Montag, 24. August 2026

Green ITGanzheitlicher Ansatz für nachhaltige Digitalisierung

[08.04.2026] Angesichts der komplexen Aufgaben, denen sich der öffentliche Sektor in seiner digitalen Transformation gegenübersieht, haben Umweltaspekte oft eher niedrige Priorität. Klare Ziele und konkrete, einfache Maßnahmen helfen, Nachhaltigkeitsziele in digitale Strategien zu integrieren.
Grün eingefärbte Nahaufnahme einer Computer-Platine.

Grüne, nachhaltige IT bringt oft auch Effizienzgewinne mit sich.

(Bildquelle: MUS_GRAPHIC/stock.adobe.com)

Die digitale Transformation in der öffentlichen Verwaltung bringt eine Vielzahl von Herausforderungen mit sich. Darunter ist auch der Aspekt der Nachhaltigkeit – meist subsumiert unter dem Schlagwort Green IT. Darunter fallen alle Bereiche von IT-Beschaffung über den IT-Betrieb bis hin zur IT-Entsorgung. Bei der Beschaffung neuer Geräte sollte auf Energieeffizienz und Ressourcenschonung geachtet werden. Die Green Software Foundation fordert, dass der gesamte Produktionsprozess energieeffizient gestaltet wird, was auch Hardware-Sparsamkeit und Carbon Awareness beinhaltet. Im Bereich Entsorgung bietet die Zusammenarbeit mit Technik-Refurbishern eine Möglichkeit, alte Geräte aufzubereiten und weiterzuverwenden. Dies verlängert die Gesamtlebensdauer der Hardware und reduziert Elektroschrott.

Nicht nur auf Zertifizierungen setzen

Es existieren bereits gesetzliche Vorgaben und Zertifikate, etwa der Blaue Engel für Rechenzentren, die Kriterien für Energieeffizienz und Ressourcenschonung festlegen. Aktuelle Studien zeigen, dass ein erheblicher Teil des Energieverbrauchs von Rechenzentren auf den IT-Betrieb entfällt, insbesondere auf die Kühlung.

Anstatt sich allein auf große Zertifizierungen zu konzentrieren, könnten Verwaltungen aber auch für IT-intensive Tätigkeiten wie Back-ups oder Updates gezielt Tageszeiten nutzen, in denen mehr erneuerbare Energie zur Verfügung steht. Auch virtuelle Meetings sind ein möglicher Ansatzpunkt: Zwar ist der Zeit- und Ressourcenverbrauch im Vergleich zu Dienstreisen geringer, doch auch der Energiehunger von Videotelefonie im Vergleich zur herkömmlichen Telefonie sollte betrachtet werden. Um fundierte Entscheidungen treffen zu können, ist mehr Klarheit über die Energieeffizienz der verwendeten Tools notwendig. Energieüberwachungstools bieten sich als möglicher erster Schritt an.

Virtuelle Aktenregale aufräumen

Eine weitere, leicht umsetzbare Maßnahme für viele Organisationen ist die Überprüfung von gespeicherten und tatsächlich genutzten Daten. Digitale Daten lassen sich einfach kopieren, ohne dass für die Nutzenden direkte Kosten entstehen. Während der physische Gang zum Kopierer mit Aufwand verbunden ist, erfordert das Erstellen von Duplikaten lediglich eine Tastenkombination. Diese zusätzlichen Daten benötigen jedoch Speicherplatz, was wiederum einen höheren Energieverbrauch zur Folge hat. Wenn ein analoges Aktenregal oder Archiv voll ist, wird deutlich, dass Dinge aussortiert werden müssen. Ähnlich sollte es mit digitalen Aktenbergen gehandhabt werden. So könnten Arbeitseinheiten beispielsweise eine monatliche „Löschstunde“ einführen, in der Mitarbeitende nicht mehr benötigte Daten oder Duplikate entfernen. Solche Maßnahmen tragen langfristig zur Ressourcenschonung bei.

Klare Zielvorgaben helfen

Die Integration von Green-IT-Zielen in jährliche Nachhaltigkeitsberichte sowie die Nutzung von Standards wie EMAS oder CSRD können helfen, Fortschritte zu dokumentieren. Zu beachten ist, dass die Auslagerung von IT-Dienstleistungen zwar zu einer lokalen Energieeinsparung führen kann, jedoch nicht alle Cloud-Lösungen transparente Angaben zum Ressourcenverbrauch machen. Daher ist es entscheidend, konkrete, messbare Ziele für die nachhaltige Digitalisierung festzulegen.

Beispiele für solche Ziele sind die Steigerung der Energieeffizienz, die Erhöhung der Nutzungsdauer von Hardware und auch die Reduktion des Papierverbrauchs. Ein konkretes Ziel könnte beispielsweise die Reduzierung des Energieverbrauchs um 20 Prozent innerhalb von drei Jahren sein. Die angestrebte Nutzungsdauer von Computern und anderen Geräten sollte mindestens fünf Jahre betragen; je nach Anwendungsbereich ist auch eine längere Nutzung denkbar.

Um das Bewusstsein der Mitarbeitenden zu schärfen, sind regelmäßige Schulungen zu nachhaltigen IT-Praktiken und zu ressourcenschonendem Verhalten am Arbeitsplatz – auch im Hinblick auf den Ressourcenverbrauch Künstlicher Intelligenz – notwendig. Das Engagement und die Identifikation mit den Zielen der Behörde lässt sich steigern, wenn ein System etabliert wird, in dem Mitarbeitende Vorschläge zur Verbesserung der Nachhaltigkeit einbringen können.

Großer ökologischer Fußabdruck von KI

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der öffentlichen Verwaltung kann erhebliche Vorteile bieten. Mit Blick auf den Ressourcenverbrauch ist sie jedoch herausfordernd. So benötigen Large-Language-Modelle wie Copilot und ChatGPT immense Rechenleistung, um Anfragen zu verarbeiten und Antworten zu generieren. Je nach Umfang der Anfrage werden zwischen 5 und 50 Milliliter Wasser für eine Anfrage an ChatGPT verbraucht. Dies bedeutet, dass KI-Lösungen nur dann eingesetzt werden sollten, wenn der Nutzen die Umweltkosten rechtfertigt. Eine nachhaltige Integration von KI in die digitale Strategie erfordert eine sorgfältige Abwägung zwischen Effizienzgewinnen und den ökologischen Fußabdrücken, die solche Technologien mit sich bringen.

Nachhaltigkeit ist ein strategischer Vorteil

Die Verantwortung für nachhaltige Praktiken liegt in Organisationen bislang oft bei Einzelpersonen, die bereit sind, über ihren Tellerrand hinauszuschauen. Doch die nachhaltige Digitalisierung in der öffentlichen Verwaltung erfordert ein ganzheitliches Konzept und sollte auf viele Schultern verteilt sein. Die Schaffung von Gemeinschaften und Netzwerken kann dazu beitragen, positive Veränderungen voranzutreiben.

Zu Unrecht wird Nachhaltigkeit häufig als zusätzliche Belastung und Kostenfaktor wahrgenommen. Dabei werden Verwaltungen durch die Implementierung einer Nachhaltigkeitsstrategie nicht nur ihrer Verantwortung gegenüber der Umwelt gerecht – sie steigern auch ihre Effizienz. Nachhaltigkeit sollte als strategischer Vorteil verstanden werden. Auch deswegen sollten umfassende Überlegungen zu Green IT in die Behördenstrategie integriert werden.

Prof. Dr. Marie Bergmann ist Lehrende an der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung und befasst sich unter anderem mit Digital Administration and Cyber Security sowie Verwaltungsinformatik.


Stichwörter: IT-Infrastruktur, Green IT


Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: IT-Infrastruktur
Abgedunkelter Saal mit Holzvertäfelung, Blick über Zushcauerköpfe aufs Podium, wo man eine grüße Projektion und verschiedene Flaggen sieht.

Baden-Württemberg: Kommunalregister vor dem Umbau

[05.08.2026] Kommunen müssen ihre Register fit für die Zukunft machen. Baden-Württemberg ist mit einer Kick-off-Veranstaltung zum Identitätsdatenabruf der Kommunalregister den ersten Schritt zur Umsetzung gegangen. Informationsmaterialien zur RegMo und der Veranstaltung sollen in Kürze zur Verfügung stehen. mehr...

Luftbild der Gemeinde Eichenzell
bericht

Eichenzell: Infrastruktur setzt Maßstäbe

[24.07.2026] Mit einer kommunalen Datenplattform sowie vernetzter Sensorik hat die hessische Gemeinde Eichenzell ein starkes Fundament für die digitale Daseinsvorsorge gelegt. Perspektivisch soll die Infrastruktur auch von Nachbarkommunen genutzt werden können. mehr...

Geschäftsmann hält Puzzle mit virtuellem Symbol.
bericht

IT-Dienstleister: Next Level IT

[22.07.2026] Das Programm Komm2IT arbeitet daran, Kompetenzen zu bündeln, Doppelstrukturen zu reduzieren und landesweit einheitliche, stabile Lösungen für die Kommunen zu schaffen. mehr...

Lennart_Schaer_Stephan_Brinkmann
interview

IT-Dienstleister: Kompetenzen vereinen

[22.07.2026] Stephan Brinkmann und Lennart Schaer sprechen als Leiter über das Programm Komm2IT. mehr...

drei Personen durchtrennen vor einem Gebäude ein rotes Band

regio iT: Energieeffizientes Rechenzentrum

[14.07.2026] In Aachen hat der kommunale IT-Dienstleister regio iT sein neues Rechenzentrum namens EURaix Evolution (EVO) in Betrieb genommen. Es soll Maßstäbe bei der Energieeffizienz setzen. mehr...

Darmstadt: Städtische IT ist zu alt

[13.07.2026] Die Stadt Darmstadt hatte Ende Juni mit einem massiven Ausfall ihres E-Mail-Systems zu kämpfen. Der Grund: veraltete Technik. Mittlerweile ist die Erreichbarkeit der betroffenen Ämter wiederhergestellt – und die städtische IT soll nun mit Nachdruck modernisiert werden. mehr...

Zwie Personen in einem Meetingraum, auf einem Monitor sind weitere Teilnehmer per Videokonferenz zugeschaltet

ITEBO: Sichere Telefonie mit innovaphone

[06.07.2026] Der IT-Dienstleister ITEBO stellt öffentlichen Verwaltungen in Deutschland jetzt die Lösung innovaphone Conferencing zur Verfügung. Darüber können Behörden und kommunale Einrichtungen sichere Audio- und Videokonferenzen durchführen. 
 mehr...

rescueTablet bei Feuerwehr Hanau im Einsatz
bericht

Hanau: Tablets im Einsatz

[17.06.2026] Die Feuerwehr Hanau arbeitet mit einer digitalen Einsatzunterstützung. Eine innovative Software stellt wichtige Informationen in Echtzeit auf Tablets bereit. Die Lösung wird anhand der Rückmeldungen aus der Praxis weiterentwickelt. mehr...

Frau am Schreibtisch mit Overlay aus Ordnericons und Dokumentenicons

Bayern: Grundlagen für NOOTS geschaffen

[15.06.2026] Der Freistaat Bayern hat mit drei Erprobungsprojekten wichtige Grundlagen für den künftigen behördlichen Datenaustausch über das Nationale Once-Only-Technical-System (NOOTS) geschaffen. Die Ergebnisse sollen nun als Blaupause für weitere NOOTS-Vorhaben dienen. mehr...

Symbolbild Cloud Computing

GISA: BVVG stellt SAP-Betrieb neu auf

[15.06.2026] GISA begleitet die BVVG beim Wechsel in die SAP Private Cloud. Seit 2008 betreut der IT-Dienstleister die SAP-Systeme der Gesellschaft. Im aktuellen Transformationsprojekt unterstützt er Beratung, Qualitätssicherung und künftiges Betriebsmodell. mehr...

Bremen-NRW_API-Strategie

Bremen/Nordrhein-Westfalen: Schnittstellen statt Amtsgrenzen

[19.05.2026] Bremen und Nordrhein-Westfalen wollen den Datenaustausch in der Verwaltung vereinfachen. Eine gemeinsame Plattform soll technische Schnittstellen bündeln, Standards vereinheitlichen und Kommunen bei der Entwicklung digitaler Dienste einbinden. mehr...

Frauenhand die auf einem weißen Telefon eine Nummer eintippt

Bremen: Klassisches Telefon hat ausgedient

[05.05.2026] Die bremische Verwaltung verabschiedet sich weitgehend vom klassischen Telefon und setzt stattdessen in Zukunft auf das Softphone als Grundausstattung. 
 mehr...

Markus Bremkamp, Stephan Hauber Porträtfotos
interview

Interview: Zwischen Praxis und Politik

[28.04.2026] Im Kommune21-Interview erläutern Stephan Hauber, Vorstandsvorsitzender des VOIS-Vereins, und Markus Bremkamp, Schatzmeister des VOIS-Vereins, was sie zur Gründung ihres Vereins bewogen hat und welche Ziele dieser verfolgt. mehr...

Kreishaus Düren

Kreis Düren: Microsoft 365 eingeführt

[21.04.2026] Der Kreis Düren hat Microsoft 365 flächendeckend ausgerollt. Unterstützt wurde die Kommunalverwaltung dabei vom Dienstleister regio iT. mehr...

Rheinland-Pfalz: OPTIKOM kommt voran

[17.04.2026] Im interkommunalen Prozessmanagement-Projekt OPTIKOM in Rheinland-Pfalz wurden bereits Meilensteine erreicht, wie eine rund 1.000 Prozesse umfassende Blaupause für ein gemeinsames Prozessregister. Im kommenden Jahr können weitere Kommunen in das Projekt aufgenommen werden. mehr...