Freitag, 3. Juli 2026

StuttgartDigitalisierung der städtischen Logistik

[29.11.2022] Hohes Paketaufkommen und Flächenkonkurrenz auf den Straßen erfordern ein Management städtischer Lieferzonen. Die Stadt Stuttgart hat dazu ein Pilotprojekt durchgeführt und die gewonnenen Erkenntnisse in einer Studie vorgelegt.

Wie kann der Lieferverkehr in dicht besiedelten Städten smart und nachhaltig organisiert werden? Im Auftrag der Stadt Stuttgart (Abteilung Koordination S21/Rosenstein und Zukunftsprojekte) hat das Fraunhofer‐Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO gemeinsam mit dem Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement IAT der Universität Stuttgart und dem spanischen Technologie‐ und Plattformanbieter ParkUnload untersucht, ob ein digitales Lieferzonen‐Management in der baden-württembergischen Landeshauptstadt eingeführt werden kann. Die Ergebnisse des Projekts „Smart Zone Stuttgart“ werden in einer Studie vorgestellt.
Mit dem Vorhaben „Smart Zone Stuttgart“ begann im November 2020 das deutschlandweit erste Pilotprojekt zum Thema digitale Lieferzonen. Dabei sollte erprobt werden, wie Daten des Wirtschaftsverkehrs mithilfe digitaler Technologien in Echtzeit erfasst werden können und wie der Lieferverkehr intelligent gesteuert werden kann. Zenrale Bausteine des Pilotvorhabens in Stuttgart sind eine Smartphone‐App (wir berichteten) in Kombination mit sensorbasierten Hinweisschildern. Mithilfe der App konnten Dienstleister wie Hermes, DHL, DPD und UPS die Verfügbarkeit freier Lieferzonen in Echtzeit prüfen und zum Be- oder Entladen direkt anfahren. Fahrzeuge, die eine der teilnehmenden Lieferzonen erreichen, werden per Bluetooth erfasst und die Lieferzone innerhalb der App dann als besetzt angezeigt.

Erkenntnisse aus der Praxis

In Zusammenarbeit mit dem lokalen Handel und Gewerbe und den beteiligten Lieferdienstleistern konnten durch das Projekt detaillierte Erkenntnisse zur Anliefersituation vor Ort gewonnen werden. Allerdings habe sich gezeigt, dass aufgrund der aktuellen rechtlichen Rahmenbedingungen eine Reservierung oder Buchung von Lieferzonen nicht umgesetzt werden konnte, sagte Volker Zahn, der Wirtschaftsverkehrsbeauftragte der Stadt. Daher lautet die Empfehlung der Wissenschaftler an die Stadt Stuttgart, sich künftig verstärkt auf die Erhebung und Bereitstellung von Echtzeitdaten zur Verkehrssituation und der Belegung von Flächen im Straßenraum zu konzentrieren. Darauf könnten dann zukünftig App‐Anbieter und andere Technologieentwickler aufbauen, hofft Zahn.
Bestätigen konnte sich durch den Test allerdings die Nutzungsakzeptanz der Lieferzonen-App bei den beteiligten ausliefernden Unternehmen. Auch zur Integration der Lösung in bestehende Systeme und hinsichtlich der Auswahl geeigneter Zonen wurden wichtige Erkenntnisse gewonnen.
Das Forschungsteam sieht aber gleichzeitig noch viel Handlungsspielraum: Städtische Logistik und die damit einhergehenden Auswirkungen auf Straße und Flächen müssten klarer kommuniziert und die Umsetzung von Pilotprojekten unter Einbindung aller verantwortlichen Akteure stärker vorangetrieben werden, so ein Fazit der Studie. Dabei müssten nicht nur städtische Ämter, Lieferdienste und Forschungsinstitute übergreifende Zusammenarbeit leisten, sondern auch Gewerbetreibende und die Bürgerschaft eingebunden werden.

Ergebnisse auf andere Städte übertragbar

Mit dem Pilotprojekt „Smart Zone Stuttgart“ konnten nach Angaben der Stadt relevante Erkenntnisse für alle Städte deutschlandweit gewonnen werden, die sich mit dem Thema Digitalisierung von Lieferzonen beschäftigen. Bereits während der Projektlaufzeit bestand ein inhaltlicher Austausch mit anderen Städten, darunter Berlin, Hamburg, München und Bonn. Insbesondere mit Blick auf die aktuellen Herausforderungen wie die Veränderungen in der Bestellkultur, die Zunahme des Paketaufkommens und die zunehmende Flächenkonkurrenz in urbanen Räumen seien nachhaltige Konzepte umso gefragter, heißt es aus Stuttgart. Die Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt könnten für einen städteübergreifenden Austausch genutzt werden, um Grundlagen für ein standardisiertes, digitales Lieferzonen-Management sowie für die Erhebung quantitativer Daten zum Wirtschaftsverkehr zu erarbeiten.
Die Stadt Stuttgart will die Situation der Lieferzonen mit einer vertiefenden Untersuchung weiter analysieren und technologische Möglichkeiten prüfen, um Lieferprozesse in der Innenstadt künftig nachhaltiger und bedarfsorientierter zu organisieren. Dabei entstehende Ideen könnten dann in ein gesamtstädtisches Citylogistik‐Konzept der Stadt integriert werden.





Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Smart City
Grafik zur urbanen Datenplattform in Aalen
bericht

Aalen / Heidenheim: Hoher Praxisnutzen

[29.06.2026] In Aalen und Heidenheim wird Smart City praxisnah: Sensoren liefern Daten zu Glatteis, Pegelständen und weiteren Risiken. Eine gemeinsame Plattform verbindet diese Informationen und unterstützt Verwaltung, Feuerwehr und Bauhof im Alltag. mehr...

Fahrraddaten Screenshot Digitaler Zwilling

Wiesbaden: Positive Bilanz zum Digitalen Zwilling

[29.06.2026] Der Digitale Zwilling Wiesbaden hat sich für die Stadt seit seinem Start im Sommer vergangenen Jahres bereits zu einem wichtigen Werkzeug für Planung, Beteiligung und Information entwickelt. 
 mehr...

Mehrere Personen eröffnen die Digitalen Tage Hamm 2026 durch drücken auf einen symbolischen Startknopf

Hamm: Smart-City-Strategie beschlossen

[29.06.2026] Im Rahmen ihrer Digitalisierungsstrategie hat die Stadt Hamm in den vergangenen Jahren zahlreiche Maßnahmen angestoßen und teils bereits umgesetzt. Für den Zeitraum 2027 bis 2032 wird die Strategie nun als Smart-City-Strategie fortgeschrieben. Die Bürger können mitbestimmen, welche Themen künftig stärker in den Fokus rücken sollen. mehr...

Auf einem Monitor ist der Digitale Zwilling einer Stadt zu sehen

Serie Smart Cities, Teil 3: Mit Zwilling planen

[25.06.2026] Urbane Digitale Zwillinge erlauben es Kommunen, Daten zu ihrem Stadtgebiet strukturiert sichtbar und für Entscheidungen nutzbar zu machen, etwa in der Verkehrs- oder Wärmeplanung. Beim Aufbau eines Digitalen Zwillings lohnt es sich, auf Kooperation zu setzen. mehr...

bericht

MPSC: Vom Piloten zur Praxis (2) – Nachnutzung braucht Struktur

[24.06.2026] Die Modellprojekte Smart Cities haben viele erfolgreiche Lösungen und auch neue Formen kommunaler Zusammenarbeit hervorgebracht. Nun geht es darum, entstandene Netzwerke, Unterstützungsangebote und Entwicklungsgemeinschaften zu verankern - nur so können die Pilotprojekte breit nachgenutzt werden. mehr...

Vektorgrafik einer Smart City.

BBSR: Die Wirkung von Smart-City-Vorhaben darstellen

[24.06.2026] Smarte digitale Projekte stärken die regionale Wirtschaft – aber oft indirekt. Das erschwert es Kommunen, den konkreten Nutzen zu benennen und argumentativ zu vertreten, etwa gegenüber Politik oder Projektpartnern. Eine Praxishilfe erklärt, wie Kommunen solche Effekte erkennen und verständlich vermitteln können. mehr...

Hand mit einem Smartphone auf dem die Temperatur mit 40 Grad Celsius angegeben wird
bericht

Klimawandel: Daten gegen den Hitzestress

[23.06.2026] Auf die Herausforderungen des Klimawandels können Städte nicht nur mit baulich-physischen Maßnahmen reagieren. Auch der Aus- und Umbau der digitalen Dateninfrastruktur und die systematische Organisation klimarelevanter Daten stärken die kommunale Resilienz. mehr...

bericht

MPSC: Vom Piloten zur Praxis (1) – Zusammenarbeit statt Insellösungen

[23.06.2026] Seit 2019 gibt es das Fördervorhaben Modellprojekte Smart Cities, über 70 Kommunen und Regionen haben bisher teilgenommen. Dabei entstanden nicht nur viele erfolgreiche technische Lösungen, sondern auch neue Formen kommunaler Zusammenarbeit – für viele Beteiligte ein entscheidender Faktor. mehr...

Bodensensor in einer Straße in Gütersloh

Gütersloh: Sensoren erfassen Parkplatzauslastung

[12.06.2026] Mit Bodensensoren erfasst die Stadt Gütersloh zurzeit die Auslastung von vier Fahrzeugstellplätzen an der Königstraße. Die Daten sollen in die Planungen zur Umgestaltung des Kreuzungsbereichs zur Hohenzollernstraße einfließen, der ein Unfallschwerpunkt ist. mehr...

Screenshot BBSR-Studie zu digitalen Zwillingen

Studie: Digitale Zwillinge in der Praxis

[10.06.2026] Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung hat eine neue Veröffentlichung zum Thema urbane Digitale Zwillinge herausgegeben, die im Rahmen der Begleitforschung der Modellprojekte Smart Cities entstanden ist. mehr...

Stadt, Bäume und Internet of Things Sensorien Symbolisch
bericht

Serie Smart Cities, Teil 2: Sensoren sinnvoll nutzen

[20.05.2026] Sensorik und Internet of Things sind das Nervensystem der smarten Stadt – sie liefern Daten, welche Prozesse optimieren und die Entscheidungsfindung erleichtern können. Beim Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur können Kommunen auch klein starten. mehr...

Elisabeth Fröhlich, Projektleitung VIAA, Stabsstelle Verkehrsfluss und Geo-Services, zeigt eine Kamera, die den Verkehrsfluss erfasst.

Lübeck: Weitere Kreuzungen digitalisiert

[11.05.2026] In Lübeck werden derzeit vier Kreuzungen mit einem innovativen System zur Verkehrserfassung ausgestattet. Die Hansestadt setzt damit ein weiteres Teilprojekt im Rahmen ihres Vorhabens VIAA um. mehr...

Grafik zeigt die drei Plattform-Bestandteile
bericht

Plattformen: Von smart zu intelligent

[30.04.2026] Digitale Lösungen können Prozesse beschleunigen, Mitarbeitende entlasten und den Bürgerservice verbessern. Drei Bausteine bringen Kommunen auf diesem Weg entscheidend voran: urbane Datenplattformen, Automatisierungs- und KI-Plattformen. mehr...

Kamera auf einem Mannheimer Abfallsammelfahrzeug

Mannheim: Mit digitaler Hilfe sauberer werden

[29.04.2026] Optische Sensoren sollen der Stadt Mannheim künftig dabei helfen, Verschmutzungen im öffentlichen Raum zu erfassen und so dazu beitragen, das Stadtbild zu verbessern. Die Technik wird zunächst in einer mehrmonatigen Pilotphase getestet. mehr...

Mehrere Personen stehen vor einem Stadtteiltreff in Kassel Wolfsanger

Kassel: App stärkt das Vereinsleben

[28.04.2026] 
Eine App soll in Kassel künftig helfen, die ehrenamtliche Arbeit in den Vereinen besser und einfacher zu organisieren. Jetzt startet der im Rahmen des Modellprojekts Smart Kassel entwickelte digitale Assistent für Vereine in den Praxistest. mehr...