Mittwoch, 10. Juni 2026

ThüringenGemeinsamer Dienstleister für Kommunen

[18.09.2019] Digitalisierung kann nur in Zusammenarbeit mit den Kommunen gelingen. Thüringen hat bereits entsprechende Projekte gestartet. Der Freistaat plant außerdem, die bestehende Kommunale Informationsverarbeitung (KIV) Thüringen zum gemeinsamen kommunalen IT-Dienstleister auszuweiten.

Einen gemeinsamen kommunalen IT-Dienstleister will der Freistaat Thüringen an den Start bringen. Die nächsten Schritte auf diesem Weg hat jetzt das Thüringer Finanzministerium (TFM) vorgestellt. Demnach hat das Land mit dem Gemeinde- und Städtebund ein Modell abgestimmt, wonach die bestehende Kommunale Informationsverarbeitung (KIV) Thüringen gestärkt und für den Beitritt aller Kommunen geöffnet werden soll. Auch das Land wolle Gesellschafter werden und habe entsprechend Mittel im Haushalt 2020 eingeplant. „Ein wichtiges Kriterium ist, dass die Inhouse-Fähigkeit für Mitgliedskommunen gegeben ist“, sagt Hartmut Schubert, Staatssekretär im Thüringer Finanzministerium und CIO des Freistaats mit Blick auf den angestrebten gemeinsamen IT-Dienstleister. „Damit sollen Beschaffungsprozesse professionalisiert und für Kommunen als Dienstleistung angeboten werden. Zudem wird mit einem zentralen IT-Dienstleister eine effektivere Infrastruktur bereitstehen, die nicht zuletzt auch deutlich mehr Informationssicherheit gewährleistet.“ Das Beitrittsinteresse der Gemeinden und Landkreise fragt das Land bereits ab. „Die bisher vorliegenden Rückmeldungen der Kommunen stimmen zuversichtlich, dass der beschrittene Weg auch zum Erfolg führen wird“, berichtet CIO Schubert. In einer bereits abgeschlossenen Studie des Thüringer Finanzministeriums haben sich etwa 90 Prozent der Kommunen für einen gemeinsamen IT-Dienstleister ausgesprochen, heißt es vonseiten des TFM.

Kooperation als Schlüssel zum Erfolg

Um die Strukturen und Anforderungen an den neuen IT-Dienstleister weiter zu beschreiben, sollen im Oktober Workshops mit kommunalen Vertretern stattfinden. Zudem sei mit dem Gemeinde- und Städtebund Thüringen ein Letter of Intent erarbeitet worden, in dem die künftige Zusammenarbeit und die gemeinsamen Ziele genauer beschrieben werden. „Wir müssen begreifen: Die Digitalisierung der Verwaltung ist ein Mannschaftssport“, sagt CIO Schubert. „Wir können nur als Mannschaft gewinnen. Einzelsiege sind am Ende Gesamtniederlagen. So müssen wir beispielsweise digitale Lösungen zur Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes (OZG) gemeinschaftlich betreiben und können so Folgekosten minimieren. Ein kleinteiliges Regionaldenken hindert uns am Erfolg. Ich begrüße die Bemühungen, einen gemeinsamen IT-Dienstleister für Thüringen zu gründen. Ein starker Dienstleister kann für die kommunale Familie bestmögliche und sichere IT-Dienstleistungen anbieten.“
Für die Kooperation von Land und Kommunen hat Thüringen laut dem Finanzministerium bereits vorgelegt. Das zeigt sich etwa an den 35 Online-Services, die der Freistaat den Kommunen zur kostenfreien Nachnutzung zur Verfügung stellt (wir berichteten). Auch das Servicekonto verknüpft mit dem Verwaltungsportal und dem Antragssystem für die OZG-Umsetzung (ThAVEL, wir berichteten), der zentrale Zuständigkeitsfinder (wir berichteten) oder das E-Payment zählen zu den Angeboten des Landes an die Kommunen. Aktuell eröffnet das Finanzministerium den Kommunen den Zugang zum zentralen E-Rechnungsportal (wir berichteten). Um die Kommunen außerdem bei der Planung und Antragstellung für konkrete Projekte im Rahmen des Landesförderprogramms zur Verwaltungsdigitalisierung (wir berichteten) zu unterstützen, sind weitere Workshops geplant. Das Kompetenzzentrum 4.0 des Thüringer Landesverwaltungsamts intensiviere seine Informationsveranstaltungen und Vor-Ort-Termine in den Kommunen.

Weg frei für FITKO

Bereits in der letzten Plenarsitzung hat der Landtag mit seiner Zustimmung zu Gesetz und Staatsvertrag den Weg zur Errichtung der Föderalen IT-Kooperation (FITKO) und zur Bereitstellung des Digitalisierungsbudgets freigemacht, hält das TFM abschließend fest. Das Digitalisierungsbudget in einer Gesamthöhe von 180 Millionen Euro soll der Unterstützung von Projekten und Produkten für die Digitalisierung von Verwaltungsleistungen auf allen föderalen Ebenen dienen. Der Thüringer Anteil für 2020 bis 2022 belaufe sich auf insgesamt 3,1 Millionen Euro, 2020 stünden 946.431 Euro für den Freistaat zur Verfügung.





Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik

Niedersachsen: Im Maschinenraum der Verwaltungsdigitalisierung

[28.05.2026] Seit April unterstützt eine Taskforce niedersächsische Kommunen dabei, wichtige Verwaltungsleistungen online anzubinden. Die Beteiligten arbeiten eng zusammen, um technische, organisatorische und finanzielle Hürden für den Einsatz der Online-Dienste aus dem Weg zu räumen – mit Erfolg. mehr...

bericht

re:publica26: Vom Ankündigen zum Liefern

[21.05.2026] Auf der Digitalkonferenz re:publica26 zieht Bundesdigitalminister Karsten Wildberger eine Jahresbilanz und spricht sich resolut für mehr digitale Souveränität und Open Source aus. mehr...

Komm.ONE: Landesregierung strebt engere Zusammenarbeit an

[18.05.2026] Die neue Landesregierung in Baden-Württemberg will Landes-IT und kommunale IT künftig enger zusammenführen und ein gemeinsames Rechenzentrum aufbauen. Komm.ONE unterstützt die Pläne und sieht darin eine wichtige Grundlage für die weitere Digitalisierung der Verwaltung. mehr...

Offizielles Porträt von Bundesdigitalminister Karsten Wildberger

Ein Jahr BMDS: Gute Ansätze – zu wenig Verbindlichkeit

[07.05.2026] Ein Jahr nach dem Start des Digitalministeriums ziehen weitere Branchenverbände Bilanz. Die Open Source Business Alliance fordert mehr Verbindlichkeit bei Open Source und digitaler Souveränität, der BREKO verlässliche Rahmenbedingungen für den Glasfaserausbau. mehr...

Mitglieder des Digitalausschusses des DStGB

DStGB: Umsteuern zur rein digitalen Verwaltung

[30.04.2026] Wie digitale Lösungen, Automatisierung und Künstliche Intelligenz zur Modernisierung des Staates beitragen und so für die dringend nötige Entlastung der Kommunen sorgen können, diskutierte der Ausschuss für Digitalisierung des Deutschen Städte- und Gemeindebunds auf seiner Frühjahrstagung.
 mehr...

Vitako: Impulse für die Digitalisierung

[29.04.2026] Auf der Vitako-Mitgliederversammlung haben Deutschlands kommunale IT-Dienstleister zentrale Weichen für die Verwaltungsdigitalisierung gestellt. Im Fokus standen der Deutschland-Stack, die interföderale Marktentwicklung, das Zukunftsbild der kommunalen IT sowie Fragen der digitalen Souveränität.  mehr...

Bitkom: Schulen erhalten Smart-School-Siegel

[24.04.2026] Bundesbildungsministerin Karin Prien hat in Berlin Schulen für herausragende digitale Bildungskonzepte ausgezeichnet. Der Wettbewerb des Branchenverbands Bitkom zeigt, wie sich digitale Innovationen im Unterricht erfolgreich umsetzen lassen und künftig stärker verbreitet werden sollen. mehr...

Porträt von Heiko Geue

Mecklenburg-Vorpommern: Schub für die Registermodernisierung

[21.04.2026] Mecklenburg-Vorpommern hat bis zu 150 Millionen Euro für Registermodernisierung und Maßnahmen für mehr IT-Sicherheit freigegeben. Land und Kommunen betonen die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit bei der Verwaltungsdigitalisierung. mehr...

Deutschland hat früh digitale Ambitionen entwickelt.

IT-Planungsrat: Kommunen scheuen EfA-Kosten

[17.04.2026] Eine neue Studie des IT-Planungsrats zeigt, warum Online-Dienste von Bürgern zu wenig genutzt und von Kommunen kaum nachgenutzt werden. Sie schlägt eine föderale Antragsplattform mit kommunalen Marken, Ende-zu-Ende-Digitalisierung und einer Cloud-Infrastruktur vor. mehr...

Niedersachsen beschließt IT-Strategie  „Digitale Verwaltung 2025“.

BMDS/Niedersachsen: Fokusleistungen in alle Kommunen

[16.04.2026] Mit einem neuen Ansatz will das BMDS digitale Verwaltungsleistungen in die Fläche bringen. Kernstück ist die Beauftragung eines Generalunternehmers, der die Ende-zu-Ende-Verantwortung für den Roll-out in den Kommunen übernimmt. Nach Bayern und Hessen hat nun Niedersachsen eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. mehr...

Porträt Jasmin Grünschläger
interview

Interview: Wir sitzen im gleichen Boot

[02.04.2026] Im Märkischen Kreis haben sich mehrere Kommunen zum Netzwerk Digitalisierung und E-Government zusammengeschlossen. Welchen Mehrwert der interkommunale Austausch bringt, beschreibt Jasmin Grünschläger, Digitalisierungsbeauftragte der Stadt Menden. mehr...

Digitalstrategie SH 2026

Schleswig-Holstein: Digitalstrategie 2026 vorgestellt

[19.03.2026] Schleswig-Holstein hat seine neue Digitalstrategie beschlossen. Erstmalig waren zentrale Partner aus Kommunen und Zivilgesellschaft systematisch in den Strategieprozess eingebunden, um einen breiten gesellschaftlichen Ansatz zu ermöglichen. mehr...

Vier lächelnde Männer in Anzügen sitzen nebeneinander an einem Holztisch, vor sich Dokumente, hinter sich drei drapierte Flaggen (EU; BRD, Baden-Württemberg)

Baden-Württemberg: Gemeinsam schneller digital

[18.03.2026] In Baden-Württemberg haben Land und Kommunen eine neue – die inzwischen dritte – E-Government-Vereinbarung unterzeichnet. Das Land will den Roll-out von Verwaltungsleistungen in den Kommunen mit weiteren zehn Millionen Euro finanzieren. mehr...

Porträtaufnahme von Milen Starke.

Thüringen: Land unterstützt Kommunen intensiv

[17.03.2026] Ein neuer Prüfbericht des Thüringer Rechnungshofs sieht beträchtliche Defizite bei der OZG-Umsetzung und der Digitalisierung der kommunalen Verwaltung. In einer Stellungnahme erläutert das Digitalministerium, wie das Land Kommunen unterstützt. mehr...

Spielwürfel mit aufgedruckten Pfeilen weisen den Weg hin zu einem Würfel mit grünem Häkchen.
bericht

Verwaltungsdigitalisierung: Lehren für die Zukunft ziehen

[12.03.2026] In 25 Jahren Verwaltungsdigitalisierung mangelte es nicht an ehrgeizigen Zielen. Diese wurden aber trotz der nötigen finanziellen Ressourcen häufig verfehlt. Aus den Erfahrungen der Vergangenheit können Lehren für aktuelle Projekte gezogen werden. mehr...