Donnerstag, 5. März 2026

InterviewEinfach mal machen

[02.07.2015] E-Government kommt nur langsam voran, weil Geld und Personal fehlen, sagt Olav Neveling. Der Sales Manager, bei Materna für das Geschäft mit der öffentlichen Hand veranwortlich, wünscht sich auch mehr Flexibilität bei der Umsetzung von Projekten.
Olav Neveling

Olav Neveling

(Bildquelle: Materna)

Herr Neveling, durch IT-Systeme soll das Verwaltungshandeln effektiver, bürgernäher und kostengünstiger werden. Wie weit ist aus Ihrer Sicht die IT-gestützte Verwaltungsmodernisierung in Deutschland vorangekommen?

Grundsätzlich muss man unterscheiden zwischen Bund, Ländern und Kommunen. Im kommunalen Bereich gibt es relativ viele Ansätze zur Digitalisierung der Verwaltung. Die Projekte sind allerdings noch nicht komplett lebenslagenorientiert und die Prozesse sind noch nicht durchgängig digitalisiert. Auf Landesebene sehe ich deutlich weniger Ansätze. Und auf Bundes­ebene hätte ich mir gewünscht, dass das E-Government-Gesetz für mehr Schub gesorgt hätte.

Das Gesetz ist seit zwei Jahren in Kraft. Wie bewerten Sie die Regelungen?

Das E-Government-Gesetz des Bundes ist sicherlich ein Motor, um neue Energien freizusetzen für E-Government- oder Open-Data-Projekte. Aber bislang ist doch wenig passiert. Wir führen zwar viele Planungsgespräche mit Bundesverwaltungen, wodurch viele Ideen entstehen, etwa zu ganzheitlichen Prozessen. Aber die Umsetzung kommt nicht voran. Was fehlt, sind die finanziellen Mittel, um entsprechende Projekte umzusetzen. Allein die flächendeckende Einführung der E-Akte auf Bundesebene kostet laut Schätzungen rund 240 Millionen Euro. Nicht mal ein Bruchteil dieser Summe ist in den Haushalten dafür eingestellt.

Materna hat mit der Hochschule Harz eine Studie zum E-Government-Gesetz durchgeführt. Was waren die wesentlichen Ergebnisse?

Die Studie zeigt, dass sich viele Behörden auf allen staatlichen Ebenen intensiv damit auseinandergesetzt haben. Nur zehn Prozent der Behörden meinen, vom EGovG betroffen zu sein. Außerdem hat sich gezeigt, dass die Kommunen bei der Verwaltungsmodernisierung schon weiter fortgeschritten sind. Sie spüren ja auch den Druck der Bürger unmittelbar. Ein Ergebnis war, dass sich viele Behörden mit Spezialthemen wie De-Mail, der eID oder elektronischen Bezahlmöglichkeiten beschäftigen. Aber auch die Hinderungsgründe wurden deutlich genannt: fehlendes Budget und Personal.

Was müssen Bund, Länder und Kommunen jetzt tun, um E-Government voranzubringen?

Es wäre hilfreich, wenn es für E-Government-Projekte aller staatlichen Ebenen ein Investitionsprogramm geben würde. Damit wären Anreize gesetzt, um entsprechende Infrastrukturen aufzubauen. Zudem sollten die E-Services besser beworben werden. Es müsste also ins Marketing investiert und auch ein Akzeptanz-Management eingeführt werden, um Bürger und Unternehmen für die E-Government-Angebote zu begeistern. Wünschenswert wäre zudem eine länderübergreifende IT-Standardisierung und eine noch engere Zusammenarbeit der kommunalen IT-Dienstleister.

„Es wäre hilfreich, wenn es ein Investitionsprogramm für E-Government-Projekte geben würde.“
Wie optimistisch sind Sie, dass ein Investitionsprogramm aufgelegt wird?

(lacht) Wenn ich mir die Aussagen der Politik anhöre, bin ich gar nicht optimistisch. Ein ähnliches Konjunkturpaket der Bundesregierung für E-Government wie in den Jahren 2005 oder 2009 ist leider in weiter Ferne.

Im August findet das 16. ÖV-Symposium in Nordrhein-Westfalen statt. Wie steht Nordrhein-Westfalen im Vergleich zu anderen Bundesländern bei der Verwaltungsmodernisierung da?

Auf dem Symposium werden viele Beispiele vorgestellt, das ist positiv. Ich würde aber nicht von einer Vorreiterrolle sprechen. Noch arbeitet die Landesregierung an einem eigenen E-Government-Gesetz, das sicherlich für weitere Projekte sorgen wird. Das Motto der Veranstaltung lautet „Auf dem Weg zur digitalen Verwaltung“. Das ist nicht ohne Grund gewählt.

Bei Materna ist ja eine neue Geschäftsführung im Amt. Die Gründer Winfried Materna und Helmut an de Meulen sind in den Beirat gewechselt. Wie wirkt sich dies auf das Geschäft mit der öffentlichen Hand aus?

Die Amtszeit ist mit drei Monaten noch viel zu kurz, sodass sich noch kein endgültiges Resumee ziehen lässt. Erste Kontakte durch Herrn Binder im Behördenumfeld spiegeln eine positiv Resonanz wider. Im Zuge der Neuausrichtung der Business Line Government verfolgen wir das Ziel, unsere Behörden-Accounts themen- und lösungsorientiert zu betreuen. Wir werden zwar keine eigenen Produkte entwickeln. Wir werden aber verstärkt mit marktführenden Herstellern von Standardtechnologien zusammenarbeiten, um so Mehrwerte bei der Umsetzung individueller Lösungen für unsere Kunden zu schaffen. Unsere Angebote werden also noch stärker auf die Bedürfnisse der Ämter und Behörden ausgerichtet.

Materna verfügt über Erfahrung aus zahlreichen IT-Projekten in der Wirtschaft. Was kann die öffentliche Verwaltung von den Unternehmen lernen?

Das ist eine schwierige Frage, weil die Ausgangslage der Unternehmen und Behörden ganz unterschiedlich ist. Politische Zwänge, Ressortgrenzen und enge Budgetrahmen sind in Unternehmen nicht so stark ausgeprägt. Neben den bereits genannten Themen Marketing und Akzeptanz-Management möchte ich noch die Risikobereitschaft nennen. Einfach mal Projekte machen, Handlungsspielräume flexibel und kreativ zu nutzen, das können Behörden von der Wirtschaft lernen.

Interview: Alexander Schaeff




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik

NExT/DigitalService: Nachhaltige Verwaltungsmodernisierung

[05.03.2026] Eine gemeinsame Veröffentlichung von NExT und dem DigitalService des Bundes zeigt Wege zu einer wirksamen Verwaltungsdigitalisierung. Dabei wird deutlich: Nachhaltige Effekte und eine echte Digitalrendite entstehen vor allem durch die gezielte Modernisierung der Verwaltungsstrukturen. mehr...

Reihe von Autos, die in einer Straße parkt,, der Bildhintergrund ist unscharf.

DStGB: Praxisnaher Rahmen für Parkraumkontrolle

[02.03.2026] Die Kommunalen Spitzenverbände äußerten sich bei einer Anhörung im Bundestag zu geplanten Gesetzesänderungen, die auch die digitale Parkraumkontrolle betreffen. Sie fordern unter anderem eine praxisgerechte, flexible und technologieoffene Umsetzung ohne zusätzliche Bürokratie. mehr...

Drei offensichtlich gut gelaunte, lachende Männer in formaler Kleidung vor einem Tisch mit Dokumenten, warme Farbstimmung im Bild.

Hessen: Land und Kommunen gestalten Zukunft

[23.02.2026] In Hessen haben das Land und die Kommunalen Spitzenverbände den Zukunftspakt vereinbart, um die kommunale Selbstverwaltung zu stärken. Dies soll durch den Abbau bürokratischer Lasten, eine faire Finanzierung und engere Zusammenarbeit der Ebenen bei der Digitalisierung erreicht werden. mehr...

Porträtaufnahme von Milen Starke.
interview

Thüringen: Digitalisierung auf Kurs

[17.02.2026] Platz vier im Bundesvergleich, Vorreiter bei digitaler Souveränität und Open Source sowie klare Pläne für 2026 – was hinter den Zahlen steckt und wo Thüringen bewusst andere Wege geht, erläutert Landes-CIO Milen Starke im Interview. mehr...

Frankfurt am Main: Neues Transformation Office

[16.02.2026] In Frankfurt am Main übernimmt nun das Transformation Office die Steuerung der Digitalisierungsvorhaben in der Verwaltung. Wurden die Projekte bislang überwiegend dezentral realisiert, sollen diese fortan beim Transformation Office gebündelt und so effizienter und wirkungsvoller umgesetzt werden. Das Office arbeitet mit allen Ämtern der Stadt zusammen. mehr...

Zwei Personen unterzeichnen eine Absichtserklärung

Heidelberg / Hochschule Ludwigsburg: Theorie und Praxis verzahnen

[09.02.2026] Mit dem Ziel, die digitale Modernisierung der Verwaltung voranzutreiben, haben die Stadt Heidelberg und die Hochschule Ludwigsburg jetzt eine Kooperation vereinbart. Geplant sind regelmäßige gemeinsame Forschungsprojekte, aus denen sich Best-Practice-Beispiele auch für andere Kommunen ableiten lassen. mehr...

Wehende Flagge des Landes Schleswig-Holstein vor schwach bewölktem Himmel.

Schleswig-Holstein: Konsequent digital

[28.01.2026] Von Anlagengenehmigung bis zum Wohngeld: Schleswig-Holstein setzt den Roll-out von Onlinediensten und die Digitalisierung der Verwaltung weiter konsequent um. Ein landeseigenes Digitalisierungs-Dashboard soll die Fortschritte künftig visualisieren. mehr...

Bundesminister Wildberger mit den Staatsministern Sinemus und Mehring in einem Sitzungssaal

OZG-Leistungen: Schub für die digitale Verwaltung

[26.01.2026] Der Bund sowie Bayern und Hessen als Pilotländer erproben einen neuen Weg, um digitale Verwaltungsdienste überall anbieten zu können. Dabei finanziert der Bund Roll-in-Teams für die Kommunen, während sich die Länder verpflichten, bis Ende 2026 fünf Online-Dienste landesweit einzuführen. Das Verfahren soll auf andere Länder übertragen werden. mehr...

Mehrere Personen stehen nebeneinander, Claudia Kalisch hält einen Blumenstrauß in den Händen.

Deutscher Städtetag: Lüneburgs OB ist neue Vizepräsidentin

[26.01.2026] Lüneburgs Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch ist die neue Vizepräsidentin des Deutschen Städtetages. Sie folgt auf Katja Dörner, die im Herbst 2025 nicht erneut zur Oberbürgermeisterin gewählt wurde und somit auch aus dem Präsidium des DST ausgeschieden ist. mehr...

Mehrere Personen stehen nebeneinander in einem Raum.

Potsdam: Neuer Digitalisierungsrat

[19.01.2026] In Potsdam hat sich der zweite Digitalisierungsrat der Stadt konstituiert. Er soll in den kommenden drei Jahren den digitalen Wandel der brandenburgischen Landeshauptstadt begleiten und bringt dafür Expertise aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft ein. mehr...

Zwei Personen reichen sich die Hände.

Saarland: Dritte Auflage des E-Government-Pakts

[08.01.2026] Das Saarland und die Kommunen haben die dritte Auflage ihres E-Government-Pakts unterzeichnet. Das Land wird demnach die Kommunen bei der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes (OZG) und beim Ausbau digitaler Angebote unterstützen. Ein gemeinsames IT-Steuerungsgremium wird die vereinbarten Maßnahmen begleiten. mehr...

Ein fehlendes Puzzleteil wird in ein Puzzle eingesetzt.

GovTech Kommunal: Kommunen digital handlungsfähig machen

[18.12.2025] Die Initiative GovTech Deutschland hat ihr Angebot um den Verein GovTech Kommunal erweitert. Es soll damit eine bundesweite Einheit geschaffen werden, welche die kommunale Digitalisierung systematisch bündelt und konsequent an den Bedarfen der Städte, Gemeinden und Landkreise ausrichtet. Die Mitgliedschaft steht mit gestaffeltem Beitragsmodell allen Kommunen offen. mehr...

Abgedunkelter Saal mit Publikum, im Bildhintergrund eine helle Bühne mit Projektion "Kick-off Roadshow Hanau", zwei Personen auf der Bühne

Hanau: Stadtweite IT neu ausgerichtet

[18.12.2025] Hanau hat sich das Ziel gesteckt, bis 2030 die Digitalisierung der gesamten „Unternehmung Stadt“ abzuschließen. Dazu werden Entscheidungs-, Verantwortungs- und Budgetstrukturen künftig an einer Stelle gebündelt, zudem soll die Stelle des CDO geschaffen werden. mehr...

Ein Bürotisch ist komplett von unterschiedlichen Stapeln an Dokumenten bedeckt.

Deutscher Landkreistag: Kommunen in Modernisierungsagenda einbinden

[11.12.2025] Die von Bund und Ländern vereinbarte föderale Modernisierungsagenda bewertet der Deutsche Landkreistag (DLT) als positiv. Damit Bürger, Unternehmen und Kommunen jedoch tatsächlich entlastet werden, ist ein enger Schulterschluss mit Landkreisen, Städten und Gemeinden bei der Umsetzung erforderlich. mehr...

Porträt von Lydia Hüskens

Sachsen-Anhalt: Zentrale Serviceagentur für Kommunen

[08.12.2025] Eine Machbarkeitsstudie aus Sachsen-Anhalt zeigt, dass eine zentrale Serviceagentur für Kommunen Verwaltungsabläufe beschleunigen und verbessern kann. Digitalministerin Lydia Hüskens kündigte an, dass ab 2026 sukzessive eine Unterstützungseinheit für Kommunen umgesetzt werden soll. mehr...