Dienstag, 14. Juli 2026

Kreis SteinfurtBesser interkommunal

[07.07.2025] Das Service Innovation Lab im Kreis Steinfurt soll Verwaltungen dabei unterstützen, schneller, flexibler und kundenorientierter zu werden. Die interkommunale Zusammenarbeit ist dabei von zentraler Bedeutung.
Mehrere Personen stehen in einem Raum einer anderen Person gegenüber, die etwas erklärt.

Gemeinsam werden Anforderungen der Verwaltungen an KI-Lösungen erarbeitet.

(Bildquelle: Kreis Steinfurt)

Um für die Zukunft gut aufgestellt zu sein, haben der Kreis Steinfurt und die kreisangehörigen Gemeinden eine interkommunale Digitalisierungsstrategie erarbeitet und im Juni 2022 verabschiedet. Im Handlungsfeld Verwaltung ist das Service Innovation Lab (SIL) das zentrale Leitprojekt, das vom Smart Region Büro als koordinierender Stelle vorangetrieben wird (wir berichteten). Der strategische Auftrag ist im Projektsteckbrief klar formuliert: „Die Verwaltungen sollen schneller, flexibler und kundenorientierter werden.“ Da einzelne Verwaltungen dafür oft nicht über ausreichende Ressourcen verfügen, werden über das SIL interkommunale Teams aus Vordenkern organisiert, die ihr Wissen teilen und gemeinsam Servicekonzepte und innovative Ansätze für die Nutzung neuer Technologien entwickeln.

Den Auftakt des Leitprojekts bildete eine Bestandsaufnahme. In Interviews mit relevanten Akteuren der Verwaltungsdigitalisierung wurden Eindrücke gesammelt und Potenziale identifiziert. Daran schloss sich der Kick-off des SIL an, den ein Team der Wirtschaftsinformatik der Universität Münster unterstützt hat, das zur Vertrauensbildung in Verwaltungsdienstleistungen forscht. Im Fokus der Veranstaltung standen Workshops zur Wissensvermittlung und ein moderierter Austausch über den aktuellen Stand der Nutzendenzentrierung sowie zu möglichen Zielrichtungen.

Interkommunale Arbeitsgruppen

Eine zentrale Erkenntnis lautet: Es gibt bereits zahlreiche Ansätze zur Verbesserung des Verwaltungserlebnisses. Für eine wirksame interkommunale Zusammenarbeit braucht es jedoch ein gemeinsames Verständnis und eine solide Wissensbasis. Um beides zu entwickeln, wurde eine Impulsphase mit Expertinnen und Experten aus der Praxis gestartet. Parallel dazu nahmen erste interkommunale Arbeitsgruppen ihre Arbeit auf – das interaktive Element im SIL. Ihre Zusammensetzung orientiert sich an konkreten Themen und dem Engagement der Teilnehmenden. Das Smart Region Büro übernimmt dabei die Prozessmoderation, gestaltet Workshops und sorgt dafür, dass Zusammenarbeit nicht dem Zufall überlassen wird.

Da eine bürgerzentrierte Verwaltung bürgernahe Kommunikation erfordert und soziale Medien dabei an Bedeutung gewinnen, wurde die AG Social Media gegründet. Sie startete mit externen Impulsen und einem Strategieworkshop. Bei dem Workshop wurden regelmäßige Quartalstreffen vereinbart, um sich kontinuierlich über konkrete He­rausforderungen und gemeinsame Vorhaben auszutauschen. Auch zur Nutzung von Künstlicher Intelligenz wurde eine Arbeitsgruppe gegründet. Im Auftaktworkshop wurden Visionen, Werte und priorisierte Use Cases erarbeitet. Der zweite Workshop diente der Konkretisierung dieser Use Cases sowie dem Austausch zu laufenden KI-Projekten. Wichtige Partner der AG sind der Zweckverband KAAW als regionaler IT-Dienstleister und Betreiber der künftigen Anwendungen sowie das Studieninstitut Westfalen-Lippe als Anbieter künftiger KI-Fortbildungen.

Gemeinsam effizienter entscheiden

Eine Besonderheit ist der kreisübergreifende Ansatz: Neben Verwaltungen aus dem Kreis Steinfurt sind auch Kommunen aus dem KAAW-Verbandsgebiet, insbesondere der Kreis Borken, beteiligt und bringen zusätzliche Expertisen ein. Die zentrale Erkenntnis bringt Kreisdirektor Peter Freitag auf den Punkt: „KI entfaltet ihr Potenzial nur, wenn wir Ressourcen bündeln. Umso wichtiger ist es, dass wir uns von Anfang an gemeinsam Gedanken machen und viele Verwaltungen direkt ins Boot holen. Genau dafür bietet das SIL die perfekte Plattform.“

Einen anderen Verlauf nahm eine AG, die sich mit Einsatzpotenzialen von digitalen Selbstbedienungsterminals befasste. Nach der Vorstellung einer Lösung und der Sichtung weiterer Anbieter wurde früh entschieden, dass die derzeitigen Systeme für den flächendeckenden Einsatz und die anvisierten Anwendungsfälle noch zu kostenintensiv sind. Auch das gehört zur Stärke der Arbeitsgruppen im SIL: Nicht jede Verwaltung muss jede Lösung eigenständig prüfen – gemeinsam lassen sich Entscheidungen effizienter treffen.

User Experience verbessern

Parallel zur Arbeit in den Fachgruppen entwickelt das Smart Region Büro derzeit eine Vision als strategische Leitlinie für interkommunale Maßnahmen zur Verbesserung der User Experience im Verwaltungshandeln. Im Fokus steht die Verzahnung analoger und digitaler Angebote für eine nahtlose Nutzererfahrung. Zudem zeigt die Vision auf, wie Nutzendenzentrierung effektiv gestaltet und langfristig verankert werden kann, wie Synergien zu übergeordneten Entwicklungen genutzt werden und wie die Bevölkerung aktiv eingebunden wird. Die Vision basiert auf einer Befragung von Akteuren der Verwaltungsdigitalisierung und Verwaltungsleitungen im Kreis Steinfurt. Vor der Finalisierung im Sommer wird auch die Perspektive der Bevölkerung einbezogen.

Interkommunale Zusammenarbeit und konsequente Nutzendenzentrierung verstärken sich gegenseitig und liefern wichtige Impulse für die digitale Transformation in ländlich geprägten Flächenkreisen. Um dieses Potenzial voll auszuschöpfen, werden je nach Bedarf agile Arbeitsgruppen gebildet, die gemeinsam innovative Ansätze entwickeln und die praktische Umsetzung vorantreiben. Den Rahmen bilden das Service Innovation Lab als Klammer für die Arbeitsgruppen und eine abgestimmte Vision als zukunftsfähiges Leitbild für eine digitale Transformation, bei der die Verbesserung der Bürgerservices im Mittelpunkt steht.

David Sossna ist Smart Region Koordinator beim Kreis Steinfurt.




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik
bericht

Baden-Württemberg: Komm.ONE fordert neue Dynamik

[06.07.2026] Die Verwaltungsdigitalisierung in Baden-Württemberg soll deutlich an Tempo gewinnen. Im Mittelpunkt stehen eine engere Zusammenarbeit zwischen Land und Kommunen, verlässliche Finanzierungsmodelle sowie eine stärkere Rolle des kommunalen IT-Dienstleisters bei der Umsetzung zentraler Digitalisierungsprojekte. Auch eine langfristige Annäherung an die Landes-IT BITBW schließen die Verantwortlichen nicht aus. mehr...

Sachsen-Flagge im Wind

Sachsen: Mittel für kommunale Digitalisierung

[06.07.2026] Sachsen plant im Doppelhaushalt 2027/2028 weitere Mittel für die Verwaltungsdigitalisierung ein. Neben dem Sächsischen Verwaltungsnetz und zentralen Landesportalen sollen auch Kommunen bei digitalen Diensten und internen Verfahren unterstützt werden. mehr...

Gruppenfoto am Spreeufer, das Kanzleramt im Hintergrund

Vitako: Der moderne Staat fängt in den Kommunen an

[02.07.2026] Die Staatsmodernisierung entscheidet sich nicht im Konzept, sondern in der kommunalen Umsetzung. Beim Politischen Abend von Vitako diskutierten Bundestagsabgeordnete und Fachleute, wie kommunale IT-Dienstleister, gemeinsame Standards und klare Governance die Verwaltungsdigitalisierung voranbringen können. mehr...

Porträt Landrat Dr. Achim Brötel

Deutscher Landkreistag: Landkreise als Innovationsräume

[25.06.2026] Digitale Modernisierung muss in der kommunalen Praxis ankommen: Der Deutsche Landkreistag dringt im Austausch mit Bundesdigitalminister Karsten Wildberger darauf, Landkreise bei zentralen Vorhaben der Staatsmodernisierung frühzeitig einzubinden. mehr...

Dr. Annika Busse - Hamburg CIO
interview

Hamburg: Gemeinsam mehr erreichen

[24.06.2026] Seit Ende vergangenen Jahres ist Annika Busse neue Hamburg-CIO. Im Interview spricht sie über Mitarbeitermotivation, Ziele für Hamburgerinnen und Hamburger sowie die Verwaltung und darüber, woran sie am Ende ihrer Amtszeit gemessen werden möchte. mehr...

von rechts: Mehring, Sinemus, Wildberger, daneben noch weitere (unbekannte) Personen

BMDS/Bayern: Kooperation zur flächendeckenden Digitalisierung

[23.06.2026] Im Rahmen einer Pilotkooperation wollen das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) und das Bayerische Staatsministerium für Digitales (StMD) bis Ende dieses Jahres in allen bayerischen Kommunen zentrale digitale Verwaltungsleistungen bereitstellen. Die Rolle des Generalunternehmers auf Ebene des Landes übernimmt die AKDB. mehr...

zwei Männer geben sich die Hand_Karsten Wildberger_mario Voigt

Thüringen: Wichtige Online-Dienste für alle Kommunen

[11.06.2026] Thüringen und der Bund wollen fünf Verwaltungsleistungen bis Ende März 2027 landesweit digital verfügbar machen. govdigital und KIV Thüringen sollen die Online-Dienste in den Thüringer Kommunen bis zur vollständigen Betriebsfähigkeit integrieren. mehr...

Niedersachsen: Im Maschinenraum der Verwaltungsdigitalisierung

[28.05.2026] Seit April unterstützt eine Taskforce niedersächsische Kommunen dabei, wichtige Verwaltungsleistungen online anzubinden. Die Beteiligten arbeiten eng zusammen, um technische, organisatorische und finanzielle Hürden für den Einsatz der Online-Dienste aus dem Weg zu räumen – mit Erfolg. mehr...

bericht

re:publica26: Vom Ankündigen zum Liefern

[21.05.2026] Auf der Digitalkonferenz re:publica26 zieht Bundesdigitalminister Karsten Wildberger eine Jahresbilanz und spricht sich resolut für mehr digitale Souveränität und Open Source aus. mehr...

Komm.ONE: Landesregierung strebt engere Zusammenarbeit an

[18.05.2026] Die neue Landesregierung in Baden-Württemberg will Landes-IT und kommunale IT künftig enger zusammenführen und ein gemeinsames Rechenzentrum aufbauen. Komm.ONE unterstützt die Pläne und sieht darin eine wichtige Grundlage für die weitere Digitalisierung der Verwaltung. mehr...

Offizielles Porträt von Bundesdigitalminister Karsten Wildberger

Ein Jahr BMDS: Gute Ansätze – zu wenig Verbindlichkeit

[07.05.2026] Ein Jahr nach dem Start des Digitalministeriums ziehen weitere Branchenverbände Bilanz. Die Open Source Business Alliance fordert mehr Verbindlichkeit bei Open Source und digitaler Souveränität, der BREKO verlässliche Rahmenbedingungen für den Glasfaserausbau. mehr...

Mitglieder des Digitalausschusses des DStGB

DStGB: Umsteuern zur rein digitalen Verwaltung

[30.04.2026] Wie digitale Lösungen, Automatisierung und Künstliche Intelligenz zur Modernisierung des Staates beitragen und so für die dringend nötige Entlastung der Kommunen sorgen können, diskutierte der Ausschuss für Digitalisierung des Deutschen Städte- und Gemeindebunds auf seiner Frühjahrstagung.
 mehr...

Vitako: Impulse für die Digitalisierung

[29.04.2026] Auf der Vitako-Mitgliederversammlung haben Deutschlands kommunale IT-Dienstleister zentrale Weichen für die Verwaltungsdigitalisierung gestellt. Im Fokus standen der Deutschland-Stack, die interföderale Marktentwicklung, das Zukunftsbild der kommunalen IT sowie Fragen der digitalen Souveränität.  mehr...

Bitkom: Schulen erhalten Smart-School-Siegel

[24.04.2026] Bundesbildungsministerin Karin Prien hat in Berlin Schulen für herausragende digitale Bildungskonzepte ausgezeichnet. Der Wettbewerb des Branchenverbands Bitkom zeigt, wie sich digitale Innovationen im Unterricht erfolgreich umsetzen lassen und künftig stärker verbreitet werden sollen. mehr...

Porträt von Heiko Geue

Mecklenburg-Vorpommern: Schub für die Registermodernisierung

[21.04.2026] Mecklenburg-Vorpommern hat bis zu 150 Millionen Euro für Registermodernisierung und Maßnahmen für mehr IT-Sicherheit freigegeben. Land und Kommunen betonen die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit bei der Verwaltungsdigitalisierung. mehr...