eingeblendet Icons für Dokumente und Daten und Vernetzung

CSBW: Neues Handbuch für IT-Notfälle

[23.06.2026] Für Verwaltungen bestehen jederzeit Risiken für Sicherheitsvorfälle und Datenschutzverletzungen – mit möglichen schweren Folgen. Die Cybersicherheitsagentur Baden-Württemberg unterstützt Land und Kommunen mit neuen Angeboten, ein belastbares Informationssicherheits-Managementsystem aufzubauen. mehr...

Etwas düster wirkende Bühne mit der obligaten Großprojektion, davor Personen in förmlicher Business-Kleidung in Gruppenfopto-Aufstellung

BSI/NExT: Drei Projekte für mehr Sicherheit

[22.06.2026] Den InfoSec Impact Award von BSI und NExT erhielten drei herausragende IT-Sicherheitslösungen aus dem Public Sector, die sich mit Software-Lieferketten, Cyber-Trainings und interkommunaler Zusammenarbeit befassen. Die Projekte werden als Best Practices veröffentlicht und der Fachöffentlichkeit vorgestellt. mehr...

Im Homeoffice für Cyber-Sicherheit sensibilisieren.

Schleswig-Holstein: Maßnahmenpaket für Cyber-Sicherheit

[01.06.2026] Schleswig-Holstein baut die Cyber-Sicherheit für Land und Kommunen aus. Zum Schutzschirm gehören unter anderem ein erweitertes Schwachstellenmanagement, mobile IT für Krisenlagen und Vor-Ort-Supportteams. Digitale souveräne Arbeitsplätze und IT-Infrastruktur sichern Behörden weiter ab. mehr...

Blick in einen Vortragssaal auf der SaarSecurity Roadshow

eGo-Saar: Erfolgreiche SaarSecurity Roadshow

[27.05.2026] In einer gemeinsamen Veranstaltungsreihe haben der Zweckverband eGo-Saar und das saarländische Wirtschaftsministerium über NIS2, IT-Notfallmanagement und digitale Resilienz informiert. Bei den Kommunen stieß die SaarSecurity Roadshow 2026 auf großes Interesse. 
 mehr...

G-DAta_leitzgen_bölting_porträt
interview

Cyber-Sicherheit: Kommunen sind leichte Beute

[12.05.2026] Wie Städte und Kreise ihre IT trotz Fachkräftemangel wirksam vor Cyber-Kriminellen schützen können, erläutern im Interview Kira Groß-Bölting und Jan Leitzgen vom Computer Security Incident Response Team (CSIRT) des Unternehmens G DATA Advanced Analytics. mehr...

BSI: Frühwarnsystem für Cyber-Sicherheitsvorfälle

[30.03.2026] Angesichts der angespannten Cyber-Sicherheitslage stärkt das BSI die Reaktionsfähigkeit gegen IT-Sicherheitsvorfälle. Mit den öffentlichen IT-Dienstleistern von Ländern und Kommunen soll der Einsatz von Datensensorik ausgebaut werden – als Grundlage für Echtzeitanalysen und erster Schritt Richtung Cyberdome. mehr...

Markus Bauer (Landrat Salzlandkreis), Hendrik Nitz (Chief Governance Officer GISA GmbH), Dirk Helbig (Stabsstellenleiter und CDO / CIO Salzlandkreis)
(Quelle: GISA GmbH)

Salzlandkreis: IT digital resilient machen

[04.03.2026] Um die digitale Resilienz seiner Verwaltung nachhaltig zu erhöhen, setzt der Salzlandkreis auf eine umfassende Sicherheitsinitiative. Unterstützt wird die Kommune dabei von dem Unternehmen GISA. mehr...

Meeting im Büro, Person am Kopfende des Tisches sieht sehr angespannt aus, die anderen sind unscharf (Bewegungsunschärfe)

CSBW: IT-Notfallübung für Krisenstäbe in Kommunen

[02.03.2026] Die Cybersicherheitsagentur Baden-Württemberg (CSBW) bietet Kommunen IT-Notfallübungen an. Unter realistischen Bedingungen werden Krisenstab, Krisenkommunikation und IT-Notfallhandbuch geübt, anschließend erhalten die Teilnehmenden einen individuellen Maßnahmenplan. Termine für 2026 sind ab sofort buchbar. mehr...

Kommunen benötigen einen Notfallplan für Cyber-Attacken.

Hessen: Neue Angebote für kommunale Cyber-Sicherheit

[18.02.2026] Angesichts wachsender Cyber-Angriffe erweitert Hessen sein Unterstützungsangebot für Kommunen: Neu sind eine Notfallhilfe bei IT-Ausfällen sowie Trainings zur Sensibilisierung von Beschäftigten. Innenminister Roman Poseck ruft Städte und Gemeinden auf, die kostenfreien Angebote zu nutzen. mehr...

Symbolische Darstellung eines digitalen Schutzschildes gegen Cyberattacken.

Berlin: 12. Kommunaler IT-Sicherheitskongress

[04.02.2026] Die kommunalen Spitzenverbände laden am 27. und 28. April zum 12. Kommunalen IT-Sicherheitskongress (KITS) in einem hybriden Format ein. Die Themen reichen vom Grundschutz++ über Erfolgsmodelle für die kommunale Zusammenarbeit bis hin zu Open Source und Künstlicher Intelligenz (KI). Die Veranstaltung ist kostenfrei. mehr...

Alt-Text: Vier Männer in dunklen Anzügen stehen vor einer blauen Wand. Zwei Männer halten ein Zertifikat in die Kamera.

BSI/SIT: Zertifizierte Sicherheit

[27.01.2026] Der kommunale IT-Dienstleister Südwestfalen-IT (SIT) hat vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ein ISO-27001-Zertifikat auf Basis von IT-Grundschutz erhalten. Zertifiziert wurden unter anderem Rechenzentrumsbetrieb und Verwaltungs-PKI. mehr...

Silhouette einer gesichtslosen Person mit Kapuzenpulli die auf einer Tastatur tippt, im Bildvordergrund ist ein abstrakt dargestelltes Schutzschild zu sehen.

Heidelberg: Hacker-Angriffe abgewehrt

[23.01.2026] Heidelberg verzeichnet seit Wochen wiederholte DDOS-Attacken auf die Website der Stadt. Dank kontinuierlich angepasster Sicherheitsmaßnahmen konnten die Angriffe allesamt abgewehrt werden. Durch die Maßnahmen war lediglich die Website hin und wieder für wenige Minuten nicht erreichbar. mehr...

Mann im weißen Hemd sitzt vor mehreren Monitoren und zeigt auf einen davon.
bericht

Kreis Breisgau-Hochschwarzwald: Managed Security für sensible Daten

[22.01.2026] Das Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald verwaltet sensible Bürger- und Sozialdaten – IT-Sicherheit hat hohe Priorität. Die Behörde nutzt eine Managed-Extended-Detection-and-Response-Lösung des Bochumer Sicherheitsspezialisten G Data. Ein Praxisbericht zeigt, welche Anforderungen es gab und wie Zusammenarbeit und Roll-out verliefen. mehr...

Vektorgrafik die unter anderem ein Schutzschild mit Verriegelungsschloss zeigt.

Kommunale IT-Sicherheit Bayern: 1.000. Siegel geht an Bodenwöhr

[19.01.2026] Bayern hat zum mittlerweile 1.000. Mal das Siegel Kommunale IT-Sicherheit verliehen. Erhalten hat es die Gemeinde Bodenwöhr. Die Kommune wird das Thema IT-Sicherheit weiterhin im Blick behalten und laufend nachbessern. mehr...