Dienstag, 13. Januar 2026

ProjektsteuerungErfolgreich planen

[12.10.2015] Eine zusätzliche Belastung bei ohnehin knappen Ressourcen bringt zunächst die Einführung einer neuen Software in eine Verwaltung. Richtig geplant und gesteuert wird aus dem Vorhaben aber ein nachhaltiger Erfolg.
IT-Projekte erfolgreich umsetzen.

IT-Projekte erfolgreich umsetzen.

(Bildquelle: MEV Verlag)

Viele Verwaltungen müssen heute nicht mehr nur die klassischen Aufgaben aus dem Liniengeschäft, sondern zusätzliche komplexe IT-Projekte planen und umsetzen – und das ohne zusätzliche personelle und finanzielle Ressourcen. Trotzdem lässt sich ein solches Vorhaben erfolgreich realisieren, wenn einige Punkte beachtet werden. Bei der Einführung einer neuen Software ist nicht nur die zusätzliche Arbeitsbelastung für eine Verwaltung zu bedenken. Auch muss sich die Führungsebene und das Team auf den Veränderungsprozess einlassen. Die Projektleitung muss also alle Beteiligten über den gesamten Prozess hinweg mitnehmen. Projekte sind umso erfolgreicher, je klarer das Ziel definiert ist und je mehr dieses Ziel sowie die Aufgaben allen Projektbeteiligten bewusst sind. Ideal ist deshalb eine gemeinsame Kick-off-Veranstaltung, etwa in Form eines Start-Workshops. Dadurch werden alle Projektbeteiligten frühzeitig eingebunden und erhalten einen guten Überblick über die Ziele des Vorhabens sowie die Rollen, das Projektumfeld, die Projektrisiken und die Entscheidungs- und Beteiligungsprozesse. Die Projektleitung erfährt wiederum, wie der Projektauftrag von den Beteiligten verstanden wird. Vor allem bei IT-Projekten kommen die Akteuere oft aus verschiedenen Fachbereichen. Indem sie auf das Projektthema aus ihrer jeweiligen fachlichen Perspektive blicken, werden die unterschiedlichen Facetten der fachlichen Inhalte, Schnittstellenanforderungen und Auswirkungen des Projekts deutlich. Dieses frühzeitig eingebrachte vielseitige Know-how macht die Komplexität eines Vorhabens beherrschbar. Baut die Projektplanung auf der Startveranstaltung auf, lassen sich die jeweiligen ressourcenbedingten Einflussfaktoren aus den Fachbereichen berücksichtigen.

Klare Definition und Struktur

Eine gute Basis für die Projektarbeit schaffen außerdem gemeinsam vereinbarte Spielregeln. Innerhalb der eigenen Organisation müssen ferner klare Rollen und Verantwortlichkeiten im Projekt definiert und diese konsequent gelebt werden. So lässt sich erreichen, dass das Projekt von der Linie – also dem Tagesgeschäft sowie den Linienvorgesetzten und -mitarbeitern – mitgetragen wird. Team-Arbeit und akzeptable Rahmenbedingungen motivieren zusätzlich, sich auf den Veränderungsprozess einzulassen. Nicht zuletzt hat die agierende Projektsteuerung und -koordination im Rahmen der Mitarbeiterführung einen hohen Einfluss auf die Motivation der Projektbeteiligten. Die wesentlichen Anforderungen eines Vorhabens sind als Projektauftrag zu definieren. In einer erfolgreichen Projektumsetzung spiegelt sich die Erfüllung der definierten Anforderungen etwa anhand eines Leistungskataloges oder Pflichtenheftes wider. Relevante Erfolgsfaktoren für IT-Projekte zur Neuausrichtung von Geschäftsprozessen sind ein Projektauftrag in Form einer Ist-Analyse und Zielklärung. Außerdem muss ein verantwortlicher Projektleiter benannt und mit Befugnissen und Kompetenzen ausgestattet werden. Ferner ist das Projektumfeld zu analysieren, um zu ermitteln, wer die betroffenen und beteiligten Akteure in diesem Modernisierungsprozess sind. Ein Phasenplan muss erstellt werden, der die Meilensteine des Vorhabens definiert. Die anschließende Feinplanung findet anhand des Projektstrukturplans mit der Definition der Arbeitspakete und Verantwortlichkeiten sowie der Bildung von Teilprojektgruppen statt. Auch muss eine Zeit- und Ablaufplanung erfolgen. Dabei ist die laufende Aufgabenstellung aus dem Tagesgeschäft zu berücksichtigen. Wesentlich sind außerdem eine Risikoanalyse, ein kontinuierlicher Projektplanungs- und Steuerungsprozess sowie die Dokumentation und das Berichtswesen.

Projektumfeld organisieren

Im Modernisierungsprozess muss vor allem verdeutlicht werden, welche Aspekte und Anforderungen aus den Schnittstellenanforderungen im Software-Verfahren zu berücksichtigen sind. Dementsprechend ist das Projektumfeld anzusiedeln. Vor allem die Vernetzung verschiedener Prozesse und die verstärkte interdisziplinäre Zusammenarbeit machen IT-Projekte zur Herausforderung einer gesamten Organisation. Besonders zu berücksichtigen sind die zentralen Bereiche Personal, Finanzen, Organisation und IT. Hier sind, losgelöst von der Software, konkrete Bedarfe und individuelle organisationsspezifische Anforderungen an die Schnittstellenanbindung zu klären und zu definieren. Diese Entscheidungen sind von großer Relevanz für die Akzeptanz eines Software-Verfahrens und für die nachhaltige Etablierung veränderter Arbeitsabläufe.
Lücken im Planungs- und Steuerungsprozess führen nicht selten zu Kostensteigerungen, Qualitätsmängeln, Terminüberschreitungen, dem Scheitern des IT-Projektes oder sogar der Rückabwicklung von bewilligten Fördermitteln. Die Steuerung der Prozesse erfordert von der Projektleitung ein Problembewusstsein hinsichtlich öffentlicher Vorhaben und Prozesse. Die Veränderung kann nur dann gelingen, wenn die verantwortlichen Akteure mit Ressourcen und Kenntnissen zu den Arbeitsmethoden des Projekt-Managements vertraut sind, um durch agierendes Steuern und Handeln Fehlentwicklungen zu vermeiden. Um Kostenüberschreitungen und eine Zielverfehlung zu verhindern, sind nachhaltige Steuerungsmechanismen zu etablieren. Voraussetzung dafür ist ein guter Planungs- und Steuerungsprozess, der etwa durch Führung, gelebte Projektkultur, Projektstrukturplanung sowie hinreichende Dokumentation, Berichtswesen und Controlling untermauert wird. Je früher sich die Akteure im Zuge der Projektverantwortung einbringen, umso geringer sind Risiken der Fehlentwicklung oder Kostenexplosion.
Das alles setzt voraus, dass der Leitung außer der erforderlichen Fach- und Methodenkompetenzen zur Projekt- und Prozessgestaltung auch entsprechende Ressourcen zur Verfügung stehen.

Kerstin Magnussen ist zertifizierte Projekt-Management-Fachfrau und in der Beratung rund um Projekte und Personal tätig.




Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Panorama
Grafik, die den Ablauf des Kölner IT-Planungsprozesses erläutert.

Köln: Erster IT-Planungsprozess

[22.12.2025] Um die IT- und Digitalisierungsvorhaben der Verwaltung schneller bewerten und priorisieren zu können, hat Köln erstmals einen gesamtstädtischen IT-Planungsprozess umgesetzt. Er orientiert sich an Industriestandards für die IT-Planung in Unternehmen und sorgt für einen optimalen Ressourceneinsatz sowie eine nachhaltig gesteuerte digitale Transformation. mehr...

Vier Personen stellen das Aachener Baumkataster vor

Aachen: Straßenbäume exakt dokumentiert

[19.12.2025] In Aachen wurden in den vergangenen Jahren alle Stadtbäume mit Stamm- und Zustandsdaten in ein Kataster eingepflegt. Das soll der Stadtverwaltung künftig alle Prozesse rund um Baumkontrolle und -pflege erleichtern. mehr...

Cuxhaven: Schnell informiert im Notfall

[19.12.2025] Seit 2005 informiert die Stadt Cuxhaven ihre Bürgerinnen und Bürger über regionale Gefahrenlagen oder Schadensereignisse per App. Nun erhielt die mobile Anwendung ein umfassendes Update. mehr...

Junger Mann sitzt mit Laptop, Taschenrechner und einigen Papieren in sorgenvoller Haltung am Schreibtisch.

Fraunhofer FOKUS: Zwischen Medienbrüchen und Bürokratiearbeit

[03.12.2025] Was macht einen Verwaltungsprozess wahrhaft nutzerfreundlich? Dieser Frage geht – anhand des Wohngeldantrags – eine Studie von Fraunhofer FOKUS nach. Die Erkenntnisse sollen dazu beitragen, ein handlungsleitendes Gesamtbild der Verwaltungsmodernisierung zu entwickeln. mehr...

Fragestellung er Umfrage mit einem Störer "Deine Meinung zählt"

NeXT: Breite Umfrage zur Nachnutzung

[27.11.2025] Wie steht es um die Nachnutzung digitaler Lösungen in der öffentlichen Verwaltung? Das Netzwerk NeXT hat dazu eine Umfrage aufgesetzt Alle Verwaltungsbeschäftigten – ungeachtet der Ebene oder Rolle – können noch bis Ende November ihre Praxiserfahrungen teilen. mehr...

Gruppenfoto der Teilnehmenden am „Kooperationsraum für Verwaltungsmodernisierung in föderalen Strukturen“

Metropolregion Rhein-Neckar: Kooperationsraum für moderne Verwaltung

[25.11.2025] Die Länder Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz sowie die Metropolregion Rhein-Neckar bauen ihre seit 2010 bestehende Kooperation aus und richten einen föderalen Kooperationsraum ein, der digitale Lösungen länder- und ebenenübergreifend entwickelt und erprobt. mehr...

Frau schreibt auf einem Notizblock, im Hintergrund weihnachtliche Deko
bericht

Studie: Intern besser integrieren

[20.11.2025] Wie erleben Behördenmitarbeitende die Digitalisierungsbemühungen in ihrem Alltag? Dies wollte das Unternehmen d.velop herausfinden. Ein Ergebnis der Umfrage: Eine vollständige Digitalisierung bis 2030 halten 75 Prozent der Befragten für unrealistisch. mehr...

Porträtaufnahme von Ilona Nickel.
interview

Lohr a.Main: Neue Perspektiven eröffnet

[19.11.2025] Ilona Nickel aus der IT-Abteilung der Stadt Lohr a.Main zählt zu den ersten Absolventen des Weiterbildungslehrgangs Digitalwirt. Im Interview erklärt sie, was den Lehrgang besonders macht und wie ihr dieser hilft, die Digitalisierung in Lohr voranzutreiben. mehr...

Szene aus einem Handballspiel.

Mainz: Mit Sportstättenverzeichnis online

[14.11.2025] In Mainz können jetzt die Belegungspläne von zunächst 20 Sporthallen online eingesehen werden. Weitere Hallen sollen sukzessive folgen. mehr...

Initiative Ehrenbehörde: Michelin-Stern für Behörden

[28.10.2025] Zwölf Behörden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wurden jetzt für neue Standards in Kommunikation, Digitalisierung und Führung als „Ehrenbehörden 2026“ ausgezeichnet. mehr...

dbb akademie: Digitalisierung im öffentlichen Dienst bleibt große Baustelle

[24.10.2025] Die dbb akademie hat jetzt das Fach- und Führungskräfte-Barometer 2025 vorgelegt. Demnach fühlen sich jüngere Generationen digital fitter, aber unzureichend vorbereitet. mehr...

Screenshot des 360-Grad-Rundgangs im Innern des Augsburger Doms

Augsburg: Dom in 4D erkunden

[17.10.2025] Der Augsburger Dom kann künftig auch in 4D erkundet werden. Der virtuelle Rundgang führt durch verschiedene Epochen und macht Geschichte auf besondere Art greifbar. mehr...

Drohne vor blauem Himmel

Katastrophenschutz: 5G-Drohne hilft Rettungskräften

[14.10.2025] Inwiefern Drohnen durch Live-Luftaufnahmen bei Rettungseinsätzen unterstützen können, testet aktuell die Berufsfeuerwehr Rostock. Koordiniert wird das Projekt ADELE vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). mehr...

Geschäftsmann hält Puzzle mit virtuellem Symbol.

Leitfaden: Wegweiser für Digitalisierungsbeauftragte

[07.10.2025] Studierende der Hochschule Ludwigsburg haben unter fachlicher Beratung von Axians-Infoma-Consultants einen Leitfaden entwickelt, der Digitalisierungsverantwortliche in Kommunen auf ihre vielfältigen Aufgaben vorbereiten soll. mehr...

Journalist und Podcast-Host Martin Brüning (l.) mit Oberbürgermeister Belit Onay im Maschpark.

Hannover: Podcast mit dem OB

[25.09.2025] Ein neues Kommunikationsformat startet Niedersachsens Landeshauptstadt: „Hannover macht das!“ lautet der Podcast mit dem Oberbürgermeister, der einen Beitrag zum demokratischen Diskurs leisten möchte. mehr...