Montag, 7. September 2026

urbanOSBetriebssystem für smarte Städte

[20.05.2025] Das Betriebssystem urbanOS des Kölner Start-ups dataMatters soll Städte beim digitalen Infrastrukturmanagement unterstützen – mit föderierter KI, hohem Datenschutz und flexibler Anbindung. Erste Pilotprojekte laufen in über 20 Kommunen.
Diagramm, dass die Funktionsweise von urbanOS zeigt.

Smarte Sensoren sammeln Informationen, die in einen kommunalen Datenraum übertragen und dort mittels KI verarbeitet werden. Das urbanCockpit visualisiert die Ergebnisse.

(Bildquelle: urbanOS/dataMatters)

Das Kölner Start-up dataMatters, eine Ausgründung der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH Aachen), hat mit urbanOS ein eigenes Betriebssystem für Smart Cities entwickelt. Es soll die Digitalisierung kommunaler Infrastrukturen auf einer einheitlichen technischen Basis ermöglichen – von ÖPNV über Energieversorgung und Abfallwirtschaft bis hin zu öffentlicher Sicherheit. Das System ist laut Unternehmen hochskalierbar und damit für kleine Gemeinden ebenso geeignet wie für Großstädte. Über einen eigenen App Store können städtische Einrichtungen oder Unternehmen digitale Dienste zur Integration bereitstellen. Technische Basis ist ein mehrschichtiges Architekturmodell: Sensoren erfassen Umweltdaten, Bewegungsmuster oder Infrastrukturauslastung, die in einem kommunalen Datenraum verarbeitet und mit Künstlicher Intelligenz (KI) ausgewertet werden. Die Ergebnisse werden in einem urbanCockpit dargestellt – sowohl für aktuelle Lagen als auch für künftige Entwicklungen, etwa bei der Verkehrslast oder der Nachfrage im ÖPNV. Prognosen sollen auf dieser Grundlage eine präzisere Steuerung ermöglichen.

KI mit hohem Datenschutzniveau

Ein wesentliches Element ist laut Unternehmen der Einsatz so genannter föderierter KI, bei der Modelle dezentral trainiert werden, ohne dass sensible Daten zentral gespeichert werden. Bereits bei der Erfassung werden Daten so bereinigt, dass keine Rückschlüsse auf Einzelpersonen möglich sind. Das gelte beispielsweise für Bilderkennung bei Verkehrsflüssen oder der Füllstandsmessung von Abfallbehältern, so dataMatters. Die vollständige Datenverarbeitung erfolge in deutschen Rechenzentren. Die Auswahl des konkreten KI-Modells und des Betriebsorts – lokal oder extern – liegt bei den Kommunen. Auf Wunsch liefert der Anbieter komplette Pakete aus Betriebssystem, Datenraum und KI, alternativ können einzelne Komponenten integriert werden. urbanOS ist über ein breites API mit bestehenden Systemen kompatibel und unterstützt laut Anbieter gängige Sensorik, Datenbanken, Netztechnologien (etwa LoRaWAN) und Schnittstellen zu Drittanwendungen und Open-Data-Portalen.

Startphase in über 20 Kommunen läuft

In Dormagen sind beispielsweise Straßenlaternen mit Sensorboxen ausgestattet, die Umweltbelastungen erfassen und zugleich Verkehrsbewegungen dokumentieren. Die Daten dienen der Planung von Stadtfesten, der Hitzevorsorge und der Optimierung des stationären Handels. In Hürth wurden öffentliche Mülleimer mit Sensoren ausgestattet; durch dynamisch geplante Entleerungstouren konnten laut Stadtverwaltung 20 Prozent der Kosten sowie rund 30 Prozent CO₂ eingespart werden. Im Kreis Coesfeld sind derzeit verschiedene Pilotprojekte im Bereich Wasserqualität, Luftreinhaltung, Parkraummanagement und Wildmüllvermeidung in Vorbereitung oder Testbetrieb.

Laut dataMatters läuft urbanOS derzeit in über 20 Kommunen in Deutschland, Belgien, Frankreich und den Niederlanden in der Startphase – deren Namen sollen aber erst bei weiterem Projektfortschritt öffentlich gemacht werden. Der Anbieter positioniert urbanOS explizit nicht nur für Verwaltungsprozesse, sondern als Infrastruktur für städtische Lebensrealität. Angesichts der zunehmenden Urbanisierung und des hohen Ressourcenverbrauchs in Städten ist laut dataMatters eine auf solche Anforderungen zugeschnittene Lösung erforderlich.



Stichwörter: Smart City, dataMatters, KI


Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Smart City

Smart-City-Plattformen: Neuer DIN-Standard veröffentlicht

[07.09.2026] Handlungsempfehlungen für den Aufbau resilienter, skalierbarer und nachhaltiger Smart-City-Infrastrukturen liefert jetzt die neue DIN SPEC 91377 zu „Datenmodellen und Protokollen in offenen urbanen Plattformen“. mehr...

Wolfsburg: Virtuelles Modell für reale Planungen

[02.09.2026] Das virtuelle Wolfsburg ist fertig. Der vollständig auf Open-Source-Technologien basierende digitale Stadtzwilling bündelt unter anderem Klima-, Wetter- und Straßenzustandsdaten und soll städtebauliche Vorhaben anschaulicher machen – für die Planenden ebenso wie für Bürgerinnen und Bürger. mehr...

Lächelnde Frau im geblümten Sommerkleid vor einem großen Monitor.

Hanau: Mit einem Klick informiert

[31.08.2026] Hanau hat eine öffentliche Datenplattform freigeschaltet, die Live-Informationen zu Parkraum, Innenstadtfrequenz und Wetter bündelt. Das browserbasierte Dashboard ist kostenlos und ohne Anmeldung verfügbar und soll um weitere Smart-City-Anwendungen ergänzt werden. mehr...

Drei Menschen mit Spaten, im Hintergrund ein orangefarbenes Baufahrzeug

Grünpflege: Smart Gießen in Augsburg

[31.08.2026] Augsburg baut die sensorgestützte Bewässerung seiner Stadtbäume aus. Messwerte aus mehreren Bodenschichten und Wetterdaten zeigen, wann und wo gegossen werden muss. So will die Stadt Wasser sparen, Pflegefahrten reduzieren und ihr Grün besser durch Trockenperioden bringen. mehr...

Smart-City-Strategie: Für viele Kommunen eine Herausforderung.

Smart City: Offenheit als Schutz vor Abhängigkeiten

[24.08.2026] Kommunen sollten ihre Smart-City-Infrastruktur so aufbauen, dass Systeme verschiedener Hersteller zusammenarbeiten und Daten unter kommunaler Kontrolle bleiben. Armin Mühlberger von sixData hat in einem Interview vor langfristigen Abhängigkeiten gewarnt und sieht offene Schnittstellen als Voraussetzung für flexible und sichere digitale Infrastrukturen. mehr...

Kartenansicht in Grau mit gelben, grünen und orangenen Punkten.

Karlsruhe: Kleinräumige Daten zum Stadtklima

[21.08.2026] Karlsruhe gehört zu den heißesten Städten in Deutschland. Hunderte Klimasensoren erheben nun detaillierte Daten zum Stadtklima, die auf einer Online-Karte ausgewertet werden können. Die Stadt hat bereits vor mehr als zehn Jahren ihre erste Klimaanpassungsstrategie veröffentlicht. mehr...

Ein Wasserhahn, aus dem Euroscheine fließen, wird von der Hand eines Mannes im schauten Anzu zugedreht
bericht

Serie Smart Cities, Teil 5: Digitalisierung verstetigen

[13.08.2026] In vielen Kommunen wurde die Einführung digitaler Lösungen mithilfe von Fördermitteln angestoßen. Was ist nun zu tun, um die Smart-City-Projekte auch nach dem Ende des Förderzeitraums finanzierbar zu machen und fest in den kommunalen Prozessen zu verankern? mehr...

Geflutete Straße in Deutschland, Schild Hochwasser im Vordergrund

Studie: Digitale Hochwasservorsorge

[10.08.2026] Eine neue Publikation aus der Begleitforschung des Programms Modellprojekte Smart Cities zeigt anhand mehrerer Praxisbeispiele, wie digitale Lösungen Kommunen bei der Hochwasservorsorge unterstützen. mehr...

Messfahrzeug zum Erfassen des Straßenzustands

Dresden: Straßenzustand smart erfasst

[07.08.2026] In der Smart City Dresden erfolgt derzeit eine Befahrung im gesamten Stadtgebiet, um den Zustand des Straßennetzes digital zu erfassen. In Kombination mit Sensordaten soll das der Stadt künftig ermöglichen, die finanziellen Mittel für den Straßenbau mit dem größtmöglichen Nutzen einzusetzen. mehr...

Abholboxen für Pässe oder Urkunden unweit des Wiesbadener Bürgerbüros.
bericht

Serie Digitalstädte: Stadt der Pilotprojekte

[04.08.2026] Wiesbaden setzt bei der Digitalisierung auf einen ganzheitlichen Ansatz. Bürgerorientierung steht bei allen Vorhaben im Vordergrund. Gleichzeitig beteiligt sich Hessens Landeshauptstadt an zwei prestigeträchtigen Pilotprojekten des Bundesdigitalministeriums. mehr...

Silke Lehnhardt
interview

Interview: Mehr Mut zum Ausprobieren

[04.08.2026] Silke Lehnhardt hat nach 30 Jahren Privatwirtschaft den Wechsel in die Verwaltung gewagt. In Wiesbaden leitet sie nun das Amt für Innovation, Organisation und Digitalisierung. mehr...

Gruppenbild mit Förderurkunde im Schatten eines Baumes

Dietzenbach: Nachhaltiger und noch smarter

[04.08.2026] Dietzenbach erweitert sein Smart-City-System um ein Energiemonitoring und eine automatisierte Wintergefahrenerkennung. Dafür integriert die Stadt erprobte Anwendungen anderer hessischer Kommunen in ihre bestehende Datenplattform. mehr...

Ein Sensor an einem Baum im Tennenloher Forst, im Hintergrund eine Feuerwehrkraft

Katastrophenschutz: Waldbrände mit KI frühzeitig erkennen

[03.08.2026] Im Rahmen des Projekts SmartForestFire entwickelt das Fraunhofer Cluster für kognitive Technologien CCIT ein KI-gestütztes Frühwarnsystem, um Brände schneller zu erkennen, Fehlalarme zu reduzieren und insbesondere kleinere oder kritische Waldgebiete effizient überwachen zu können. Im Tennenloher Forst bei Erlangen wird es aktuell unter realen Bedingungen erprobt. mehr...

Kassel: Smart-City-App veröffentlicht

[30.07.2026] Die Stadt Kassel hat eine Smart-City-App für Bürgerinnen, Bürger und Gäste veröffentlicht. Die Anwendung bündelt städtische Informationen und Echtzeitdienste auf einer Open-Source-Plattform und soll gemeinsam mit den Nutzenden weiterentwickelt werden. mehr...

Dem Schulwerk unterstehen unter anderem Schulen in Augsburg.

Augsburg: Smart-City-Plattform wächst weiter

[23.07.2026] Augsburg hat seine Smart-City-Plattform technisch und inhaltlich erweitert. Aktuelle Stadt- und Verkehrsdaten lassen sich nun flexibler in Webseiten und Anwendungen einbinden. Teile des Angebots stehen auch in der Augsburg-App bereit. mehr...