Freitag, 30. Januar 2026

D21-Digital-Index 2021/2022Digitale Teilhabe nicht für alle

[25.02.2022] Die Deutschen sind für den digitalen Wandel unterschiedlich gut gerüstet. Niedrig Gebildete und Ältere profitieren deutlich seltener von der Digitalisierung als höher Gebildete. Das geht aus dem D21-Digital-Index 2021/2022 hervor – ähnlich wie bei der Untersuchung vom Vorjahr.

In Deutschland steigt der Digitalisierungsgrad in allen Teilen der Bevölkerung, ein Großteil kann digital mindestens mithalten. Gleichzeitig besteht der „Digital Skills Gap“ weiterhin fort – höher Gebildete sind deutlich versierter als schlechter ausgebildete oder ältere Personen. Das konstatiert der D21-Digital-Index 2021/2022, der aktuelle Trends und Langzeitentwicklungen beobachtet. D21-Digital-Index ist eine Studie der Initiative D21, die vom Marktforschungsunternehmen Kantar durchgeführt und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert wurde. Bereits die Vorjahresumfrage stellte fest, dass nicht alle gleichermaßen von der Digitalisierung profitieren können (wir berichteten). Weitere Themen der aktuellen Digital-Index-Umfrage waren digitale Nachhaltigkeit sowie Demokratie und Zusammenhalt und Fake News.

Digitale Nachhaltigkeit bleibt unscharf

Als erste große Studie habe der D21-Digital-Index 2021/2022 die Perspektive der Bürger auf digitale Nachhaltigkeit systematisch erfasst, berichtet D21. Dabei habe sich gezeigt, dass es den Meisten nicht leichtfällt, die Auswirkungen der Digitalisierung auf die ökologische Nachhaltigkeit und die zugrundeliegenden Wirkzusammenhänge einzuschätzen. Ein gutes Drittel (34 Prozent) der Bevölkerung glaubt, dass die Digitalisierung insgesamt einen eher positiven Einfluss auf die Umwelt hat, ein weiteres gutes Drittel (35 Prozent) glaubt, dass negative Auswirkungen überwiegen. Den größten Hebel für ökologisch nachhaltigere Digitalisierung sehen 33 Prozent in wissenschaftlichem Fortschritt und neuen Technologien. Deutlich weniger Menschen denken, dass politische Regulierungen oder wirtschaftliche Maßnahmen den größten Beitrag zu einer nachhaltigeren Digitalisierung leisten können. Jeder Fünfte glaubt, dass der individuelle Beitrag durch das eigene digitale Verhalten am meisten zur Schonung der Umwelt beitragen kann. Vor allem die Bevölkerungsgruppen, die nach eigener Meinung am stärksten von der Digitalisierung profitieren, sagen gleichzeitig, dass es ihnen schwerfallen würde, ihr eigenes digitales Verhalten zum Wohle der Umwelt zu ändern. D21-Geschäftsführerin Lena-Sophie Müller hält Klimaschutz und Digitalisierung für die drängendsten Aufgaben unserer Zeit. Die Bürgerinnen und Bürger müssten mitgenommen werden, um die jetzt notwendigen Veränderungen umzusetzen, so Müller. Dazu brauchen sie verständliche Informationen, Transparenz über den ökologischen Fußabdruck digitaler Geräte und Dienste sowie konkrete Vorschläge und Alternativen.

Zu wenig systematische Kompetenzvermittlung

Die Studie D21-Digital-Index bescheinigt der Bevölkerung insgesamt ein mittleres Niveau an digitalen Kompetenzen. Basiskompetenzen seien über alle Bevölkerungsgruppen hinweg verbreitet. Komplexere Fähigkeiten seien allerdings deutlich geringer ausgeprägt und wenn, dann vor allem bei Bürgern mit hohem Bildungsniveau. Das Bewusstsein für die Notwendigkeit digitaler Kompetenzen im Berufsleben steigt: 79 Prozent der Bürger glauben, dass man ohne Digitalisierungs-Grundkenntnisse kaum noch Chancen auf dem Arbeitsmarkt hat.
Gleichzeitig denken nur 34 Prozent, dass Schulen ausreichende digitale Fähigkeiten vermitteln, um im internationalen Vergleich mithalten zu können. Insgesamt empfindet mehr als jeder Vierte (27 Prozent) ständigen Druck, mit den Entwicklungen der Digitalisierung Schritt zu halten. Fort- und Weiterbildung liegen beim Kompetenzerwerb deutlich hinter informellem Lernen zurück. Nur 16 Prozent erhalten bezahlte Fort- und Weiterbildungen durch Arbeitgebende, 17 Prozent greifen auf kostenlose Angebote zurück, 69 Prozent bringen sich neue Kompetenzen selbst bei.

Digitalisierung als Faktor des gesellschaftlichen Zusammenhalts

Seit 2013 misst der D21-Digital-Index den Digitalisierungsgrad der deutschen Bevölkerung. Diese Kennzahl zeigt, wie gut einzelne Gruppen und die Gesellschaft insgesamt mit dem digitalen Wandel Schritt halten. Der aktuelle Digital-Index liegt bei 63 von 100 Punkten, insgesamt drei Punkte mehr als im Vorjahr. 59 Prozent der Bürger gaben an, persönlich von der Digitalisierung zu profitieren. Dabei spielen Bildung und Alter eine entscheidende Rolle: Nur eine Minderheit der Bürger mit niedrigem Bildungsabschluss glaubt, von der Digitalisierung zu profitieren. Und während zwei Drittel der Generation X und jünger in der Digitalisierung Vorteile für sich erkennen, sind es bei der Boomergeneration und der Nachkriegsgeneration knapp die Hälfte, in der Generation bis 1945 nur noch ein Viertel.
82 Prozent der Bürgerinnen und Bürger nutzen mittlerweile soziale Medien. Die Technologie ist also endgültig in der Breite der Gesellschaft angekommen. Dies verändere auch die Art, wie die Menschen miteinander kommunizieren und Informationen aufnehmen. Nur 56 Prozent der Befragten glauben gemäß der Umfrage, dass sie Fehlinformationen sicher erkennen können. 28 Prozent sehen in der Digitalisierung eine Gefahr für die Demokratie – in den neuen Bundesländern mit 34 Prozent sogar deutlich mehr. Meldungen und Informationen seien schnell weitergeleitet, doch falle es vielen schwer, Quellen einzuordnen. Bereits jetzt seien Auswirkungen zu sehen, die destabilisierend wirkten und den gesellschaftlichen Zusammenhalt auf eine Belastungsprobe stellen würden, so Lena-Sophie Müller.





Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Panorama
Zeichnung von Händen, die je ein Puzzleteil in der Hand halten, die zusammengefügt werden. Daneben steht ÖFIT-Wegbereiter geschrieben.

ÖFIT-Wegbereiter-Reihe: Kompetenzaufbau in der Verwaltungspraxis

[30.01.2026] Als niedrigschwellige, anwendungsorientierte Lern- und Arbeitsinstrumente sollen die ÖFIT-Wegbereiter die interdisziplinäre Bearbeitung von Digitalisierungsprojekten in der öffentlichen Verwaltung unterstützen. Die Reihe umfasst derzeit vier Ausgaben unter anderem zu den Themen Low Code, generative Künstliche Intelligenz und Digitale Souveränität. mehr...

Junger Mann mit Kopfhörern in einer Büroumgebung, die untere Hälfte seines Gesichts von einem Monitor verdeckt.

Vitako: Die Verwaltung der Zukunft im Podcast

[16.01.2026] Orientierung schaffen, Debatten anstoßen und zeigen, wie öffentliche IT den digitalen Staat mitgestaltet – das will der neue Podcast von Vitako, der Bundesarbeitsgemeinschaft der Kommunalen IT-Dienstleister. mehr...

KDO: IT-Wissen praxisnah vermittelt

[14.01.2026] Die KDO-Akademie vermittelt IT-Kompetenz: Im vergangenen Jahr wurden mehr als 200 Schulungen durchgeführt. Nun entwickelt sich das Angebot weiter. In verschiedenen Formaten wird neben Know-how zu konkreten IT-Lösungen auch Wissen zu übergreifenden Themen vermittelt. mehr...

Grafik, die den Ablauf des Kölner IT-Planungsprozesses erläutert.

Köln: Erster IT-Planungsprozess

[22.12.2025] Um die IT- und Digitalisierungsvorhaben der Verwaltung schneller bewerten und priorisieren zu können, hat Köln erstmals einen gesamtstädtischen IT-Planungsprozess umgesetzt. Er orientiert sich an Industriestandards für die IT-Planung in Unternehmen und sorgt für einen optimalen Ressourceneinsatz sowie eine nachhaltig gesteuerte digitale Transformation. mehr...

Vier Personen stellen das Aachener Baumkataster vor

Aachen: Straßenbäume exakt dokumentiert

[19.12.2025] In Aachen wurden in den vergangenen Jahren alle Stadtbäume mit Stamm- und Zustandsdaten in ein Kataster eingepflegt. Das soll der Stadtverwaltung künftig alle Prozesse rund um Baumkontrolle und -pflege erleichtern. mehr...

Cuxhaven: Schnell informiert im Notfall

[19.12.2025] Seit 2005 informiert die Stadt Cuxhaven ihre Bürgerinnen und Bürger über regionale Gefahrenlagen oder Schadensereignisse per App. Nun erhielt die mobile Anwendung ein umfassendes Update. mehr...

Junger Mann sitzt mit Laptop, Taschenrechner und einigen Papieren in sorgenvoller Haltung am Schreibtisch.

Fraunhofer FOKUS: Zwischen Medienbrüchen und Bürokratiearbeit

[03.12.2025] Was macht einen Verwaltungsprozess wahrhaft nutzerfreundlich? Dieser Frage geht – anhand des Wohngeldantrags – eine Studie von Fraunhofer FOKUS nach. Die Erkenntnisse sollen dazu beitragen, ein handlungsleitendes Gesamtbild der Verwaltungsmodernisierung zu entwickeln. mehr...

Fragestellung er Umfrage mit einem Störer "Deine Meinung zählt"

NeXT: Breite Umfrage zur Nachnutzung

[27.11.2025] Wie steht es um die Nachnutzung digitaler Lösungen in der öffentlichen Verwaltung? Das Netzwerk NeXT hat dazu eine Umfrage aufgesetzt Alle Verwaltungsbeschäftigten – ungeachtet der Ebene oder Rolle – können noch bis Ende November ihre Praxiserfahrungen teilen. mehr...

Gruppenfoto der Teilnehmenden am „Kooperationsraum für Verwaltungsmodernisierung in föderalen Strukturen“

Metropolregion Rhein-Neckar: Kooperationsraum für moderne Verwaltung

[25.11.2025] Die Länder Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz sowie die Metropolregion Rhein-Neckar bauen ihre seit 2010 bestehende Kooperation aus und richten einen föderalen Kooperationsraum ein, der digitale Lösungen länder- und ebenenübergreifend entwickelt und erprobt. mehr...

Frau schreibt auf einem Notizblock, im Hintergrund weihnachtliche Deko
bericht

Studie: Intern besser integrieren

[20.11.2025] Wie erleben Behördenmitarbeitende die Digitalisierungsbemühungen in ihrem Alltag? Dies wollte das Unternehmen d.velop herausfinden. Ein Ergebnis der Umfrage: Eine vollständige Digitalisierung bis 2030 halten 75 Prozent der Befragten für unrealistisch. mehr...

Porträtaufnahme von Ilona Nickel.
interview

Lohr a.Main: Neue Perspektiven eröffnet

[19.11.2025] Ilona Nickel aus der IT-Abteilung der Stadt Lohr a.Main zählt zu den ersten Absolventen des Weiterbildungslehrgangs Digitalwirt. Im Interview erklärt sie, was den Lehrgang besonders macht und wie ihr dieser hilft, die Digitalisierung in Lohr voranzutreiben. mehr...

Szene aus einem Handballspiel.

Mainz: Mit Sportstättenverzeichnis online

[14.11.2025] In Mainz können jetzt die Belegungspläne von zunächst 20 Sporthallen online eingesehen werden. Weitere Hallen sollen sukzessive folgen. mehr...

Initiative Ehrenbehörde: Michelin-Stern für Behörden

[28.10.2025] Zwölf Behörden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wurden jetzt für neue Standards in Kommunikation, Digitalisierung und Führung als „Ehrenbehörden 2026“ ausgezeichnet. mehr...

dbb akademie: Digitalisierung im öffentlichen Dienst bleibt große Baustelle

[24.10.2025] Die dbb akademie hat jetzt das Fach- und Führungskräfte-Barometer 2025 vorgelegt. Demnach fühlen sich jüngere Generationen digital fitter, aber unzureichend vorbereitet. mehr...

Screenshot des 360-Grad-Rundgangs im Innern des Augsburger Doms

Augsburg: Dom in 4D erkunden

[17.10.2025] Der Augsburger Dom kann künftig auch in 4D erkundet werden. Der virtuelle Rundgang führt durch verschiedene Epochen und macht Geschichte auf besondere Art greifbar. mehr...