NürnbergVision der Stadt

Nürnberg: Gemeinschaftsprojekt Smart City.
(Bildquelle: Ramboll)
Digitale Verwaltungsprozesse, stabile Internet-Verbindungen im Homeoffice, Unterricht im virtuellen Raum oder Onlineshops des lokalen Einzelhandels – die Corona-Krise hat gezeigt, wie viel Nachholbedarf wir hierzulande im Bereich Digitalisierung haben. Durch die Erfahrungen der vergangenen Monate ist das Bewusstsein um die Bedeutung der Digitalisierung enorm gestiegen. Viele Kommunen denken um. Ging es lange Jahre noch immer um das Ob der Digitalisierung, diskutieren die Verantwortlichen spätestens jetzt über das Wie. Immer mehr Städte schlagen dabei den Weg Richtung Smart City ein und zielen mit ganzheitlichen, integrierten Entwicklungskonzepten darauf ab, das Leben in der Stadt smart zu gestalten – also nachhaltiger, energie- und ressourceneffizienter, technologisch innovativer, wirtschaftlich wettbewerbsfähiger und sozial inklusiver.
Silodenken überwinden
Dabei gilt es nicht nur, den technischen Wandel voranzutreiben, sondern vor allem auch althergebrachte Arbeitsweisen hinter sich zu lassen und neue, digitale Herangehensweisen zu etablieren. Denn viele Verwaltungen arbeiten bislang in traditionell gewachsenen, separaten Silos. Das heißt, einzelne Geschäftsbereiche der Verwaltungen, wie Mobilität, Bildung und Energiewirtschaft, sind streng nach Verantwortlichkeiten getrennt. Die Digitalisierung ist jedoch ein über alle Fachbereiche reichendes Querschnittsthema. Von der Stadtverwaltung über Wirtschaft, Wissenschaft und Bildungseinrichtungen bis hin zum privaten Lebensumfeld – eine nachhaltige smarte Stadtentwicklung erfordert eine gemeinsame Vision aller Beteiligten. Grundstein dafür ist das Bewusstsein, dass es sich bei der Digitalisierung um einen Standortfaktor für Kommunen handelt. Wichtig ist zudem der Wille, die anfänglich hohen Investitionen in die digitale Infrastruktur zu tragen. Die Digitalisierung erfordert von kommunalen Verantwortlichen also insgesamt viel Mut zu neuen Wegen.
Nachhaltig in die Zukunft
Die dänische Ingenieur- und Management-Beratung Ramboll beschäftigt sich seit Langem mit der Entwicklung und Umsetzung von Smart-City-Strategien für Kommunen. Mit einem breit aufgestellten Branchen- und Kompetenzspektrum bündelt das Unternehmen alle Leistungen in einer Hand, entwickelt ganzheitliche Ansätze und setzt in hohem Maß auf Kommunikation mit den Betroffenen sowie den Bürgern. Dabei greifen die Experten auch auf das Wissen aus den Nachbarländern Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland zurück. Denn in den Bereichen Open Data, Smart Mobility, digitale Bildung oder auch smarte Stromnetze sind die nordischen Kommunen den deutschen um einige Jahre voraus. Entscheidend war aber auch in den skandinavischen Ländern stets ein gemeinsames Verständnis von digitaler Transformation und deren Chancen für die Stadtgesellschaft.
#bild2 Den Beweis, wie eine Stadt in Deutschland nachhaltige Schritte in Richtung digitale Zukunft machen kann, liefert aktuell Nürnberg. Im Jahr 2019 hat die fränkische Metropole gemeinsam mit Ramboll die Dachstrategie Digitales Nürnberg entwickelt. Sie zielt darauf ab, die Lebensqualität für alle Bürger mithilfe neuer Technologien zu heben und gleichzeitig die Bedeutung der Stadt als digitaler Standort zu stärken. Im Herbst vergangenen Jahres gab der Nürnberger Stadtrat mit der Verabschiedung der strategischen Leitlinien den Startschuss für die Dachstrategie. Die Leitlinien definieren die Vision der Stadt sowie die Ziele und Handlungsfelder für die digitale Entwicklung. Darauf aufbauend entstand in Zusammenarbeit mit den Beratern von Ramboll eine Roadmap. Sie macht die Innovationspotenziale für die Stadt sichtbar, liefert konkrete Umsetzungsvorschläge und dient somit allen Verantwortlichen als Kompass für die Gestaltung des digitalen Nürnbergs.
Eine ganzheitliche Betrachtung
Der Roadmap ging ein zwölfmonatiger Partizipationsprozess mit Unterstützung der Bürgerbeteiligungsexperten von Ramboll voraus. Denn die Bewohner müssen bei digitalen Vorhaben als Nutzer sowie Kunden im Mittelpunkt der Entwicklungen stehen. Wo Digitalisierung nicht auf echten Bedarf und hohe Akzeptanz trifft, wird sie nicht funktionieren. Mit dem Ziel, den Diskurs zu fördern und den Austausch mit Fachleuten zu ermöglichen, wurden daher in Nürnberg neben einer öffentlichen Informationsveranstaltung vier Fokusgruppenworkshops mit Experten sowie Fachinterviews durchgeführt. Bürger konnten ihre Bedürfnisse zudem in zwei aufeinander aufbauenden Online-Beteiligungsformaten kundtun und wurden somit direkt in den Entstehungsprozess der Roadmap eingebunden. In einer Online-Blitzumfrage hatten die Teilnehmenden zunächst die Möglichkeit, Themen anzugeben, die eine wichtige Rolle bei der digitalen Entwicklung der Stadt Nürnberg spielen sollten. Die Ergebnisse der Blitzumfrage und einer analogen Dialogveranstaltung wurden anschließend als Grundlage für eine weitere vierwöchige E-Partizipation genutzt, in der die Bürger sowohl bestehende Beiträge und Ideen kommentieren als auch neue Vorschläge einreichen konnten. So entstand eine Roadmap, die digitale Innovationen nicht auf einzelne Akteure oder Geschäftsbereiche beschränkt, sondern Themen- und Handlungsfelder ganzheitlich und vernetzt betrachtet.
Ressourcen und Herausforderungen
Die Roadmap erkennt zum einen die vorhandenen Ressourcen der Stadtverwaltung und Stadtgesellschaft als Kapital der Zukunft an und identifiziert andererseits Herausforderungen und Zukunftstrends für die einzelnen Themen der Stadtentwicklung. In fünf übergeordneten Themenfeldern wurden für Nürnberg 13 konkrete Handlungsempfehlungen formuliert, die nun Schritt für Schritt in die Umsetzung überführt werden. Vom Aufbau einer digitalen Mobilitätsplattform über jährliche Digitalforen, in denen Familien ihre Wünsche zur digitalen Alltagsunterstützung mit Experten sowie der Stadtverwaltung diskutieren können, bis hin zu Reallaboren zur transdisziplinären Forschung nachhaltiger Lebens- und Wirtschaftsformen geht Nürnberg mutig den Weg in Richtung Smart City.
Verwaltung als treibende Kraft
Klassische Hemmnisse der Digitalisierung von Kommunen sind hierzulande fehlende Finanzmittel und fehlendes Wissen über Fördermöglichkeiten sowie rechtliche Hürden und ein Mangel an digitaler Kompetenz in den Verwaltungen. Viele Kommunen brauchen zum Beispiel Unterstützung, um sich im Förderdschungel und bei Finanzierungsfragen zurechtzufinden. Zudem fehlt oft schlichtweg die digitale Infrastruktur vor Ort. Schonungslos legt die Corona-Krise beispielsweise die Lücken in digitalen Bildungskonzepten und dem Ausbau digitaler Verwaltungen in Deutschland offen. Die Chance liegt jetzt darin, als Kommune ein neues Selbstverständnis zu entwickeln und Verwaltung selbst als treibende Kraft für digitale Lösungen zu verstehen. Engere Kooperationen von Wissenschaft und Wirtschaft sowie die Beteiligung und Information der Zivilgesellschaft helfen dabei, die komplexen Kompetenzfelder zu erschließen und langfristig zu digitalisieren. Der ganzheitliche Ansatz der digitalen Stadtentwicklung ermöglicht es außerdem, das Thema Nachhaltigkeit wieder stärker in den Blick zu nehmen und bestmöglich mit digitalen Lösungen zu unterstützen. Nürnberg verfolgt entsprechende Ziele beispielsweise durch den Aufbau einer digitalen Mobilitätsplattform. So steigern Kommunen nicht nur die Lebensqualität für ihre Bürger, sondern werden gleichzeitig zum attraktiven Wirtschaftsstandort für Unternehmen.
https://de.ramboll.com
Dieser Beitrag ist in der Ausgabe August 2020 von Kommune21 erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren.
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