Mittwoch, 10. Juni 2026

PortaleLüdenscheid zentral

[11.11.2015] Statt eines bloßen Website-Relaunchs hat die Stadt Lüdenscheid ein Bürgerportal geschaffen. Es umfasst nicht nur digitale Formulare, sondern auch Dienstleistungen mit direkter Fachverfahrensanbindung.
Beim Website-Relaunch hat sich Lüdenscheid für ein Bürgerportal entschieden.

Beim Website-Relaunch hat sich Lüdenscheid für ein Bürgerportal entschieden.

(Bildquelle: Thomas Max Müller/pixelio.de)

In der Privatwirtschaft ist es längst Alltag: Kunden geben online ihre Bestellungen ab, bezahlen digital und verfolgen den Versand via Internet. Ebenso können sie das Produkt direkt auf den PC oder dem Mobilgerät erhalten. Weite Teile des öffentlichen Bereichs hinken diesen Dienstleistungen hingegen um Jahre hinterher. So war auch die Web-Seite von Lüdenscheid in die Jahre gekommen. Das nahm die Stadt zum Anlass, um ihre Internet-Präsenz von Grund auf neu zu gestalten. Angestrebt wurde nicht nur ein modernes Design. Auch ein zentrales Bürgerportal, in dem die Nutzer möglichst viele Dienstleistungen online abwickeln können, sollte Bestandteil der neuen Präsenz sein. Für dieses Vorhaben wurde eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. Kreativität und Spaß am Thema standen bei der Auswahl ihrer Mitglieder aus allen Fachbereichen der Stadt im Vordergrund – technisches Know-how war keine Voraussetzung. Im ersten Schritt erstellte die Arbeitsgruppe einen Anforderungskatalog für das Bürgerportal. Der fiel überraschend kurz aus. Neben einigen Funktionen für die Nutzerfreundlichkeit sollte das Portal vor allem Signaturen unterstützen und Dokumenten-Safes sowie Bürgerpostfächer bereitstellen. Dass die eID künftig die Schriftform ersetzen würde, war damals noch nicht bekannt.
Mit diesem Anforderungsprofil hat Lüdenscheid verschiedene Anbieter im Rahmen einer Marktrecherche zu Verfahrenspräsentationen eingeladen. Ausgewählt wurde dann das CitkoPortal von KDVZ Citkomm. Ausschlaggebend war unter anderem die Schnittstelle des Portals zum Formularverfahren von Form-Solutions, das die Stadt für die Bereitstellung von Internet-Formularen nutzte.

E-Government-Potenzialanalyse

Parallel zur Verfahrensauswahl hat die Lüdenscheider Arbeitsgruppe auch die Dienstleistungen ermittelt, die bereits mit der Portaleinführung angeboten werden sollten. Eine E-Government-Potenzialanalyse musste durchgeführt werden. Hierfür stellten die Projektverantwortlichen in einem ersten Schritt eine Liste mit mehr als 80 Dienstleistungen zusammen, die für die Online-Abwicklung geeignet schienen. Im nächsten Schritt sollte die tatsächliche E-Government-Fähigkeit der Dienstleistungen beurteilt werden. Die hierfür notwendigen Daten erfragte die Arbeitsgruppe mit vorbereiteten Fragebögen in den jeweils zuständigen Fachdiensten der Stadt. Wichtig waren dabei unter anderem Angaben zu Fallzahlen, formellen Anforderungen, technischen Schnittstellen und Zielgruppen. Statt aufwendiger Datenermittlungen genügte bei einigen Dienstleistungen die fundierte Schätzung der zuständigen Mitarbeiter. Bei der Auswertung der gesammelten Daten gingen die Projektverantwortlichen pragmatisch vor. Im Ergebnis wurden über 20 Dienstleistungen identifiziert, die zum Start des Bürgerportals online gehen sollten. Die dafür notwendigen Formulare sollten möglichst einfach auszufüllen sein und auch auf mobilen Endgeräten funktionieren. Auf die bislang auf der Website angebotenen PDF-Formulare sollte deshalb verzichtet werden.

Digitale Formulare

Stattdessen wechselt die Stadt auf die so genannten Ausfüllassistenten von Form-Solutions. Sie können von der Schnittstelle des CitkoPortals mit den persönlichen Daten der registrierten Nutzer befüllt werden. In der Umsetzung zeigte sich dann die tatsächliche Bedeutung der Schnittstelle zwischen Portal und Form-Solutions. Schon nach einer eintägigen Schulung konnten vorhandene Formulare selbständig digitalisiert werden. Externe Dienstleister mussten nicht beteiligt werden, sodass die Stadt von kurzen Abstimmungswegen im eigenen Haus profitierte und Änderungswünsche der zuständigen Fachdienste umgehend selbst umsetzen konnte. Auf diese Art integrierten die Projektverantwortlichen die Antragstellung für rund 30 Dienstleistungen in das Portal. Ein großer Teil der so gestellten Anträge erreichen die zuständigen Sachbearbeiter in elektronischer Form. Bei Dienstleistungen, die von Rechts wegen eine eigenhändige Unterschrift erfordern, können die vom Portal vorbefüllten Formulare ausgedruckt und – wie bislang auch – per Post an die Verwaltung geschickt werden.

Fachverfahrensanbindung

In Lüdenscheid sollten aber nicht nur digitale Formulare eingebunden werden. Auch Dienstleistungen mit direkter Fachverfahrensanbindung sollten in das Portal integriert sein. Ziel war die komplette Online-Abwicklung von Dienstleistungen, zu deren Abschluss die Anwender im Idealfall ihr Ergebnis in den Händen halten. Antragsteller, Portal und angebundenes Fachverfahren sollten dabei die Rolle der zuständigen Sachbearbeitung zumindest teilweise übernehmen. Die Online-Abwicklung des Bezahlvorgangs für Gebühren beziehungsweise Nutzungsentgelte sollte ebenfalls Teil des Prozesses sein. Hierfür wurde ein Vertrag mit der Firma GiroSolutions geschlossen, der die Einbindung der Bezahlfunktionen GiroPay und SEPA-Lastschrift ermöglicht. Die Umsetzung dieser Dienstleistungen war allerdings problematischer als vermutet. Fachverfahrenshersteller hatten teilweise kein Interesse daran, ihr Verfahren für das Portal zu öffnen und verwiesen oft auf eigene, speziell auf ihr Verfahren zugeschnittene Portale.

Homogenes Bürgerportal

Nur schleppend konnten sie von der Philosophie der Stadt Lüdenscheid überzeugt werden, die den Bürgern ein homogenes Portal anbieten wollte. Diesen Weg wird die Stadt auch beim künftigen Ausbau des Portals verfolgen, denn zum einen wird die Verwaltung dadurch entscheidend entlastet und zum anderen erfüllt das die Erwartungen der Digital Natives. Darüber hinaus verbessert Lüdenscheid zusammen mit KDVZ Citkomm stets die Nutzerfreundlichkeit des Portals. Dazu gehört auch die Erweiterung der Basisfunktionen. So ist unter anderem geplant, die Payment-Funktionen im Portal um PayPal zu erweitern. Auch die Einbindung der eID als Unterschriftenersatz ist vorgesehen. Damit werden künftig weitere Dienstleistungen digitalisiert. Zwar nutzen bislang nur wenige Bürger die eID tatsächlich, die Stadt Lüdenscheid versteht das jedoch als Auftrag, weitere Einsatzbereiche zu schaffen. Nichtsdestotrotz sollte der Gesetzgeber den Einsatz der eID für Serviceanbieter und deren Nutzer weiter vereinfachen.

Frank Schüler und André Borlinghaus sind Projektleiter Bürgerportal im Fachdienst Organisation und IT der Stadt Lüdenscheid.




Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: CMS | Portale

ITEBO: OpenR@thaus erlaubt Zustellfiktion

[10.06.2026] OpenR@thaus kann ab sofort elektronische Bescheide rechtssicher zustellen. Die Zustellfiktion wird über das BundID-Postfach abgesichert. Das eigene Postfachsystem ergänzt eine Zwei-Wege-Kommunikation und Statusanzeige sowie die Anbindung an das Sachbearbeitendenportal. mehr...

screenshot Arnsberg engagiert

Portale: Arnsberg engagiert sich

[22.05.2026] „Arnsberg engagiert“ feiert halbjähriges Bestehen: Die digitale Plattform stärkt die Vernetzung im Ehrenamt. mehr...

Ausschnitt einer Computertastatur, auf der eine Taste rot eingefärbt ist und die Aufschrift Leichte Sprache trägt.

Barrierefreiheit: Digitale Teilhabe praktisch umsetzen

[21.05.2026] Öffentliche Stellen müssen digitale Angebote barrierefrei gestalten und dabei auch zentrale Informationen in Leichter Sprache bereitstellen. Das Würzburger Startup KLAO unterstützt Behörden und Kommunen dabei mit KI-Software und zertifizierten Prüfverfahren. mehr...

Screenshot_Website_Kreis_Viersen

Kreis Viersen: Website in neuem Layout

[15.05.2026] Der Internetauftritt des Kreises Viersen ist überarbeitet worden und erscheint in modernisiertem Layout mit zusätzlichen Funktionen. Künftig ist auch ein Newsroom geplant. mehr...

Ein Baum wächst aus einem Boden, bestehend aus leuchtenden Linien, heraus.

Difu: Portal für nachhaltige Kommunen

[13.05.2026] Ob Klimaschutz und Energie, Mobilität, Wohnen, Bildung oder Infrastruktur: Vor Ort entscheidet sich, ob die nachhaltige Entwicklung gelingt. Eine neue digitale Plattform von Difu und Bertelsmann Stiftung unterstützt Kommunen bei der Steuerung ihrer zukunftsorientierten Entwicklung. mehr...

kreis Nienburg/weser_altes Amtshaus

Niedersachsen: Land und Landkreis realisieren Online-Services

[04.05.2026] Innerhalb von knapp drei Monaten konnten im Kreis Nienburg/Weser zahlreiche OZG-Fokusleistungen und Leistungen von föderalem Interesse digital bereitgestellt werden. Möglich wurde dies durch ein neues gemeinsames Vorgehen zwischen dem Innenministerium, dem Kreis und seinen angehörigen Kommunen sowie deren IT-Dienstleistern. mehr...

hand mit Smartphone mit Augsburg-App vor Augsburger Rathaus

Augsburg: Alles in der App

[30.04.2026] Die Stadt Augsburg hat einen Kommunikationskanal gestartet, bei dem digitale Souveränität ein wichtiger Faktor ist: Die App macht unabhängig von Algorithmen, bietet mehr Kontrolle über die Inhalte und stellt einen direkten Draht zur Bevölkerung her. mehr...

Nordrhein-Westfalen: Besser gegen Wasser geschützt

[28.04.2026] Das Land NRW stellt eine App bereit, die Eigentümerinnen und Eigentümer von Immobilien darin unterstützt, Gefährdungen durch Starkregen oder Hochwasser einzuschätzen. Auch Kommunen können die App nutzten, um eigene Angebote zum Hochwasserschutz breit zu kommunizieren. mehr...

Kreis Steinfurt: Digitale Antragstellung im Immissionsschutz

[14.04.2026] Der Kreis Steinfurt hat die digitale Antragstellung im Immissionsschutz gestartet und damit ein umfangreiches Genehmigungsverfahren effizienter und transparenter gemacht. mehr...

Hand, die Euronoten in die Höhe hält, blauer Hintergrund.

Nordrhein-Westfalen: Digital zum Mittelabruf

[10.04.2026] Das Land Nordrhein-Westfalen hat ein umfangreiches Infrastruktur- und Investitionsprogramm für Kommunen auf den Weg gebracht. Der Antragsweg für die Kommunen sollte dabei möglichst glatt verlaufen: Über ein Portal können sie über ein rein digitales Verfahren auf die Mittel zugreifen. mehr...

Frau schaut auf Tablet

S-Public Services: PublicFlow für Prozesse

[01.04.2026] Die Plattform PublicFlow hat jetzt S-Public Services vorgestellt. Sie ermöglicht Kommunen die einfache digitale Bearbeitung von Verwaltungsanträgen Schritt für Schritt – sicher, effizient und mit automatisierter Unterstützung. mehr...

Bürgermeister Christian Zwingmann hält ein Smartphone in der Hand, auf dem die Leinefelde-Worbis-App zu sehen ist, im Hintergrund sind auf einem Display weitere App-Ansichten zu sehen.

Leinefelde-Worbis: Informationen direkt aufs Smartphone

[23.03.2026] Mit der Leinefelde-Worbis-App erhalten die Bürgerinnen und Bürger nicht nur städtische Informationen und Dienstleistungen auf ihr Smartphone. Mittels Schadensmelder können sie auch Mängel im öffentlichen Raum mitteilen oder per Umfragemodul an Befragungen teilnehmen. Die modular konzipierte Lösung wird auf Servern in Deutschland gehostet. mehr...

Finger tippt auf einem Smartphone, im Hintergrund Bokeh-Effekte

Leipzig: Vieles ist schon online möglich

[20.03.2026] Wohnsitz, Wohngeld und ganz neu die Hundesteuer – in Leipzig stehen viele Verwaltungsservices online zu Verfügung. Sie können ganz ohne Amtsbesuch beansprucht werden. Die Stadt strebt zudem für viele Leistungen eine Ende-zu-Ende-Digitalisierung an. mehr...

In Wollpulloverärmeln steckende Hände tippen an einem Laptop, der auf einem niedrigen Couchtisch steht. Die ganze s´Szene ist warm beleuchtet.

Hessen: Quick-Check Bauantrag gestartet

[18.03.2026] Das Land Hessen hat ein einfaches digitales Angebot geschaffen, mit dem Bürgerinnen und Bürger schnell prüfen können, ob für ihr Bauvorhaben ein Bauantrag erforderlich ist. Das spart Zeit, schafft Klarheit und entlastet auch die Behörden. mehr...

Screenshot der Startseite des Bürgerportals Maerker Brandenburg.

Maerker Brandenburg: Neues Design, verbesserte Funktionen

[17.03.2026] Umfassend modernisiert ist jetzt das Bürgerportal Maerker Brandenburg online. Die Plattform wartet mit einer übersichtlichen Struktur, barrierefreier Nutzung und einer intuitiven Navigation auf. Zudem können Missstände noch einfacher über eine zentrale Suche und eine interaktive Karte gefunden, gesucht oder gemeldet werden. mehr...