LeverkusenKI und Radar erkennen Hochwasserlagen

Starkregenereignisse sind aufgrund des Klimawandels häufiger zu erwarten — und haben im wasserreichen, hügeligen Bergischen Land ein hohes Gefahrenpotenzial.
(Bildquelle: mpix-foto/stock.adobe.com)
Die Stadt Leverkusen beteiligt sich über die Kooperation Überflutungsvorsorge an Agger und Wupper (ÜVAW) am Aufbau eines Frühwarnsystems für Überflutungen. Das Projekt KIRa-Berg – kurz für „KI- und radargestütztes integriertes Überflutungsmanagementsystem für das Bergische Land“ – soll Gefahren durch Starkregen und Flusshochwasser früher erkennen und Fachbehörden, Leitstellen, Feuerwehr-Einsatzleitungen sowie Krisenstäbe bei der Planung von Schutzmaßnahmen unterstützen. Auch die Bevölkerung soll im Ernstfall früher gewarnt werden können, teilte die Stadt mit. Welche Folgen Starkregen im Stadtgebiet haben kann, hätten die Überflutungen vor fünf Jahren gezeigt.
Radardaten aus niedrigen Luftschichten
Technisches Kernstück des Projekts sind zwei X-Band-Radargeräte, die das bestehende Messnetz des Deutschen Wetterdienstes im Bergischen Land ergänzen sollen. Sie können Niederschläge auch in niedrigeren Luftschichten erfassen und in kürzeren Abständen detaillierte Daten für Vorhersagemodelle liefern. Diese Informationen sollen mit einem KI-Modell verbunden werden, das sowohl starkregenbedingte Überflutungen als auch Flusshochwasser berücksichtigt. Auf dieser Grundlage sollen sich mögliche Überflutungsszenarien innerhalb von Sekunden simulieren und Warnungen früher auslösen lassen. Zudem wollen die Projektpartner untersuchen, ob sich die Daten der X-Band-Radare für Kurzfristvorhersagen in die bestehenden Warnsysteme des Deutschen Wetterdienstes integrieren lassen. Sie könnten dann auch in amtliche Wetterwarnungen einfließen. Fachlich begleiten die Universität Bonn und die Technische Hochschule Köln die Entwicklung des Systems.
Radargeräte sollen 2027 installiert werden
Die Stadt Leverkusen will von dem interkommunalen Fachaustausch wie auch von den zusätzlichen Mess- und Prognosedaten profitieren. Das System könne langfristig dazu beitragen, örtliche Gefahren früher zu erkennen, Einsatzmaßnahmen vorzubereiten und die Bevölkerung gezielter zu warnen, heißt es von der Stadt. Nach Angaben der Stadt Leverkusen werden nun die Beschaffung der Radargeräte und des KI-Modells sowie die Suche nach geeigneten Standorten vorbereitet. Die beiden Radare sollen bis Mitte 2027 installiert werden. Der Projektzeitraum läuft von September 2026 bis Februar 2029.
Zehn Partner im Agger- und Wuppergebiet
Die ÜVAW wurde im Januar 2023 von vier Kreisen, den Städten Leverkusen, Remscheid, Solingen und Wuppertal sowie dem Aggerverband und dem Wupperverband gegründet. Die Partner wollen Informationen über Überflutungsrisiken beider Flüsse verbessern und Schutzmaßnahmen über kommunale Grenzen hinweg abstimmen. Der Oberbergische Kreis koordiniert die Zusammenarbeit und vertritt die Kooperation im Projekt KIRa-Berg. Für das Projekt mit Gesamtkosten von rund 1,91 Millionen Euro wurden inzwischen Fördermittel bewilligt. Die Europäische Union und das Land Nordrhein-Westfalen übernehmen 80 Prozent der Gesamtkosten. Der Oberbergische Kreis erhielt die Zusage stellvertretend für die ÜVAW-Kooperation; auch die Universität Bonn und die TH Köln erhielten Förderbescheide für ihre Projektanteile.
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