Freitag, 17. April 2026

D21-Digital-IndexProbleme beim digitalen Unterricht

[22.01.2021] Im Juli 2020 hat die Initiative D21 Lehrkräfte, Schüler und Eltern zu ihren Erfahrungen und Erwartungen rund um den digitalen Unterricht in der Corona-Pandemie befragt. Lehrkräfte blieben demnach zu oft auf sich allein gestellt. Gleichzeitig besteht eine große Offenheit für mehr Digitalisierung.
Trotz Hürden beim Homeschooling: Lehrer

Trotz Hürden beim Homeschooling: Lehrer, Schüler und Eltern haben Lust auf mehr Digitalisierung im Unterricht.

(Bildquelle: Elena Skorobogatova / 123rf.com)

Wie Lehrkräfte, Schüler und Eltern den digitalen Schulunterricht in der Corona-Pandemie erleben, hat die Initiative D21 für ihren D21-Digital-Index 2020 / 2021 untersucht. Bei dem Index handelt es sich laut den Herausgebern um eine repräsentative Studie der Initiative D21, durchgeführt von Kantar. Die Befragung sei per face-to-face-Interview (CAPI) im Juli 2020 erfolgt und habe die deutschsprachige Wohnbevölkerung ab 14 Jahren erfasst. Bei den nun vorliegenden Ergebnissen handelt es sich laut Initiative D21 um Vorabergebnisse. Die gesamte Studie soll im Februar 2021 veröffentlicht werden.
Zwei Drittel der Befragten haben demnach beim digitalen Unterricht Hürden erlebt. Als häufigstes Problem werde die uneinheitliche Vorgehensweise genannt, wie und wo Unterrichtsmaterial zur Verfügung gestellt wird (42 Prozent). Die Hälfte gab laut der Untersuchung an, dass nur die Materialübermittlung digital erfolgte, die Lehrmittel und Bearbeitung ansonsten aber analog blieben. Zweithäufigstes Problem beim digitalen Unterricht war laut der Studie die Selbstorganisation. Die Schüler haben diese Hürde laut der Untersuchung zwar seltener genannt, empfanden sie jedoch im Unterschied zu Eltern oder Lehrkräften häufiger als größte Belastung.

Strategische Unterstützung fehlt

Eine seltenere Hürde bestand laut der Studie dagegen in der Infrastruktur: 16 Prozent der Betroffenen gaben an, nicht über genügend Geräte zu verfügen, 14 Prozent beklagten eine zu schlechte Internet-Verbindung. Hier berichten vor allem die Lehrkräfte von Problemen. „Corona verdeutlicht, dass effektiver digitaler Unterricht weit mehr erfordert als die Ausstattung mit Computern und Internet“, sagt Hannes Schwaderer, Präsident der Initiative D21. „Ob Lehrkräfte, Schüler oder Eltern – alle Seiten berichten von Hürden. Schulen brauchen mehr strategische Unterstützung: Bei den Veränderungen im Bereich der Organisation, der Entwicklung von Digitalkonzepten, sowie Investitionen in professionelle IT-Betreuung und Personalentwicklung. Hierfür würde sich eine Taskforce aus Bund und Länder zusammen mit Praktikern anbieten, um einen Fahrplan für die Umsetzung zu erarbeiten.“

Lehrkräfte wollen Fortbildungen

Mehr als 80 Prozent der Befragten geben in der Studie an, dass digitaler Unterricht den Präsenzunterricht nicht ersetzen kann. Trotzdem haben sowohl Schüler als auch Lehrkräfte Lust auf mehr Digitalisierung. Sie wünschen sich laut der Befragung mehr Bewegung und Flexibilität im Bildungswesen: Knapp drei Viertel wünschen sich demnach, dass öfter neue Lernformen oder digitale Arbeitsweisen ausprobiert und gegebenenfalls wieder verworfen werden, wenn sie nicht funktionieren. Die Mehrheit aller Befragten (78 Prozent) befürworte zudem, dass Lehrkräfte künftig verpflichtende Fortbildungen dazu erhalten, wie sie digitale Lernformate nutzen können. Dem stimmen auch die Lehrkräfte selbst in besonders hohem Maße zu, berichten die Herausgeber der Studie. „Lehrkräfte bleiben bei der Umsetzung des digitalen Unterrichts zu oft auf sich gestellt, während auf ihnen die größte Verantwortung lastet“, sagt dazu Professor Barbara Schwarze aus dem Präsidium der Initiative D21. Sie fordert: „Wir müssen Lehrkräften viel stärker den Rücken freihalten, damit sie sich auf Inhalte und pädagogische Methoden konzentrieren können. Für die deutlich vermehrten organisatorischen Aufgaben müssen Schulträger und Politik neue Lösungen finden. Dazu gehört ein konkreter Werkzeugkasten an digitalen Tools und Plattformen, die alle notwendigen Anforderungen erfüllen und aus denen die Lehrkräfte sich bedienen können. In diesem Rahmen braucht es auch eine Offenheit für Trial-and-Error. Parallel dazu benötigen die Lehrkräfte gezielte Weiterbildungen zum Ausbau ihrer digitalen Kompetenzen.“

Mehr digitale Anwendungen nach Corona

70 Prozent der Befragten erwarten, dass es nach der Corona-Pandemie mehr digitale Anwendungen im Bildungsbereich geben wird, berichten die Studienherausgeber weiter. Die meisten von ihnen gehen davon aus, dass künftig mehr digitale Medien und Materialien im Unterricht eingesetzt (72 Prozent) und Schulen besser mit digitaler Infrastruktur ausgestattet werden (70 Prozent). Die große Mehrheit der Befragten, die von diesen Veränderungen ausgehen, stehe dem digitalen Wandel im Bildungsbereich positiv gegenüber (82 Prozent). Mehr als die Hälfte aller Befragten (60 Prozent) befürchte jedoch, dass die Pandemie Ungerechtigkeiten im Bildungswesen verschärft. Dass fast ein Jahr nach Beginn der Pandemie der digitale Fernunterricht noch immer Probleme verursacht, kritisieren derweil Achim Berg, Präsident des Digitalverbands Bitkom (wir berichteten) und Software-Anbieter AixConcept (wir berichteten).





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