Sonntag, 5. April 2026

CIO-SerieKooperationen ausbauen

[04.06.2012] Über die Bündelung von Kräften, länderübergreifende Kooperationen und die Koordination bundesweiter Projekte hat Jörg Felgner, Chief Information Officer von Sachsen-Anhalt, mit Kommune21 gesprochen.
Jörg Felgner

Jörg Felgner

(Bildquelle: Finanzministerium Sachsen-Anhalt)

Herr Felgner, warum ist die Stelle eines Landes-CIO wichtig?

Die Entwicklung der IKT-Landschaft in Sachsen-Anhalt ist mehr und mehr zu einer Infrastrukturaufgabe geworden, an welche die Entwicklung der gesamten Landesverwaltung gebunden ist. Nach Jahren des schnellen Auf- und Ausbaus ist nun der Zeitpunkt gekommen, neue Weichenstellungen vorzunehmen. Während andere Bundesländer ihre IKT-Zuständigkeiten bereits unter einem CIO bündelten, bestanden in Sachsen-Anhalt noch geteilte Zuständigkeiten zwischen der Staatskanzlei, dem Innen- und dem Finanzministerium. Diese Zersplitterung führte dazu, dass verschiedene Beteiligte unter jeweils anderen Überschriften an im Ergebnis identischen Fragestellungen gearbeitet haben. Ein Ressourceneinsatz, den sich das Land vor dem Hintergrund der aktuellen Finanz- und Personalsituation nicht mehr leisten konnte. Seit Juni 2011 bin ich als Staatssekretär im Finanzministerium als Beauftragter der Landesregierung für Informationstechnik eingesetzt, koordiniere die länderübergreifende Zusammenarbeit im Bereich IKT und vertrete das Land im IT-Planungsrat. Eine zentrale Stelle für die IKT-Gesamtkoordination mit Verantwortung für die IKT-Strategie und Steuerung aller IKT-Projekte wurde im Finanzministerium in der neuen Abteilung „Informations- und Kommunikationstechnik“ in meinem Verantwortungsbereich etabliert. Die Aufgaben der Landesleitstelle IT-Strategie aus der Staatskanzlei und die Zuständigkeiten für E-Go­vernment aus dem Innenministerium wurden dort gebündelt. Für die Zukunft gilt es, eine weitere Professionalisierung, Straffung der Strukturen und konsequente Bündelung unserer überschaubaren Kräfte zu erreichen.

Welche Veränderungen streben Sie an und welche Ziele haben Sie sich persönlich gesetzt?

Das Land Sachsen-Anhalt strebt in der aktuellen Legislaturperiode Optimierungslösungen an, um auch in Zukunft politisch handlungsfähig aufgestellt zu sein. Hierfür muss in einem überschaubaren Zeitrahmen die richtige Weichenstellung erfolgen. Denn Großprojekte der öffentlichen Hand enthalten heutzutage im Kern immer auch ein IKT-Projekt. Im Einzelnen lassen sich die Ziele in folgenden politischen Handlungsfeldern zusammenfassen: Neben der Bündelung der IKT-Zuständigkeiten in einer Organisationsstruktur, die zentral für alle im Zusammenhang mit IKT stehenden Aufgaben verantwortlich zeichnet, geht es mir um die Schaffung einer Datenautobahn, die alle staatlichen Strukturen auf einer Ebene in einem leistungsfähigen Landesdatennetz abbildet, die Kommunen einbindet, alle Schulstandorte vernetzt und allen Multimedia-Belangen durch eine entsprechende Breitband-Anbindung entspricht. Ich möchte außerdem den Aufbau eines verwaltungsübergreifenden Data Warehouse vorantreiben. Alle relevanten Datenquellen der obersten Landesbehörden und deren nachgeordneten Behörden und Einrichtungen sowie gegebenenfalls anderer Verwaltungsträger sollen künftig im Idealfall in einem zentralen Informationssystem zusammengeführt und damit insbesondere für die politischen Leitungsebenen optimale Entscheidungsgrundlagen auf Basis aktueller Daten geschaffen werden. In den kommenden Jahren möchte ich darüber hinaus daran arbeiten, die Kooperationen mit anderen Bundesländern im Bereich IKT zu intensivieren. Derzeit befinden wir uns in Gesprächen mit dem IT-Verbund der nordostdeutschen Länder sowie deren zentralem IT-Dienstleister Dataport. In Anlehnung an die Nationale E-Government-Strategie (NEGS) werden die E-Government-Projekte des Landes das wesentliche Element bei der Erreichung der strategischen Ziele sein.

„Sachsen-Anhalt hat bereits früh die Federführung für bundesweite E-Government-Projekte übernommen.“

Welche konkreten Projekte laufen aktuell oder sind geplant?

E-Government in Sachsen-Anhalt wird konsequent kooperativ weiterentwickelt. Im Fokus der Betrachtung steht der Ausbau bestehender Kooperationen der Verwaltungen untereinander. E-Government darf sich dabei jedoch nicht ausschließlich technologiebezogen entwickeln. Marketing-Strategien und Fragen der Organisation, der Personalpolitik, des Qualitäts- und Wissensmanagements werden künftig starke Beachtung finden. Für das Haushaltsjahr 2012 wurden verschiedene prioritäre E-Government-Projekte ausgewählt. Dazu zählen neben dem flächendeckenden Ausbau eines D115-konformen, telefonischen Service-Centers der Ausbau der Geodaten-Infrastruktur Sachsen-Anhalt und die IT-Umsetzung der EU-Dienstleistungsrichtlinie samt Prüfung synergetischer Öffnungsmöglichkeiten des systematischen Ansatzes für weitere Aufgabenstellungen. Hinzu kommen die federführende Entwicklung eines einheitlichen Datenaustauschformats xZuFi und die Beteiligung an der Entwicklung des Standards XFall 2.0. Beim Bürger- und Unternehmensservice Sachsen-Anhalt innerhalb des Landesportals stehen insbesondere die Qualitätssicherung der angebotenen Informationen, die technische Weiterentwicklung und die Einbindung von Diensten zur Stärkung der Partizipationsmöglichkeiten im Fokus. Der Leistungskatalog der öffentlichen Verwaltung LeiKaPlus soll durch Umsetzung des Stammtexte- und Ergänzungsmodells anhand der im LeiKa 2.0 erfassten Leistungen sowie die Etablierung eines Workflows zur dauerhaften Pflege des LeiKa und der entsprechenden Stammtexte fortgeschrieben werden.

Wie sehen Sie Ihr Bundesland im Ländervergleich im Bereich E-Government aufgestellt?

Sachsen-Anhalt hat bereits früh koordinierende Verantwortung für verschiedene bundesweite E-Government-Projekte übernommen und arbeitet seit 2003 aktiv in unterschiedlichen länderübergreifenden Gremien mit. Hierbei sind unter anderem der Leistungskatalog LeiKa und der Behördenfinder Deutschland entstanden, die Sachsen-Anhalt federführend auf ihrem Weg zu Daueranwendungen des IT-Planungsrates begleitet hat. Mit LeiKa 2.0 sind erstmals die Voraussetzungen geschaffen worden, um Wissen zu sichern und zu vermehren. Nun gilt es, Chancen und Perspektiven zu nutzen, um die bereits erzielten Ergebnisse im Rahmen eines deutschlandweiten Föderativen Informationsmanagements zu festigen und weiter zu nutzen. Für den Aufbau eines solchen Wissensmanagements zeichnet Sachsen-Anhalt gemeinsam mit dem Bund federführend verantwortlich.

Interview: Alexandra Reiter




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