Deutscher LandkreistagKommunen in Modernisierungsagenda einbinden

Um die kommunale Ebene tatsächlich zu entlasten, muss unter anderem die Bürokratie reduziert werden.
(Bildquelle: antaricode/123rf.com)
Der Deutsche Landkreistag (DLT) begrüßt die jetzt von Bund und Ländern vereinbarte föderale Modernisierungsagenda laut eigenen Angaben ausdrücklich. „Das ist ein wichtiger Schritt hin zu einem deutlich schnelleren und digitaleren Staat. Entscheidend ist jetzt, dass die Vorhaben auch tatsächlich zu einem wirksamen Bürokratierückbau, zur Reduzierung unnötiger Aufgaben und zu standardisierten digitalen Verfahren führen. Nur das stärkt und entlastet die kommunale Ebene“, lautet eine erste Bewertung des DLT-Präsidenten Landrat Achim Brötel. „Die Agenda greift viele unserer langjährigen Forderungen auf – vom Abbau von Berichtspflichten über Vereinfachungen im Planungs- und Vergaberecht bis hin zur Digitalisierung staatlicher Leistungen. Jetzt kommt es allerdings entscheidend darauf an, dass aus Überschriften auch eine spürbare Entlastung für die Bürgerinnen und Bürger, für die Betriebe vor Ort sowie für die Kommunen entsteht.“
Brötel weist darauf hin, dass Digitalisierung aus Bürgersicht nicht zwingend mit einer Zentralisierung verbunden sein muss. Im Gegenteil: Gerade digitale Lösungen böten die Möglichkeit, bewährte Ansprechpartner vor Ort zu erhalten und gleichzeitig über einheitliche Softwarelösungen und Einstiegsportale zu einer besseren Aufgabenerledigung zu kommen. „Föderalismus und kommunale Selbstverwaltung sind die Grundlagen unseres leistungsfähigen modernen Staates“, erklärt Brötel. „Was wir deshalb jetzt brauchen, ist Mut zu rein digitalen Lösungen. Diese Lösungen können am Ende allerdings auch kommunal mit bundesweit einheitlichen Zugängen und Verfahren durchgeführt werden. Aufgabenverlagerungen auf Landes- oder Bundesbehörden sollten deshalb tatsächlich nur dort erfolgen, wo sie eindeutig Effizienzgewinne bringen, vollständig digitalisierbare Vorgänge betreffen und keine neuen Schnittstellen schaffen.“ Eine isolierte Herausnahme einzelner Teilaufgaben lehnen die Landkreise laut dem DLT deshalb ab, weil so die latente Gefahr besteht, dass es mehrere Ansprechpartner für Bürger und Betriebe gibt und Personal am Ende womöglich doppelt vorgehalten werden muss.
Zusätzlichen Aufwand verhindern
Für die Erwerbsmigration und die Einwanderung in Ausbildung, Studium und Qualifizierungsmaßnahmen wollen Bund und Länder laut der Modernisierungsagenda eine optimierte, durchgehend digitalisierte Prozesskette schaffen. Eine Work-and-Stay-Agentur (WSA) soll entstehen. Die muss laut Brötel unter Wahrung bestehender kommunaler Zuständigkeiten eine durchgängige Digitalisierung ermöglichen und das Visumsverfahren sowie die Verfahren der Berufsanerkennung eng mit den kommunalen Anknüpfungspunkten – etwa in Beratung, Integration und familiärer Betreuung – verknüpfen. „Uns ist die Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland wichtig“, sagt der DLT-Präsident. „Deshalb beraten wir in Willkommens-Centern aus einer Hand, betreuen auch die mitreisenden Familienangehörigen von Anfang an und unterstützen das örtliche Handwerk und den Mittelstand bei der Suche nach Fachkräften. Dieses dichte kommunale Netz gilt es auch im Falle einer Neuorganisation zu sichern.“
Dass Schriftformerfordernisse und Nachweispflichten zurückgefahren und digitale Verfahren gestärkt werden sollen, bewertet Brötel positiv. Dabei müssten bestehende Spielräume im Verfahrensrecht konsequenter genutzt werden. „Generell braucht es eine an den Bedürfnissen der Bürger und Unternehmen ausgerichtete digitale Verwaltung. Digital only muss deshalb zur neuen Normalität werden“, so der DLT-Präsident. Dazu sei es sinnvoll, Landkreise, Städte und Gemeinden in alle vorgesehenen Vorhaben schon frühzeitig mit einzubinden – bis hin zur Erprobung in Pilotkommunen.
Kritisch sieht der Deutsche Landkreistag laut eigenen Angaben nur wenige Elemente der ansonsten aus kommunaler Sicht sehr positiven Modernisierungsagenda. Das geltet beispielsweise für das Instrument der Genehmigungsfiktionen zur vermeintlichen Beschleunigung von Verfahren. „Wer schnellere Verfahren will, muss an die Ursachen ran. Das sind und bleiben aber schlicht und ergreifend viel zu komplexe gesetzliche Vorgaben, ständig neue Anforderungen und die fehlenden Ressourcen. Genehmigungsfiktionen allein lösen diese Probleme nicht, sondern verlagern häufig nur die Arbeit auf andere und schaffen so am Ende womöglich zusätzlichen Aufwand.“
Hochsauerlandkreis: Weichenstellung für die Zukunft
[11.03.2026] Im Hochsauerlandkreis will ein neuer Ausschuss für Digitalisierung und Verwaltungsmodernisierung für Zukunftsfähigkeit sorgen. In der Auftaktsitzung befassten sich die Ausschussmitglieder intensiv mit dem aktuellen Stand der Verwaltungsdigitalisierung und dem Ausbau der Breitband- und Mobilfunkinfrastruktur. mehr...
Digitalisierung: Wiens sozialer Auftrag
[10.03.2026] Technologie soll Freiheit schaffen – nicht einengen, sagt Nikolaus Reisel. Kommune21 sprach mit dem Head of Platform der Stadt Wien über digitalen Humanismus, offene Standards und den Einsatz von KI in der Verwaltung der österreichischen Hauptstadt. mehr...
Hessen: Standardbefreiung online beantragen
[09.03.2026] Hessens Kommunen sollen die Möglichkeit haben, neue Wege der Aufgabenerfüllung zu erproben. Die so genannte Standardbefreiung erlaubt es kommunalen Körperschaften, von landesrechtlichen Regelungen abzuweichen, um Abläufe zu modernisieren und Bürokratie abzubauen. Dazu gibt es jetzt einen unkomplizierten Online-Antrag. mehr...
Spitzenverbände: Kommunale Handlungsfähigkeit sichern
[06.03.2026] Die kommunalen Spitzenverbände warnen vor der Handlungsunfähigkeit von Städten, Landkreisen und Gemeinden. Bund und Länder müssten dringend Maßnahmen ergreifen, sollen die kommunalen Haushalte nicht vollständig kollabieren. mehr...
NExT/DigitalService: Nachhaltige Verwaltungsmodernisierung
[05.03.2026] Eine gemeinsame Veröffentlichung von NExT und dem DigitalService des Bundes zeigt Wege zu einer wirksamen Verwaltungsdigitalisierung. Dabei wird deutlich: Nachhaltige Effekte und eine echte Digitalrendite entstehen vor allem durch die gezielte Modernisierung der Verwaltungsstrukturen. mehr...
DStGB: Praxisnaher Rahmen für Parkraumkontrolle
[02.03.2026] Die Kommunalen Spitzenverbände äußerten sich bei einer Anhörung im Bundestag zu geplanten Gesetzesänderungen, die auch die digitale Parkraumkontrolle betreffen. Sie fordern unter anderem eine praxisgerechte, flexible und technologieoffene Umsetzung ohne zusätzliche Bürokratie. mehr...
Hessen: Land und Kommunen gestalten Zukunft
[23.02.2026] In Hessen haben das Land und die Kommunalen Spitzenverbände den Zukunftspakt vereinbart, um die kommunale Selbstverwaltung zu stärken. Dies soll durch den Abbau bürokratischer Lasten, eine faire Finanzierung und engere Zusammenarbeit der Ebenen bei der Digitalisierung erreicht werden. mehr...
Thüringen: Digitalisierung auf Kurs
[17.02.2026] Platz vier im Bundesvergleich, Vorreiter bei digitaler Souveränität und Open Source sowie klare Pläne für 2026 – was hinter den Zahlen steckt und wo Thüringen bewusst andere Wege geht, erläutert Landes-CIO Milen Starke im Interview. mehr...
Frankfurt am Main: Neues Transformation Office
[16.02.2026] In Frankfurt am Main übernimmt nun das Transformation Office die Steuerung der Digitalisierungsvorhaben in der Verwaltung. Wurden die Projekte bislang überwiegend dezentral realisiert, sollen diese fortan beim Transformation Office gebündelt und so effizienter und wirkungsvoller umgesetzt werden. Das Office arbeitet mit allen Ämtern der Stadt zusammen. mehr...
Heidelberg / Hochschule Ludwigsburg: Theorie und Praxis verzahnen
[09.02.2026] Mit dem Ziel, die digitale Modernisierung der Verwaltung voranzutreiben, haben die Stadt Heidelberg und die Hochschule Ludwigsburg jetzt eine Kooperation vereinbart. Geplant sind regelmäßige gemeinsame Forschungsprojekte, aus denen sich Best-Practice-Beispiele auch für andere Kommunen ableiten lassen. mehr...
Schleswig-Holstein: Konsequent digital
[28.01.2026] Von Anlagengenehmigung bis zum Wohngeld: Schleswig-Holstein setzt den Roll-out von Onlinediensten und die Digitalisierung der Verwaltung weiter konsequent um. Ein landeseigenes Digitalisierungs-Dashboard soll die Fortschritte künftig visualisieren. mehr...
OZG-Leistungen: Schub für die digitale Verwaltung
[26.01.2026] Der Bund sowie Bayern und Hessen als Pilotländer erproben einen neuen Weg, um digitale Verwaltungsdienste überall anbieten zu können. Dabei finanziert der Bund Roll-in-Teams für die Kommunen, während sich die Länder verpflichten, bis Ende 2026 fünf Online-Dienste landesweit einzuführen. Das Verfahren soll auf andere Länder übertragen werden. mehr...
Deutscher Städtetag: Lüneburgs OB ist neue Vizepräsidentin
[26.01.2026] Lüneburgs Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch ist die neue Vizepräsidentin des Deutschen Städtetages. Sie folgt auf Katja Dörner, die im Herbst 2025 nicht erneut zur Oberbürgermeisterin gewählt wurde und somit auch aus dem Präsidium des DST ausgeschieden ist. mehr...
Potsdam: Neuer Digitalisierungsrat
[19.01.2026] In Potsdam hat sich der zweite Digitalisierungsrat der Stadt konstituiert. Er soll in den kommenden drei Jahren den digitalen Wandel der brandenburgischen Landeshauptstadt begleiten und bringt dafür Expertise aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft ein. mehr...
Saarland: Dritte Auflage des E-Government-Pakts
[08.01.2026] Das Saarland und die Kommunen haben die dritte Auflage ihres E-Government-Pakts unterzeichnet. Das Land wird demnach die Kommunen bei der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes (OZG) und beim Ausbau digitaler Angebote unterstützen. Ein gemeinsames IT-Steuerungsgremium wird die vereinbarten Maßnahmen begleiten. mehr...























