OberhausenZusammen ist besser

Der Landespreis für innovative Zusammenarbeit in NRW wurde übergeben.
v. l. : Hendrik Wächter, Fachbereichsleiter IT Kunden und Projektmanagement; Michael Jehn, Beigeordneter; Philip Gyamfi-Poku, IT-Projektmanager; Boris van Benthem, CIO Stadt Oberhausen
(Bildquelle: Stadt Oberhausen)
Hallo KommI, durchsuche das Ratsinformationssystem nach allen Ratsbeschlüssen und Vorlagen zum Thema Erneuerung von Spielplätzen im Zeitraum von 2018 bis 2026. Analysiere die Dokumente und filtere folgende Informationen heraus: Welche konkreten Zusagen oder Aussagen wurden getroffen? Welche Budgets wurden insgesamt oder pro Projekt freigegeben? Formuliere das Ergebnis als prägnante, professionelle E-Mail-Zusammenfassung, die ich zur Information an die Bereichsleitung Grünflächen und Spielplätze weiterleiten kann.
Ein Prompt wie dieser beschreibt ziemlich genau die Vision, mit der Künstliche Intelligenz in Verwaltungen eingesetzt werden soll: als Unterstützung und Sparringspartner. Künstliche Intelligenz erleichtert Verwaltungsarbeit spürbar. Sie macht Daten aus bestehenden Fachverfahren leicht zugänglich, beschleunigt Recherchen und bereitet Ergebnisse für die weitere Bearbeitung auf. Die Voraussetzung dafür ist, dass sie sicher und praxistauglich ist und an die kommunalen Fachverfahren angebunden werden kann. Genau hier setzt die Kooperationsgemeinschaft KommI – Kommunale Intelligenz an. Unter Federführung der Stadt Oberhausen entwickeln Kommunen und kommunale IT-Dienstleister gemeinsam KI-Lösungen.
KommI greift eine zentrale Herausforderung der Verwaltungsdigitalisierung auf: Viele Kommunen stehen vor ähnlichen Aufgaben, verfügen aber nur begrenzt über eigene Entwicklungsressourcen. Die Kooperationsgemeinschaft setzt deshalb auf Kompetenzbündelung, gemeinsame Standards und eine abgestimmte Realisierung zukunftsfähiger Lösungen.
KI trifft Fachverfahren
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der gemeinsamen Entwicklung von Schnittstellen zu kommunalen Fachverfahren. Durch die Zusammenarbeit der an KommI beteiligten Kommunen, IT-Dienstleister und Fachverfahrenshersteller sind unter anderem Anbindungen zum Ratsinformationssystem, zu KDN.sozial sowie zur urbanen Datenplattform Civitas Core entstanden. In konkreten Entwicklungsgemeinschaften werden diese Lösungen weiterentwickelt, als Open-Source-Produkte veröffentlicht und perspektivisch auf weitere Anbieter und Fachverfahren übertragen. Dadurch entsteht Schritt für Schritt eine öffentlich verfügbare Bibliothek nachnutzbarer Komponenten, mit denen KI-Sprachmodelle an kommunale Datenbestände angebunden werden können. Das Ziel ist es, die KI-Assistenten nach und nach mit immer spezifischeren Fähigkeiten für den Behördenalltag auszustatten. Dabei gilt ein zentrales Prinzip: Die KI darf nur auf Informationen zugreifen, die der jeweilige Nutzende mit seinen bestehenden Berechtigungen sehen darf. Datenschutz, Rollen- und Rechtekonzepte sowie digitale Souveränität sind fester Bestandteil der technischen und organisatorischen Weiterentwicklung.
Der Mehrwert der Kooperation liegt vor allem in der Arbeitsteilung. Statt vieler einzelner Insellösungen entsteht mit KommI ein gemeinsames kommunales Ökosystem, von dem Verwaltungen bundesweit profitieren können. Jede beteiligte Kommune kann eigene Anforderungen und prioritäre Anwendungsfälle einbringen. Gleichzeitig fließen die Ergebnisse in eine gemeinsame Entwicklung ein und stehen anschließend anderen Kommunen zur Nachnutzung zur Verfügung.
Koordiniert und organisatorisch begleitet wird die Kooperationsgemeinschaft vom KDN – Dachverband kommunaler IT-Dienstleister. Er strukturiert die Zusammenarbeit der beteiligten Kommunen und IT-Dienstleister, fördert den Austausch, bündelt Finanzmittel und unterstützt die gemeinsame Weiterentwicklung der erarbeiteten Lösungen.
KommI im Verwaltungsalltag
In Oberhausen ist KommI seit Mitte 2025 im Einsatz. Mehr als 300 Verwaltungsmitarbeitende wurden nach einer KI-Einführung bereits für die Plattform freigeschaltet. Um den Erfahrungsaustausch zu stärken, findet regelmäßig das Format KI-Kaffee statt. Dort werden umgesetzte Lösungen, aufgebaute Wissensdatenbanken, praktische Nutzungserfahrungen sowie Einführungshindernisse und Bedenken thematisiert. Auf diese Weise entsteht neben technischem Wissen ein praxisnahes Verständnis dafür, wie KI im Verwaltungsalltag sinnvoll eingeführt und genutzt werden kann. Zusätzlich hat die Stadt Oberhausen eine KI-Werkstatt eingerichtet. In einer ersten Ideenphase wurden aus allen Verwaltungsbereichen Vorschläge für KI-Lösungen gesammelt und von einer verwaltungsinternen Jury bewertet. Ausgewählte Anwendungsfälle werden seit Juni 2026 gemeinsam umgesetzt.
Die Förderung im Rahmen des Programms Modellprojekte Smart Cities gab der Stadt Oberhausen die entsprechenden finanziellen Möglichkeiten. Neben Künstlicher Intelligenz wurden die Urbane Datenplattform, Digitale Zwillinge sowie der Co-Creation-Fund umgesetzt. Wie eng diese Projekte verknüpft sind, zeigt sich unter anderem darin, dass ein vom Co-Creation-Fund gefördertes KI-Projekt, der Chatpott, in die Oberhausen-App integriert wurde. Der vom Oberhausener Start-up GeoMesh entwickelte KI-Assistent unterstützt Bürgerinnen und Bürger dabei, Informationen rund um Oberhausen schneller und einfacher zu finden, ohne lange auf verschiedenen Webseiten suchen zu müssen. Im Rahmen der interkommunalen Zusammenarbeit im Bereich Urbane Datenplattform kam die Verknüpfung mit KDN.sozial zustande. Ein gutes Beispiel dafür, dass Kommunen gemeinsam viel bewegen.
Offen für weitere Kommunen
Für das Projekt KommI wurde die Stadt Oberhausen im April mit dem Landespreis für innovative interkommunale Zusammenarbeit in Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Das Land würdigt damit besonders innovative und nachahmenswerte Projekte. Die Auszeichnung unterstreicht, dass interkommunale Zusammenarbeit weiter an Bedeutung gewinnt und sich lohnt.
Der Einsatz von kommunal genutzter Künstlicher Intelligenz wird für Verwaltungsprozesse zunehmend wichtiger, gleichzeitig stehen viele Anwendungsszenarien erst am Anfang. Gerade deshalb ist es entscheidend, kommunale Anforderungen frühzeitig gemeinsam zu definieren, technische Lösungen koordiniert zu entwickeln und Ergebnisse verlässlich nachnutzbar zu machen, um KI in Kommunalverwaltungen nachhaltig zu etablieren.
Die Kooperationsgemeinschaft KommI steht bundesweit allen Kommunen offen. Verwaltungen, die eigene Anforderungen, Anwendungsfälle und Fachverfahren einbringen möchten, sind herzlich eingeladen, mitzumachen, denn das Motto lautet: Zusammen ist besser.
Dieser Beitrag ist in der Ausgabe August 2026 von Kommune21 erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren.
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