Sonntag, 16. August 2026

HildesheimOnlinetools für Bürgerbeteiligung

[16.03.2021] Pandemiebedingt sind Bürgerbeteiligungsformate, die auf Präsenzveranstaltungen setzen, derzeit nicht möglich. Die Stadt Hildesheim wollte ihre Planungen dennoch voranbringen und hat verschiedene Online-Formate erprobt – mit Erfolg.
Die Stadt Hildesheim hat erfolgreich verschiedene Online-Beteiligungsformate erprobt.

Die Stadt Hildesheim hat erfolgreich verschiedene Online-Beteiligungsformate erprobt.

(Bildquelle: pisces2386 / 123rf.com)

Hildesheim hat während der Planungen für die Städtebaufördergebiete Nordstadt und Stadtfeld sowie bei der Lärmaktionsplanung vielfältige Erfahrungen mit der coronagerechten Bürgerbeteiligung gesammelt. Wie die niedersächsische Kommune mitteilt, sollten trotz der Pandemie geplante und begonnene Projekte weder gestoppt noch die Beteiligung ausgesetzt werden. Denn wenn Beteiligung und Transparenz fehlen, entstehen Folgeprobleme, die im fortgeschrittenen Planungsstadium nicht mehr lösbar seien, erklärt Marco Köster vom Fachbereich Stadtplanung und -entwicklung. Die Stadt habe sich deshalb dafür entschieden, Onlinetools zu nutzen.

Niederschwellige Formate

Für die Planungen rund um eine Gesamtschule wurde demnach ein so genanntes Online-Padlet geschaltet, in dem die Bürger Vorschläge, Fragen aber auch Sorgen und Ängste schriftlich äußern konnten. Gleichzeitig konnten die Vorschläge anderer bewertet werden. So entstand eine Priorisierung der Vorschläge. Das Padlet war über den gesamten Januar 2021 online zugänglich und wurde laut Hildesheim rege genutzt. Mit den Ergebnissen sei die Stadtplanung sehr zufrieden. Als nachteilig wird nur die fehlende, direkte Reaktionsmöglichkeit gesehen.
Bei der Gestaltung einer Wegeverlängerung nutzte die Stadt ein weiteres Tool, die Ein-Klick-Feedback-Methode. Wie die Kommune berichtet, stand der Entwurf hier schon in weiten Teilen fest, weshalb es im letzten Beteiligungsschritt vor allem um die Auswahl von Spiel- und Bewegungsgeräten für diesen Bereich ging. In einer Umfrage konnten sich die Bürger einfach durchklicken. „Es hat sich gezeigt, dass diese Form der Beteiligung so niederschwellig ist, dass sie alle erreichen kann“, stellt Frank Auracher fest, der im Auftrag der Stadt Hildesheim das sozialplanerische Quartiersmanagement in der Nordstadt durchführt und die Beteiligung begleitet hat.
Wie sinnvoll die Beteiligung über verschiedene Kanäle sein kann, zeigte sich auch am Lärmaktionsplan, heißt es vonseiten der Kommune weiter. Auch hier habe man sich für eine teilweise digitale Beteiligung entschieden. Die Bürger konnten zwar Papierfragebögen ausfüllen und der Verwaltung auf dem Postweg übermitteln, ein digitales Ausfüllen war aber ebenfalls möglich. Und das habe funktioniert: Mit insgesamt 676 digitalen Rückmeldungen zur jetzt anstehenden Finalisierung des Lärmaktionsplans kann die Stadt laut eigenen Angaben auf ein breites Feedback zurückgreifen.

Gute Erfahrungen überwiegen

In Hildesheim hat sich gezeigt, dass Online-Beteiligung funktionieren und zu guten und verwertbaren Ergebnissen führen kann. Laut den Verantwortlichen wurde eine hohe Anzahl an Personen erreicht. An der Statistik zum Lärmaktionsplan lasse sich zudem ablesen, dass die älteren Zielgruppen heute digitaler sind als noch vor einigen Jahren – online werden nicht nur junge Menschen erreicht. Am Online-Padlet sei außerdem deutlich geworden, dass durch nachbarschaftliche Hilfe älteren Mitbürgern geholfen werden kann, indem das Tool gemeinsam genutzt wurde.
Als Schwäche wurde die fehlende direkte Reaktions- und Feedback-Funktion beschrieben: So könne schnell eine Dynamik entstehen, bei der sachlich falsche Informationen außer Kontrolle geraten. Auch anonym vorgebrachte Behauptungen ohne sachliche Grundlage wurden von der Kommune beobachtet.
Insgesamt zieht die Stadtplanung aber ein positives Fazit. Es seien mehr Menschen erreicht worden als bei einer üblichen Abendveranstaltung, darunter auch Bürger, die sich sonst weniger für Maßnahmen in ihrem Stadtteil engagieren und weniger institutionalisiert sind, stellt Marco Köster fest. Aus diesem Grund wolle die Stadt künftig bei einzelnen Vorhaben zweigleisig fahren und Präsenzveranstaltungen mit digitalen Tools verbinden. Onlinetools können die Ziele von Beteiligung gut flankieren und sollten daher stärker berücksichtigt werden, so Köster.





Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: E-Partizipation
KI-generiertes Rendering zur möglichen Neugestaltung des Domplatzes Eichstätt
bericht

KI-Oasen: Wenn Städte träumen

[31.07.2026] Das Architekturbüro weiss Architekten entwickelt mit den KI-Oasen ein Beteiligungsformat, das Wünsche und Ideen der Bürgerinnen und Bürger niederschwellig in ortsspezifische Bilder übersetzt. In Eichstätt wird daraus nun ein kommunales Pilotprojekt. mehr...

Menschen blicken auf einen Tisch mit Notizzetteln
bericht

Serie Smart Cities, Teil 4: Bürger als Gestalter

[30.07.2026] Aus zahlreichen Praxisprojekten hat das Fraunhofer-Institut IESE zentrale Erkenntnisse gewonnen, wie eine gute Bürgerbeteiligung gestaltet sein sollte. Ein Erfolgsfaktor: Digitale Angebote sollten mit Vor-Ort-Formaten kombiniert werden. mehr...

Magdeburg_VR_Bürgerbeteiligung_Personen im Elbedome
bericht

Magdeburg: Beteiligung mit VR

[28.07.2026] Wie lassen sich komplexe städtebauliche Planungen anschaulich vermitteln und die Bürgerbeteiligung stärken? Ein Forschungsprojekt zeigt am Beispiel der Großen Münzstraße in Magdeburg, wie Virtual Reality neue Wege in der Bauleitplanung eröffnen kann. mehr...

Darstellung des Bürgertipps-Portals "Sag's Achim" auf einem Monitor, einem Tablet und einem Smartphone

Achim: Portal für Bürgertipps

[27.07.2026] Die Stadt Achim ist die erste Kommune im Kreis Verden, die auf das moderne Bürgertipps-Portal von Anbieter NOLIS setzt. Sag’s Achim lässt sich über Smartphone, Tablet und PC gleichermaßen einfach nutzen und löst die bisherige Online-Mängelmelder-Lösung ab. mehr...

Der Mainzer Oberbürgermeister Nino Haase zeigt auf ein iPad, das die neue Microsite Bürgerbeteiligung Mainz zeigt

Mainz: Microsite erleichtert das Mitgestalten

[14.07.2026] Die Bürgerbeteiligung der Stadt Mainz präsentiert sich mit einem rundum modernisierten Webauftritt. Die neue Microsite „Gemeinsam Mainz gestalten“ soll es den Bürgerinnen und Bürgern künftig noch einfacher machen, Mitwirkungsmöglichkeiten wahrzunehmen. mehr...

Weibliche Hand, die ein Smartphone auf einen Fliegenpilz im Wald richtet

Uslar/Katlenburg-Lindau: Digitale Beteiligungsplattform zur Artenvielfalt

[10.07.2026] Für den Naturschutz ist ein feinmaschiges Monitoring der Artenvielfalt zentral. Interessierte Bürgerinnen und Bürger vor Ort können aufgrund lokaler Gebietskenntnis und wiederholter Beobachtung wertvolle Hinweise liefern. Ein Forschungsprojekt in Niedersachsen nutzt dazu digitale Lösungen von wer denkt was. mehr...

Vektorillustration mit jungen Menschen in der Nähe eines großen Smartphones, die Feedback und Bewertungen für ein Produkt oder eine Dienstleistung abgeben.

Studie: Bürgerbeteiligung ohne Hightech

[08.06.2026] Erstmals wurde bundesweit untersucht, wie Kommunen digitale Bürgerbeteiligung einsetzen. Die Erhebung zeigt, dass ostdeutsche Kommunen häufiger aktiv sind als westdeutsche. Gleichzeitig zeigt sich bundesweit: Digitale Bürgerbeteiligung in der Breite ist kein Hightech-Unterfangen. mehr...

Elbphilharmonie spiegelt sich in einer Glaskugel mit dem Wort Hamburg

Hamburg: Aktionsplan für Nachhaltigkeit

[05.06.2026] Ihr Engagement für eine offene und transparente Verwaltung baut die Freie und Hansestadt Hamburg weiter aus und ist in die neue Programmphase von Open Government Partnership (OGP) Local gestartet. Im Fokus steht die gesamtstädtische Nachhaltigkeitsstrategie. mehr...

Marktplatz-mit-BeachFlag-2048x1538

wer denkt was: 15 Jahre Innovation und Dialog

[07.05.2026] Das Unternehmen wer denkt was feiert Jubiläum: Seit 15 Jahren begleitet die Firma Kommunen im ganzen Bundesgebiet bei der Umsetzung moderner Beteiligungsprozesse. mehr...

Stuttgart gelauncht Beteiligungsportal_frau schaut auf Tablet

Stuttgart: Relaunch fürs Beteiligungsportal

[04.05.2026] Ihr Beteiligungsportal hat die Stadt Stuttgart grundlegend modernisiert. Der Zugang wurde barrierearm und intuitiv gestaltet. Für mehr Verständlichkeit und effiziente Auswertungen setzt die Stadt auf KI. mehr...

Screenshot der Radspur-App im App-Store.

Kirchenlamitz: Radspur-App liefert Daten aus der Praxis

[20.03.2026] Mit welcher Frequenz Radwege genutzt werden und ob es auf den Strecken Verbesserungsbedarfe gibt, will die Stadt Kirchenlamitz mithilfe einer App herausfinden. Ist die Anwendung auf dem Smartphone installiert und aktiviert, kann sie anonymisiert GPS- und Erschütterungsdaten erfassen. Auch können die Nutzerinnen und Nutzer über die App auf Gefahrenstellen oder Hindernisse hinweisen. mehr...

Die drei Stadtoberhäupter stehen zum Foto versammelt, OB Hetjes hält einen Laptop in den Händen auf dessen Bildschirm das Beteiligungsportal Seid Dabei eingeblendet ist.

Bad Homburg v. d. Höhe / Friedrichsdorf / Wehrheim: Gemeinsame Beteiligungsplattform

[19.03.2026] Mit Seid Dabei haben Bad Homburg v. d. Höhe, Friedrichsdorf und Wehrheim eine gemeinsame Beteiligungsplattform gestartet, auf der jede Kommune zwar einen eigenen Bereich verwaltet, die technische Infrastruktur aber mit den anderen teilt. mehr...

Mehrere Personen stehen nebeneinander, im Hintergrund sind Aussteller des eGo-Saar und von Gerda BürKI zu sehen.
bericht

Gersheim: Mehr Service mit Gerda

[27.02.2026] Die Gemeinde Gersheim hat gemeinsam mit dem Zweckverband eGo-Saar einen KI-Chatbot pilotiert, der die Verwaltung entlastet und den Bürgerservice verbessert. Der Prototyp kann künftig in allen saarländischen Kommunen eingesetzt werden. mehr...

Mehrere Personen stehen um einen Maptable versammelt und bearbeiten eine Stadtkarte.
bericht

E-Partizipation: Möglichkeiten und Grenzen

[26.02.2026] Analoge Beteiligungsformate sprechen nur eine begrenzte Anzahl von Bürgerinnen und Bürgern an. Fügen Kommunen digitale Partizipationsangebote planvoll hinzu, erreichen sie mehr Zielgruppen. Wichtig ist die intelligente Kombination der beiden Ansätze. mehr...

ein Laptop auf dessen Display die Website zur Beteiligungsplattform der Stadt Darmstadt aufgerufen ist

Darmstadt: Digitalstrategie mitgestalten

[25.02.2026] Mit einer neuen Digitalstrategie will die Stadt Darmstadt wichtige Weichen für die Zukunft ihrer digitalen Verwaltung und Services stellen. In die finale Fassung sollen auch Anregungen aus der Bürgerschaft einfließen. mehr...