EmsdettenMensch im Mittelpunkt

Die Handlungsfelder zur Emsdettener Smart-City-Strategie.
(Bildquelle: Stadt Emsdetten)
Die Stadt Emsdetten hat schon früh verschiedene Einzelprojekte initiiert, die zur Verwirklichung einer Smart City beitragen. So wurde beispielsweise mit der städtischen Tochtergesellschaft tkrz der Ausbau der Glasfaserinfrastruktur angegangen. Als unterversorgt gelten im Stadtgebiet aktuell nur noch Teile des Außenbereichs. Und auch diese werden mit finanzieller Unterstützung von Bund und Land bis zum Herbst mit Glasfaser versorgt. Bürgermeister Georg Moenikes ist stolz auf den Fortschritt: „Die Anbindung der gesamten Bevölkerung an schnelles Internet ist ein elementarer und unverzichtbarer Grundstein für unsere weiteren Bestrebungen zur Smart City.“ Um die Entwicklungen auch künftig aktiv, systematisch und zielgerichtet fortzuführen, hat sich die Stadt aus dem nördlichen Münsterland Ende 2018 mit ihrer Smart-City-Strategie ein Handlungsprogramm für die Jahre 2019 bis 2022 auferlegt.
Handgemalte Zeichnungen statt technischer Symbole
Zu Beginn des Prozesses wurde eine eigene Definition des Smart-City-Begriffs erarbeitet. Anschließend sollte Klarheit über die schon erreichten Bausteine zur Smart City geschaffen werden. Im Rahmen einer Bestandsaufnahme wurden daher die Mitarbeiter der unterschiedlichen Fachdienste mittels eines offen gestalteten Gallery Walks zur Interaktion aufgerufen. Dabei wurden sämtliche initiierten und abgeschlossenen Maßnahmen mit Bezug zur Smart City gesammelt. Zusätzlich wurden je Maßnahme der jeweilige Nutzen, die betroffenen Zielgruppen sowie der Bearbeitungsstand zusammengetragen. Ausgehend von diesen Ergebnissen wurde die strategische Ausrichtung für die Jahre 2019 bis 2022 erstellt.
Ziel war es, eine Strategie zu entwickeln, die allen Akteuren sowie Betroffenen überzeugend vermittelt werden kann und ihnen eine strategische Leitlinie (Roadmap) für die kommenden Jahre vorgibt. Sie ergänzt dabei die bereits seit 2007 existierenden strategischen Schwerpunkte der Stadt Emsdetten. Verbindlichkeit für alle Beteiligten wurde über einen einstimmigen Beschluss des Stadtrats vom 18. Dezember 2018 hergestellt.
Über sechs verschiedene Handlungsfelder möchte die Stadt möglichst alle Interessensgruppen ansprechen. Dieses Bestreben wird auch direkt in der Strategie sichtbar: Statt auf technische Symbole und Darstellungen zu setzen, wurden bewusst handgemalte Zeichnungen verwendet. „Wir erhoffen uns damit, einen besseren Zugang zur Thematik herzustellen. Gegen die Digitalisierung bestehen vor allem bei weniger technikaffinen Teilen der Bevölkerung Vorbehalte. Diese möchten wir ihnen nehmen“, erläutert Margit Richters, Leiterin des Teams Strategie und Kommunikation. Vielmehr sollen die Chancen und positiven Effekte vermittelt werden, welche die Digitalisierung mit sich bringt.
Prozesse medienbruchfrei umsetzen
Im Mittelpunkt aller Aktivitäten der Stadt Emsdetten zur Smart City steht immer der Mensch. Konkret geht es darum, wie dieser digital und nachhaltig besser unterstützt werden und somit besser leben kann. Die Technik ist dabei nur der Weg zum Ziel beziehungsweise das Mittel zum Zweck.
Die Umsetzung der Strategie erfolgt in den Jahren 2019 bis 2022 dezentral in den jeweiligen Fachdiensten. So ist beispielsweise vorgesehen, alle internen und externen Abläufe und Prozesse der Stadtverwaltung zu digitalisieren sowie den Bürgern und der Wirtschaft möglichst viele Dienstleistungen rund um die Uhr anzubieten. Über ein neues Bürgerportal sollen die Anliegen medienbruchfrei in die Fachverfahren überführt, elektronisch weiterverarbeitet und das Ergebnis möglichst ebenfalls digital zur Verfügung gestellt werden. Eine interdisziplinäre Projektgruppe, bestehend aus Experten der Aufgabengebiete IT, Organisation und Prozess-Management, erarbeitet mit den jeweiligen Fachdiensten passgenaue und funktionale Lösungen. Dabei geht es nicht nur um die Umsetzung des gesetzlichen Auftrags aus dem Onlinezugangsgesetz (OZG). Die Herausforderung besteht vielmehr darin, die Prozesse vollumfänglich medienbruchfrei umzusetzen.
Ausgezeichnete Strategie
Die Stadt strebt darüber hinaus die Etablierung eines DigiHUB-Satelliten in Emsdetten an. Darunter sind gut erreichbare physische Standorte bestehend aus Arbeits-, Veranstaltungs- und Netzwerkbereichen zu verstehen, die unter der Betreuung eines HUB-Managers den Mittelstand mit digitalen Start-ups vernetzen, auf Trends und Möglichkeiten der digitalen Wirtschaft hinweisen sowie den lokalen Start-up- und Innovationsstandort fördern. Träger ist der Verein münsterLAND digital; die Stadt Emsdetten unterstützt diesen in nicht unerheblichem Maße. Aber auch vermeintlich kleinere Projekte sorgen für stetigen Fortschritt auf dem Weg zur Smart City. So wird Emsdetten im laufenden Jahr einen Elektro-Bürgerbus anschaffen. Die Technik für diesen Fahrzeugtyp ist noch nicht sehr weit verbreitet. Der Stadt Emsdetten ist jedoch daran gelegen, sie weiter voranzutreiben.
Dass der von der Kommune eingeschlagene Weg auch außerhalb des Stadtgebiets anerkannt wird, zeigt die Auszeichnung im Rahmen des Wettbewerbs Stadt.Land.Digital des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, für den 218 Beiträge aus dem gesamten Bundesgebiet eingereicht wurden. Die Strategie der Stadt Emsdetten war eine von drei Gewinnerinnen (wir berichteten). Bürgermeister Georg Moenikes sagt: „Wir konnten bereits einige Projekte erfolgreich umsetzen. Die Auszeichnung nehmen wir zusätzlich als Motivation, diesen Weg konsequent fortzusetzen – und zwar Schritt für Schritt. Damit wir durch unsere Aktivitäten zur Smart City immer wieder neuen Nutzen für Emsdettens Bürgerinnen und Bürger schaffen.“
Dieser Beitrag ist in der Ausgabe August 2019 von Kommune21 erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren.
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