FachverfahrenMelderegister 4.0
Alles begann mit der Karteikarte. Ihr folgten einfache computergestützte Melderegister. In einer dritten Generation wurden die Melderegister untereinander vernetzt. Onlinezugangsgesetz (OZG) und Registermodernisierung (Once-Only-Prinzip) führen nahezu zwangsläufig zu einer weiteren Entwicklungsstufe, welche durch die direkte Einbeziehung der Bürger und die digitale Vernetzung mit einer Vielzahl anderer Register gekennzeichnet ist. Eine Betrachtung zukünftiger Melderegister 4.0 muss daher mindestens drei Punkte in den Fokus nehmen:
• Die Digitalisierung der Verwaltung ist mehr als Online-Anträge und -Vorgänge,
• das Meldewesen spielt eine zentrale Rolle bei der Sicherung der Identität des Bürgers,
• Registermodernisierung und Once-Only-Prinzip definieren ein neues Verhältnis zu den anderen kommunalen und staatlichen Registern.
So müssen die im OZG-Kontext aufgeführten Online-Leistungen als Teil eines digitalen Gesamtprozesses verstanden werden. Dieser reicht vom digitalen Antrag des Bürgers bis hin zur weitgehend automatisierten Verarbeitung des Bürgeranliegens durch die Verwaltung. Die Fachverfahren müssen ertüchtigt werden, auch die Prozesse innerhalb der Verwaltung automatisiert ablaufen zu lassen. Die Angst, dass durch Automatismen Arbeitsplätze abgebaut werden, ist dabei nicht gerechtfertigt. Im Gegenteil: Es wird immer direkten Bürgerkontakt geben, sei es zur Identifizierung, sei es, weil der Bürger es will, oder weil Probleme auftreten. Darüber hinaus werden neue Arbeitsfelder entstehen. Allein die geplante Registermodernisierung wird aufgrund der notwendigen Identitätsprüfungen zu einer immensen Mehrbelastung in den Meldeämtern führen.
Neu bewerten
Generell muss das Thema der Identität neu bewertet werden. Es ist gesetzlich definierte Aufgabe der Meldebehörde, die Identität und den Aufenthalt der Bürger festzustellen und nachzuweisen. Diese Aufgabenstellung ist nicht auf die physische Welt beschränkt. Es bedarf daher dringend einer Klärung, welche Rolle die Melderegister bei der Identitätssicherung in der digitalen Welt einnehmen werden. Erforderlich wird dies auch durch die politisch gewollte Anwendung des Once-Only-Prinzips. Grundgedanke ist dabei, dass durch einen Verwaltungskontakt des Bürgers eine Prozesskette über verschiedene Verwaltungsbereiche hinweg ausgelöst wird, die das Anliegen vollumfänglich klärt. Hierfür ist ein Zusammenspiel verschiedener Zuständigkeiten und Register erforderlich. Unabhängig von der geplanten Übernahme der Steueridentifikationsnummer in viele Register wird die Meldebehörde eine zentrale Rolle einnehmen und entsprechende Funktionalitäten anbieten müssen.
Natürlich bedarf es bei solch extremen Veränderungen im Aufgabenspektrum der Meldebehörden auch einer modernen und auf die Zukunft ausgerichteten Software. Mit VOIS|MESO hat Hersteller HSH in den vergangenen Jahren eine solche entwickelt. Als Bestandteil einer behördlichen Gesamtlösung (VOIS) sind damit alle Grundlagen für eine umfassende Umsetzung des Once-Only-Prinzips in der Kommunalverwaltung unter strikter Beachtung aller datenschutzrechtlichen Notwendigkeiten bereits heute gegeben.
Erstes Fachverfahren
Mit Beginn des Jahres 2021 wird HSH einen weiteren Schritt gehen und VOIS|MESO als erstes Fachverfahren mit einem OZG-Adapter ausstatten. Dieser wird es einer Vielzahl von Herstellern von Online-Lösungen erlauben, Daten bei VOIS|MESO zur automatisierten Weiterverarbeitung abzuliefern. Der OZG-Adapter wird offizielle Standards nutzen, wo es sie gibt und andernfalls temporär veröffentlichte Standards vorgeben. Darüber hinaus wird der Adapter abwärtskompatibel sein, getätigte Aufwände für den temporären Standard werden im Falle einer offiziellen Standardisierung also nicht aufgehoben. Der OZG-Adapter wird dann lediglich auch den offiziellen Standard bedienen. Bestandteil der Lösung wird zudem ein klares Regelwerk sein, unter welchen Bedingungen eine automatisierte Verarbeitung nicht möglich ist und wie in einem solchen Fall verfahren wird. Es werden klare Zuständigkeiten im Falle der Nichtverarbeitbarkeit von eingegangenen Nachrichten definiert. Neben dem OZG-Adapter wird VOIS|MESO über eine eigene Online-Komponente verfügen. Diese wird derzeit im Rahmen des VOIS-Projekts als ONLINE|Meldewesen entwickelt und durch moderne Technologien, Usability und Barrierefreiheit gekennzeichnet sein.
Bürger direkt beliefert
Unabhängig davon, ob das Anliegen eines Bürgers mittels OZG-Adapter oder via Online-Vorgang in VOIS|MESO eingeht, entwickelt Hersteller HSH Lösungen, was nach der automatisierten Verarbeitung passieren soll. So sollen die Bürger mittels modernster Technologien direkt mit Informationen und notwendigen Unterlagen beliefert werden, jedoch ist auch die vollautomatisierte Übergabe an Druckstraßen, wo dieses rechtlich noch erforderlich ist, für die Entlastung der Verwaltung enorm wichtig.
Aufgrund häufiger, oft unkoordinierter rechtlicher Änderungen sowie der ungezügelten Versionsänderungen im XÖV-Segment wurden zudem neue Wege beschritten, um die Vielzahl von notwendigen Updates soweit möglich automatisiert zu realisieren. Dazu wurde eigens eine Update-Plattform für die rund 3.000 Meldebehörden in Deutschland entwickelt, die VOIS|MESO nutzen werden. Diese Option führt insbesondere im administrativen Bereich zu einer signifikanten Vereinfachung.
Dynamische Entwicklungszyklen
Durch die Häufigkeit der Updates und der damit verbundenen dynamischen Entwicklungszyklen ist es in den vergangenen Jahren mehr und mehr zu einer zentralen Aufgabe geworden, die notwendige Stabilität der Software sicherzustellen. In diesem Zusammenhang hat HSH die technischen Möglichkeiten geschaffen, um interessierte Dienstleister und Kunden in ein automatisiertes Testsystem zu integrieren, in dem Themen gezielt arbeitsteilig behandelt werden können.
Das Melderegister 4.0 stellt für alle Beteiligten, ob Verwaltung, Politik oder Hersteller, in den kommenden Jahren eine echte Herausforderung dar. Die Einbeziehung der Bürger ist dabei eine Kernaufgabe, die nicht allein durch technische Lösungen, sondern durch eine Gesamtheit an rechtlichen, organisatorischen und technischen Maßnahmen erreicht werden kann.
Dieser Beitrag ist in der Ausgabe November 2020 von Kommune21 erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren.
Kreis Oldenburg: SAP zentralisiert Abfallwirtschaft
[08.05.2026] Pünktlich zum Jahresbeginn hat der Kreis Oldenburg gemeinsam mit dem IT-Dienstleister KDO ein technisches Großprojekt auf Basis seines bestehenden SAP-Systems erfolgreich zum Abschluss gebracht: Die Zentralisierung der Abfallwirtschaft. mehr...
Essen: Hundesteuermarke auf dem Smartphone
[06.05.2026] Wer einen Hund hält, muss diesen anmelden und erhält dafür eine Hundesteuermarke. Für die rund 30.000 Hunde in Essen steht diese seit Beginn dieses Jahres nicht mehr als Metallmarke, sondern in digitaler Form zur Verfügung. mehr...
Winterdienst: Digital auf den nächsten Schnee vorbereiten
[05.05.2026] Bei frühsommerlichen Temperaturen bereiten sich viele Kommunen bereits auf den nächsten Winterdienst vor. Angesichts zunehmend dynamischer Wetterlagen und hoher Anforderungen an Reaktionsgeschwindigkeit und Koordination gewinnen digitale Lösungen zur Alarmierung und Einsatzsteuerung an Bedeutung. mehr...
Kita-Lösungen: Ganztagsbetreuung verwalten
[29.04.2026] Mit dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung ab dem kommenden Schuljahr stehen Kommunen vor der Aufgabe, mehr Angebote zu schaffen und deren Vergabe effizient zu organisieren. Digitale Lösungen können helfen, Nachfrage und Kapazitäten besser zu steuern. mehr...
EDV Ermtraud: Gaststätte online anmelden
[15.04.2026] Das Land Baden-Württemberg hat den Anzeigeweg im Gaststättengewerbe vereinfacht. Das Unternehmen EDV Ermtraud hat jetzt einen Online-Dienst vorgestellt, über den Bürgerinnen und Bürger ihre Anzeige künftig digital einreichen können. mehr...
Mainz: Umstellung auf den digitalen Bauantrag
[14.04.2026] Die Stadt Mainz treibt die Digitalisierung ihrer Verwaltungsleistungen voran: Künftig wird auch das zentrale Fachverfahren Bauantrag digital unterstützt. Die Umstellung auf das neue Verfahren erfolgt schrittweise. mehr...
nextgov iT: Digitale Hundeverwaltung
[09.04.2026] Gemeinsam mit kommunalen Fachämtern hat der Anbieter nextgov iT einen Dienst für die digitale Hundeverwaltung entwickelt. Der medienbruchfreie Prozess soll den Bürgerservice erhöhen und die Kommunen entlasten. mehr...
RIWA: Lösungen für die digitale Baumpflege
[08.04.2026] Mit seinem Produktportfolio für ein modernes, digitales Baum- und Grünflächenmanagement gibt GIS-Anbieter RIWA Kommunen ein praxisnahes Werkzeug an die Hand, um ihr Baummanagement effizient zu gestalten. mehr...
Erkrath: KRZN migriert VOIS-Plattform
[02.04.2026] Das Kommunale Rechenzentrum Niederrhein (KRZN) hat erstmals eine bereits produktiv genutzte VOIS-Plattform in sein Betriebsumfeld migriert. Es handelt sich um die VOIS-Fachverfahren der Stadt Erkrath für das Einwohnerwesen, das Gewerbewesen sowie die Gebührenkasse. mehr...
AKDB: Digitale Einbürgerung wird flexibler
[31.03.2026] Die Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung in Bayern hat den Online-Dienst Digitale Einbürgerung um eine Zwischenspeicherungsfunkion erweitert. Laufende Anträge können nun für bis zu 30 Tage gesichert und zu einem späteren Zeitpunkt beispielsweise über ein anderes Endgerät weiterbearbeitet werden. mehr...
Coppenbrügge: Kitaportal gestartet
[26.03.2026] Über ein digitales Kitaportal verfügt jetzt der Flecken Coppenbrügge. Die Kommune im Kreis Hameln-Pyrmont setzt dabei auf Software vom E-Government-Spezialisten NOLIS. mehr...
Kreis Kassel: Medienbruchfrei zur Baugenehmigung
[17.03.2026] Seit März nimmt der Kreis Kassel Bauanträge nur noch online entgegen. Somit läuft das gesamte Baugenehmigungsverfahren vollständig digital ab, was die Abläufe für alle Beteiligten vereinfachen und beschleunigen soll. mehr...
Advertorial: Digitale Transformation braucht Struktur – und konkrete Lösungen
[05.03.2026] Auf dem GovTech-Gipfel Berlin 2026 wurde deutlich: Digitale Transformation in der öffentlichen Verwaltung braucht mehr als Strategiepapiere – sie braucht sofort umsetzbare Lösungen. In der Masterclass von Christopher Bock zeigte sich, wie skalierbare Fachverfahren wie raum]für[raum bereits heute Effizienz, Transparenz und Struktur in hybride Arbeitsmodelle bringen. Der klare Tenor des Gipfels: Jetzt handeln – nicht später. mehr...
Wolfsburg: SAP für Finanz- und Personalprozesse
[05.03.2026] In Wolfsburg wird die bisherige Software zur Steuerung von Finanz- und Personalprozessen durch ein neues ERP-System (Enterprise Resource Planning) abgelöst. Zum Einsatz kommen die Lösungen SAP S/4HANA für das Finanzwesen sowie das Personalmanagement- und Abrechnungssystem SAP SuccessFactors. mehr...
München: Open Source für die Schöffenwahl
[04.03.2026] Einen weiteren Schritt hin zu einer modernen Justizverwaltung macht die Stadt München. Die Einführung der Open-Source-Anwendung Ehrenamtjustiz soll für effizientere Abläufe bei der Auswahl von Schöffen und ehrenamtlichen Richtern sorgen. mehr...






















