GovTech KommunalKein Ersatz, sondern Ergänzung

GovTech Deutschland/GovTech Kommunal: Keine Konkurrenz für IT-Dienstleister, sondern ein Puzzlestück, das deren Angebot ergänzen soll.
(Bildquelle: mikkiorso/123rf.com)
Die Auseinandersetzung um die künftigen Strukturen der kommunalen Verwaltungsdigitalisierung geht in die nächste Runde. Nachdem die Bundes-Arbeitsgemeinschaft der Kommunalen IT-Dienstleister, Vitako, Ende September 2026 in einem Positionspapier vor neuen Parallelstrukturen durch GovTech Deutschland und GovTech Kommunal gewarnt hatte (wir berichteten), haben die beiden Organisationen nun auf die Kritik reagiert. In einer aktuellen Stellungnahme widersprechen Ammar Alkassar, Vorstand von GovTech Deutschland, und Marian Schreier, Managing Director von GovTech Kommunal, wesentlichen Aussagen des Positionspapiers. Zugleich betonen sie die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit den bestehenden kommunalen IT-Strukturen.
Vitako hatte in seinem Positionspapier insbesondere Fragen der Aufgabenteilung, Finanzierung, Legitimation und Steuerung der neuen Organisationen aufgeworfen. Der Verband sieht die Gefahr, dass mit öffentlichen Mitteln neue Angebote geschaffen werden, die sich mit den Aufgaben etablierter kommunaler IT-Dienstleister überschneiden. Kritisiert wurde zudem eine aus Sicht von Vitako unzureichende Abstimmung mit bestehenden föderalen Strukturen. Der Verband plädierte dafür, vorhandene Organisationen und Nachnutzungswege zu stärken, statt zusätzliche Strukturen aufzubauen.
Neue Wege beschreiten
GovTech Deutschland und GovTech Kommunal halten dieser Kritik entgegen, dass die bestehenden Strukturen allein nicht ausreichten, um die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung entscheidend voranzubringen. Sie verweisen auf den eGovernment MONITOR 2026, dem zufolge lediglich 15 Prozent der Bevölkerung ihre Erwartungen an eine moderne digitale Verwaltung erfüllt sehen (wir berichteten). Um die Leistungsfähigkeit des Staates zu verbessern und das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger zu stärken, reiche es nicht mehr aus, lediglich Prozesse zu optimieren und Bestehendes zu verbessern. Vielmehr müssten neben der Weiterentwicklung bestehender Angebote auch neue Wege beschritten werden. Genau hier setzten GovTech Deutschland und GovTech Kommunal an.
Letzteres verstehe sich dabei ausdrücklich nicht als Konkurrenz zu den kommunalen IT-Dienstleistern. „Wir wollen Ihre Arbeit nicht ersetzen“, heißt es in der Stellungnahme. Der Verein wolle weder flächendeckend Fachverfahren betreiben noch die Aufgaben etablierter Dienstleister übernehmen. Vielmehr gehe es darum, Kommunen den Zugang zu neuen Technologien zu erleichtern und ihre Handlungsfähigkeit zu stärken.
Das Angebot von GovTech Kommunal umfasst dazu nach eigenen Angaben drei Bereiche: Qualifizierungsprogramme zu Themen wie Künstliche Intelligenz, Cloud und Cyber-Sicherheit, die Begleitung kommunaler Digitalisierungsprojekte von der Idee bis zum Einsatz – mit dem Ziel, dass andere Kommunen die Lösung nachnutzen können –, sowie den Zugang zu innovativen Lösungen über die Deutschlandplattform. Dabei verbinde man öffentliche Trägerschaft mit einem unternehmerischen Mindset und mache die Innovationskraft von Start-ups und innovativen Technologieunternehmen für die Verwaltung nutzbar. „Wir stellen unseren Bedarfsträgern das Wissen und die Infrastruktur zur Verfügung, die zentral vorgehalten werden muss. Damit sparen wir wiederholte Prüfungen und Beauftragungen immer gleicher Komponenten – und am Ende Zeit und Geld“, schreiben Alkassar und Schreier in Ihrer Stellungnahme. Damit überwinde man genau die Barrieren, die das Land jahrzehntelang blockiert hätten: „Wir verbinden Bund, Länder und Kommunen über alle föderalen Grenzen hinweg.“
Kritik an Parallelstrukturen zurückgewiesen
Ausführlich geht die Stellungnahme auf die von Vitako angesprochenen Fragen der Governance und Finanzierung ein. GovTech Kommunal sei ein eigenständiger Verein in kommunaler Trägerschaft, der im Dezember 2025 von 13 Kommunen aus sechs Bundesländern gegründet worden sei. Mittlerweile gehörten ihm 25 Städte, Gemeinden und Landkreise an. Die Steuerung liege ausschließlich bei den Mitgliedskommunen. Anders als im Vitako-Papier dargestellt, habe GovTech Kommunal keine Mitglieder aus der Privatwirtschaft. Der Verein finanziere sich über gestaffelte Mitgliedsbeiträge.
Zugleich weisen die Verantwortlichen den Vorwurf zurück, ihre Aktivitäten seien nicht mit den bestehenden föderalen IT-Strukturen abgestimmt. So gehörten GovTech Deutschland neben dem Bund und zwölf Ländern auch die Föderale IT-Kooperation (FITKO) und öffentliche IT-Dienstleister an. Die FITKO sei bereits seit Juni 2024 Mitglied. Auch bei einzelnen Projekten arbeite GovTech Deutschland mit öffentlichen IT-Dienstleistern zusammen.
Der Einschätzung, GovTech Kommunal schaffe monolithische Angebote außerhalb der etablierten Strukturen, widersprechen die Autoren ebenfalls. Die Deutschlandplattform sei als Multi-Cloud-Umgebung konzipiert, über die Lösungen unterschiedlicher Anbieter bereitgestellt werden könnten. Sie solle damit gerade keine geschlossene Einzellösung darstellen.
Bisherige Projekte machen Erfolg messbar
Zur Untermauerung ihrer Position führen GovTech Deutschland und GovTech Kommunal bereits erzielte Ergebnisse an. Nach eigenen Angaben wurden in den vergangenen Jahren mehr als 10.000 Verwaltungsbeschäftigte auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene geschult. Seit Mitte 2024 seien zudem mehrere Dutzend Digitalprojekte im Auftrag öffentlicher Verwaltungen umgesetzt beziehungsweise angestoßen worden. Die Beispiele reichen von KI-gestütztem Wissensmanagement in einem Bundesministerium bis zur Untersuchung des Drohneneinsatzes in einer Kommune.
Als weiteres Beispiel nennen die Organisationen die cloudfähige Plattform MEDI:CUS, an die bereits 18 Kliniken in Baden-Württemberg angeschlossen seien und die sich im Pilotbetrieb befinde (wir berichteten).
Mit diesen Aktivitäten wollen die Verantwortlichen zeigen, dass neue Kooperations- und Umsetzungsmodelle einen praktischen Beitrag zur Digitalisierung des öffentlichen Sektors leisten können. Dabei setzen sie nach eigener Darstellung auf die Verbindung öffentlicher Trägerschaft mit unternehmerischen Arbeitsweisen und die Einbindung innovativer Technologieunternehmen.
Angebot zur Zusammenarbeit
Trotz der unterschiedlichen Bewertungen betonen Alkassar und Schreier, dass sie die Forderung von Vitako nach klaren Verantwortlichkeiten und der Vermeidung von Doppelarbeit teilen. Aus ihrer Sicht folgt daraus jedoch nicht, dass neue Angebote grundsätzlich überflüssig seien. Entscheidend sei vielmehr, ob bestehende und neue Strukturen gemeinsam bessere Ergebnisse erzielen könnten.
Konkret unterbreiten sie Vitako drei Vorschläge. Erstens sollen die kommunalen IT-Dienstleister ihre Fachverfahren über die Deutschlandplattform bereitstellen können. Als Beispiel führen die Autoren das Elterngeldverfahren der L-Bank an, das im Rahmen eines Proof of Concept erfolgreich auf die Plattform migriert worden sei und künftig weiteren Bedarfsträgern zur Nachnutzung zur Verfügung stehen solle. Zweitens schlagen sie vor, gemeinsam mit FITKO und govdigital Möglichkeiten einer engeren Zusammenarbeit auszuloten und die jeweiligen Angebote aufeinander abzustimmen. Drittens regen sie an, die Kommunen gemeinsam zu ihren tatsächlichen Bedarfen zu befragen und die Ergebnisse zu veröffentlichen. Damit solle die Diskussion stärker an den Anforderungen der kommunalen Praxis ausgerichtet werden.
Zum Abschluss ihrer Stellungnahme laden Alkassar und Schreier die Vitako-Verantwortlichen zu einem ersten Gespräch im Rahmen der Smart Country Convention ein, die am 13. Oktober 2026 in Berlin begonnen hat.
Ob daraus eine engere Zusammenarbeit entsteht, bleibt abzuwarten. Deutlich wird, dass beide Seiten das Ziel einer leistungsfähigeren kommunalen IT teilen, bei der Frage nach den dafür geeigneten Organisations- und Umsetzungsstrukturen jedoch unterschiedliche Positionen vertreten.
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