Dienstag, 13. Oktober 2026

StudieKI ist in deutschen Behörden angekommen

[13.07.2026] Knapp 83 Prozent der Beschäftigten im öffentlichen Sektor in Deutschland nutzen bereits Künstliche Intelligenz. Das zeigt die Studie „Global AI Adoption Survey“. Gleichzeitig fehlen nach Einschätzung vieler Befragter klare Regeln, Schulungen und technische Voraussetzungen für einen sicheren und systematischen Einsatz.

Fast 96 Prozent der KI-Nutzenden in Behörden verwenden Chatbots und KI-Assistenten.

(Bildquelle: Adobe Stock)

Künstliche Intelligenz gehört für viele Beschäftigte im öffentlichen Sektor inzwischen zum Arbeitsalltag. Das zeigt die deutsche Auswertung der internationalen Studie „Global AI Adoption Survey“, für die zwischen Oktober 2025 und Januar 2026 insgesamt 445 Beschäftigte aus deutschen Behörden und öffentlichen Einrichtungen befragt wurden. Die Stichprobe ist nach Angaben der Autorinnen und Autoren zwar nicht repräsentativ, aber stark kommunal geprägt und ermöglicht Einblicke in die aktuelle Nutzung von KI im Verwaltungsalltag. Knapp 83 Prozent der Befragten gaben an, bereits KI-Werkzeuge beruflich einzusetzen. Damit sei die entscheidende Frage nicht mehr, ob KI im öffentlichen Sektor angekommen sei, sondern wie sie genutzt werde und welche organisatorischen Voraussetzungen dafür geschaffen werden müssten. 

Chatbots und KI-Assistenten breit im Einsatz

Besonders häufig kommen leicht zugängliche Anwendungen zum Einsatz. Fast 96 Prozent der KI-Nutzenden verwenden Chatbots und KI-Assistenten wie ChatGPT oder Microsoft Copilot. Rund 37 Prozent setzen Systeme zum Suchen, Organisieren und Teilen von Wissen ein. Deutlich seltener werden spezialisierte Anwendungen etwa für Prognosen, Empfehlungssysteme oder Identitätserkennung genutzt. Mehr als ein Drittel der Nutzenden arbeitet täglich oder mehrmals pro Woche mit KI. 

Wer bislang keine KI nutzt, begründet dies der Studie zufolge nur selten mit fehlenden Kenntnissen. Ausschlaggebend sind vielmehr Datenschutzbedenken, fehlende Freigaben durch die eigene Organisation und der Wunsch, zunächst offizielle Richtlinien abzuwarten. Rund 41 Prozent der Nichtnutzenden sorgen sich um den Umgang mit personenbezogenen Daten, 38 Prozent wollen zunächst verbindliche Vorgaben abwarten und gut ein Drittel gibt an, dass die eigene Organisation den Einsatz von KI nicht erlaubt. 

Defizite bei der organisatorischen Unterstützung

Die Befragten trauen sich den Umgang mit KI grundsätzlich zu. Knapp 86 Prozent der Nutzenden geben an, zu wissen, wie KI-Werkzeuge funktionieren, fast 95 Prozent sind überzeugt, den Umgang damit erlernen zu können. Gleichzeitig berichten nur knapp 30 Prozent von ausreichenden Schulungen. Weniger als 40 Prozent sehen in ihrer Organisation Möglichkeiten, technische Kompetenzen oder den kritischen Umgang mit KI systematisch zu erlernen. 

Auch bei der organisatorischen Unterstützung sehen viele Beschäftigte Defizite. Nur rund ein Viertel der Befragten ist der Ansicht, dass ihre Organisation ausreichende Unterstützung für die Nutzung von KI bietet. Lediglich 22 Prozent sehen genügend finanzielle Mittel oder eine regelmäßig modernisierte IT-Infrastruktur für den KI-Einsatz. Die Studie kommt deshalb zu dem Schluss, dass die individuelle Nutzung der organisatorischen Entwicklung deutlich voraus sei. 

Positive persönliche Erfahrungen

Die persönlichen Erfahrungen mit KI fallen überwiegend positiv aus. Rund 74 Prozent der Nutzenden berichten von guten oder sehr guten Erfahrungen. Mehr als 92 Prozent wollen KI auch künftig einsetzen. Die meisten sehen Vorteile bei der schnelleren Erledigung von Aufgaben, der Unterstützung kreativer Tätigkeiten und der allgemeinen Arbeitsorganisation. Die Verbesserung der Arbeitsqualität bewerten die Befragten dagegen zurückhaltender. 

Trotz der hohen Akzeptanz bleibt die Haltung gegenüber KI kritisch. Nur etwa 15 Prozent halten die Ergebnisse von KI-Anwendungen grundsätzlich für korrekt. Lediglich sechs Prozent gehen davon aus, dass KI transparent arbeitet. Nur 2,7 Prozent vertrauen darauf, dass KI-Systeme ihre Daten schützen, und lediglich elf Prozent fühlen sich wohl dabei, KI personenbezogene Daten zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig geben mehr als 84 Prozent an, sich der Risiken eines möglichen Datenmissbrauchs bewusst zu sein. 

Verbindliche Governance-Strukturen

Im Fazit der Studie sehen die Autorinnen und Autoren den öffentlichen Sektor an einem Wendepunkt. KI werde bereits vielfach aus eigenem Antrieb genutzt. Nun komme es darauf an, diese Entwicklung durch rechtskonforme Anwendungen, verbindliche Governance-Strukturen sowie den Ausbau von Kompetenzen und Schulungsangeboten organisatorisch abzusichern.

Alexander Schaeff




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