Sonntag, 22. März 2026

InterviewMünchen Digital Erleben

[29.11.2019] Über die stadtweite Digitalisierungsstrategie, neue Arbeitsweisen, interkommunale Kooperationen und wegweisende Maßnahmen für 2020 hat Kommune21 mit Thomas Bönig, IT-Referent und Chief Digital Officer der Stadt München, gesprochen.
Thomas Bönig

Thomas Bönig, IT-Referent und CDO der Stadt München

(Bildquelle: Michael Nagy/Presse- und Informationsamt München)

Herr Bönig, im Juli hat der IT-Ausschuss des Münchner Stadtrats die Umsetzung einer stadtweiten Digitalisierungsstrategie beschlossen. Ein Kernbereich ist dabei die Stadtverwaltung, die zu einem modernen Dienstleister weiterentwickelt werden soll. Welche konkreten Maßnahmen sollen diesen Transformationsprozess unterstützen?

Digitalisierung setzt auch einen Kulturwandel voraus. Die bayerische Landeshauptstadt München möchte mit der stadtweiten Digitalisierungsstrategie „München Digital Erleben“ die Digitalisierung zum Wohl der Menschen einsetzen. Der Kulturwandel innerhalb der Verwaltung erfordert Offenheit gegenüber digitalen Innovationen. Es gehört auch dazu, bisherige Führungspraxis neu zu denken und die Beschäftigten als Erfolgsfaktor für die Transformation einzubeziehen. Mit WiLMA, unserem Social Intranet, sind wir einen neuen Weg gegangen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommunizieren intern via Blog, Chat oder in eigenen Arbeitsräumen. Über das Portal muenchen.digital informieren wir rund um die Digitalisierung und bieten der Mitarbeiterschaft die Möglichkeit, eigene Artikel zu schreiben. Die digitalen Kommunikationskanäle werden ergänzt durch Informationsveranstaltungen. Damit sich die Beschäftigten bei der Transformation einbringen können, wird eine Digital Charta erarbeitet, die Transparenz und Sicherheit für alle schaffen soll.

Wie ist München im deutschlandweiten Vergleich bei der Digitalisierung aufgestellt?

Die Stadt München mit mehr als 1,5 Millionen Bürgern und einer Verwaltung mit circa 40.000 Beschäftigten ist als größte deutsche Kommune nicht so leicht mit anderen Kommunen vergleichbar. Wie viele andere Behörden hat auch München in der Vergangenheit bereits Online-Dienste angeboten und weitere Maßnahmen ergriffen. Die stadtweite Digitalisierungsstrategie verfolgt nun einen ganzheitlichen Ansatz. Es erfordert eine enorme Kraftanstrengung und eine solide Finanzierung, um die anstehenden Herausforderungen zu meistern. Durch die Digitalisierung werden in München enorme Potenziale freigesetzt, die nicht nur die Verwaltung effizienter werden lassen, sondern auch der Wirtschaft und der Stadtgesellschaft unmittelbar zugutekommen.

Im März ist das InnovationCenter im IT-Referat der Stadt München gestartet, in dem neue Arbeitsmethoden und die agile Zusammenarbeit erprobt werden. Wie sind die bisherigen Erfahrungen?

Das InnovationCenter blickt aus zwei Perspektiven auf das Thema Agilität. Einerseits verwendet es Scrum-Methoden für seine tägliche Arbeit. Andererseits soll es die agile Zusammenarbeit auch in der Stadtverwaltung fördern. Aktuell hat das InnovationCenter daher agile Pilotprojekte mit realen Problemstellungen angestoßen. Fachlich geht es um die Digitalisierung des Dienstreiseantrags. Das Projekt dient als Generalprobe für agile Projekte bei der Stadtverwaltung.

„Der Kulturwandel innerhalb der Verwaltung erfordert Offenheit gegenüber digitalen Innovationen.“
Vor mehr als acht Jahren hat die Stadt München ihren IT-Blog gestartet – ein Novum im Bereich der Behör­denkommunikation, da die Verwaltung nicht in Pressemitteilungen, sondern in kommentierbaren Blog-Posts über IT-Themen informierte. Welche Erfahrungen konnten gesammelt werden?

Die Resonanz bei unseren Leserinnen und Lesern ist sehr positiv. Sowohl die Kommentare direkt auf dem IT-Blog, die Bezugnahme auf unsere Berichte in Presse und Politik als auch Nachfragen per E-Mail und auf Veranstaltungen zeigten, dass unsere Beiträge viel gelesen wurden. Auch intern hatten die Berichte auf dem Blog große Leserschaften. Anfängliche Schwierigkeiten bestanden darin, andere Fachbereiche zur Mitwirkung mit Gastbeiträgen zu gewinnen.

Im Juli ist muenchen.digital online gegangen. Was soll das neue Portal bieten und welche Erwartungen sind daran geknüpft?

Über muenchen.digital soll die Digitalisierung Münchens erlebbar werden. Wir geben Einblicke in unsere Arbeit – auch im Sinne der Personalgewinnung. Unter #ExplainIT erklären wir zum Beispiel Fachbegriffe der IT. Wir laden Gastautoren aus Wirtschaft, Forschung und Verwaltung ein, Beiträge beizusteuern und berichten zu Themen, die München, Start-ups, Unternehmen, Organisationen sowie die Gesellschaft im Hinblick auf die digitale Transformation betreffen. Neben Transparenz sind Kommunikation und Beteiligung unser erklärtes Ziel. Beiträge können kommentiert werden, und wir sind über die sozialen Medien wie YouTube, Twitter und Instagram ansprechbar.

Ebenfalls im Juli hat München eine Kooperation mit Augsburg und Nürnberg vereinbart. Die drei größten Städte Bayerns wollen sich bei der Digitalisierung gegenseitig unterstützen. Welche Synergieeffekte erhoffen Sie sich davon?

Wir haben uns gefreut, dass die Zusammenarbeit mit Augsburg und Nürnberg schnell und unkompliziert angelaufen ist. Gemeinsam wollen wir der Digitalisierung mehr Tempo verleihen und die Arbeit der Kommunen noch effizienter und wirtschaftlicher gestalten. Eines der vordergründigen Ziele ist es, langfristige digitale Lösungen schneller und anwenderfreundlich für die Bürger zur Verfügung zu stellen. Neben dem Erfahrungsaustausch sollen gezielt gemeinsame Projekte durchgeführt werden. Bereits bei unserem ersten Treffen haben wir eine Sammlung an Kooperationsthemen ausgearbeitet, die wir schon angegangen sind. Dazu gehört unter anderem die Weitergabe von Erfahrungen zur Einführung unseres Social Intranet. Wir in München wiederum müssen speziell das Ratsinformationssystem modernisieren, hier ist uns Nürnberg schon um einiges voraus. Ein wichtiges Thema für alle drei Städte ist die Digitale Daseinsvorsorge.

In diesem Jahr hat sich in München bei der Digitalisierung einiges bewegt. Würden Sie uns einen kurzen Ausblick auf 2020 geben?

Mit der Digitalisierungsstrategie ist der Weg frei für eine große Anzahl von Maßnahmen, deren Umsetzung den finanziellen Rahmenbedingungen entsprechend 2020 begonnen wird. Im Kernbereich der Stadtverwaltung ist es zum Beispiel die vollständige Digitalisierung der Finanzprozesse bei gleichzeitiger Steigerung der Qualität der Dienste. Nach innen wirken Maßnahmen zur Modernisierung von Arbeitsplätzen. Mobile Arbeitsplätze werden den Außendienst unterstützen und Homeoffice-Angebote ermöglichen. Im Kernbereich der Infrastruktur werden wichtige Grundlagen für unsere digitale Metropole angegangen, wie die Förderung von Breitband-Ausbau und öffentlichem, kostenfreiem WLAN. Neue Sensorik im Stadtgebiet kann je nach Ausprägung zum Beispiel zur Verbesserung von Routenplanungen bei städtischen Dienstleistungen beitragen. Der digitale Zwilling – ein digitales Abbild der Stadt München – wird eine verbesserte Datengrundlage bieten. Durch Labs, die das Erproben und Erleben der digitalen Möglichkeiten unterstützen sowie über Schulungsangebote soll die Münchner Stadtgesellschaft erreicht werden.

Interview: Alexandra Braun




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik
Digitalstrategie SH 2026

Schleswig-Holstein: Digitalstrategie 2026 vorgestellt

[19.03.2026] Schleswig-Holstein hat seine neue Digitalstrategie beschlossen. Erstmalig waren zentrale Partner aus Kommunen und Zivilgesellschaft systematisch in den Strategieprozess eingebunden, um einen breiten gesellschaftlichen Ansatz zu ermöglichen. mehr...

Vier lächelnde Männer in Anzügen sitzen nebeneinander an einem Holztisch, vor sich Dokumente, hinter sich drei drapierte Flaggen (EU; BRD, Baden-Württemberg)

Baden-Württemberg: Gemeinsam schneller digital

[18.03.2026] In Baden-Württemberg haben Land und Kommunen eine neue – die inzwischen dritte – E-Government-Vereinbarung unterzeichnet. Das Land will den Roll-out von Verwaltungsleistungen in den Kommunen mit weiteren zehn Millionen Euro finanzieren. mehr...

Porträtaufnahme von Milen Starke.

Thüringen: Land unterstützt Kommunen intensiv

[17.03.2026] Ein neuer Prüfbericht des Thüringer Rechnungshofs sieht beträchtliche Defizite bei der OZG-Umsetzung und der Digitalisierung der kommunalen Verwaltung. In einer Stellungnahme erläutert das Digitalministerium, wie das Land Kommunen unterstützt. mehr...

Spielwürfel mit aufgedruckten Pfeilen weisen den Weg hin zu einem Würfel mit grünem Häkchen.
bericht

Verwaltungsdigitalisierung: Lehren für die Zukunft ziehen

[12.03.2026] In 25 Jahren Verwaltungsdigitalisierung mangelte es nicht an ehrgeizigen Zielen. Diese wurden aber trotz der nötigen finanziellen Ressourcen häufig verfehlt. Aus den Erfahrungen der Vergangenheit können Lehren für aktuelle Projekte gezogen werden. mehr...

Luftbild von Meschede

Hochsauerlandkreis: Weichenstellung für die Zukunft

[11.03.2026] Im Hochsauerlandkreis will ein neuer Ausschuss für Digitalisierung und Verwaltungsmodernisierung für Zukunftsfähigkeit sorgen. In der Auftaktsitzung befassten sich die Ausschussmitglieder intensiv mit dem aktuellen Stand der Verwaltungsdigitalisierung und dem Ausbau der Breitband- und Mobilfunkinfrastruktur. mehr...

Porträtaufnahme von Nikolaus Reisel.
interview

Digitalisierung: Wiens sozialer Auftrag

[10.03.2026] Technologie soll Freiheit schaffen – nicht einengen, sagt Nikolaus Reisel. Kommune21 sprach mit dem Head of Platform der Stadt Wien über digitalen Humanismus, offene Standards und den Einsatz von KI in der Verwaltung der österreichischen Hauptstadt. mehr...

Blick von hinten auf eine männliche Figur im Anzug, die in einem Tunnel aus Papieren steht, am Ende des Tunnels ist Licht.

Hessen: Standardbefreiung online beantragen

[09.03.2026] Hessens Kommunen sollen die Möglichkeit haben, neue Wege der Aufgabenerfüllung zu erproben. Die so genannte Standardbefreiung erlaubt es kommunalen Körperschaften, von landesrechtlichen Regelungen abzuweichen, um Abläufe zu modernisieren und Bürokratie abzubauen. Dazu gibt es jetzt einen unkomplizierten Online-Antrag. mehr...

Die Präsidenten von Deutscher Städtetag, Deutscher Landkreistag und Deutscher Städte- und Gemeindebund vor Mikrofonen

Spitzenverbände: Kommunale Handlungsfähigkeit sichern


[06.03.2026] Die kommunalen Spitzenverbände warnen vor der Handlungsunfähigkeit von Städten, Landkreisen und Gemeinden. Bund und Länder müssten dringend Maßnahmen ergreifen, sollen die kommunalen Haushalte nicht vollständig kollabieren. mehr...

NExT/DigitalService: Nachhaltige Verwaltungsmodernisierung

[05.03.2026] Eine gemeinsame Veröffentlichung von NExT und dem DigitalService des Bundes zeigt Wege zu einer wirksamen Verwaltungsdigitalisierung. Dabei wird deutlich: Nachhaltige Effekte und eine echte Digitalrendite entstehen vor allem durch die gezielte Modernisierung der Verwaltungsstrukturen. mehr...

Reihe von Autos, die in einer Straße parkt,, der Bildhintergrund ist unscharf.

DStGB: Praxisnaher Rahmen für Parkraumkontrolle

[02.03.2026] Die Kommunalen Spitzenverbände äußerten sich bei einer Anhörung im Bundestag zu geplanten Gesetzesänderungen, die auch die digitale Parkraumkontrolle betreffen. Sie fordern unter anderem eine praxisgerechte, flexible und technologieoffene Umsetzung ohne zusätzliche Bürokratie. mehr...

Drei offensichtlich gut gelaunte, lachende Männer in formaler Kleidung vor einem Tisch mit Dokumenten, warme Farbstimmung im Bild.

Hessen: Land und Kommunen gestalten Zukunft

[23.02.2026] In Hessen haben das Land und die Kommunalen Spitzenverbände den Zukunftspakt vereinbart, um die kommunale Selbstverwaltung zu stärken. Dies soll durch den Abbau bürokratischer Lasten, eine faire Finanzierung und engere Zusammenarbeit der Ebenen bei der Digitalisierung erreicht werden. mehr...

Porträtaufnahme von Milen Starke.
interview

Thüringen: Digitalisierung auf Kurs

[17.02.2026] Platz vier im Bundesvergleich, Vorreiter bei digitaler Souveränität und Open Source sowie klare Pläne für 2026 – was hinter den Zahlen steckt und wo Thüringen bewusst andere Wege geht, erläutert Landes-CIO Milen Starke im Interview. mehr...

Frankfurt am Main: Neues Transformation Office

[16.02.2026] In Frankfurt am Main übernimmt nun das Transformation Office die Steuerung der Digitalisierungsvorhaben in der Verwaltung. Wurden die Projekte bislang überwiegend dezentral realisiert, sollen diese fortan beim Transformation Office gebündelt und so effizienter und wirkungsvoller umgesetzt werden. Das Office arbeitet mit allen Ämtern der Stadt zusammen. mehr...

Zwei Personen unterzeichnen eine Absichtserklärung

Heidelberg / Hochschule Ludwigsburg: Theorie und Praxis verzahnen

[09.02.2026] Mit dem Ziel, die digitale Modernisierung der Verwaltung voranzutreiben, haben die Stadt Heidelberg und die Hochschule Ludwigsburg jetzt eine Kooperation vereinbart. Geplant sind regelmäßige gemeinsame Forschungsprojekte, aus denen sich Best-Practice-Beispiele auch für andere Kommunen ableiten lassen. mehr...

Wehende Flagge des Landes Schleswig-Holstein vor schwach bewölktem Himmel.

Schleswig-Holstein: Konsequent digital

[28.01.2026] Von Anlagengenehmigung bis zum Wohngeld: Schleswig-Holstein setzt den Roll-out von Onlinediensten und die Digitalisierung der Verwaltung weiter konsequent um. Ein landeseigenes Digitalisierungs-Dashboard soll die Fortschritte künftig visualisieren. mehr...