D21-Digital-Index 2021/2022Digitale Teilhabe nicht für alle
In Deutschland steigt der Digitalisierungsgrad in allen Teilen der Bevölkerung, ein Großteil kann digital mindestens mithalten. Gleichzeitig besteht der „Digital Skills Gap“ weiterhin fort – höher Gebildete sind deutlich versierter als schlechter ausgebildete oder ältere Personen. Das konstatiert der D21-Digital-Index 2021/2022, der aktuelle Trends und Langzeitentwicklungen beobachtet. D21-Digital-Index ist eine Studie der Initiative D21, die vom Marktforschungsunternehmen Kantar durchgeführt und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert wurde. Bereits die Vorjahresumfrage stellte fest, dass nicht alle gleichermaßen von der Digitalisierung profitieren können (wir berichteten). Weitere Themen der aktuellen Digital-Index-Umfrage waren digitale Nachhaltigkeit sowie Demokratie und Zusammenhalt und Fake News.
Digitale Nachhaltigkeit bleibt unscharf
Als erste große Studie habe der D21-Digital-Index 2021/2022 die Perspektive der Bürger auf digitale Nachhaltigkeit systematisch erfasst, berichtet D21. Dabei habe sich gezeigt, dass es den Meisten nicht leichtfällt, die Auswirkungen der Digitalisierung auf die ökologische Nachhaltigkeit und die zugrundeliegenden Wirkzusammenhänge einzuschätzen. Ein gutes Drittel (34 Prozent) der Bevölkerung glaubt, dass die Digitalisierung insgesamt einen eher positiven Einfluss auf die Umwelt hat, ein weiteres gutes Drittel (35 Prozent) glaubt, dass negative Auswirkungen überwiegen. Den größten Hebel für ökologisch nachhaltigere Digitalisierung sehen 33 Prozent in wissenschaftlichem Fortschritt und neuen Technologien. Deutlich weniger Menschen denken, dass politische Regulierungen oder wirtschaftliche Maßnahmen den größten Beitrag zu einer nachhaltigeren Digitalisierung leisten können. Jeder Fünfte glaubt, dass der individuelle Beitrag durch das eigene digitale Verhalten am meisten zur Schonung der Umwelt beitragen kann. Vor allem die Bevölkerungsgruppen, die nach eigener Meinung am stärksten von der Digitalisierung profitieren, sagen gleichzeitig, dass es ihnen schwerfallen würde, ihr eigenes digitales Verhalten zum Wohle der Umwelt zu ändern. D21-Geschäftsführerin Lena-Sophie Müller hält Klimaschutz und Digitalisierung für die drängendsten Aufgaben unserer Zeit. Die Bürgerinnen und Bürger müssten mitgenommen werden, um die jetzt notwendigen Veränderungen umzusetzen, so Müller. Dazu brauchen sie verständliche Informationen, Transparenz über den ökologischen Fußabdruck digitaler Geräte und Dienste sowie konkrete Vorschläge und Alternativen.
Zu wenig systematische Kompetenzvermittlung
Die Studie D21-Digital-Index bescheinigt der Bevölkerung insgesamt ein mittleres Niveau an digitalen Kompetenzen. Basiskompetenzen seien über alle Bevölkerungsgruppen hinweg verbreitet. Komplexere Fähigkeiten seien allerdings deutlich geringer ausgeprägt und wenn, dann vor allem bei Bürgern mit hohem Bildungsniveau. Das Bewusstsein für die Notwendigkeit digitaler Kompetenzen im Berufsleben steigt: 79 Prozent der Bürger glauben, dass man ohne Digitalisierungs-Grundkenntnisse kaum noch Chancen auf dem Arbeitsmarkt hat.
Gleichzeitig denken nur 34 Prozent, dass Schulen ausreichende digitale Fähigkeiten vermitteln, um im internationalen Vergleich mithalten zu können. Insgesamt empfindet mehr als jeder Vierte (27 Prozent) ständigen Druck, mit den Entwicklungen der Digitalisierung Schritt zu halten. Fort- und Weiterbildung liegen beim Kompetenzerwerb deutlich hinter informellem Lernen zurück. Nur 16 Prozent erhalten bezahlte Fort- und Weiterbildungen durch Arbeitgebende, 17 Prozent greifen auf kostenlose Angebote zurück, 69 Prozent bringen sich neue Kompetenzen selbst bei.
Digitalisierung als Faktor des gesellschaftlichen Zusammenhalts
Seit 2013 misst der D21-Digital-Index den Digitalisierungsgrad der deutschen Bevölkerung. Diese Kennzahl zeigt, wie gut einzelne Gruppen und die Gesellschaft insgesamt mit dem digitalen Wandel Schritt halten. Der aktuelle Digital-Index liegt bei 63 von 100 Punkten, insgesamt drei Punkte mehr als im Vorjahr. 59 Prozent der Bürger gaben an, persönlich von der Digitalisierung zu profitieren. Dabei spielen Bildung und Alter eine entscheidende Rolle: Nur eine Minderheit der Bürger mit niedrigem Bildungsabschluss glaubt, von der Digitalisierung zu profitieren. Und während zwei Drittel der Generation X und jünger in der Digitalisierung Vorteile für sich erkennen, sind es bei der Boomergeneration und der Nachkriegsgeneration knapp die Hälfte, in der Generation bis 1945 nur noch ein Viertel.
82 Prozent der Bürgerinnen und Bürger nutzen mittlerweile soziale Medien. Die Technologie ist also endgültig in der Breite der Gesellschaft angekommen. Dies verändere auch die Art, wie die Menschen miteinander kommunizieren und Informationen aufnehmen. Nur 56 Prozent der Befragten glauben gemäß der Umfrage, dass sie Fehlinformationen sicher erkennen können. 28 Prozent sehen in der Digitalisierung eine Gefahr für die Demokratie – in den neuen Bundesländern mit 34 Prozent sogar deutlich mehr. Meldungen und Informationen seien schnell weitergeleitet, doch falle es vielen schwer, Quellen einzuordnen. Bereits jetzt seien Auswirkungen zu sehen, die destabilisierend wirkten und den gesellschaftlichen Zusammenhalt auf eine Belastungsprobe stellen würden, so Lena-Sophie Müller.
https://www.InitiativeD21.de
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