Donnerstag, 15. Januar 2026

PilotprojektWichtiger Wegbegleiter

[30.04.2014] Das E-Government-Gesetz kann auf kommunaler Ebene ein starkes Potenzial entfalten, meint Bundes-CIO Cornelia Rogall-Grothe. Welche Rolle hierbei das Pilotprojekt Modellkommune E-Government spielt, erklärt sie im Kommune21-Interview.
Bundes-CIO Cornelia Rogall-Grothe

Bundes-CIO Cornelia Rogall-Grothe

(Bildquelle: Bundesministerium des Innern)

Frau Staatssekretärin Rogall-Grothe, welches Ziel verfolgen der Bund und die kommunalen Spitzenverbände mit dem Pilotprojekt Modellkommune E-Government?

Mit dem Pilotvorhaben Modellkommune E-Government wollen wir die Potenziale des E-Go­vernment-Gesetzes (EGovG) auf kommunaler Ebene aufzeigen. Das EGovG gilt für die Kommunen nur, soweit sie Bundesrecht ausführen. Daher war es stets als Handlungsrahmen konzipiert, der Chancen eröffnet, die Kommunen nutzen können, ohne gesetzlich dazu verpflichtet zu sein. Elektronische Anträge ohne Unterschrift, die Möglichkeit elektronischer Nachweiserbringung und Bezahlung bieten den Rahmen für eine grundlegende Modernisierung der kommunalen Verwaltung, in der höhere Bürgerorientierung und verbesserte Verwaltungseffizienz verbunden sind. Die Modellkommunen wollen wir auf diesem Weg begleiten.

„In vielen Kommunen besteht ein hohes Informationsbedürfnis hinsichtlich der Umsetzung des E-Government-Gesetzes.“

Aus insgesamt 44 Einreichungen hat sich die Jury für die Städte Düren und Gütersloh sowie den Kreis Cochem-Zell entschieden. Was zeichnet die drei ausgewählten Kommunen aus?

Gemessen an dem kurzen Bewerbungszeitraum haben wir eine Vielzahl sehr guter Bewerbungen erhalten und ich habe die Jury um ihre Aufgabe nicht beneidet. Die Jury ist der Überzeugung, dass das Ziel des Pilotvorhabens am besten mit den Vorschlägen der ausgewählten Kommunen umgesetzt werden kann. Die beiden Stadtverwaltungen planen eine Ausweitung des digitalen Zugangs sowie eine hohe Anzahl von vollständig elektronisch abgebildeten Verwaltungsprozessen. Der Landkreis führt sein Vorhaben gemeinsam mit einer Verbandsgemeinde durch und will vor dem Hintergrund einer dispersen Siedlungsstruktur den Zugang zu elektronischen Diensten unabhängig von Gemeinde- oder Kreiszuständigkeit ermöglichen.

Wie sieht der weitere Ablauf des Projekts aus?

Wir unterstützen die Modellkommunen zunächst bei der Erarbeitung eines Konzepts für die E-Government-Anwendungen. Dabei geht es nicht nur um die Ausweitung des Angebots elektronischer Services, sondern auch um eine interne Prozessoptimierung, die personelle und finanzielle Ressourcen einspart. Es sollen Standards verwendet werden, die sich bereits in anderen Kommunen bewährt haben. Die Vernetzung der Modellkommunen und ein arbeitsteiliges Vorgehen bei der Konzeptentwicklung sind wichtige Aspekte innerhalb des Pilotvorhabens. Nach der Umsetzung des Konzepts werden wir die Erfahrungen der Modellkommunen aufbereiten und in einem Leitfaden „Weg zur E-Government-Kommune“ niederlegen.

Wie können andere Kommunen von dem Pilotprojekt profitieren?

In vielen Kommunen besteht ein hohes Informationsbedürfnis hinsichtlich der Umsetzung des EGovG. Wir wollen versuchen, diesem Bedarf bei der Durchführung des Modellvorhabens entgegenzukommen. Ich bin der Ansicht, dass eine stärkere Vernetzung zwischen den Akteuren in den Kommunen und Ländern die Umsetzung des EGovG weit voranbringen kann. Hierzu werden die Modellkommunen auf Veranstaltungen ihre Erfahrungen vorstellen. Auch alle anderen Kommunen, die sich beworben haben, möchten wir am Prozess der Vernetzung und des Erfahrungsaustauschs beteiligen. Und natürlich wird der bereits erwähnte Leitfaden eine Handreichung für alle Kommunen sein. Dieser soll nicht nur eine Auflistung von Best-Practice-Beispielen sein, sondern es soll deutlich werden, welche Prozessschritte erforderlich sind, welche Fehler vermieden werden können und welche Herangehensweise sich für die Verwirklichung erfolgreicher
E-Government-Anwendungen in der Praxis am besten bewährt hat.

Was tut der Bund darüber hinaus, um E-Government auf kommunaler Ebene voranzubringen?

Wir alle wissen, dass E-Government nur wirklich erfolgreich sein wird, wenn es breite Anwendung auf kommunaler Ebene findet. Denn mit den Verwaltungen der Städte, Gemeinden und Kreise unterhalten die Bürgerinnen und Bürger die meisten Kontakte, dort wird E-Government wirksam. Mit dem EGovG des Bundes wurde die wichtigste rechtliche Voraussetzung geschaffen. Nun ist es Sache der Länder, eigene Rechtsregelungen zu schaffen, die einen verbindlichen Rahmen für das kommunale E-Government bilden. Die Länder, die dies wünschen, unterstützen wir dabei gern. Mit dem Ziel der stärkeren Vernetzung zwischen den Akteuren hat das Bundesinnenministerium gemeinsam mit der Bundes-Arbeitsgemeinschaft der kommunalen IT-Dienstleister, Vitako, zudem sieben Regionalkonferenzen durchgeführt. Des Weiteren möchte ich auf die E-Government-Landkarte, ein Projekt des IT-Planungsrats, hinweisen und um eine noch stärkere Beteiligung bitten, damit dieses Vorhaben seine Rolle als Plattform für Erfahrungsaustausch und Informationsgewinnung noch besser ausfüllen kann.

Interview: Bettina Schömig




Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik
Zwei Personen reichen sich die Hände.

Saarland: Dritte Auflage des E-Government-Pakts

[08.01.2026] Das Saarland und die Kommunen haben die dritte Auflage ihres E-Government-Pakts unterzeichnet. Das Land wird demnach die Kommunen bei der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes (OZG) und beim Ausbau digitaler Angebote unterstützen. Ein gemeinsames IT-Steuerungsgremium wird die vereinbarten Maßnahmen begleiten. mehr...

Ein fehlendes Puzzleteil wird in ein Puzzle eingesetzt.

GovTech Kommunal: Kommunen digital handlungsfähig machen

[18.12.2025] Die Initiative GovTech Deutschland hat ihr Angebot um den Verein GovTech Kommunal erweitert. Es soll damit eine bundesweite Einheit geschaffen werden, welche die kommunale Digitalisierung systematisch bündelt und konsequent an den Bedarfen der Städte, Gemeinden und Landkreise ausrichtet. Die Mitgliedschaft steht mit gestaffeltem Beitragsmodell allen Kommunen offen. mehr...

Abgedunkelter Saal mit Publikum, im Bildhintergrund eine helle Bühne mit Projektion "Kick-off Roadshow Hanau", zwei Personen auf der Bühne

Hanau: Stadtweite IT neu ausgerichtet

[18.12.2025] Hanau hat sich das Ziel gesteckt, bis 2030 die Digitalisierung der gesamten „Unternehmung Stadt“ abzuschließen. Dazu werden Entscheidungs-, Verantwortungs- und Budgetstrukturen künftig an einer Stelle gebündelt, zudem soll die Stelle des CDO geschaffen werden. mehr...

Ein Bürotisch ist komplett von unterschiedlichen Stapeln an Dokumenten bedeckt.

Deutscher Landkreistag: Kommunen in Modernisierungsagenda einbinden

[11.12.2025] Die von Bund und Ländern vereinbarte föderale Modernisierungsagenda bewertet der Deutsche Landkreistag (DLT) als positiv. Damit Bürger, Unternehmen und Kommunen jedoch tatsächlich entlastet werden, ist ein enger Schulterschluss mit Landkreisen, Städten und Gemeinden bei der Umsetzung erforderlich. mehr...

Porträt von Lydia Hüskens

Sachsen-Anhalt: Zentrale Serviceagentur für Kommunen

[08.12.2025] Eine Machbarkeitsstudie aus Sachsen-Anhalt zeigt, dass eine zentrale Serviceagentur für Kommunen Verwaltungsabläufe beschleunigen und verbessern kann. Digitalministerin Lydia Hüskens kündigte an, dass ab 2026 sukzessive eine Unterstützungseinheit für Kommunen umgesetzt werden soll. mehr...

Abstrakte Darstellung eines Besprechungsraums in dem die Silhouetten mehrerer Personen zu sehen sind, die an einem Besprechungstisch sitzen.

IT-Planungsrat: Kommunalbeirat NOOTS

[08.12.2025] Das Kommunalgremium des IT-Planungsrats übernimmt im Zuge der Neuaufstellung des Nationalen Once-Only-Technical-Systems (NOOTS) zusätzlich die Rolle des Kommunalbeirats NOOTS. Es hat dabei keine Entscheidungsbefugnis, sondern erfüllt eine Resonanz- und Feedbackfunktion. mehr...

Blick in einen gut besetzten Sitzungssaal mit rechteckiger Tischanordnung.

4. Digitalministerkonferenz: Bessere Zusammenarbeit aller Ebenen

[27.11.2025] Bei der 4. Digitalministerkonferenz in Berlin setzte Niedersachsens Digitalministerin Daniela Behrens den Schwerpunkt auf föderale Zusammenarbeit: Sie forderte eine engere, effektivere Zusammenarbeit aller föderaler Ebenen und den Zugang zu Services des ITZBund auch für Länder und Kommunen. mehr...

Oldenburger Rathaus und Degodehaus

Oldenburg: Mit neuem Amt in die digitale Zukunft

[27.11.2025] Alle Aufgaben rund um digitale Verwaltungsprozesse und die IT-Infrastruktur bündelt die Stadt Oldenburg ab Anfang kommenden Jahres in einem eigenen Amt für digitale Transformation. Das soll Abstimmungsaufwände reduzieren, Prozesse beschleunigen und dauerhaft zu innovativen, bürgernahen Angeboten beitragen. mehr...

Ein Zukunftskongress-Spezial nimmt den Status quo der Verwaltungsdigitalisierung hierzulande in den Blick.

Föderale Modernisierungsagenda: Jetzt muss gehandelt werden

[27.11.2025] Der Nationale Normenkontrollrat mahnt die in der Föderalen Modernisierungsagenda vorgesehene bessere Aufgabenbündelung mit Nachdruck an. Die Ministerien müssten dieses Projekt konsequent weiterverfolgen, um Effizienz und Entlastung der Kommunen zu sichern. mehr...

Gruppenfoto vor Vitako-Logo

Vitako: 20 Jahre Austausch und Innovation

[11.11.2025] Seit zwei Jahrzehnten vertritt Vitako die Interessen der kommunalen IT-Dienstleister. Bei der Jubiläumsfeier würdigte Digitalminister Karsten Wildberger in klaren Worten die Rolle der Kommunen als Ausgangspunkt digitaler Verwaltung und rief zu enger Zusammenarbeit mit Bund und Ländern auf. mehr...

Hamburg-CIO Annika Busse

Hamburg: Annika Busse ist die neue CIO

[11.11.2025] Annika Busse ist die neue CIO der Freien und Hansestadt Hamburg. Die bisherige stellvertretende Hamburg-CIO hat zum 1. November die Nachfolge von Jörn Riedel angetreten, der nach langjährigem Wirken in den Ruhestand verabschiedet wurde. mehr...

Gruppenbild der Teilnehmenden an der Sitzung des Kommunalgremiums.

IT-Planungsrat: Kommunaler Input zu digitalstrategischen Themen

[23.10.2025] Der IT-Planungsrat stellt die strategischen Weichen für die Verwaltungsdigitalisierung – und bindet dabei auch Kommunen ein. Beim letzten Treffen des Kommunalgremiums ging es um die zentralen Bereitstellung von EfA-Leistungen und eine Aufgabenneuordnung zur Entlastung von Kommunen. mehr...

Diagramme und Datenvisualisierung in leuchtenden Farben.

Bitkom-Dataverse: Datenbank zum digitalen Deutschland

[21.10.2025] Mit dem Bitkom-Dataverse soll das größte kostenlose Onlineportal mit Zahlen und Statistiken zum Digitalen Deutschland entstehen. Es umfasst Daten unter anderem aus den Bereichen Bildung, Künstliche Intelligenz, Cybersicherheit, Verwaltung sowie Mobilität. Auch die Bitkom-Indizes wie der Länderindex oder Smart-City-Index sind enthalten. mehr...

Fachwerkhäuser im historischen Stadtzentrum von Backnang, mit Rathaus und Marktplatz

Baden-Württemberg: Kommunen als Treiber der Entbürokratisierung

[20.10.2025] In Baden-Württemberg wurde das Kommunale Regelungsbefreiungsgesetz beschlossen. Damit erhalten Kommunen und Zweckverbände mehr Flexibilität bei der Neugestaltung und Vereinfachung von Verwaltungsverfahren. Sich bewährende Neuerungen sollen landesweit umgesetzt werden. mehr...

Mehrere Zahnräder liegen neben- und übereinander.
bericht

Digitalisierung: Zehn-Punkte-Plan von Vitako

[10.10.2025] Im Rahmen eines Zehn-Punkte-Plans hat die Bundes-Arbeitsgemeinschaft der Kommunalen IT-Dienstleister, Vitako, Vorschläge für eine gezielte Förderung der Digitalisierung erarbeitet. Als wichtiger Aspekt wird dabei die ebenenübergreifende Zusammenarbeit betont. mehr...