Dienstag, 20. Oktober 2026

Prozessautomatisierung17 Kommunen pilotieren agentische KI

[22.04.2026] Mit dem Agentic AI Hub etabliert das BMDS eine Schnittstelle zwischen öffentlicher Verwaltung und jungen KI-Firmen. Im Rahmen des bundesweiten Pilotprojekts sollen administrative Routinen in technische Prototypen übersetzt und von KI-Systemen abgearbeitet werden - in ganz unterschiedlichen Bereichen.
Gruppenfoto

Die Pilotkommunen des Agentic AI Hub gehen in die Umsetzung - hier das Projektteam für den Kreis Borken.

v.l.: Andre Funke, Kreis Borken; Dr. Anna Gründler und Dr. Jasper Schwenzow, beide vom Berliner Start-up deepset sowie Simon Beckmann, Kreis Borken

(Bildquelle: Kreis Borken)

Agentische KI – so heißen Systeme, die eigenständig Aufgaben planen und ausführen, statt nur auf einzelne Eingaben zu reagieren. In der Verwaltung kann agentische KI dazu beitragen, Abläufe zu automatisieren, Entscheidungen vorzubereiten und damit Prozesse zu beschleunigen und Mitarbeitende zu entlasten. Im März 2026 hatte das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) ein Vorhaben gestartet, in dessen Rahmen Kommunen im gesamten Bundesgebiet von Start-ups entwickelte Lösungen erproben, um zu zeigen, wie agentische KI Verwaltungsvorgänge beschleunigen kann (wir berichteten).

Starkes Interesse

Rund 400 Start-ups und knapp 200 Kommunen aus Deutschland hatten sich laut BMDS für das Vorhaben Agentic AI Hub beworben, 17 Kommunen und zehn Start-ups nehmen nun am Projekt teil (Übersicht). Sie werden drei Monate lang bei ihrem Vorhaben vom Bund begleitet und finanziell gefördert. Wie die Stadt Schwerin – eine der Pilotkommunen – berichtet, erfolgte die Auswahl nach den Kriterien strategische Passfähigkeit, Repräsentativität und Skalierbarkeit. Doch auch Kommunen, die nicht für ein konkretes Pilotvorhaben ausgewählt wurden, werden Teil der Agentic-AI-Hub-Community. Nun berichten die ersten Pilotkommunen über ihre Projekte.

Einsparpotenziale aufspüren

Mecklenburg-Vorpommerns Landeshauptstadt Schwerin arbeitet im Rahmen des Programms gemeinsam mit dem Unternehmen summ ai an einem Pilotprojekt zur Identifikation von Einsparpotenzialen in Verwaltungsprozessen. Dabei soll untersucht werden, wie KI dabei unterstützen kann, Abläufe zu vereinfachen, Bearbeitungszeiten zu verkürzen und Verwaltungsleistungen besser zu organisieren. „Die Teilnahme am Agentic AI Hub ist für die Landeshauptstadt Schwerin ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg einer modernen Verwaltung, die Innovationen verantwortungsvoll nutzt und digitale Chancen aktiv gestaltet“, so der stellvertretende Oberbürgermeister Bernd Nottebaum. Unterstützt wird das Programm vom DigitalService, der die Umsetzung als Projektträger begleitet.

Anträge schneller bearbeiten

Auch die Verwaltung des nordrhein-westfälischen Kreises Borken führt eines der ausgewählten Pilotprojekte durch und kooperiert dazu mit dem Berliner KI-Start-up deepset. Die Kreisverwaltung hat in der Pilotphase speziell das Ziel, den Aufwand der Sachbearbeitung von Anträgen auf Hilfe zur Pflege zu senken. Das soll durch KI-generierte Vorprüfungen erfolgen. Autonome KI-Agenten werden dabei die Anträge auf Vollständigkeit prüfen und fehlende Dokumente nachfordern, Unterlagen analysieren und für behördliche Entscheidungen Vorschläge machen. Das eingesetzte Werkzeug Haystack, so eine Meldung des Kreises, schließe die Lücke bei der Skalierung und Wiederverwendbarkeit von KI-Lösungen – und das auf Open-Source-Basis. So entstehe eine modell- und infrastrukturunabhängige Architektur.

Prozesse modellieren und optimieren

Die Stadt Flensburg arbeitet, wie Schwerin, im Rahmen des Pilotprojekts mit summ ai zusammen. Die Verwaltung hat mit Lösungen des Münchner Jungunternehmens schon Erfahrung: Die Stadt nutzt eines der Produkte für die KI-generierte Übersetzung der Webseiten in Leichte Sprache. Nun soll ein weiteres summ-ai-Tool im Arbeitsfeld Prozessmodellierung und -optimierung erprobt werden. Danilo Schmidt, der Leiter der Digitalisierungsoffensive der Stadt, nennt den Zeitplan der Pilotierungsphase mit Einrichtung des Softwarepiloten und Einführungsschulungen „straff“. In enger Kooperation mit summ ai und den Partnerkommunen sollen konkrete Verwaltungsprozesse bearbeitet werden. Das Flensburger Vorhaben zielt – wie alle anderen Teilprojekte auch – darauf ab, die Ergebnisse bundesweit einsetzen zu können.





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