Dienstag, 22. September 2026

MPSCVom Piloten zur Praxis (1) – Zusammenarbeit statt Insellösungen

[23.06.2026] Seit 2019 gibt es das Fördervorhaben Modellprojekte Smart Cities, über 70 Kommunen und Regionen haben bisher teilgenommen. Dabei entstanden nicht nur viele erfolgreiche technische Lösungen, sondern auch neue Formen kommunaler Zusammenarbeit – für viele Beteiligte ein entscheidender Faktor.

Aus einzelnen Piloten wurde eine Gemeinschaft, in der alle Kommunen zusammenarbeiten, sich austauschen und voneinander lernen – wie hier in einem Workshop auf dem 8. MPSC-Kongress im April 2026 in Berlin.

(Bildquelle: BMWSB / Reinaldo Coddou H.)

Dies ist Teil 1 einer zweiteiligen Miniserie. Hier geht es zu Teil 2.

Vor wenigen Jahren fehlte für viele Vorhaben der digitalen Stadtentwicklung noch jede Blaupause. Heute können Kommunen einen wachsenden Erfahrungsschatz nutzen. Sie übernehmen Lösungen wie Datenplattformen, City-Apps, Sensoriksysteme oder KI-Anwendungen, entwickeln sie weiter und teilen ihr Wissen. Es ist eine Kultur des Austauschs entstanden, mit Lösungen, die Kommunen im Alltag stärken und die zeigen, was Smart City bewirken kann.

Damit verändern sich die Perspektiven. Das gilt insbesondere für die 73 Modellprojekte Smart Cities (MPSC), die stellvertretend für alle Kommunen in Deutschland smarte Stadtentwicklung erproben. Die ersten von ihnen sind 2019 gestartet (wir berichteten). Mittlerweile haben sie im Rahmen des Förderprogramms mit Laufzeit bis 2030 rund 650 Maßnahmen konzipiert und umgesetzt. Daraus sind bisher nahezu 50 kuratierte Smart-City-Lösungen hervorgegangen und rund 300 Lösungen bereits von anderen Kommunen übernommen worden. Für die Modellprojekte rücken jetzt neue Fragen in den Fokus: Wie lassen sich erfolgreiche Ansätze dauerhaft verankern? Wie werden aus Projekten belastbare Strukturen? Und wie gelingt es, Wissen, Erfahrungen und Lösungen so weiterzugeben, dass andere Kommunen davon profitieren können?

Kommunale Kooperation im Fokus

Diese nächste Phase im MPSC-Förderprogramm bietet einen guten Anlass für eine Zwischenbilanz und einen Blick nach vorn. Die Koordinierungs- und Transferstelle Modellprojekte Smart Cities (KTS) hat, als Konsortium unter Federführung des DLR-Projektträgers, die Modellprojekte von 2021 bis 2026 begleitet, beraten und mit Angeboten zum Wissenstransfer unterstützt. Nun hat sie Stimmen aus Politik und Kommunen zusammengetragen und gefragt, was das Programm aus ihrer Sicht bewirkt und verändert hat, und worauf es in Zukunft ankommt. Die Antworten beleuchten einzelne Lösungen von Datenplattformen über Digitale Zwillinge bis hin zu Open-Source-basierten City-Apps und KI-Initiativen. Sie zeigen aber auch eine Entwicklung, die über einzelne Projekte hinausgeht: Die Kommunen haben begonnen, ihr Wissen systematisch zu teilen, Lösungen gemeinsam weiterzuentwickeln und voneinander zu lernen. Vielleicht liegt genau darin die nachhaltigste Wirkung der vergangenen Jahre.

Kooperation als Erfolgsfaktor

Erfolgsentscheidend sind nicht Technologien, sondern Faktoren wie Zusammenarbeit oder interkommunale Kooperationen. „Der zentrale Motor des MPSC-Programms war und ist die intensive Zusammenarbeit der Kommunen quer durch Deutschland“, sagt Renate Mitterhuber, Leiterin des Referats Smarte Städte und Regionen im Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB).

Aus einzelnen Modellprojekten hat sich ein gemeinsamer Lernraum entwickelt, der dank engagierter Kommunen weiterwächst, mit dem Ziel, ein selbstlernendes System zu bilden, von dem alle profitieren. Besonders sichtbar wird das zum Beispiel im Südwest-Cluster. Dort haben Kommunen aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland ihre Kräfte konzentriert, um gemeinsam eine offene Datenplattform aufzubauen. „Aus einzelnen kommunalen Vorhaben ist eine Entwicklungsgemeinschaft entstanden, die bewusst auf Zusammenarbeit statt Insellösungen setzt“, sagt Philipp Reis, Leiter der Stabstelle Digitalisierung im Landkreis Wendel.

Smart werden nicht nur Städte

Dass interkommunale Kooperationen auch in ländlichen Kommunen funktionieren und mehr umfassen können als technische Infrastrukturen, verdeutlicht das Beispiel des MPSC Ringelai und Ilzer Land. Dort arbeiten elf Kommunen gemeinsam an Themen wie Teilhabe, Kommunikation und Dateninfrastruktur. Für Ringelais Bürgermeisterin Carolin Pecho war das MPSC-Programm deshalb vor allem „ein Ermöglicher und Beschleuniger“. Gerade in der Zusammenarbeit der Kommunen liegt ihrer Meinung nach die besondere Stärke. Die Maßnahmen orientierten sich zwar an lokalen Bedürfnissen, schaffen jedoch zugleich einen Mehrwert für die gesamte Region.
Ähnliche Erfahrungen macht die Smarte Hanse. Dort ist aus dem regelmäßigen Austausch norddeutscher Kommunen ein strukturiert gewachsenes Netzwerk entstanden. Auf diese Weise profitieren auch nicht geförderte Kommunen wie Wismar und Neubrandenburg von den Erfahrungen der MPSC Lübeck und Rostock. „Digitalisierung und Smart City leben nicht allein von Technik, sondern vor allem vom Austausch auf Arbeitsebene“, sagt Johannes Wolff, Leiter der Smart City Hansestadt Rostock. Aus dem Städtenetzwerk Smarte Hanse sind inzwischen erste praktische Vorhaben gewachsen, wie zum Beispiel ein städteübergreifender Datenaustausch zur Wasserqualität.

Erfolg ist, wenn es andere nachmachen

Die Zusammenarbeit umfasst auch das Teilen von Wissen, Technik, Tools und Ressourcen. Um das zu ermöglichen, hat das Förderprogramm seit Beginn auf Open-Source-Lösungen gesetzt. Offene Standards, Interoperabilität und gemeinsame Weiterentwicklung stärken nicht nur Zusammenarbeit und Übertragbarkeit von Lösungen, sondern auch die digitale Souveränität der Kommunen. „Die MPSC entwickeln vielfältige digitale Lösungen, und sie sind inzwischen auch Vorreiter darin, die Lösungen anderer Modellprojekte bei sich einzusetzen“, sagt KTS-Projektleiter Michael Huch. Der große Beitrag des Förderprogramms zeige sich darin, das Wissen um Einsatzzwecke und Nutzen dieser Lösungen und die nun beginnende Übertragung in die Breite Deutschlands vorangebracht zu haben.

Überregional wirksam

Ein Beispiel dafür ist der Urban Stack aus Gütersloh (wir berichteten). Die Open-Source-Plattform verknüpft Daten aus unterschiedlichen Quellen. Durch das zugrunde liegende Mandantenmodell kann die Plattform von mehreren Kommunen gemeinsam genutzt und zugleich an unterschiedliche lokale Anforderungen angepasst werden. Für Carsten Schlepphorst, Beigeordneter für Digitalisierung, IT, Personal, Organisation und Feuerwehr der Stadt Gütersloh, ist daraus „ein digitales Ökosystem entstanden, das weit über Gütersloh hinaus Wirkung entfalten kann“. Dieser neuartige Ansatz wurde unter anderem mit dem DIGITAL-Award der KommDIGITALE (wir berichteten) und dem Landespreis für innovative interkommunale Zusammenarbeit des Landes Nordrhein-Westfalen (wir berichteten) ausgezeichnet.

Dorothee Fricke, Nicole May und Silvia Oster arbeiten beim DLR-Projektträger für die Chefredaktion der Koordinierungs- und Transferstelle (KTS) Modellprojekte Smart Cities.


Stichwörter: Smart City, MPSC, Nachnutzung


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