Mittwoch, 1. Juli 2026

Bundestagswahl„Sicherheit hat oberste Priorität“

[07.06.2021] Cyber-Angriffe und Desinformation sind im Vorfeld von Wahlen normal geworden. Bundeswahlleiter Georg Thiel und der Chef des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Arne Schönbohm, warnten bei einem Pressegespräch vor einer komplexen Bedrohungslage.
Bundeswahlleiter Georg Thiel warnt vor irreführenden und falschen Informationen zur Bundestagswahl.

Bundeswahlleiter Georg Thiel warnt vor irreführenden und falschen Informationen zur Bundestagswahl.

(Bildquelle: Der Bundeswahlleiter)

Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am gestrigen Sonntag (6. Juni 2021) stehen noch sechs Wahlen in diesem Jahr an, als größte und wichtigste sicherlich die Bundestagswahl am 26. September. Im Vorfeld gilt das Augenmerk vieler staatlicher Institutionen, allen voran der Bundeswahlleiter und des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) als zuständige Sicherheitsbehörde, den potenziellen Gefahren und Gefährdungen im Wahlumfeld und in der Kommunikation. Insbesondere die sozialen Medien geraten ins Blickfeld der Sicherheitsfachleute, da dort schon bei vorherigen Wahlen gezielte Desinformation betrieben wurde. Zudem führe die zunehmende Digitalisierung dazu, dass sich die Menschen immer mehr im Internet informieren. Auch zeigen Erfahrungen aus dem Ausland, dass Cyber-Angriffe und Desinformation zu einer neuen Normalität im Vorfeld von Wahlen geworden sind.

Fake News und Cyber-Angriffe

„Sicherheit hat oberste Priorität“, sagte Bundeswahlleiter Georg Thiel Mitte Mai bei einem Pressegespräch des BSI. Alle Beteiligte arbeiteten eng und seit Langem zusammen. Neben dem Bundeswahlleiter sind das die Landeswahlleitungen, das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe und das BSI. Insgesamt 700.000 Helferinnen und Helfer sind am Wahltag im Einsatz. Da der Bundeswahlleiter für die organisatorische Vorbereitung und Bekanntgabe des vorläufigen Wahlergebnisses verantwortlich ist, muss sichergestellt sein, dass die Durchführung der Wahl und die Bekanntgabe ordnungsgemäß verlaufen. Thiel machte in diesem Zusammenhang auf verstärkt irreführende und falsche Informationen aufmerksam, die in Umlauf gebracht würden. Unterschiedliche Akteure würden gezielten Einfluss auf die Meinungsbildung durch Desinformationskampagnen und Cyber-Angriffe ausüben.

Sicherheitsbehörden im Einsatz

Vor allem in sozialen Netzwerken machen Falschinformationen leicht die Runde. Thiel nannte das Beispiel von Fotos, die offene und auch während der Phase der Briefwahl für jeden zugängliche Wahlurnen zeigen. „Dieser Einfluss kann sich insbesondere gegen die souveräne politische Willensbildung der Bundesrepublik Deutschland und der Wähler richten.“ Es habe sich gezeigt, dass sowohl inländische als auch Akteure fremder Staaten die Urheber solcher Falschinformationen sein können, sodass sowohl das Bundesministerium des Innern als auch die Sicherheitsbehörden (Bundesamt für Verfassungsschutz, Bundeskriminalamt, Nationales Cyberabwehrzentrum) das Geschehen sehr genau beobachten.
Von einer komplexen Bedrohungslage spricht BSI-Präsident Arne Schönbohm und warnt vor Störungen und Sabotageversuchen etwa durch Trojaner: „Schon die Verbreitung von Mutmaßungen, dass es Manipulationen gegeben haben könnte, könnte Zweifel an der Legitimität des Wahlergebnisses schüren.“ Vorfälle wie die Angriffe auf die Mitgliederanmeldeformulare beim CDU-Parteitag, die Solarwinds-Hacks oder auf die Angriffe auf Nexxt-Change-Email-Clients, die in Verwaltungen, Parteien und Verbänden eingesetzt werden, legten nahe, dass „die IT-Sicherheitslage im Wahljahr 2021 möglicherweise bedrohlicher ist als sonst“. Auch im Ausland habe es Spionageangriffe etwa auf das Wahlkampf-Team im US-Präsidentschaftswahlkampf gegeben oder in Frankreich die Macron-Leaks.

Rotes Telefon

Um die Integrität der Wahl zu schützen, setzt das BSI laut Schönbohm auf Prävention, Detektion und Reaktion für Staat, Wirtschaft und Gesellschaft. Es gelte sowohl den Kernwahlprozess zu stärken als auch die Resilienz gegen technische Manipulationsversuche zu erhöhen. Hier sieht sich das BSI zusammen mit den Sicherheitsbehörden gut aufgestellt und leistet Unterstützung bei der Absicherung der IT und der elektronischen Abstimmung. In die Resilienz ist auch das Wahlumfeld einbezogen, das heißt sowohl die Parteien als auch ihre Kandidaten. Die Lagebeobachtung bezieht auch soziale Medien mit ein und leistet Beratung und Unterstützung bei Vorfällen. Schönbohm erklärte: „Wir haben ein so genanntes Rotes Telefon zu den IT-Verantwortlichen der Plattformen eingerichtet, das heißt, Facebook, Google, Twitter und andere sind für uns jederzeit erreichbar.“
Darüber hinaus hat das BSI Sensibilisierungskampagnen in Form von Webinaren angeboten, an denen bislang 176 Mitglieder des Bundestags teilgenommen haben. Zu den weiteren organisatorischen und informationstechnischen Maßnahmen zählen die Notfallplanung mit Krisenstäben und Rufbereitschaften und ein enger Austausch mit den Sicherheitsbehörden. An die Bürgerinnen und Bürger appellierte Schönbohm, ihre Geräte auf dem neuesten Sicherheitsstand zu halten, sodass Missbrauch durch Bot-Netze oder Kampagnen mit Fake-Absender verhindert werden. Auch solle man nicht jede Nachricht aus dem Netz unbesehen glauben, sondern kritisch hinterfragen und auf dubiose Quellen prüfen.

Abwehr staatlich unterstützter Desinformation

Dass gerade soziale Netzwerke zum Problem geworden sind, zeigt auch die jüngste Initiative der Bundesregierung. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, ist Deutschland zur Abwehr von Desinformationskampagnen vor allem aus Russland nun der Internationalen Partnerschaft zur Abwehr staatlich unterstützter Desinformation (IPCSD) beigetreten, die 2018 auf Betreiben Großbritanniens gegründet wurde. Der Auswärtige Dienst der EU sieht Deutschland im gezielten Fokus russischer Desinformation. In einer Datenbank seien seit 2015 schon 700 Fälle registriert worden.

Helmut Merschmann




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik
Porträt Landrat Dr. Achim Brötel

Deutscher Landkreistag: Landkreise als Innovationsräume

[25.06.2026] Digitale Modernisierung muss in der kommunalen Praxis ankommen: Der Deutsche Landkreistag dringt im Austausch mit Bundesdigitalminister Karsten Wildberger darauf, Landkreise bei zentralen Vorhaben der Staatsmodernisierung frühzeitig einzubinden. mehr...

Dr. Annika Busse - Hamburg CIO
interview

Hamburg: Gemeinsam mehr erreichen

[24.06.2026] Seit Ende vergangenen Jahres ist Annika Busse neue Hamburg-CIO. Im Interview spricht sie über Mitarbeitermotivation, Ziele für Hamburgerinnen und Hamburger sowie die Verwaltung und darüber, woran sie am Ende ihrer Amtszeit gemessen werden möchte. mehr...

von rechts: Mehring, Sinemus, Wildberger, daneben noch weitere (unbekannte) Personen

BMDS/Bayern: Kooperation zur flächendeckenden Digitalisierung

[23.06.2026] Im Rahmen einer Pilotkooperation wollen das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) und das Bayerische Staatsministerium für Digitales (StMD) bis Ende dieses Jahres in allen bayerischen Kommunen zentrale digitale Verwaltungsleistungen bereitstellen. Die Rolle des Generalunternehmers auf Ebene des Landes übernimmt die AKDB. mehr...

zwei Männer geben sich die Hand_Karsten Wildberger_mario Voigt

Thüringen: Wichtige Online-Dienste für alle Kommunen

[11.06.2026] Thüringen und der Bund wollen fünf Verwaltungsleistungen bis Ende März 2027 landesweit digital verfügbar machen. govdigital und KIV Thüringen sollen die Online-Dienste in den Thüringer Kommunen bis zur vollständigen Betriebsfähigkeit integrieren. mehr...

Niedersachsen: Im Maschinenraum der Verwaltungsdigitalisierung

[28.05.2026] Seit April unterstützt eine Taskforce niedersächsische Kommunen dabei, wichtige Verwaltungsleistungen online anzubinden. Die Beteiligten arbeiten eng zusammen, um technische, organisatorische und finanzielle Hürden für den Einsatz der Online-Dienste aus dem Weg zu räumen – mit Erfolg. mehr...

bericht

re:publica26: Vom Ankündigen zum Liefern

[21.05.2026] Auf der Digitalkonferenz re:publica26 zieht Bundesdigitalminister Karsten Wildberger eine Jahresbilanz und spricht sich resolut für mehr digitale Souveränität und Open Source aus. mehr...

Komm.ONE: Landesregierung strebt engere Zusammenarbeit an

[18.05.2026] Die neue Landesregierung in Baden-Württemberg will Landes-IT und kommunale IT künftig enger zusammenführen und ein gemeinsames Rechenzentrum aufbauen. Komm.ONE unterstützt die Pläne und sieht darin eine wichtige Grundlage für die weitere Digitalisierung der Verwaltung. mehr...

Offizielles Porträt von Bundesdigitalminister Karsten Wildberger

Ein Jahr BMDS: Gute Ansätze – zu wenig Verbindlichkeit

[07.05.2026] Ein Jahr nach dem Start des Digitalministeriums ziehen weitere Branchenverbände Bilanz. Die Open Source Business Alliance fordert mehr Verbindlichkeit bei Open Source und digitaler Souveränität, der BREKO verlässliche Rahmenbedingungen für den Glasfaserausbau. mehr...

Mitglieder des Digitalausschusses des DStGB

DStGB: Umsteuern zur rein digitalen Verwaltung

[30.04.2026] Wie digitale Lösungen, Automatisierung und Künstliche Intelligenz zur Modernisierung des Staates beitragen und so für die dringend nötige Entlastung der Kommunen sorgen können, diskutierte der Ausschuss für Digitalisierung des Deutschen Städte- und Gemeindebunds auf seiner Frühjahrstagung.
 mehr...

Vitako: Impulse für die Digitalisierung

[29.04.2026] Auf der Vitako-Mitgliederversammlung haben Deutschlands kommunale IT-Dienstleister zentrale Weichen für die Verwaltungsdigitalisierung gestellt. Im Fokus standen der Deutschland-Stack, die interföderale Marktentwicklung, das Zukunftsbild der kommunalen IT sowie Fragen der digitalen Souveränität.  mehr...

Bitkom: Schulen erhalten Smart-School-Siegel

[24.04.2026] Bundesbildungsministerin Karin Prien hat in Berlin Schulen für herausragende digitale Bildungskonzepte ausgezeichnet. Der Wettbewerb des Branchenverbands Bitkom zeigt, wie sich digitale Innovationen im Unterricht erfolgreich umsetzen lassen und künftig stärker verbreitet werden sollen. mehr...

Porträt von Heiko Geue

Mecklenburg-Vorpommern: Schub für die Registermodernisierung

[21.04.2026] Mecklenburg-Vorpommern hat bis zu 150 Millionen Euro für Registermodernisierung und Maßnahmen für mehr IT-Sicherheit freigegeben. Land und Kommunen betonen die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit bei der Verwaltungsdigitalisierung. mehr...

Deutschland hat früh digitale Ambitionen entwickelt.

IT-Planungsrat: Kommunen scheuen EfA-Kosten

[17.04.2026] Eine neue Studie des IT-Planungsrats zeigt, warum Online-Dienste von Bürgern zu wenig genutzt und von Kommunen kaum nachgenutzt werden. Sie schlägt eine föderale Antragsplattform mit kommunalen Marken, Ende-zu-Ende-Digitalisierung und einer Cloud-Infrastruktur vor. mehr...

Niedersachsen beschließt IT-Strategie  „Digitale Verwaltung 2025“.

BMDS/Niedersachsen: Fokusleistungen in alle Kommunen

[16.04.2026] Mit einem neuen Ansatz will das BMDS digitale Verwaltungsleistungen in die Fläche bringen. Kernstück ist die Beauftragung eines Generalunternehmers, der die Ende-zu-Ende-Verantwortung für den Roll-out in den Kommunen übernimmt. Nach Bayern und Hessen hat nun Niedersachsen eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. mehr...

Porträt Jasmin Grünschläger
interview

Interview: Wir sitzen im gleichen Boot

[02.04.2026] Im Märkischen Kreis haben sich mehrere Kommunen zum Netzwerk Digitalisierung und E-Government zusammengeschlossen. Welchen Mehrwert der interkommunale Austausch bringt, beschreibt Jasmin Grünschläger, Digitalisierungsbeauftragte der Stadt Menden. mehr...