Dienstag, 29. September 2026

NEGZDigitales Wunderwesen Blockchain?

[20.05.2021] In seinem Positionspapier zur Blockchain betrachtet das NEGZ mögliche Anwendungsbereiche der Technologie in der öffentlichen Verwaltung, die Frage nach einer Regulierung durch den Staat sowie die Standardisierung. Zudem gibt das NEGZ konkrete Handlungsempfehlungen.

Das Nationale E-Government Kompetenzzentrum (NEGZ) hat ein Positionspapier zur Blockchain-Technologie veröffentlicht. Das Papier will CIOs und CDOs der öffentlichen Hand bei der Entscheidung für oder gegen Blockchains, für oder gegen den Einsatz in bestimmten Anwendungsbereichen als Teil der Gesamt-Digitalisierungsstrategie helfen. Es skizziert die derzeitige Ausgangslage, beschreibt mögliche Ziele, Herausforderungen sowie Klärungsbedarfe und gibt schließlich auch Handlungsempfehlungen.
Eine wichtige Kernaussage des Papiers ist, dass das „Schicksal der Blockchain-Technologie noch nicht entschieden“ ist. Ob sie ein spektakuläres Nischenprodukt ist oder ob sie die vom NEGZ vorgeschlagenen Anwendungsbereiche im Zuständigkeitsbereich der Verwaltung erobern kann, sei noch offen. Ob sich die Technologie durchsetzen könne, hinge auch von Entscheidungen über alternative Techniken, Änderungen von Abläufen und Aufgaben des Staates sowie regulatorischen Vorschriften ab, so das NEGZ.

Viel Potenzial, wenig produktive Anwendungen

Das Konstrukt der Blockchain-Technik lege ein großes Potenzial für Anwendungsfelder im öffentlichen oder privatwirtschaftlichen Bereich nahe. Viele Einsatzbereiche seien diskutiert und Pilotprojekte und Untersuchungen bis zum Proof of Concept durchgeführt worden. Gemessen daran sei die Zahl der tatsächlich produktiven, nennenswerten Blockchain-Anwendungen bis heute „ernüchternd klein“. Konkrete Nutzungen, zum Beispiel in der Flüchtlingsversorgung in Finnland, im Immobilienbereich in Schweden oder aber The European Blockchain Services Infrastructure (EBSI) als Initiative von 29 europäischen Staaten, zeigten, dass die Technologie Potenziale birgt. Daher gibt es inzwischen internationale wie nationale Standardisierungsbemühungen, um die Blockchain zu fördern oder deren Anwendung zu erleichtern. In Deutschland haben sich einzelne Bundesländer jeweils als Teil ihrer Gesamtstrategie und der Bund neben seiner Digitalstrategie eine separate Blockchain-Strategie gegeben.

Es geht um Ergebnisse, nicht um spezielle Technologien

Die Blockchain-Technologie nimmt nach Einschätzung des NEGZ– trotz Diskussionen um Use Cases – in der Geschichte der Digitalisierung „schon jetzt einen verdienstvollen Platz“ ein, weil sie eine Reihe wichtiger Themen mit Verbesserungspotenzial für Menschen, Unternehmen und Verwaltung in den Fokus genommen hat. Allerdings, so das NEGZ, könne ein Teil dieser Verbesserungspotenziale auch ohne Blockchain, rein durch organisatorische Maßnahmen realisiert werden. Im öffentlichen Bereich hänge dies häufig auch von politischen Entscheidungen ab. Auch dies wäre als Verdienst der Blockchain-Diskussion anzusehen. Ob die Blockchain letztlich außerhalb des bekannten Anwendungsbereichs Kryptowährung einen dauerhaften Durchbruch erreicht oder eine „faszinierende aber realwirtschaftlich eher kleine Rolle“ spielen werde, sei noch nicht entschieden.
Das NEGZ begrüßt die Blockchain-Strategie der Bundesregierung von 2019. Bemerkenswert sei die technologieoffene Suche nach effektiven wie auch energie- und zeiteffizienten Alternativen zu derzeitigen Prozessen und Lösungen in den Anwendungsszenarien, für die auch die Blockchain im Gespräch sei. Ob diese Lösungen dann eine Blockchain-Technologie beinhalten oder andere Technologien, sei nach Ansicht des NEGZ zweitrangig – es gehe um bestmögliche Ergebnisse.



Stichwörter: Panorama, NEGZ, Blockchain


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