Montag, 19. Oktober 2026

BerlinSchulversuch zum Hybriden Lernen

[15.12.2021] In Berlin nehmen 18 Schulen am Schulversuch „Hybride Formen des Lehrens und Lernens“ teil. Herausgefunden werden soll, wie Schulen auch über die Pandemie hinaus darin unterstützt werden können, digitale Medien und Tools didaktisch nachhaltig in schulisches Lernen zu integrieren.

17 Schulen und eine Einrichtung des zweiten Bildungswegs im Land Berlin nehmen derzeit am Schulversuch „Hybride Formen des Lehrens und Lernens“ teil, der Ende des letzten Schuljahres gestartet ist. Wie jetzt die Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie mitgeteilt hat, besteht das Ziel darin, Schulen auch über die Pandemie hinaus darin zu unterstützen, digitale Medien und Tools didaktisch nachhaltig in schulisches Lernen zu integrieren. Schulversuche ermöglichen die Erprobung von neuen Formaten und besonderen Innovationen in der Schule, wobei von gültigen Rechtsvorschriften abgewichen werden darf.
Im Fall des vorliegenden Projekts geht es auch um Freiräume für alternative Lernstrukturen und -settings, so die Senatsverwaltung weiter. Den Schulen werde die Möglichkeit gegeben, aus ihren Erfahrungen der vergangenen beiden Schuljahre Rückschlüsse zu ziehen. Neben den Lernprozessen würden auch das professionelle Miteinander der Lehrkräfte sowie die Schulorganisation in den Blick genommen. Nicht zuletzt setzten sich die Schulen mit angemessenen und wirksamen Lernerfolgskontrollen und Prüfungen auseinander und entwickelten in diesem Bereich neue Formate. Zudem werde untersucht, welche Unterstützung Schülerinnen und Schüler konkret brauchen, und wann Lernen kooperativ, wann hingegen individualisiert stattfinden sollte.

Lehren aus der Corona-Zeit ziehen

Im Arbeitsprozess begleitet werden die teilnehmenden Schulen laut Senatsverwaltung durch das learninglab aus Köln, zudem nehme die Humboldt-Universität zu Berlin eine Evaluation vor. „Das learninglab begleitet und moderiert seit vielen Jahren Schulnetzwerke zur Schulentwicklung im digitalen Wandel“, führt Richard Heinen vom Kölner Beratungsunternehmen aus. „Die Pandemie hat in vielen Schulen einen Schub in der Digitalisierung und der Nutzung digitaler Medien im Unterricht gebracht. Mehr noch aber hat sie Entwicklungspotenziale und -erfordernisse in der Unterrichtsgestaltung insgesamt sichtbar gemacht. Jetzt gilt es, die Lehren aus diese Zeit zu ziehen und für die Zukunft nutzbar zu machen. Das Besondere am Schulversuch: Hier besteht die Chance, in Schulentwicklungsprozessen gemeinsam mit der Senatsverwaltung nicht nur innerhalb bestehender Grenzen und Vorgaben zu arbeiten, sondern diese zukunftsorientiert weiterzuentwickeln.“ Und Sandra Scheeres, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie, fasst zusammen: „Die Digitalisierung der Berliner Schulen ist in der Pandemie deutlich vorangeschritten. Die Erfahrungen aus dem schulisch angeleiteten Lernen zu Hause und mit weiteren digitalen Formaten wollen wir weiter für die Unterrichtsgestaltung nutzen. Dazu dient dieser auch wissenschaftlich begleitete Schulversuch.“

Raum- und Zeitstrukturen neu denken

Auch die Leiterinnen der teilnehmenden Schulen betonen das Projekt vielfach als willkommene Möglichkeit, bereits Begonnenes weiterzuführen, aber auch neue Ideen umzusetzen. Renate Krollpfeiffer-Kuhring, Schulleiterin des Leibniz-Gymnasium, etwa erläutert: „Meine Motivation, an dem Projekt teilzunehmen, liegt vor allem an den Erfahrungen, die wir während des schulisch angeleiteten Lernens zu Hause machen konnten. Wir konnten feststellen, dass einige Schülerinnen und Schüler durch das Homeschooling enorme Fortschritte gemacht haben, weil sie selbstbestimmt und eigenverantwortlich ihren Lernprozess steuern konnten. Im Präsenzunterricht mit 32 anderen Schülerinnen und Schülern ist das nicht immer so leicht möglich. Daher war für mich klar, dass wir nicht einfach so weiter machen können wie vor der Pandemie. Zwar hatten wir uns schon vorher auf den Weg gemacht, digitale Unterrichtskonzepte zu entwickeln und sind auch technisch gut ausgestattet, aber die Realität hat uns schnell eingeholt beziehungsweise sogar überholt. Für mich muss es nun zwangsläufig ein Umdenken geben, um die guten Erfahrungen mit dem Hybridlernen zu bewahren und weiter zu entwickeln, Unterricht sowie Raum- und Zeitstrukturen neu zu denken.“

Eigene Schwerpunkte setzen, Ergebnisse teilen

Zur Durchführung des Schulversuchs hält die Senatsverwaltung fest, dass die Modellschulen mit der intensiven Arbeit begonnen haben und je nach Entwicklungsstand, Standort, Schulart und Profil eigene Schwerpunkte setzen. In professionellen Lerngemeinschaften würden die Erfahrungen ausgetauscht und gemeinsam Ideen für die Schule von morgen entwickelt. Um diesen Kern herum entstehe ein Netzwerk, das sowohl von den Ergebnissen des Schulversuchs profitiere als auch eigene Expertise – zum Beispiel im individualisierten Lernen, im Bereich der Digitalisierung oder der Rhythmisierung von Unterricht – einbringe. Um möglichst viele Berliner Schulen zu erreichen, würden die Ergebnisse und auch weiterer Input des Schulversuchs den Netzwerkschulen in Barcamps zum Schuljahresende zur Verfügung gestellt.





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