Sonntag, 11. Oktober 2026

Kreis Darmstadt-DieburgKI gestaltet Videos

[20.08.2025] Der Kreis Darmstadt-Dieburg kann Newsletterinhalte in Videosendungen umwandeln. Ein eigens entwickeltes GPT-Skript kürzt die Texte dafür auf eine sendefertige Länge von rund 100 Sekunden. Als Nachrichtensprecher dient ein digitaler Avatar.
Der Nachrichtensprecher von LaDaDi KOMPAKT sieht verblüffend echt aus, ist aber ein Avatar.

Der virtuelle Nachrichtensprecher sieht verblüffend echt aus.

(Bildquelle: Landkreis Darmstadt-Dieburg)

Ein ungewöhnliches Nachrichtenformat sorgt im Kreis Darmstadt-Dieburg für Aufmerksamkeit: KI-gestützte Videosendungen, welche die hessische Kommune unter dem Titel LaDaDi KOMPAKT veröffentlicht. Dabei handelt es sich sozusagen um die visuelle Aufbereitung der Newsletter des Landkreises. Mithilfe von KI werden deren Inhalte innerhalb von knapp 30 Minuten in Videos umgewandelt. Das für den Deutschen Preis für Online-Kommunikation (DPOK) nominierte Projekt bespielt nicht nur Instagram und YouTube, sondern auch die Debattenräume der digitalen Verwaltung.

„Viele Menschen nutzen KI lediglich als bessere Suchmaschine“, sagt Stefan Weber von der Stabsstelle Presse, Kommunikation und Strategie. „Wir wollten zeigen, dass deutlich mehr möglich ist.“ Mit diesem Ziel verbanden er und Kollegin Lisa Lange das Potenzial automatisierter GPT-Skripte mit einer Avatar-Software. Heraus kam ein gänzlich neues Element im Kommunikationsmix der Kreisverwaltung. „Informationen werden besonders gut durch Begeisterung transportiert“, erklärt Lisa Lange. „Ein virtueller Sprecher, der in astreinem Arabisch kommuniziert oder dir in 90 Sekunden deinen Landkreis erklärt, weckt Aufmerksamkeit.“ Die Idee: Über diesen Überraschungseffekt hinaus ein nachhaltiges Format schaffen, das sich kompakt, kostengünstig und visuell attraktiv fest in der Behördenkommunikation verankern lässt.

Effizient und dennoch authentisch

Hinter LaDaDi KOMPAKT steht ein engagiertes Kommunikationsteam. Einige schreiben die Pressemeldungen, andere gestalten da­raus den Newsletter. Die Inhalte fließen dann in ein eigens entwickeltes GPT-Skript, das die Nachrichten auf eine sendefertige Textlänge von rund 100 Sekunden bringt. Lisa Lange übernimmt anschließend Schnitt, Untertitelung und technische Umsetzung einschließlich der Arbeit mit der Avatar-Software Heygen. Der visuelle Hintergrund der Nachrichtensendungen stammt vom Zeichenbrett einer weiteren Kollegin. „Jede Folge ist Teamarbeit. Das macht das Format glaubwürdig und stabil“, berichtet Lange. Um eine möglichst breite Akzeptanz zu erreichen, wurde für das erste Avatar-Modell bewusst eine politisch neutrale Person mit hausinternem Bekanntheitsgrad gewählt: Kreisarchivar Jan Prößdorf. Seine Stimme und Erscheinung wurden mit seinem Einverständnis geklont, der digitale Avatar dient nun als Nachrichtensprecher.

Insgesamt verlangt das Thema Mut und Fingerspitzengefühl. Denn ein digitaler Avatar bewegt sich stets auf dem schmalen Grat zwischen Effizienz und Authentizität. Es geht nicht allein um technologische Machbarkeit, sondern um Vertrauen. Menschen erwarten echte Ansprechpartner. Umso mehr gilt das in Krisen oder politischen Zusammenhängen. Ein geklonter Landrat würde schnell als unnahbar oder gar unehrlich wahrgenommen werden. LaDaDi KOMPAKT setzt daher deutliche Leitplanken: KI ist Unterstützung, kein Ersatz. Klare Kennzeichnung, transparente Prozesse und ein internes KI-Manifest sichern das Projekt ethisch ab. Die Technologie darf niemals den Eindruck erwecken, Menschen würden durch Maschinen ersetzt. Im Gegenteil: Durch Effizienzgewinne wird das Zeitfenster für echte Gespräche mit echten Menschen größer.

Nähe zur Region stärken

LaDaDi KOMPAKT ist mehr als ein Videoformat. Es ist ein strategisches Werkzeug zur Sensibilisierung. Das parallel veröffentlichte Making-of-Video erklärt Technik, rechtliche Rahmenbedingungen wie die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) oder den EU AI Act und mögliche gesellschaftliche Risiken wie Deepfakes oder Desinformation. „Der Geist ist aus der Flasche“, merkt Weber an. „Wir müssen ihn nicht bannen, sondern erziehen.“ Der Ansatz: Erst wenn Menschen selbst erleben, wie glaubhaft ein Fake aussehen kann, beginnen sie, kritisch mit digitalen Inhalten umzugehen.

Die Resonanz ist durchweg positiv. Bürgerinnen und Bürger reagieren interessiert bis verblüfft, Rückfragen zur Technik häufen sich. Auch intern zeigt das Projekt Wirkung. Die Idee, die Avatar-Gestalt regelmäßig zu wechseln, fördert Identifikation und Beteiligung. Regionale Prominente wurden bereits angesprochen – eine Chance, Reichweite und Nähe zur Region zu stärken. Kollegen aus anderen Bereichen bewerben sich für den digitalen Klon oder ziehen die Technologie für Tutorials, Onboarding, Gebärdendolmetschen oder Übersetzungen in Betracht. Das Team hat mittlerweile sogar eine punktgenaue Steuerung für Tonlage, Gestik und Sprache etabliert. Die technischen Möglichkeiten wachsen stetig.

Außer der Innovationsfreude treibt auch struktureller Druck das Projekt an. Die öffentliche Hand steht vor Personallücken, einem Wissensabfluss und knappen Kassen. „KI ist für uns nicht nur ein digitales Spielzeug. Sie kann auch Teil einer Rettungsstrategie sein“, sagt Weber. Gleichzeitig verpflichtet der EU AI Act zu Schulungsmaßnahmen mit Mehrwert für Mitarbeitende und Öffentlichkeit. LaDaDi KOMPAKT liefert dafür ein konkretes Beispiel aus der Praxis. „Wir wollten ein Format schaffen, das Lust auf Digitalisierung macht und Raum für Diskussion bietet“, fasst Lisa Lange zusammen. Mit bislang sieben veröffentlichten Folgen, medialer Aufmerksamkeit und wachsendem Interesse aus anderen Verwaltungen scheint das gelungen.

Kerstin Theiß ist Social Media Managerin und stellvertretende Pressesprecherin beim Kreis Darmstadt-Dieburg.




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Künstliche Intelligenz
Eher dunkler, blau-violett-beleuchteter Saal mit vielen Menschen, im Hintergrund eine Bühne.

Bitkom: Ja zur Behörden-KI

[08.10.2026] Eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom zeigt wachsende Zustimmung zu KI bei Behördenanträgen. Meist soll ein Mensch an der Entscheidung beteiligt sein. Gefragt sind auch Behörden, die von sich aus aktiv werden, und mehr Tempo bei der kommunalen Digitalisierung. mehr...

Arnsberg: Bürger können Arni fragen

[07.10.2026] Bürger der Stadt Arnsberg müssen nun nicht mehr auf Öffnungszeiten achten, wenn sie eine Frage an die Stadtverwaltung haben, sondern können sich damit ab sofort an den KI-gestützten Chatbot Arni wenden. mehr...

Frau am Schreibtisch mit Overlay aus Ordnericons und Dokumentenicons

deAI Labs: Marktstart für KI-Plattform daeo

[07.10.2026] Mit daeo bringt das deutsche KI-Start-up deAI Labs eine Plattform für Mittelstand und Verwaltung auf den Markt. Sie soll verstreute Daten für unterschiedliche KI-Anwendungen aufbereiten. Der kommunale Software-Anbieter komuna nutzt sie bereits in seinem Support. mehr...

Stilisierte Darstellung eines Chatbots mit Headset, verschwommen im Hintergrund ist eine Frau zu sehen, die den Bot antippt.

European Public Sector Award: BärGPT auf Platz zwei

[06.10.2026] Der Berliner KI-Assistent BärGPT wurde beim European Public Sector Award für nutzerzentrierte Dienste auf regionaler und lokaler Ebene prämiert. Die Anwendung von Senatskanzlei und CityLAB Berlin hilft bei Recherche, Texterstellung und Dokumentenbearbeitung. mehr...

Besucher am „Tag der offenen Baustelle“ auf dem Gelände des entstehenden IPAI CAMPUS im Heilbronner Norden

Komm.ONE: Beitritt zum KI-Netzwerk IPAI

[06.10.2026] Komm.ONE ist jetzt Mitglied des Innovation Park Artificial Intelligence (IPAI) in Heilbronn. Der kommunale IT-Dienstleister will dort seine Expertise in der Verwaltungsdigitalisierung einbringen und Kommunen stärker mit Fachleuten für Künstliche Intelligenz vernetzen. mehr...

Ein Straßenschild mit dem Zusatz "Hochwasser" steht vor einer Wasserfläche im Abendlicht.

Leverkusen: KI und Radar erkennen Hochwasserlagen

[30.09.2026] Die Stadt Leverkusen beteiligt sich über die Kooperation ÜVAW am Aufbau von KIRa-Berg, einem KI- und radargestützten Frühwarnsystem im Bergischen Land, das Überflutungsgefahren früher erkennt. Die Stadt könnte im Ernstfall schneller handeln und die Bevölkerung besser warnen. mehr...

Personengruppe zum Gruppenbild aufgestellt hinter den Buchstaben "bcsd"

bcsd: KI hilft beim Stadtmarketing

[30.09.2026] Auch im Stadtmarketing gehören KI-Anwendungen vielerorts bereits zum Arbeitsalltag. Eine Untersuchung der bcsd und der imakomm Akademie zeigt: Die praktische Nutzung wächst schneller, als die nötigen Strategien, Kompetenzen und Regeln entstehen. mehr...

Rathaus und Rathausvorplatz in Krefeld

Krefeld: Automatisierung mit System

[29.09.2026] Die Stadt Krefeld automatisiert ihre Verwaltungsprozesse mit RPA. Mit internem Know-how können auch kleine Automatisierungen wirtschaftlich umgesetzt werden. Striktes Controlling wertet reale Prozessdurchläufe aus und zeigt den Nutzen der Software-Roboter. mehr...

Martin Dellwing steht mit einem Laptop vor dem Haus der Vereine.

Neukirchen: Bürger-KI für das Dorf

[28.09.2026] Eine Frage an die eigene Gemeinde stellen, ohne zuerst die richtige Website suchen zu müssen: Das macht im nordfriesischen Neukirchen jetzt das Pilotprojekt kommunity360 möglich. Die Plattform bündelt lokale Informationen in einem Ortsportal und macht sie zusätzlich über eine App und einen KI-Assistenten zugänglich. Perspektivisch soll das Modell auf weitere Kommunen übertragen werden. mehr...

Die Teilnehmenden der VITAKO KI-Fachkonferenz 2026 in Hannover.

Vitako: Kommunale KI in die Fläche bringen

[25.09.2026] Künstliche Intelligenz (KI) hat in Kommunalverwaltungen die Pilotphase zunehmend hinter sich. Wie es gelingen kann, praxiserprobte Anwendungen breit nachnutzbar zu machen und dauerhaft in bestehende Verwaltungsprozesse zu integrieren, darüber wurde nun auf einer Vitako-Fachkonferenz in Hannover diskutiert. mehr...

Mann mit Wäscheklammer auf der Nase

Hürth: Mit Hightech dem Gestank auf der Spur

[25.09.2026] In Hürth kommt KI in einem ungewöhnlichen Use Case zum Einsatz: Um die Ursache hartnäckiger Geruchsbelästigungen zu finden, werden mehr als 800 Bürgermeldungen mit Wetterdaten verknüpft und KI-gestützt ausgewertet. Die Analyse soll den Immissionsschutzbehörden neue Anhaltspunkte liefern. mehr...

Gruppenfoto, Innenraum

Heidelberg: Innovationen unter Realbedingungen

[23.09.2026] Mit einem umfassenden Pilotprogramm erprobt die Stadt Heidelberg seit 2025 innovative KI- und Digitalisierungsanwendungen für kommunale Herausforderungen. Ziel ist es, Innovationen schneller in die Praxis zu bringen. Die Unternehmen für die zweite Runde stehen fest. mehr...

Stuttgart: KI-Forschung kommt in die Schulen

[22.09.2026] Stuttgart und die Universität Tübingen wollen den Einsatz Künstlicher Intelligenz im Bildungsbereich gemeinsam voranbringen. In einer auf drei Jahre angelegten Kooperation sollen adaptive Lernsysteme an Stuttgarter Schulen erprobt und wissenschaftlich fundierte KI-Konzepte für den Unterricht entwickelt werden. mehr...

Smart Country Convention: KI für den Verwaltungsalltag

[18.09.2026] Wie sich Verwaltungswissen mithilfe Künstlicher Intelligenz erschließen und für die tägliche Arbeit nutzen lässt, zeigt IntraFind auf der Smart Country Convention. Im Mittelpunkt stehen bereits realisierte KI-Projekte sowie der schrittweise Ausbau von der intelligenten Suche bis hin zu KI-Agenten. mehr...

Hände tippen auf einer Tastatur, darum herum fliegen gezeichnete Briefumschläge als Symbol für E-Mail-POsteingang

Hamburg: KI leitet E-Mails weiter

[17.09.2026] Hamburg setzt Künstliche Intelligenz ein, um eingehende E-Mails automatisch den zuständigen Stellen zuzuordnen. Die Lösung MailFWD ist bereits in sechs Fachbereichen im Einsatz und soll bis Ende 2026 mindestens 18 zentrale Postfächer unterstützen. mehr...