Donnerstag, 6. August 2026

Cyber-SicherheitKI ist Segen und Fluch

[06.08.2026] Für Verwaltungen ist KI Segen und Fluch zugleich. Einerseits soll sie den Fachkräftemangel kompensieren und Bürgerservices beschleunigen, andererseits wird sie für Cyber-Angriffe genutzt. Oft fehlt eine IT-Infrastruktur, die KI und Cyber-Abwehr verbindet.

Ein Security Operations Center analysiert IT-Umgebungen rund um die Uhr.

(Bildquelle: Purnomo Semlirick/stock.adobe.com)

Ransomware-Angriffe auf Kommunalverwaltungen sind keine Ausnahme mehr. Allein in Bayern wurden 2024 laut Landeskriminalamt mehr als 48.000 Fälle von Cyber-Kriminalität registriert. Die Folgen solcher Angriffe sind oft gravierend: wochenlange Ausfälle von Bürgerservices, Verlust sensibler Melde-, Sozial- und Finanzdaten, erschüttertes Vertrauen in die digitale Verwaltung. Unterdessen hinkt das Risikobewusstsein der Realität hinterher: Während 80 Prozent der Befragten auf Landes- und Bundesebene die Bedrohungslage als sehr hoch einstufen, sind es auf kommunaler Ebene nur 58 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage von Civey aus dem November des vergangenen Jahres. Diese Diskrepanz zwischen Gefährdung und wahrgenommenem Risiko offenbart ein strukturelles Problem. Kommunen verfügen selten über dedizierte IT-Sicherheitsteams. Die vorhandenen Fachkräfte sind mit dem Tagesbetrieb ausgelastet. Gerade hier könnte KI durch automatisierte Anomalieerkennung, Echtzeitkorrelation von Sicherheitsereignissen oder die Entlastung von Sachbearbeitern bei Routinevorgängen den wirksamsten Hebel ansetzen.

Medizin ist zugleich das Gift

Was Kommunen als Verteidigungsinstrument dringend benötigen, setzen Angreifer längst systematisch ein. KI wird immer häufiger für täuschend echte Phishing-Mails, automatisierte Schwachstellen-Scans und die Skalierung ganzer Angriffskampagnen genutzt. Kurz gesagt: Dieselbe Technologie, die den Bürgerservice beschleunigen soll, vergrößert gleichzeitig die Angriffsfläche.

Hinzu kommt der wachsende Druck vonseiten des Gesetzgebers. Mit der Umsetzung der NIS2-Richtlinie in deutsches Recht verschärfen sich die Anforderungen an die Cyber-Sicherheit auch für kommunale Einrichtungen und deren Dienstleister erheblich. BSI-Grundschutz, die Basis-Absicherung Kommunalverwaltung und zunehmend auch BSI-C5-Testate entwickeln sich zum verbindlichen Standard. Parallel dazu müssen KI-Anwendungen in der Verwaltung den Vorgaben des EU AI Acts entsprechen – einem Regelwerk, das Transparenz, Risiko­klassifizierung und menschliche Aufsicht vorschreibt. Kommunen geraten damit in eine doppelte Compliance-Herausforderung: Sie müssen sowohl ihre Sicherheitsarchitektur als auch ihre KI-Governance aufrüsten. Und das mit begrenzten Budgets und ohne ausreichendes Fachpersonal. Wer hier nicht rechtzeitig die Weichen stellt, riskiert nicht nur Sicherheitslücken, sondern auch regulatorische Konsequenzen.

Wo ein Wille ist nicht immer ein Weg

Doch selbst dort, wo der politische Wille vorhanden ist, scheitert die KI-Modernisierung häufig an einer einfachen Hürde: der fehlenden Infrastruktur. Viele Kommunen betreiben ihre IT noch in hauseigenen Serverräumen oder bei kleinen regionalen Dienstleistern. Diese sind jedoch weder für GPU-intensive KI-Workloads noch für professionelles Security-Monitoring ausgelegt. Für Chatbots, KI-gestützte Antragsverarbeitung oder automatisierte Bescheiderstellung sind dagegen leistungsfähige, hochverfügbare und datenschutzkonforme Rechenumgebungen erforderlich. 

Ein Ausweg sind spezialisierte, zertifizierte Infrastrukturen, die Kommunen Zugang zu professioneller Rechenleistung ermöglichen, ohne dass sie selbst ein Rechenzentrum aufbauen müssen. Dabei ist nicht allein die Leistungsfähigkeit der gewählten Plattform entscheidend, sondern auch ihre Datensouveränität. Bürgerdaten, Registerdaten und Fachverfahren unterliegen besonderen Schutzanforderungen und dürfen den europäischen Rechtsraum nicht verlassen. Das ist insbesondere vor dem Hintergrund des US CLOUD Act von Bedeutung, da dieser amerikanischen Behörden einen extraterritorialen Zugriff auf Daten bei US-Anbietern einräumt – selbst dann, wenn diese auf europäischen Servern liegen. Anbieter wie noris network setzen deshalb konsequent auf das Prinzip der digitalen Souveränität und betreiben ihre Cloud-Plattformen ausschließlich in deutschen Hochsicherheitsrechenzentren, ohne von US-amerikanischen Hyperscalern abhängig zu sein.

Kompetenzen auslagern

Ebenso entscheidend ist die Frage, wie Kommunen ihre wachsende Angriffsfläche professionell überwachen lassen können. Ein Security Operations Center, das IT-Umgebungen rund um die Uhr analysiert, Sicherheitsereignisse mittels KI-gestützter Verfahren korreliert und im Ernstfall eine professionelle Incident Response sicherstellt, übersteigt die Kapazitäten der meisten kommunalen IT-Abteilungen. Diese Lücke können Managed-Security-Dienste schließen, indem sie Ransomware-Schutz, Intrusion Detection und forensische Kompetenz als Service bereitstellen, statt diese Leistungen selbst erbringen zu müssen.

Neben der Sicherheitsfrage stellt sich für Kommunen, die KI-Anwendungen produktiv betreiben wollen, auch die Frage nach der Rechenleistung. Dedizierte GPU-Cluster und Private-AI-Plattformen ermöglichen die datensouveräne Nutzung großer Sprachmodelle über standardisierte API-Endpunkte, ohne dass Bürgerdaten oder Verwaltungsinformationen an internationale Anbieter fließen. Die Verarbeitung findet in deutschen Rechenzentren statt, unterliegt deutschem Recht und ermöglicht eine vollständige Kontrolle über die eingesetzten Modelle sowie die zugrunde liegenden Daten. Klar ist: Die Herausforderungen, vor denen kommunale Verwaltungen stehen, lassen sich nicht isoliert voneinander lösen. Sie erfordern ein integriertes Konzept, das sichere Infrastruktur, professionelle Cyber-Abwehr und souveräne KI-Kapazitäten verbindet.

Stefan Tiefel ist Senior Market Development Manager bei der noris network AG.




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: IT-Sicherheit
Person mit neongelbem Regenzeug von hinten, auf dem Rücken steht in schwarzer Schrift: Security

Niedersachsen: IT-Sicherheitszentrum für Kommunen

[28.07.2026] Niedersachsen stärkt den Cyberschutz seiner Verwaltung mit zwei Bausteinen: Das Land investiert in Lizenzen für den KI-gestützten Schutzschirm Aegis und lässt von fünf kommunalen IT-Dienstleistern ein gemeinsames IT-Sicherheitszentrum aufbauen, das Kommunen unterstützen soll. mehr...

Leipzig: Cyber-Angriff auf IT-Dienstleister Lecos

[23.07.2026] Ein Cyber-Angriff auf den Leipziger IT-Dienstleister Lecos wurde frühzeitig erkannt und gestoppt. Die Stadt und Lecos selbst setzen auf transparente Kommunikation und teilten mit, dass lediglich dienstliche Kontakt- und technische Verzeichnisdaten abgeflossen seien. Die IT-forensischen Untersuchungen dauern an. mehr...

Gruppenfoto vor deutscher und estnischer Flagge.

Bonn/Estland: Von den Besten lernen

[21.07.2026] Estland gilt europaweit als Vorreiter für digitale Innovation und Cyber-Sicherheit. Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis wollen die Zusammenarbeit mit dem baltischen Staat ausbauen und dabei insbesondere den geplanten Cyber Campus Region Bonn voranbringen. mehr...

Miniatur-Rettungsring auf einer Tastatur

ITEBO: Auch im Ernstfall arbeiten können

[16.07.2026] Um den Verwaltungsbetrieb auch im Krisenfall aufrechthalten zu können, sollten Kommunen einen vorbereiteten Notfallarbeitsplatz vorhalten. Eine solche Lösung bietet unter anderem ITEBO an. mehr...

Illustration zum Thema Cybersicherheit: Im Vordergrund sitzt eine dunkel gekleidete Person mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze vor einem Laptop. Im Hintergrund sind schemenhafte Silhouetten von Menschen zu sehen, die miteinander sprechen oder arbeiten. Überlagerte digitale Elemente und eine angedeutete Stadtlandschaft in Blau- und Grautönen vermitteln den Eindruck einer vernetzten digitalen Welt und symbolisieren die Bedrohung durch Cyberangriffe auf Organisationen und Verwaltungen.
bericht

Komm.ONE: Cyber-Sicherheit wird zur Daueraufgabe

[29.06.2026] Der IT-Dienstleister Komm.ONE warnt beim Cybersicherheitstag 2026 vor zunehmender Professionalisierung der Angreifer. Prävention, Zusammenarbeit und Künstliche Intelligenz gewinnen an Bedeutung. mehr...

Bild in Blautönen: Junger Mann in Office-Umgebung stützt Kopf in Hand, un ihn herum eingeblendet Icons für Dokumente und Daten und Vernetzung

CSBW: Neues Handbuch für IT-Notfälle

[23.06.2026] Für Verwaltungen bestehen jederzeit Risiken für Sicherheitsvorfälle und Datenschutzverletzungen – mit möglichen schweren Folgen. Die Cybersicherheitsagentur Baden-Württemberg unterstützt Land und Kommunen mit neuen Angeboten, ein belastbares Informationssicherheits-Managementsystem aufzubauen. mehr...

Etwas düster wirkende Bühne mit der obligaten Großprojektion, davor Personen in förmlicher Business-Kleidung in Gruppenfopto-Aufstellung

BSI/NExT: Drei Projekte für mehr Sicherheit

[22.06.2026] Den InfoSec Impact Award von BSI und NExT erhielten drei herausragende IT-Sicherheitslösungen aus dem Public Sector, die sich mit Software-Lieferketten, Cyber-Trainings und interkommunaler Zusammenarbeit befassen. Die Projekte werden als Best Practices veröffentlicht und der Fachöffentlichkeit vorgestellt. mehr...

Im Homeoffice für Cyber-Sicherheit sensibilisieren.

Schleswig-Holstein: Maßnahmenpaket für Cyber-Sicherheit

[01.06.2026] Schleswig-Holstein baut die Cyber-Sicherheit für Land und Kommunen aus. Zum Schutzschirm gehören unter anderem ein erweitertes Schwachstellenmanagement, mobile IT für Krisenlagen und Vor-Ort-Supportteams. Digitale souveräne Arbeitsplätze und IT-Infrastruktur sichern Behörden weiter ab. mehr...

Blick in einen Vortragssaal auf der SaarSecurity Roadshow

eGo-Saar: Erfolgreiche SaarSecurity Roadshow

[27.05.2026] In einer gemeinsamen Veranstaltungsreihe haben der Zweckverband eGo-Saar und das saarländische Wirtschaftsministerium über NIS2, IT-Notfallmanagement und digitale Resilienz informiert. Bei den Kommunen stieß die SaarSecurity Roadshow 2026 auf großes Interesse. 
 mehr...

G-DAta_leitzgen_bölting_porträt
interview

Cyber-Sicherheit: Kommunen sind leichte Beute

[12.05.2026] Wie Städte und Kreise ihre IT trotz Fachkräftemangel wirksam vor Cyber-Kriminellen schützen können, erläutern im Interview Kira Groß-Bölting und Jan Leitzgen vom Computer Security Incident Response Team (CSIRT) des Unternehmens G DATA Advanced Analytics. mehr...

BSI: Frühwarnsystem für Cyber-Sicherheitsvorfälle

[30.03.2026] Angesichts der angespannten Cyber-Sicherheitslage stärkt das BSI die Reaktionsfähigkeit gegen IT-Sicherheitsvorfälle. Mit den öffentlichen IT-Dienstleistern von Ländern und Kommunen soll der Einsatz von Datensensorik ausgebaut werden – als Grundlage für Echtzeitanalysen und erster Schritt Richtung Cyberdome. mehr...

Markus Bauer (Landrat Salzlandkreis), Hendrik Nitz (Chief Governance Officer GISA GmbH), Dirk Helbig (Stabsstellenleiter und CDO / CIO Salzlandkreis)
(Quelle: GISA GmbH)

Salzlandkreis: IT digital resilient machen

[04.03.2026] Um die digitale Resilienz seiner Verwaltung nachhaltig zu erhöhen, setzt der Salzlandkreis auf eine umfassende Sicherheitsinitiative. Unterstützt wird die Kommune dabei von dem Unternehmen GISA. mehr...

Meeting im Büro, Person am Kopfende des Tisches sieht sehr angespannt aus, die anderen sind unscharf (Bewegungsunschärfe)

CSBW: IT-Notfallübung für Krisenstäbe in Kommunen

[02.03.2026] Die Cybersicherheitsagentur Baden-Württemberg (CSBW) bietet Kommunen IT-Notfallübungen an. Unter realistischen Bedingungen werden Krisenstab, Krisenkommunikation und IT-Notfallhandbuch geübt, anschließend erhalten die Teilnehmenden einen individuellen Maßnahmenplan. Termine für 2026 sind ab sofort buchbar. mehr...

Kommunen benötigen einen Notfallplan für Cyber-Attacken.

Hessen: Neue Angebote für kommunale Cyber-Sicherheit

[18.02.2026] Angesichts wachsender Cyber-Angriffe erweitert Hessen sein Unterstützungsangebot für Kommunen: Neu sind eine Notfallhilfe bei IT-Ausfällen sowie Trainings zur Sensibilisierung von Beschäftigten. Innenminister Roman Poseck ruft Städte und Gemeinden auf, die kostenfreien Angebote zu nutzen. mehr...