Dienstag, 29. September 2026

Nordrhein-WestfalenUmfassendes Pandemie-Management

[10.03.2021] Die umfassende Kontaktverfolgungs-Software SORMAS soll auch bei den Gesundheitsämtern in Nordrhein-Westfalen implementiert werden. Die kommunalen IT-Dienstleister im KDN haben sich vorab informiert und wollen bei der Einführung unterstützen.

In Nordrhein-Westfalen haben sich Mitglieder des Dachverbands kommunaler IT-Dienstleister (KDN) in einer virtuellen Strategietagung aus erster Hand über den Entwicklungsstand und die Einsatzmöglichkeiten der Kontaktverfolgungs-Software SORMAS (Surveillance Outbreak Response Management Analysis System) informieren lassen. Entwickelt wurde die Anwendung am Helmholtz-Institut Braunschweig. Wie der KDN berichtet, hat der Leiter der Abteilung Epidemiologie, Gérard Krause, die neue Version SORMAS-X vorgestellt, die zu einem umfassenden Pandemie-Management-System weiterentwickelt wurde.
Nach Beschluss der Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten und der Bundeskanzlerin vom 19. Januar 2021 soll SORMAS-X bundesweit in den Gesundheitsämtern eingeführt werden. Nordrhein-Westfalens CIO Andreas Meyer-Falcke bekräftigte den Willen der Landesregierung, das digitale Kontaktpersonen-Management-System schnellstmöglich verbindlich einzuführen und sagt dafür eine umfassende Unterstützung zu. Bereits 35 der 53 nordrhein-westfälischen Gesundheitsämter setzen das Verfahren ein oder haben mit der Einführung begonnen, so der CIO. Auch in Niedersachsen wird SORMAS bereits eingesetzt (wir berichteten).

Zahlreiche Schnittstellen

Seit mehreren Jahren entwickelt das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung als Teil einer internationalen Entwicklungsgemeinschaft und in Zusammenarbeit mit dem Robert Koch-Institut (RKI) ein mobiles und digitales Kontaktpersonen-Management, berichtet der KDN weiter. Dafür wurde die Open Source Software an die Bedürfnisse und strukturellen Voraussetzungen des öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) in Deutschland angepasst.
Die neue Version SORMAS-eXchange (X) erlaube den synchronen digitalen Austausch von Daten zu Fall- und Kontaktpersonen zwischen den Gesundheitsämtern. Dadurch sollen Infektionsketten schneller und präziser ermittelt und unterbrochen werden. Weitere neue Funktionen seien ein digitales Symptomtagebuch für Online-Befundmitteilungen durch die Kontaktpersonen selbst (CLIMEDO), Web-Zugänge für eine sichere Nutzung des Systems im Homeoffice sowie die Möglichkeit, Quarantänebescheide auszustellen und zu archivieren. Nach Auskunft von Gérard Krause bietet SORMAS-X außerdem Schnittstellen zum Deutschen Melde- und Informationssystem für den Infektionsschutz (DEMIS) und SurvNet@RKI zur Erfassung, Auswertung und Weiterleitung der Meldedaten von Laboren und an das Robert Koch-Institut. Das HZI unterstütze außerdem die Hersteller anderer Fachanwendungen für den Gesundheitsbereich bei der Entwicklung von Schnittstellen zu SORMAS-X. Eine Software-Installation vor Ort wird nicht benötigt, da das System vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) zentral im ITZBund betrieben wird.

Produktivitätseinbußen so kurz wie möglich

Im Rahmen des Erfahrungsaustauschs wurde auch über das Thema Datenmigration aus Vorsystemen gesprochen. Um den Aufwand für die Gesundheitsämter so gering wie möglich zu halten, wäre es denkbar, zunächst nur die Daten der letzten vier bis sechs Wochen aus dem Vorsystem in SORMAS-X zu übernehmen und eventuell für etwa zwei Wochen im Hybridbetrieb zu arbeiten, bis die letzten Fälle aus dem Vorsystem abgearbeitet sind. Umfassende Schulungen und eine Anwender-Hotline werden von der Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen mit Sitz in Düsseldorf angeboten.
Laut Gérard Krause steht mit SORMAS-X ein Anwendungssystem zur Verfügung, das eine professionelle Software-Entwicklung, einen sicheren und datenschutzkonformen Betrieb und einen serviceorientierten Support bietet. Durch den Open-Source-Ansatz werden die Nachvollziehbarkeit der Funktionen, Beherrschbarkeit und Weiterentwicklungsmöglichkeiten für die öffentliche Verwaltung eröffnet.
Zur Einführung von SORMAS-X in den Gesundheitsämtern ist nach Überzeugung des HZI grundsätzlich keine externe Beratung notwendig. Dennoch sagt der KDN-Dachverband bei Bedarf Unterstützungsleistungen im Umstellungsprozess zu, insbesondere bei der Migration der Daten aus den Vorsystemen, aber auch bei der Inbetriebnahme von DEMIS oder Survnet@RKI.





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