Donnerstag, 9. April 2026

Digitale BildungZehn Jahre Smart Schools

[09.04.2026] Seit zehn Jahren würdigt der Smart-School-Wettbewerb Schulen, die digitale Bildung, Infrastruktur und Lehrkräftefortbildung zusammenbringen. Rahmenbedingungen und Schwerpunktthemen sind im Wandel – doch die Digitalisierung im Bildungsbereich geht weiter.
auf einem stilisierten Laptop stehen Schultische und -bänke

Digitale Technologien allein machen keine Smart School.

(Bildquelle: Pixels Hunter/stock.adobe.com)

Was vor zehn Jahren mit einer einzigen Schule im Saarland begann, ist heute ein Netzwerk von 135 digitalen Vorreiterschulen – und der Weg ist frei für alle, die mitmachen wollen. Ihren Anfang fand die Initiative Smart School des Digitalverbands Bitkom bei der damals IT-Gipfel (heute Digitalgipfel) genannten Konferenz von Bundesregierung und Digitalwirtschaft. Die Gesamtschule Bellevue in Saarbrücken wurde zur ersten Smart School Deutschlands ernannt (wir berichteten) – und über fünf Jahre in ihrer Entwicklung hin zu einer Vorreiterschule in digitaler Didaktik, zukunftsorientierter Lehrkräftefortbildung und im Einsatz innovativer Technologien unterstützt.

Das digitale Rad nicht immer neu erfinden

Klare Erkenntnis dieses Kickstarts: Das Projekt der Digitalisierung von Bildung muss nicht nur an einzelnen Standorten, sondern in der Breite gelingen. Das ist bis heute eine Mammutaufgabe: In Deutschland gibt es aktuell mehr als 32.000 allgemeinbildende Schulen. Jede davon einzeln auf ihrem Weg hin zur digitalen Schule der Zukunft zu unterstützen, wäre zwar löblich, funktioniert aber in einer immer mehr von Fach- und Lehrkräftemangel geprägten Gesellschaft nicht.

Außerdem muss das digitale Rad nicht an jeder Schule neu erfunden werden. Vielmehr muss es darum gehen, dass Best Practices in die Breite getragen und Schulen im Austausch voneinander lernen können. Daher hat sich seit 2016 in der Smart-School-Initiative und dem begleitenden Wettbewerb auch viel getan. Es fand eine Art Metamorphose statt: hin zu einem internationalen Netzwerk von 135 digitalen Vorreiterschulen. Den Vorsitz der Fachjury, die über die Auszeichnung entscheidet, hat mittlerweile Bundesbildungsministerin Karin Prien inne.

Eine Smart School steht auf drei Säulen

Dabei macht eine Smart School auch heute noch das aus, worauf bereits vor zehn Jahren erstmals Wert gelegt wurde: die drei Säulen einer Smart School. Jede zahlt auf einen eigenen Bereich ein, der die digitale Schule definiert – gemeinsam kommen sie zu einem ganzheitlichen, digital-didaktischen Konzept zusammen. Dieser Ansatz spiegelt die Voraussetzungen wider, die es für gute digitale Bildung im Schulalltag braucht – und ist gleichzeitig immer noch der Kern des Wettbewerbs und der ausgezeichneten Schulen.

Die erste Säule trägt den Namen „Digitale Schul- und Unterrichtskonzepte“ und definiert sich durch verschiedene Merkmale, die eine Schule aufweisen sollte. Darunter unter anderem ein digitales Schulkonzept, das Didaktik und Digitalisierung strategisch zusammendenkt und die Chancen für Schülerinnen und Schüler in den Vordergrund stellt. Daneben spielen noch der übergreifende Einsatz innovativer Technologien, digitaler Medien und Lerninhalte sowie die Berücksichtigung der KMK-Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ und weiterer aktueller Entwicklungen eine tragende Rolle.

Nachdem damit die Grundlagen für einen sinnvollen Einsatz digitaler Technologien und eine Bestärkung zukünftiger Generationen im selbstbestimmten Umgang mit sowie bei der Gestaltung von Digitalisierung gelegt wurde, ergänzt Säule zwei nun mit konkreten Anforderungen an technische Ausstattung und Infrastruktur. So zeichnen sich Smart Schools unter anderem durch WLAN-Verfügbarkeit im gesamten Schulgebäude, den Einsatz von Cloud-Services, interaktiven Whiteboards, intelligenten Schulverwaltungssystemen oder die Verfügbarkeit von mobilen Endgeräten aus.

Durch die Coronapandemie hat insbesondere die zweite Säule einen großen Schub erhalten. Die dritte und letzte Säule – digital-kompetente Lehrkräfte – kommt im Kontext des Lehrkräftemangels hingegen oft noch zu kurz. Dabei ist sie ein essenzieller Bestandteil und Bedingung, um die grundlegenden Überlegungen, Strategien und Technologien überhaupt erst ein- und umsetzen zu können. Dazu braucht es die nachhaltige Qualifizierung von Lehrkräften und Personal. Smart Schools sind Vorreiter darin, innovative Konzepte zur Fortbildung von Lehrkräften mit Digitalisierungsbezug zu entwickeln und umzusetzen, sowie den fachlichen Austausch zum Thema Digitalisierung und digitale Kompetenz inner- und außerhalb des eigenen Kollegiums zu fördern.

Es braucht mehr als eine digitale Infrastruktur

Trotz des Festhaltens am bewährten Drei-Säulen-Modell hat sich seit der ersten Auflage des Wettbewerbs vieles verändert. Von 2019 bis 2024 wurden von Bund und Ländern über den DigitalPakt Schule insgesamt 6,5 Milliarden Euro für die digitale In­frastruktur in Deutschlands Schulen bereitgestellt. Das Förderprogramm kam glücklicherweise direkt vor Ausbruch der Pandemie, einige Schulen konnten noch rechtzeitig von den Fördermitteln profitieren und auf eine digitale Unterrichtsgestaltung umstellen. Mittlerweile gibt es den DigitalPakt 2.0, der nahtlos an die erste Ausgabe anschließt und den Förderrahmen um digitale Lehr- und Lernmaterialien sowie die Qualifizierung von Lehrkräften erweitert.

Der DigitalPakt Schule hat aber auch gezeigt, dass Geld für digitale Infrastruktur nicht automatisch mit einer zukunftsfähigen Bildung gleichzusetzen ist. Die aktuelle International Computer and Information Literacy Study der International Association for the Evaluation of Educational Achievement (IEA) von 2023 hat beispielhaft gezeigt, dass Deutschland im Bereich digitaler Infrastruktur in Schulen seit 2013 große Fortschritte gemacht hat. Zugleich sind die Digitalkompetenzen von Achtklässlern im selben Zeitraum um 20 Punkte gesunken. Etwa 41 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Deutschland verfügen nur über rudimentäre bis basale digitale Kompetenzen. Eine Weiterentwicklung des Programms, die digitale Bildung ganzheitlich versteht, war deswegen wichtig.

Im Smart-School-Wettbewerb hat sich in den vergangenen Jahren ein neues Thema aufgetan und immer mehr Raum eingenommen: Künstliche Intelligenz. Mittlerweile gehört die Frage zum KI-Einsatz für Unterricht und Vorbereitung fest zum Bewerbungsformular. Daraus sind zahlreiche Positivbeispiele für neue Herangehensweisen an das Unterrichtsverständnis entstanden. Von Projekten, die KI und Demokratie zusammendenken, über die Befähigung von Schülerinnen und Schülern zum selbstorgansierten Lernen mit KI hat die Technologie den Unterricht bereits grundlegend verändert und wird ihn auch langfristig revolutionieren.

Hinarbeiten auf den Schneeballeffekt

Die Möglichkeit, das Netzwerk und den Wettbewerb über die vergangenen zehn Jahre hinweg zu betreuen, ist eine riesige Bereicherung für die Arbeit des Bitkom. Sie gibt einen direkten, realitätsnahen Einblick in den Schulalltag und in konkrete Herausforderungen auf dem Weg zu digitaler Bildung in Deutschland. Außerdem ist die Zusammenarbeit mit motivierten Lehrkräften, Schulträgern sowie den Schülerinnen und Schülern jedes Mal wunderbar.

Und dennoch ist es natürlich das Ziel, dass es die Initiative irgendwann nicht mehr braucht. Wenn es gelingt, dass die Best Practices und Erfahrungen von Schulen die Entwicklungen weiterer Schulen positiv beeinflussen, entsteht ein Schneeballeffekt, der digitaler Bildung in Deutschland endlich den nötigen Quantensprung ermöglicht. An diesem Punkt sind wir jedoch noch lange nicht. Und bis dahin braucht es sie weiterhin – die Vorreiterschulen, die engagierten Lehrkräfte und diejenigen, die ihnen Bühne und Möglichkeit zum Austausch geben. Der Bitkom arbeitet auf dieses Ziel hin, bis jede Schule in Deutschland Smart School ist. Die nächsten Smart Schools werden am 16. April im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung in Berlin ausgezeichnet.

Leah Schrimpf ist Leiterin Digitale Gesellschaft beim Bitkom und verantwortet dort unter anderem den Fachbereich Bildung; zuvor war sie beim Bitkom Bereichsleiterin Bildungspolitik.




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Schul-IT
Pressekonferenz in einer Schule zur Einführung von telli in Thüringen

Thüringen: KI verstehen mit telli

[09.04.2026] Der KI-Chatbot telli steht ab sofort allen Schulen in Thüringen zur Nutzung zur Verfügung. Der Freistaat profitiert dabei von den Erfahrungen anderer Bundesländer und setzt zugleich eigene Schwerpunkte bei der pädagogischen Begleitung. mehr...

Das Lern-Management-System itslearning soll bald für alle baden-württembergischen Schulen verfügbar sein.

Kommunale Spitzenverbände: Digitalpakt 2.0 mit verschobenem Start?

[01.04.2026] Die kommunalen Spitzenverbände kritisieren geplante Änderungen zum Digitalpakt 2.0: Der für 2025 vereinbarte Starttermin soll um ein Jahr verschoben werden. Viele Kommunen haben mit Blick auf die Vereinbarung schon 2025 teure digitale Ausstattung beschafft – und könnten dann ohne Finanzierung dastehen. mehr...

Collage eines jungen Schülers in Schwarz-Weiß, der einen Rucksack und eine Lupe hält, vor einem Notebook-Bildschirm, isoliert auf farbigem Hintergrund.
bericht

Digitales Lernen: Eintauchen in den Lernstoff

[31.03.2026] Der Digitalpakt 2.0 fördert unter anderem die Einführung KI-gestützter, adaptiver Lernsysteme und die Entwicklung digitaler Unterrichtskonzepte. Damit eröffnet sich eine Chance für Schulen, immersive Lernräume einzurichten – ein Konzept, mit dem andere Länder bereits gute Erfahrungen gemacht haben. mehr...

Mehrere Personen stehen vor einem digitalen Monitor versammelt, auf dem der Aachener Konzept-O-Mat präsentiert wird.

Aachen: Automat für Medienkonzepte

[27.03.2026] Die StädteRegion Aachen bietet ihren Schulen ein Online-Tool an, mit dem sie ihre Medienkonzepte schneller und gezielter überarbeiten können. Der sogenannte Konzept-O-Mat erfasst den Ist-Zustand der Schule, zeigt Lücken im jeweiligen Konzept auf und gibt Verbesserungshinweise. mehr...

Aufsicht auf einen Schultisch, man sieht einen Laptop und eine Computermaus, auf der eine Kinderhand ruht.

Hannover: Zwischenbilanz zum Einsatz von Microsoft 365 an Schulen

[18.03.2026] Hannover nutzt Microsoft 365 auch im Bildungsbereich. Die Stadt ist sich des Datenschutzrisikos bewusst, lehnt europäische Open-Source-Alternativen aber ab. Nun sollen bessere Rahmenbedingungen für den Microsoft-Einsatz geschaffen werden – mit Vorbildcharakter für weitere Schulen im Land. mehr...

Stadtrat Nürnberg

Nürnberg: Schul-IT als Daueraufgabe

[16.03.2026] Im Rahmen der IT-Strategie „Lernen und Lehren an städtischen und staatlichen Schulen in Nürnberg im Digitalen Zeitalter“ wurden in den vergangenen neun Jahren zahlreiche Erfolge erzielt. Diese hat das Referat für Schule und Sport jetzt in einem umfassenden Bericht zusammengefasst. mehr...

Mehrere Schülerinnen und Schüler arbeiten im Klassenzimmer mit Tablets.

Neuwied: 2,4 Millionen Euro für die Lerninfrastruktur

[13.03.2026] Mit einem Medienentwicklungsplan für die Jahre 2026 bis 2030 stellt Neuwied rund 2,4 Millionen Euro für die digitale Ausstattung und Betreuung städtischer Schulen bereit. Mit den Mitteln soll die Lerninfrastruktur weiter modernisiert und gesichert werden. Auch ein verlässlicher IT-Support ist vorgesehen. mehr...

Eine Person bedient den Touchscreen eines Tablets.

Niedersachsen: telli lehrt KI-Einsatz

[24.02.2026] Schule sollte junge Menschen dazu befähigen, KI kritisch, reflektiert und kompetent zu nutzen. Mit diesem Ziel nimmt jetzt Schul-Chatbot Telli in Niedersachsen seine Arbeit auf. Die datenschutzkonforme Open-Source-Lösung kann sowohl für die Unterrichtsvorbereitung als auch das fächerübergreifende, individuelle Lernen herangezogen werden.  mehr...

Mehrere Schüler sitzen in einem Klassenzimmer, eine Lehrerin unterrichtet sie mit Unterstützung eines Whiteboards.

Digitalpakt 2.0: KISA begleitet Schulen

[23.01.2026] Mit dem Digitalpakt 2.0 geht das Förderprogramm zur Digitalisierung an den Schulen in die Fortsetzung. Der Zweckverband Kommunale Informationsverarbeitung Sachsen (KISA) unterstützt Schulen und Schulträger mit passgenauer Beratung, Betreuung und erprobter Hardware. mehr...

Screenshot des Titelblatts des Leitfadens.

Nordrhein-Westfalen: Leitfaden zum IT-Support an Schulen

[19.01.2026] In Nordrhein-Westfalen können Schulen, Schulträger und IT-Dienstleister einen Leitfaden zur „Effizienz in IT-Support und IT-Beschaffung“ an den Bildungseinrichtungen nutzen. Die praxisnahe Orientierungshilfe umfasst sowohl Empfehlungen als auch Best-Practice-Ansätze und berücksichtigt dabei landesweite Regelungen und Vereinbarungen. mehr...

Kinerhand, die auf einem Tablet herumwischt, im Hintergrund sieht man eine klassische grüne Schultafel.

Bayern: Eine Schul-IT-Förderung – statt zwölf

[06.01.2026] Bayern stellt die Finanzierung der digitalen Ausstattung seiner Schulen auf ein neues Fundament: An die Stelle zahlreicher komplexer, befristeter Förderprogramme tritt ab 2027 eine gesetzliche Leistung, die als Pro-Schüler-Pauschale direkt an die Schulaufwandsträger ausgezahlt wird. Gefördert werden Digitalinfrastruktur, Endgeräte, Bildungsmedien sowie IT-Wartung. mehr...

Ki hält in den Schulen von zwölf Bundesländern Einzug. Eine Umfrage des eco zeigt indes große Skepsis in der Bevölkerung.

Digitale Schule: Einigung auf Digitalpakt 2.0

[05.01.2026] Bund und Länder investieren bis 2030 fünf Milliarden Euro in die digitale Modernisierung der Schulen. Darauf verständigte sich die Bildungsministerkonferenz. Neu ist die Vereinfachung der administrativen Prozesse – der Verwaltungsaufwand für Länder und kommunale Schulträger soll deutlich sinken. mehr...

Porträtaufnahme von Frank Schöneberg
bericht

Finanzierungsmodelle: Geliehene Schul-IT

[10.12.2025] Aufgrund der Investitionsrückstände in den Kommunen bleibt auch die Digitalisierung der Schulen oft Stückwerk. Frank Schöneberg, Vice President Sales Public & Healthcare bei CHG-Meridian, erklärt, wie Schulen der Finanzierung nach Kassenlage entkommen. mehr...

Eine Schülerin hält ein Smartphone in der Hand, im Hintergrund ist verschwommen ein Schulflur mit weiteren Schülerinnen und Schülern zu sehen.

Saarland: Mit telli KI verstehen lernen

[02.12.2025] Im Saarland können jetzt alle Schulen den auf Künstlicher Intelligenz (KI) basierenden Chatbot telli nutzen. Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler erhalten damit einen datenschutzkonformen Zugang zu KI-gestützten Lernmitteln Die Lehrkräfte können den Bot unabhängig vom Kollegium einsetzen, sobald sie einen Zertifikatskurs absolviert haben. mehr...