DigitalisierungZehn-Punkte-Plan von Vitako

Arbeiten alle Ebenen zusammen, gelingt die Digitalisierung.
(Bildquelle: Petr/stock.adobe.com)
Bei der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung geht es um mehr als Onlineformulare oder Portale für einzelne Leistungen. Sie verlangt vielmehr einen tiefgreifenden Umbau des Verwaltungshandelns, bei dem Prozesse, Strukturen, Zuständigkeiten und Infrastrukturen interföderal neu gedacht werden müssen. Welche Elemente für die flächenwirksame Umsetzung der Digitalisierung hierzulande wesentlich sind, hat die Bundes-Arbeitsgemeinschaft der Kommunalen IT-Dienstleister, Vitako, in einem Zehn-Punkte-Plan festgehalten.
Ob die Digitalisierung gelingt, wird nicht allein auf Bundesebene oder in Strategiepapierrunden entschieden, sondern vor allem dort, wo die Verwaltungsleistungen tatsächlich erbracht werden: in den Kommunen. Hier zeigt sich den Bürgerinnen, Bürgern und Unternehmen unmittelbar, ob das Versprechen der digitalen Transformation eingelöst oder erneut vertagt wird. Das macht Kommunen und kommunale IT-Dienstleister zu zentralen Akteuren der Digitalisierung. Sie kennen die Bedarfe, haben Praxiswissen, verfügen über belastbare Infrastrukturen und sind darüber hinaus bereit, Verantwortung zu übernehmen. Als digitaler Schlüsselfaktor müssen sie deshalb frühzeitig in alle strategischen Entscheidungsprozesse zum Bürokratieabbau und zur Digitalisierung eingebunden werden.
Für die Verwaltungsdigitalisierung braucht es klar definierte Verantwortlichkeiten mit verbindlichen, aber föderal anschlussfähigen Entscheidungswegen. Daran mangelte es bislang. Nun könnte das neu geschaffene Digitalministerium für politische Führung sorgen. Dafür muss es eine entscheidende Rolle in der Governance sowie der Entwicklung einer kohärenten Digitalstrategie spielen. Es sollte sowohl für die Förderung zentraler digitaler Projekte als auch für die Koordination der verschiedenen föderalen Ebenen verantwortlich sein.
Umsetzbarkeit auf kommunaler Ebene
Das Digitalministerium erarbeitet leistungsfähige digitale Infrastrukturen, die das Fundament der digitalen Transformation darstellen. Hier ist der Deutschland-Stack ein wichtiger Ansatz. Er ist allerdings nicht als technisches Produkt zu verstehen, sondern als Verwaltungsplattform, die Basiskomponenten interoperabel bereitstellt und eine föderale Nutzung ermöglicht. Für die kommunale Praxis bedeutet das: Fachverfahren müssen anschlussfähig werden und digitale Signaturen, Payment-Module, Authentifizierungsmöglichkeiten sowie Postfächer verlässlich, zugänglich und integrationsfähig vorliegen. Neben der Software müssen eine organisatorische Architektur, die Beteiligung, die Entwicklung und der Betrieb gemeinsam adressiert werden.
Für den Anschluss und die Integrationsfähigkeit vorhandener Lösungen benötigen die Kommunen Projektmittel. Aber auch darüber hinaus sind sie auf eine verlässliche, langfristige und angemessene finanzielle Grundlage für die Digitalisierung angewiesen. Um dies sicherzustellen, schlägt der Zehn-Punkte-Plan höhere Steueranteile für Kommunen, gezielte Fonds für die digitale Infrastruktur und neue Wege der interkommunalen Kofinanzierung vor.
Im Sinne der Effizienz muss die digitale Verwaltung neu konzipiert werden. Prozesse werden in diesem Zuge nicht nur digitalisiert, sondern von Anfang bis Ende nutzerzentriert, medienbruchfrei und interoperabel gestaltet. Standardisierte Schnittstellen und offene Plattformen sind dafür unerlässlich. Diese digitale Ende-zu-Ende-Verwaltung entlastet Verwaltungen, Bürger und Unternehmen gleichermaßen. Die Umsetzung des Registermodernisierungsgesetzes bleibt deshalb – bei allen bekannten Schwierigkeiten – eines der zentralen Digitalisierungsvorhaben dieser Legislaturperiode. Dabei braucht es aus Sicht von Vitako klare Regeln und realistische Fristen. Auch muss die Umsetzbarkeit auf kommunaler Ebene fortlaufend überprüft werden. Um Fortschritte sichtbar zu machen, sind alle Maßnahmen vor und während ihrer Umsetzung kontinuierlich anhand klar definierter Erfolgsfaktoren zu evaluieren. Die Kriterien für dieses Monitoringsystem müssen gemeinsam auf föderaler Ebene definiert werden.
Gemeinsames Handeln ist die Basis
Ein weiterer strategischer Leitgedanke des Zehn-Punkte-Plans ist die Digitale Souveränität. Soll diese Sicherheit, Nachnutzbarkeit und Innovation ermöglichen, muss der Einsatz von Open-Source-Lösungen gezielt gefördert werden. Geeignete Anwendungsfelder sind Greenfield-Projekte, digitale Basisdienste oder modulare Verwaltungsportale. Wichtig sind hier tragfähige Wartungsmodelle, verlässliche Entwickler-Communities und verbindliche Qualitätsstandards.
Besondere Verantwortung trägt die öffentliche Verwaltung hinsichtlich der Informationssicherheit und des Datenschutzes. Verbindliche, einheitliche und hohe Sicherheitsstandards sind daher auf allen Ebenen unerlässlich. Die kommunale IT ist als Teil der Kritischen Infrastruktur zu betrachten und braucht eigene Vorgaben. Vitako empfiehlt hier abgestufte Sicherheitsstandards, die nach Risikoprofil, personeller Ausstattung und technischer Komplexität unterscheiden. Der Bund ist gefordert, dafür benötigte Mittel zur Verfügung zu stellen.
In Summe plädiert Vitako für ein gemeinsames Handeln von Bund, Ländern, Kommunen und EU. In den vergangenen Monaten ist der Austausch zwischen den kommunalen IT-Dienstleistern, den kommunalen Spitzenverbänden und der Politik intensiver geworden. Diese Dynamik gilt es zu nutzen, damit die Digitalisierung von föderaler Kooperation, kommunaler Expertise und politischer Entschlossenheit getragen werden kann. Soll Deutschland seinen digitalen Rückstand aufholen, braucht es ein abgestimmtes Zielbild, das digitale Ökosysteme von der Kommune bis zum Bund integriert. Auch rechtlich abgesicherte Standards, klare Governance-Regeln, verbindliche Entscheidungen und tragfähige Finanzierungsmodelle samt langfristiger Investitionen sind wichtig, damit die digitale Verwaltung nicht nur punktuell, sondern auch strukturell wirken kann. Fortschritte sind hier kein Selbstzweck, sondern essenziell für die staatliche Souveränität und den Erhalt unserer demokratischen Strukturen.
IT-Planungsrat: Kommunen scheuen EfA-Kosten
[17.04.2026] Eine neue Studie des IT-Planungsrats zeigt, warum Online-Dienste von Bürgern zu wenig genutzt und von Kommunen kaum nachgenutzt werden. Sie schlägt eine föderale Antragsplattform mit kommunalen Marken, Ende-zu-Ende-Digitalisierung und einer Cloud-Infrastruktur vor. mehr...
BMDS/Niedersachsen: Fokusleistungen in alle Kommunen
[16.04.2026] Mit einem neuen Ansatz will das BMDS digitale Verwaltungsleistungen in die Fläche bringen. Kernstück ist die Beauftragung eines Generalunternehmers, der die Ende-zu-Ende-Verantwortung für den Roll-out in den Kommunen übernimmt. Nach Bayern und Hessen hat nun Niedersachsen eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. mehr...
Interview: Wir sitzen im gleichen Boot
[02.04.2026] Im Märkischen Kreis haben sich mehrere Kommunen zum Netzwerk Digitalisierung und E-Government zusammengeschlossen. Welchen Mehrwert der interkommunale Austausch bringt, beschreibt Jasmin Grünschläger, Digitalisierungsbeauftragte der Stadt Menden. mehr...
Schleswig-Holstein: Digitalstrategie 2026 vorgestellt
[19.03.2026] Schleswig-Holstein hat seine neue Digitalstrategie beschlossen. Erstmalig waren zentrale Partner aus Kommunen und Zivilgesellschaft systematisch in den Strategieprozess eingebunden, um einen breiten gesellschaftlichen Ansatz zu ermöglichen. mehr...
Baden-Württemberg: Gemeinsam schneller digital
[18.03.2026] In Baden-Württemberg haben Land und Kommunen eine neue – die inzwischen dritte – E-Government-Vereinbarung unterzeichnet. Das Land will den Roll-out von Verwaltungsleistungen in den Kommunen mit weiteren zehn Millionen Euro finanzieren. mehr...
Thüringen: Land unterstützt Kommunen intensiv
[17.03.2026] Ein neuer Prüfbericht des Thüringer Rechnungshofs sieht beträchtliche Defizite bei der OZG-Umsetzung und der Digitalisierung der kommunalen Verwaltung. In einer Stellungnahme erläutert das Digitalministerium, wie das Land Kommunen unterstützt. mehr...
Verwaltungsdigitalisierung: Lehren für die Zukunft ziehen
[12.03.2026] In 25 Jahren Verwaltungsdigitalisierung mangelte es nicht an ehrgeizigen Zielen. Diese wurden aber trotz der nötigen finanziellen Ressourcen häufig verfehlt. Aus den Erfahrungen der Vergangenheit können Lehren für aktuelle Projekte gezogen werden. mehr...
Hochsauerlandkreis: Weichenstellung für die Zukunft
[11.03.2026] Im Hochsauerlandkreis will ein neuer Ausschuss für Digitalisierung und Verwaltungsmodernisierung für Zukunftsfähigkeit sorgen. In der Auftaktsitzung befassten sich die Ausschussmitglieder intensiv mit dem aktuellen Stand der Verwaltungsdigitalisierung und dem Ausbau der Breitband- und Mobilfunkinfrastruktur. mehr...
Digitalisierung: Wiens sozialer Auftrag
[10.03.2026] Technologie soll Freiheit schaffen – nicht einengen, sagt Nikolaus Reisel. Kommune21 sprach mit dem Head of Platform der Stadt Wien über digitalen Humanismus, offene Standards und den Einsatz von KI in der Verwaltung der österreichischen Hauptstadt. mehr...
Hessen: Standardbefreiung online beantragen
[09.03.2026] Hessens Kommunen sollen die Möglichkeit haben, neue Wege der Aufgabenerfüllung zu erproben. Die so genannte Standardbefreiung erlaubt es kommunalen Körperschaften, von landesrechtlichen Regelungen abzuweichen, um Abläufe zu modernisieren und Bürokratie abzubauen. Dazu gibt es jetzt einen unkomplizierten Online-Antrag. mehr...
Spitzenverbände: Kommunale Handlungsfähigkeit sichern
[06.03.2026] Die kommunalen Spitzenverbände warnen vor der Handlungsunfähigkeit von Städten, Landkreisen und Gemeinden. Bund und Länder müssten dringend Maßnahmen ergreifen, sollen die kommunalen Haushalte nicht vollständig kollabieren. mehr...
NExT/DigitalService: Nachhaltige Verwaltungsmodernisierung
[05.03.2026] Eine gemeinsame Veröffentlichung von NExT und dem DigitalService des Bundes zeigt Wege zu einer wirksamen Verwaltungsdigitalisierung. Dabei wird deutlich: Nachhaltige Effekte und eine echte Digitalrendite entstehen vor allem durch die gezielte Modernisierung der Verwaltungsstrukturen. mehr...
DStGB: Praxisnaher Rahmen für Parkraumkontrolle
[02.03.2026] Die Kommunalen Spitzenverbände äußerten sich bei einer Anhörung im Bundestag zu geplanten Gesetzesänderungen, die auch die digitale Parkraumkontrolle betreffen. Sie fordern unter anderem eine praxisgerechte, flexible und technologieoffene Umsetzung ohne zusätzliche Bürokratie. mehr...
Hessen: Land und Kommunen gestalten Zukunft
[23.02.2026] In Hessen haben das Land und die Kommunalen Spitzenverbände den Zukunftspakt vereinbart, um die kommunale Selbstverwaltung zu stärken. Dies soll durch den Abbau bürokratischer Lasten, eine faire Finanzierung und engere Zusammenarbeit der Ebenen bei der Digitalisierung erreicht werden. mehr...
Thüringen: Digitalisierung auf Kurs
[17.02.2026] Platz vier im Bundesvergleich, Vorreiter bei digitaler Souveränität und Open Source sowie klare Pläne für 2026 – was hinter den Zahlen steckt und wo Thüringen bewusst andere Wege geht, erläutert Landes-CIO Milen Starke im Interview. mehr...























