Donnerstag, 10. September 2026

WürzburgKonzept für die Mainregiopole

[12.08.2019] Ein Konzept für die weitere Digitalisierung hat die Stadt Würzburg verabschiedet. smartwue beinhaltet Projekte wie eine Indoor-Navigation für das Rathaus, Chatbots, eine Bürgerbeteiligungsapp sowie die Schaffung einer Open-Data-Plattform.
Digitalisierungskonzept smartwue soll Lebensqualität steigern.

Digitalisierungskonzept smartwue soll Lebensqualität steigern.

(Bildquelle: Stadt Würzburg/Montage M. Westendorf)

Die Würzburger Stadtverwaltung nutzt die Möglichkeiten der Digitalisierung schon seit Langem in vielen Einzelprojekten. Allerdings haben sich die Rahmenbedingungen in den vergangenen Jahren entscheidend verändert. Das Werkzeug, das der Kommune bislang half, diverse Aufgaben besser zu erledigen, hat sich durch die exponentielle Leistungsentwicklung der Hardware, aber auch durch die komplexeren und sich immer stärker vernetzenden Software-Anwendungen dramatisch weiterentwickelt. Heute können mit diesen Tools Fragen bearbeitet werden, an die man vor fünf oder zehn Jahren noch gar nicht zu denken wagte. Außerdem hat Würzburg – wie alle deutschen Kommunen – durch das im Jahr 2017 erlassene Onlinezugangsgesetz (OZG) den gesetzlichen Auftrag, bis zum Jahr 2022 alle Verwaltungsleistungen über Verwaltungsportale auch digital anzubieten und diese Portale zu einem Verbund zu verknüpfen.

Umsetzung auch ohne Fördermittel

Vor diesem Hintergrund ist es das aktuelle Ziel der mainfränkischen Regiopole, digitale Lösungen noch stärker und strategischer zu nutzen. So beschäftigt sich der Fachbereich Wirtschaft, Wissenschaft und Standortmarketing (FB WWS) der Stadt Würzburg seit Ende 2017 intensiv mit dem Thema Smart City. Seit April 2019 liegt unter dem Titel smartwue ein vom FB WWS unter Einbindung diverser Gremien, Interessensvertreter und Experten erstelltes und vom Stadtrat beschlossenes Konzept vor, welches das weitere Vorgehen bei der Digitalisierung der Verwaltung und der Stadt skizziert.
Einen zusätzlichen Impuls erhielten die konzeptionellen Bemühungen durch die Teilnahme Würzburgs an einem Wettbewerb des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat im Mai 2019. Das Ministerium will damit die Planung und Umsetzung digitaler Strategien für lebenswerte Städte fördern. Leider konnte sich die Stadt Würzburg mit ihrem Antrag im Wettbewerb nicht durchsetzen. Aber auch ohne diese zusätzlichen Mittel werden die im Folgenden in Auszügen geschilderten Digitalisierungsziele in Angriff genommen – nur in etwas kleinerem Maßstab und vermutlich etwas langsamer als mit der erhofften Förderung.

Verbesserungen bei Inklusion und Integration

Grundsätzlich haben alle im smartwue-Konzept zusammengetragenen Vorhaben den Anspruch, die Lebensqualität der Bürger in Bereichen wie Gesundheit, Umwelt, Arbeit, Wohnen und Mobilität zu steigern. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf Verbesserungen bei Inklusion und Integration. In diese Richtung zielt zum Beispiel ein neues System zur Indoor-Navigation. Eine von Wissenschaftlern der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt entwickelte App soll in einer geplanten Pilotphase Bürgern, Mitarbeitern und Externen ein leichteres Zurechtfinden im Würzburger Rathaus ermöglichen. Das System hat großes Ausbaupotenzial. Neben einer zukünftigen Nutzung in Museen und bei digitalen Stadtführungen kann es eine wichtige Hilfestellung für sehbehinderte, mobil eingeschränkte und ausländische Menschen sein.
Ein weiteres digitales Service­angebot der Stadt Würzburg sind Chatbots. Hierbei stellen die Nutzer ihre Fragen online einer umfangreichen Datenbank, die nützliche Tipps und Links in die Antwort packt. Momentan sind in einer Pilotphase auf der städtischen Internet-Seite www.wuerzburg.de zwei Chatbots in den Bereichen Tourismus und Bürgerbüro erfolgreich im Einsatz.

Transparenz und Mitgestaltung stärken

Ebenfalls schon teilweise aktiv ist das Online-Bewerberportal. Dieses stellt Fragebögen im Inter- und Intranet bereit. Auch eine Bewerbung über mobile Endgeräte ist möglich. Die von den Bewerbern eingetragenen Daten werden anschließend im System gesichtet. Die nächsten Schritte erfolgen per E-Mail – die entsprechenden Verknüpfungen und Vorlagen sind im System hinterlegt. Das Online-Bewerberportal ist seit April dieses Jahres testweise im Bereich der Ausbildungsplätze im Einsatz. Nach der Erprobungsphase ist ein weiterer Roll-out innerhalb der Stadtverwaltung noch für diesen Sommer geplant.
Auf dem Weg zur smarten Stadt stärkt Würzburg auch Transparenz und Mitgestaltung. So sollen die Bürger beispielsweise über eine neue App nicht nur Vorschläge für Projekte machen, sondern über ein ausgeklügeltes Bewertungsverfahren auch darüber abstimmen können, welche Vorhaben sie als gut und unterstützenswert erachten. Die Idee entstand im Rahmen einer Semesterarbeit der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt im Winter 2018/2019 und soll mit einer Software-Firma durch eine Prototyperstellung ausgebaut und weiterverfolgt werden.
Das Lob- und Beschwerde-Management der Stadt Würzburg funktioniert E-Mail-basiert über ein Formular auf der Website. Damit können sich die Bürger jederzeit und niedrigschwellig an die Stadt wenden. Die Verwaltung ihrerseits profitiert von standardisierten Abläufen. Das System ist bereits etabliert, Entwicklungspotenzial liegt in einer noch stärkeren Automatisierung. Es ist zudem denkbar, eine gemeinsame Plattform für alle Bürgerbeteiligungsfelder – wie Ideen, Lob und Beschwerden – zu entwickeln, um den Bürgern in nur einer Anwendung ein umfassendes Beteiligungsangebot zu machen.

Open-Data-Portal in Arbeit

Für noch mehr Offenheit baut die Stadt Würzburg derzeit ihr Geo-Informationssystem (GIS) zu einem Bürger-GIS aus. Ziel ist es, raumbezogene, bürgerrelevante Themen nutzerfreundlich in einer interaktiven Kartenanwendung im Responsive Design der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Ebenfalls in Arbeit ist die technische Infrastruktur für eine Open-Data-Plattform. Dabei schafft die Wirtschaftsförderung der Stadt zusammen mit Partnern aus Hochschule und Wirtschaft ein Datenportal, das eigens für die Bereitstellung von Verwaltungsdaten und -dokumenten konzipiert ist. Dieses sorgt nicht nur für mehr Transparenz, sondern kann im Idealfall die Grundlage für neue Geschäftsideen sein.
Als infrastrukturelle Basis für digitale Kommunikation kann bereits auf das Würzburger WiFi-Netzwerk sowie 3G- und LTE-Netzwerke zurückgegriffen werden. Als Besonderheit verfügt Würzburg über ein lokales, vom Unternehmen Mainfrankennetze betriebenes Glasfasernetz. Ein 5G-Netz und ein Long Range Wide Area Network (LoRaWAN) sind initiiert. Bei Letzterem handelt es sich um ein Netzwerkprotokoll, das für lange Reichweiten ausgelegt ist sowie die Vernetzung von Dingen mit dem Internet über größere Reichweiten hinweg und bei vergleichsweise geringem Energieverbrauch ermöglicht. Denkbare Smart-City-Einsatzfelder sind die Parksensorik, das Abfall- und Flotten-Management, Smart Metering oder eine smarte Beleuchtungssteuerung. Bis Ende dieses Jahres soll in Würzburg ein Pilotnetz die ersten Daten an eine Plattform oder an einen Server liefern.

Klaus Walther ist Leiter des Fachbereichs Wirtschaft, Wissenschaft und Standortmarketing (FB WWS) bei der Stadt Würzburg.


Stichwörter: Smart City, Würzburg


Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Smart City
Stuttgarter Schlossplatz mit Jubiläumssäule bei gutem Wetter, Menschen sitzen auf der Wiese.

Smart City Index 2026: Stuttgart übernimmt die Spitze

[09.09.2026] Stuttgart führt erstmals den Smart City Index des Digitalverbands Bitkom an und verdrängt München auf Rang 2. Hamburg folgt auf Platz 3. Mönchengladbach, Bremen, Erlangen und Hildesheim zählen zu den größten Aufsteigern unter den deutschen Großstädten. mehr...

Stadtansicht Braunschweig

Braunschweig: Innovationsstrategie für die digitale Zukunft

[09.09.2026] Für die digitale Transformation der Verwaltung hat Braunschweig eine Innovationsstrategie vorgelegt, über die der Rat Ende September entscheidet. Sie umfasst den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Cloud-Lösungen sowie den Aufbau einer urbanen Datenplattform. mehr...

Smart-City-Plattformen: Neuer DIN-Standard veröffentlicht

[07.09.2026] Handlungsempfehlungen für den Aufbau resilienter, skalierbarer und nachhaltiger Smart-City-Infrastrukturen liefert jetzt die neue DIN SPEC 91377 zu „Datenmodellen und Protokollen in offenen urbanen Plattformen“. mehr...

Wolfsburg: Virtuelles Modell für reale Planungen

[02.09.2026] Das virtuelle Wolfsburg ist fertig. Der vollständig auf Open-Source-Technologien basierende digitale Stadtzwilling bündelt unter anderem Klima-, Wetter- und Straßenzustandsdaten und soll städtebauliche Vorhaben anschaulicher machen – für die Planenden ebenso wie für Bürgerinnen und Bürger. mehr...

Lächelnde Frau im geblümten Sommerkleid vor einem großen Monitor.

Hanau: Mit einem Klick informiert

[31.08.2026] Hanau hat eine öffentliche Datenplattform freigeschaltet, die Live-Informationen zu Parkraum, Innenstadtfrequenz und Wetter bündelt. Das browserbasierte Dashboard ist kostenlos und ohne Anmeldung verfügbar und soll um weitere Smart-City-Anwendungen ergänzt werden. mehr...

Drei Menschen mit Spaten, im Hintergrund ein orangefarbenes Baufahrzeug

Grünpflege: Smart Gießen in Augsburg

[31.08.2026] Augsburg baut die sensorgestützte Bewässerung seiner Stadtbäume aus. Messwerte aus mehreren Bodenschichten und Wetterdaten zeigen, wann und wo gegossen werden muss. So will die Stadt Wasser sparen, Pflegefahrten reduzieren und ihr Grün besser durch Trockenperioden bringen. mehr...

Smart-City-Strategie: Für viele Kommunen eine Herausforderung.

Smart City: Offenheit als Schutz vor Abhängigkeiten

[24.08.2026] Kommunen sollten ihre Smart-City-Infrastruktur so aufbauen, dass Systeme verschiedener Hersteller zusammenarbeiten und Daten unter kommunaler Kontrolle bleiben. Armin Mühlberger von sixData hat in einem Interview vor langfristigen Abhängigkeiten gewarnt und sieht offene Schnittstellen als Voraussetzung für flexible und sichere digitale Infrastrukturen. mehr...

Kartenansicht in Grau mit gelben, grünen und orangenen Punkten.

Karlsruhe: Kleinräumige Daten zum Stadtklima

[21.08.2026] Karlsruhe gehört zu den heißesten Städten in Deutschland. Hunderte Klimasensoren erheben nun detaillierte Daten zum Stadtklima, die auf einer Online-Karte ausgewertet werden können. Die Stadt hat bereits vor mehr als zehn Jahren ihre erste Klimaanpassungsstrategie veröffentlicht. mehr...

Ein Wasserhahn, aus dem Euroscheine fließen, wird von der Hand eines Mannes im schauten Anzu zugedreht
bericht

Serie Smart Cities, Teil 5: Digitalisierung verstetigen

[13.08.2026] In vielen Kommunen wurde die Einführung digitaler Lösungen mithilfe von Fördermitteln angestoßen. Was ist nun zu tun, um die Smart-City-Projekte auch nach dem Ende des Förderzeitraums finanzierbar zu machen und fest in den kommunalen Prozessen zu verankern? mehr...

Geflutete Straße in Deutschland, Schild Hochwasser im Vordergrund

Studie: Digitale Hochwasservorsorge

[10.08.2026] Eine neue Publikation aus der Begleitforschung des Programms Modellprojekte Smart Cities zeigt anhand mehrerer Praxisbeispiele, wie digitale Lösungen Kommunen bei der Hochwasservorsorge unterstützen. mehr...

Messfahrzeug zum Erfassen des Straßenzustands

Dresden: Straßenzustand smart erfasst

[07.08.2026] In der Smart City Dresden erfolgt derzeit eine Befahrung im gesamten Stadtgebiet, um den Zustand des Straßennetzes digital zu erfassen. In Kombination mit Sensordaten soll das der Stadt künftig ermöglichen, die finanziellen Mittel für den Straßenbau mit dem größtmöglichen Nutzen einzusetzen. mehr...

Abholboxen für Pässe oder Urkunden unweit des Wiesbadener Bürgerbüros.
bericht

Serie Digitalstädte: Stadt der Pilotprojekte

[04.08.2026] Wiesbaden setzt bei der Digitalisierung auf einen ganzheitlichen Ansatz. Bürgerorientierung steht bei allen Vorhaben im Vordergrund. Gleichzeitig beteiligt sich Hessens Landeshauptstadt an zwei prestigeträchtigen Pilotprojekten des Bundesdigitalministeriums. mehr...

Silke Lehnhardt
interview

Interview: Mehr Mut zum Ausprobieren

[04.08.2026] Silke Lehnhardt hat nach 30 Jahren Privatwirtschaft den Wechsel in die Verwaltung gewagt. In Wiesbaden leitet sie nun das Amt für Innovation, Organisation und Digitalisierung. mehr...

Gruppenbild mit Förderurkunde im Schatten eines Baumes

Dietzenbach: Nachhaltiger und noch smarter

[04.08.2026] Dietzenbach erweitert sein Smart-City-System um ein Energiemonitoring und eine automatisierte Wintergefahrenerkennung. Dafür integriert die Stadt erprobte Anwendungen anderer hessischer Kommunen in ihre bestehende Datenplattform. mehr...

Ein Sensor an einem Baum im Tennenloher Forst, im Hintergrund eine Feuerwehrkraft

Katastrophenschutz: Waldbrände mit KI frühzeitig erkennen

[03.08.2026] Im Rahmen des Projekts SmartForestFire entwickelt das Fraunhofer Cluster für kognitive Technologien CCIT ein KI-gestütztes Frühwarnsystem, um Brände schneller zu erkennen, Fehlalarme zu reduzieren und insbesondere kleinere oder kritische Waldgebiete effizient überwachen zu können. Im Tennenloher Forst bei Erlangen wird es aktuell unter realen Bedingungen erprobt. mehr...