Freitag, 9. Oktober 2026

EPSAGute Beispiele

[09.08.2017] Verwaltungen aus ganz Europa konnten sich mit ihren innovativen Projekten in diesem Jahr wieder für den European Public Sector Award (EPSA) bewerben. Beinahe die Hälfte der nominierten Best Practices sind der lokalen Ebene zuzuordnen.
Breda: QR-Codes informieren über Folgen des Klimawandels.

Breda: QR-Codes informieren über Folgen des Klimawandels.

(Bildquelle: www.waterakkersbreda.nl)

Der European Public Sector Award (EPSA) ist der einzige europaweite Verwaltungspreis, für den sich Verwaltungen aller Ebenen bewerben können. Er findet alle zwei Jahre statt und wird 2017 zum fünften Mal vom Europäischen Institut für öffentliche Verwaltung (EIPA) ausgeführt und vergeben.
Der diesjährige Wettbewerb steht im Kontext der vielschichtigen Herausforderungen, denen sich öffentliche Verwaltungen seit einigen Jahren gegenübersehen. Dazu gehören ein historisch niedriges Wachstum, steigender Konkurrenzdruck, eine Verknappung öffentlicher Mittel sowie eine erhöhte Nachfrage vor allem nach Sozialleistungen. Hinzu kommen der demografische Wandel, die digitale Transformation, der Klimawandel, erhöhte Migrationsströme sowie Sicherheitsfragen.
Mit dem übergreifenden Thema „An Innovative Public Sector in 2017: New Solutions to Complex Challenges” zielt der diesjährige Wettbewerb darauf ab, Verwaltungen auszuzeichnen und zu präsentieren, die nachweislich innovative, effektive und effiziente Ansätze in Bezug auf Dienstleistungen und Politikgestaltung entwickelt und umgesetzt haben. Öffentliche Verwaltungen konnten ihre Projekte bis zum 1. Mai 2017 online unter drei verschiedenen administrativen Kategorien einreichen: Europäisch und national, Regional sowie Supra-lokal und lokal.

Breites Spektrum an Beiträgen

150 Projekte aus 30 verschiedenen europäischen Ländern und den EU-Institutionen haben sich für den EPSA 2017 beworben. Sie umspannen Themenbereiche wie Migration und Integration, Sozial- und Arbeitsmarktpolitik, Gesundheit, unternehmerisches Handeln und soziale Innovation, Sicherheit, Transparenz sowie Umweltpolitik und Klimaschutz. In einem ausgereiften Vier-Schritte-Verfahren werden nun alle Projekte von Experten aus dem öffentlichen Dienst, der Privatwirtschaft und Wissenschaft beurteilt. Durchgeführt wurden bislang die ersten beiden Evaluationsschritte – Online-Bewertung und Konsenstreffen –, durch welche die diesjährigen Best Practices des EPSA identifiziert wurden. 16 der insgesamt 34 Best Practices sind dabei der supra-lokalen und lokalen Ebene zuzuordnen.
Zwei sehr unterschiedliche lokale Best Practices veranschaulichen die Diversität der Einreichungen in Bezug auf die Themengebiete sowie die Größe der lokalen und supra-lokalen Verwaltungen: Das niederländische Programm „Robby the Rat“, eingereicht von der Stadt Breda (180.000 Einwohner), sowie das spanische Projekt „Home Refurbishment Programme“, eingereicht von der Provinz Barcelona (5,5 Millionen Einwohner).

Best Practices: Stadt Breda und Provinz Barcelona

Das Programm „Robby the Rat“ der niederländischen Stadt Breda steht unter dem Zeichen von Klimaschutz und Adaption, insbesondere hinsichtlich des Aspekts Wasser-Management. Es wird gemeinschaftlich mit dem Wasserwirtschaftsverband des Brabant Deltas, den Grundschulen in Breda und den Bürgern durchgeführt. Im Rahmen zweier konkreter Projekte – Waterakkers und Chippo competition – wird aktiv über den Klimawandel und die Auswirkungen auf die Wassernutzung informiert, zum Beispiel durch Open Data und QR-Codes an verschiedenen Stellen in der Stadt. Vor allem jüngere Bürger bezieht die Stadt durch spielerische Konzepte aktiv in die Sammlung von Klimadaten ein. Bei der Chippo competition erhalten Grundschulkinder beispielsweise einen kleinen Ball, den sie in der Toilette herunterspülen können, um so live dessen Weg durch die Kanalisation zu verfolgen. Der Ball wird dabei von Sensoren in der Kanalisation erkannt. Auf diese Weise sollen die Kinder für das Thema Wassernutzung sensibilisiert werden. Gleichzeitig erhält die Stadt wichtige Daten über die richtige Verbindung der Abwasserkanäle oder eventuelle Fehler im System. Diese Technik wird aufgrund ihres Erfolgs von der Stadt Breda nun auch genutzt, um das Fließverhalten in Risikozonen zu testen und damit verbundene Informationen über die Wirkung von Pumpanlagen oder die Schließung bestimmter Kanalabschnitte für den Notfall zu erhalten.
Die spielerische Einbeziehung von Schulkindern in die Sammlung von wichtigen Umweltdaten mit Verknüpfung der Tracking-Technologie sowie die interaktive Art der Informationsverarbeitung über QR-Codes sind bei diesem Projekt als besonders innovativ hervorzuheben. Der partnerschaftliche Ansatz ist ebenfalls ein klarer Vorteil, auch im Hinblick auf seine Nachhaltigkeit, die durch den geringen Kostenaufwand begünstigt wird. Das Projekt stellt damit ein leicht übertragbares Beispiel für weitere lokale Verwaltungen in Europa dar.
Das Home-Refurbishment-Projekt der Provinz Barcelona wiederum trägt durch Haus- und Wohnungssanierungen im Bereich von Erreichbarkeit, Sicherheit, Hygiene oder Energieeffizienz zur verlängerten Selbstständigkeit bei Senioren über 65 Jahren bei, die wirtschaftlich oder gesundheitlich benachteiligt sind. An dem Programm nehmen 174 Gemeinden teil – das sind insgesamt 66 Prozent aller Kommunen innerhalb der Provinz Barcelona. Während die Provinz das Programm koordiniert und verbreitet, identifizieren die jeweiligen Gemeinden Begünstigte und finanzieren die Sanierung zu 20 Prozent; die restlichen 80 Prozent der Kosten werden von der Provinz bezuschusst. Das Programm ist somit selbst für kleinste Gemeinden mit einem geringen Haushalt finanzierbar. Bemerkenswert an diesem Ansatz ist, dass die Provinz ein replizierbares und nachhaltiges Kooperationsmodell geschaffen hat, das mittlerweile zum vierten Mal erfolgreich durchgeführt wird.

Nächste Schritte

Die im Ranking am höchsten bewerteten Best-Practice-Projekte werden nun in einem nächsten Schritt zwischen Juli und September dieses Jahres vor Ort vom EPSA-Team besucht. Dabei sollen die Projekte überprüft und offene Fragen geklärt werden. Ende September entscheidet dann eine Jury über die Finalisten und Gewinner, die auf der Abschlusskonferenz vom 20. bis 22. November 2017 im niederländischen Maastricht bekannt gegeben und ausgezeichnet werden.

Professorin Dr. Marga Pröhl ist Director-General des European Institute of Public Administration – EIPA; Julia Bosse ist dort als Researcher tätig.




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