Sonntag, 20. September 2026

HildesheimResilient in die Zukunft

[11.03.2021] Die Stadt Hildesheim will auf Krisen künftig dynamischer reagieren können. Ihre Smart-City-Strategie zielt deshalb darauf ab, die Stadtgesellschaft resilient zu gestalten, etwa durch eine Digitalisierungsfabrik oder ein offenes Portal zum Austausch von Daten.
Hildesheim: Smarte Stadt mit historischem Kern.

Hildesheim: Smarte Stadt mit historischem Kern.

(Bildquelle: 123rf.com/Marc Venema)

Nachdem die Stadt Hildesheim im September 2020 ihre Digitalisierungsstrategie vorgestellt hat, sind vom Stadtrat nun auch die strategischen Leitlinien „Hildesheim digital 2030“ beschlossen worden. Sie sind zugleich Basis für eine erfolgversprechende Bewerbung der niedersächsischen Kommune im Fördervorhaben Modellprojekte Smart Cities des Bundes.
Bei ihrer Bewerbung setzt die Stadt Hildesheim insbesondere auf das digitale Know-how vor Ort: Aktuell gibt es von verschiedenen stadtgesellschaftlichen Akteuren unterschiedlichste Digitalisierungsinitiativen und -strategien. Beispielhaft genannt seien das Zentrum für Digitalen Wandel der Stiftungsuniversität Hildesheim, der Digitalhub der Digitalcity GmbH sowie die verwaltungsweite Digitalisierungsstrategie und der Green-City-Plan der Stadtverwaltung.

Akzeptanz ist wichtig

Diese und viele weitere Initiativen zeigen das große Digitalisierungspotenzial und Know-how der Hildesheimer Stadtgesellschaft. Jedoch fokussieren sich die einzelnen Strategien und Projekte bisher meist auf gesonderte Themenkomplexe und bilden somit Insellösungen. Eine Strategie, welche allen interessierten Akteuren offensteht, bestehende Lösungen vernetzt und gewisse Rahmenbedingungen definiert, gibt es noch nicht. „Das soll sich nun ändern. Eine erfolgreiche digitale Transformation kann nämlich nur dann gelingen, wenn eine entsprechende Akzeptanz in der zu digitalisierenden Gesellschaft gegeben ist, die idealerweise an dem Prozess mitwirkt“, erklärt Oberbürgermeister Ingo Meyer. „Gemeinsam mit Vertretern aus Wissenschaft und Wirtschaft haben wir daher ein Smart City Board als Expertengremium gegründet, das dabei helfen soll, bis 2030 einen digitalen Transformationsprozess in Hildesheim zu initiieren. Wir haben in dieser Hinsicht bereits großes Potenzial, das es nun zu bündeln gilt.“

Ideen und Impulse sammeln

„Zentrales Instrument wird dabei ein Beteiligungsprozess sein, der Projektideen und Impulse für die digitale Transformation unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen der strategischen Leitlinien sammeln soll“, ergänzt Projektleiter Fabian Wächter von der Stabsstelle Digitalisierung der Stadt Hildesheim. Einbezogen werden sollen insbesondere Vertreter aus den Bereichen Verwaltung, Politik, Bildung, Soziales, Industrieller Mittelstand, Handwerk, Handel, Kunst und Kultur, Finanzen, Gewerkschaften, Gesundheit, Sport, Wirtschaft, Wohnen/Bauen, Energie, Gründerszene, Verkehr, Umwelt- und Klimaschutz sowie Presse. „Das Smart City Board erarbeitet dann ein entsprechendes Konzept, welches mit der Erarbeitung und Umsetzung einer gesamtstädtischen Smart-City-Strategie betreut wird und als Ansprechpartner für alle Digitalisierungsinteressierten dient. Neben der operativen Aufgabe wird das Smart City Board kontinuierlich Fördergelder evaluieren und nach Möglichkeit auch einwerben“, erläutert Wächter den vorgesehenen Prozess.
Zehn Leitlinien bilden den strategischen Rahmen für das Motto „Hildesheim Digital 2030“ und sind bei jeglicher Projektinitiierung und -umsetzung zu berücksichtigen. Für die inhaltliche Ausgestaltung der Bewerbung hat das Smart City Board die Stadt und die darin lebende Gesellschaft als hybrides Ökosystem definiert, in welchem analoge und digitale Elemente pa­ral­lel existieren und aufeinander angewiesen sind. Die Bewerbung der Stadt als Modellprojekt Smart City ist demzufolge auch darauf ausgerichtet, eine Resilienzsteigerung des hybriden Ökosystems der Stadt zu erreichen und steht unter der Überschrift HI 2030: Das resiliente Hildesheim der Zukunft.

Ökosystem Stadt ertüchtigen

Ziel ist es, das Ökosystem Stadt einhergehend mit den strategischen Leitlinien „Hildesheim digital 2030” so zu ertüchtigen, dass es auf zukünftige Krisen dynamischer und flexibler reagieren kann. Unabhängig von den aus der Strategie herauszuarbeitenden Projekten wurden bereits erste Maßnahmen zur Steigerung der Widerstandsfähigkeit und zum Gelingen der Strategie getroffen.
So benötigt Resilienz eine beschleunigte Bereitstellung von Software-Lösungen für die situationsgerechte Verknüpfung der analogen und digitalen Lebenswelt. In mehreren Iterationen wird daher eine agile Digitalisierungsfabrik realisiert. Diese erhöht über die Nutzung wiederverwendbarer Komponenten und Lösungen die Wirtschaftlichkeit. Darüber hinaus wird eine Beteiligungsplattform geschaffen, welche der Stadtgesellschaft von der Bedarfs­erhebung bis hin zur Software-Umsetzung mehr Teilhabe ermöglichen soll. Über die Digitalisierungsfabrik wird die Stadtgesellschaft als hybride Lebenswelt in die Lage versetzt, Digitalisierungsvorhaben agil und partizipativ umzusetzen, somit die Gewichtung von analogen und digitalen Lösungen immer wieder an akute Erfordernisse anzupassen und sich damit resilienter als bisher zu erweisen.

Änderung des Arbeitsumfelds

Die angestrebten digitalen Transformationsprozesse bedingen eine Änderung des Arbeitsumfelds sowohl auf Arbeitnehmer- als auch auf Arbeitgeberseite. Um weder die Wirtschaft noch den heimischen Arbeitsmarkt zu überfordern, wird es Unterstützungsangebote beim Aufbau digitaler Resilienzen durch die Teilhabe an und Vermittlung von Netzwerken und Weiterbildungsmöglichkeiten geben, sodass Software-Lösungen aus Unternehmen heraus entwickelt und gegenseitig nutzbar gemacht werden können.
Resiliente Lebenswelten verbinden digitale und analoge Elemente zu einem effizienten und effektiven hybriden Ökosystem. Eine solche hybride Lebenswelt bietet gänzlich andere Teilhabemöglichkeiten in Quartieren. Die darin begründete Flexibilität, also der situative Wechsel zwischen der analogen und digitalen Welt, führt zu einer tatsächlich resilienten Lebenswelt. Die skizzierten Lebenswelten werden in drei noch zu evaluierenden, quartiersbezogenen Reallaboren initiiert und anschließend stadtweit ausgerollt.

Offenes Integrationsportal

Eine weitere Maßnahme ist das offene Integrationsportal Hildesheim. Damit wird eine Open Urban Plattform Architecture konzipiert, wobei sowohl Bestandsdaten als auch dynamische Daten und Events explizit eingeschlossen werden. Dieser Prozess wird flankiert durch eine Erweiterung des existierenden freien Stadt-WLAN-Netzwerks, um eine weitere Abdeckung, vor allem im Hinblick auf die Reallabore, zu gewährleisten. Des Weiteren soll das gesamte Stadtgebiet mit LoRaWAN (Long Range Wide Area Network) versorgt werden, um insbesondere IoT-Lösungen (Internet of Things) für die verschiedensten Servicebereiche der Stadt zu unterstützen. Die Plattform wird als Integrationsportal dienen, das es ermöglicht, Daten der Stadt sowie der verschiedenen Versorger und Mobilitätsbetriebe ebenso auszutauschen, wie Daten zwischen Unternehmen und Privatpersonen. Ergänzt wird die Plattform durch ein Dash­board, das es erlaubt, wesentliche Kerninformationen – beispielsweise aus den Bereichen Energieversorgung oder Mobilität – permanent zu monitoren. Das soll eine größere Transparenz für die Stadtgesellschaft schaffen und die Akzeptanz für die Smart-City-Maßnahmen erhöhen.
Das Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim schließlich wird zum Reallabor für resiliente Kulturerlebnisse. Neben einer Verbesserung der digitalen Infrastruktur sollen insbesondere cloudbasierte Open-Source-Plattformen die Teilhabe der Gesellschaft an der Entdeckung, Erforschung und Nutzung von Kulturgütern möglich machen. Der Einsatz von Augmented Reality zur Rekonstruktion von Exponaten und deren Kontextualisierung innerhalb ihrer ursprünglichen Objektwelt werden ebenfalls Bestandteil dieses Reallabors.

Pressestelle der Stadt Hildesheim


Stichwörter: Smart City, Hildesheim


Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Smart City
Holzblöcke vor blauem Hintergrund bilden eine aufsteigende Treppe mit einem roten Block ganz oben. Symbol für eine Rangliste

Haselhorst Smart City Ranking: Ranking ohne Rangliste

[17.09.2026] Das Haselhorst Smart-City-Ranking verzichtet 2026 erstmals darauf, die Platzierungen der untersuchten Städte aktiv zu veröffentlichen. Ganz geheim bleibt die Rangliste dennoch nicht: München hat seinen erneuten ersten Platz bereits selbst bekannt gegeben. mehr...

Gruppenfoto mit Vertreterinnen und Vertretern der Urban Stack Community

Gütersloh: Zusammenarbeit im Urban Stack

[17.09.2026] Gemeinsam kommt man auf dem Weg zu Digitaler Souveränität besser voran: Dieser Überzeugung sind die aktuell zehn Kommunen, die sich der von der Stadt Gütersloh entwickelten Datenplattform Urban Stack bereits angeschlossen haben. Beim ersten Community-Treffen gab es jetzt konkrete Weichenstellungen und Neuigkeiten. mehr...

Fünf Personen präsentieren den neuen Sensor am Marktplatz Rheydt.

Mönchengladbach / Viersen: Nächtliche Kaltluftströme unter der Lupe

[16.09.2026] In einem gemeinsamen Smart-City-Projekt erforschen Mönchengladbach und Viersen über fest installierte Sensoren die Kaltluftströme in den beiden Städten. Ziel ist es, damit neue Datengrundlagen für Klimaanpassung und Stadtplanung zu schaffen. mehr...

Stuttgarter Schlossplatz mit Jubiläumssäule bei gutem Wetter, Menschen sitzen auf der Wiese.

Smart City Index 2026: Stuttgart übernimmt die Spitze

[09.09.2026] Stuttgart führt erstmals den Smart City Index des Digitalverbands Bitkom an und verdrängt München auf Rang 2. Hamburg folgt auf Platz 3. Mönchengladbach, Bremen, Erlangen und Hildesheim zählen zu den größten Aufsteigern unter den deutschen Großstädten. mehr...

Stadtansicht Braunschweig

Braunschweig: Innovationsstrategie für die digitale Zukunft

[09.09.2026] Für die digitale Transformation der Verwaltung hat Braunschweig eine Innovationsstrategie vorgelegt, über die der Rat Ende September entscheidet. Sie umfasst den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Cloud-Lösungen sowie den Aufbau einer urbanen Datenplattform. mehr...

Smart-City-Plattformen: Neuer DIN-Standard veröffentlicht

[07.09.2026] Handlungsempfehlungen für den Aufbau resilienter, skalierbarer und nachhaltiger Smart-City-Infrastrukturen liefert jetzt die neue DIN SPEC 91377 zu „Datenmodellen und Protokollen in offenen urbanen Plattformen“. mehr...

Wolfsburg: Virtuelles Modell für reale Planungen

[02.09.2026] Das virtuelle Wolfsburg ist fertig. Der vollständig auf Open-Source-Technologien basierende digitale Stadtzwilling bündelt unter anderem Klima-, Wetter- und Straßenzustandsdaten und soll städtebauliche Vorhaben anschaulicher machen – für die Planenden ebenso wie für Bürgerinnen und Bürger. mehr...

Lächelnde Frau im geblümten Sommerkleid vor einem großen Monitor.

Hanau: Mit einem Klick informiert

[31.08.2026] Hanau hat eine öffentliche Datenplattform freigeschaltet, die Live-Informationen zu Parkraum, Innenstadtfrequenz und Wetter bündelt. Das browserbasierte Dashboard ist kostenlos und ohne Anmeldung verfügbar und soll um weitere Smart-City-Anwendungen ergänzt werden. mehr...

Drei Menschen mit Spaten, im Hintergrund ein orangefarbenes Baufahrzeug

Grünpflege: Smart Gießen in Augsburg

[31.08.2026] Augsburg baut die sensorgestützte Bewässerung seiner Stadtbäume aus. Messwerte aus mehreren Bodenschichten und Wetterdaten zeigen, wann und wo gegossen werden muss. So will die Stadt Wasser sparen, Pflegefahrten reduzieren und ihr Grün besser durch Trockenperioden bringen. mehr...

Smart-City-Strategie: Für viele Kommunen eine Herausforderung.

Smart City: Offenheit als Schutz vor Abhängigkeiten

[24.08.2026] Kommunen sollten ihre Smart-City-Infrastruktur so aufbauen, dass Systeme verschiedener Hersteller zusammenarbeiten und Daten unter kommunaler Kontrolle bleiben. Armin Mühlberger von sixData hat in einem Interview vor langfristigen Abhängigkeiten gewarnt und sieht offene Schnittstellen als Voraussetzung für flexible und sichere digitale Infrastrukturen. mehr...

Kartenansicht in Grau mit gelben, grünen und orangenen Punkten.

Karlsruhe: Kleinräumige Daten zum Stadtklima

[21.08.2026] Karlsruhe gehört zu den heißesten Städten in Deutschland. Hunderte Klimasensoren erheben nun detaillierte Daten zum Stadtklima, die auf einer Online-Karte ausgewertet werden können. Die Stadt hat bereits vor mehr als zehn Jahren ihre erste Klimaanpassungsstrategie veröffentlicht. mehr...

Ein Wasserhahn, aus dem Euroscheine fließen, wird von der Hand eines Mannes im schauten Anzu zugedreht
bericht

Serie Smart Cities, Teil 5: Digitalisierung verstetigen

[13.08.2026] In vielen Kommunen wurde die Einführung digitaler Lösungen mithilfe von Fördermitteln angestoßen. Was ist nun zu tun, um die Smart-City-Projekte auch nach dem Ende des Förderzeitraums finanzierbar zu machen und fest in den kommunalen Prozessen zu verankern? mehr...

Geflutete Straße in Deutschland, Schild Hochwasser im Vordergrund

Studie: Digitale Hochwasservorsorge

[10.08.2026] Eine neue Publikation aus der Begleitforschung des Programms Modellprojekte Smart Cities zeigt anhand mehrerer Praxisbeispiele, wie digitale Lösungen Kommunen bei der Hochwasservorsorge unterstützen. mehr...

Messfahrzeug zum Erfassen des Straßenzustands

Dresden: Straßenzustand smart erfasst

[07.08.2026] In der Smart City Dresden erfolgt derzeit eine Befahrung im gesamten Stadtgebiet, um den Zustand des Straßennetzes digital zu erfassen. In Kombination mit Sensordaten soll das der Stadt künftig ermöglichen, die finanziellen Mittel für den Straßenbau mit dem größtmöglichen Nutzen einzusetzen. mehr...

Abholboxen für Pässe oder Urkunden unweit des Wiesbadener Bürgerbüros.
bericht

Serie Digitalstädte: Stadt der Pilotprojekte

[04.08.2026] Wiesbaden setzt bei der Digitalisierung auf einen ganzheitlichen Ansatz. Bürgerorientierung steht bei allen Vorhaben im Vordergrund. Gleichzeitig beteiligt sich Hessens Landeshauptstadt an zwei prestigeträchtigen Pilotprojekten des Bundesdigitalministeriums. mehr...