Sonntag, 27. September 2026

BonnSmart City meets Geo

[25.08.2022] Die digitale Transformation ist eines von vier Nachhaltigkeitszielen auf der Agenda der Stadt Bonn. Die Beteiligten arbeiten dank einer intelligenten Organisation gut zusammen, gehen ungewohnte Wege und setzen auf das Gemeinwohl.
Die App Citykey stellt Bürgerinnen und Bürgern Services gebündelt zur Verfügung.

Die App Citykey stellt Bürgerinnen und Bürgern Services gebündelt zur Verfügung.

(Bildquelle: Bundesstadt Bonn)

Die Bundesstadt Bonn zählt nach einem jüngst vom IT- und Tech-Magazin c`t veröffentlichten Ranking zur Digitalisierung von Verwaltungsdienstleistungen bundesweit zu den Vorreitern und nimmt hinter Nürnberg und Bremen den dritten Platz ein. Beim Smart City Ranking 2021 des Branchenverbands Bitkom belegt Bonn bei den Verwaltungsdienstleistungen mit dem fünften Platz ebenfalls einen der vorderen Ränge. Und auch insgesamt bewegt sich Bonn mit Platz 12 unter den 81 untersuchten Städten im Bereich der digitalen Pioniere.
„Dass sich die Bundesstadt bundesweit am Grad der Digitalisierung messen lassen kann, baut auf einem gesunden Fundament auf: einer sinnvoll aufgesetzten Organisation, einer funktionierenden Kommunikation der Beteiligten und nicht zuletzt dem Mut der Verantwortlichen, auch neue Wege auszuloten“, erläutert Friedrich Fuß. Der ehemalige Telekom-Vorstand ist seit 2018 Chief Digital Officer (CDO) der Stadt Bonn. Unter seiner Leitung wächst eine Digitalstrategie heran, welche die städtischen Digitalisierungsziele mit Leben füllt. Dazu zählt, Bürgerinnen und Bürgern im Sinne einer modernen Verwaltung mit online verfügbaren Dienstleistungen das Leben zu erleichtern. Im c`t-Ranking landete Bonn genau deswegen in den Top Drei: Die Stadt bietet 10 der 13 am häufigsten nachgefragten Bürgerservices online an.

Erste Stadt mit Citykey-App

Um den Zugang zu den städtischen Dienstleistungen so einfach wie möglich zu gestalten, hat Bonn darüber hinaus gemeinsam mit der Deutschen Telekom und anderen deutschen Städten die App Citykey entwickelt und im März 2022 freigeschaltet. Sie bündelt verschiedene Services und Informationen in deutscher und englischer Sprache. Bürgerinnen und Bürger können darüber zudem auf die Dienste der Stadtverwaltung zugreifen. Derzeit enthält die App neben Online-Services auch Kurzumfragen, Mängelmelder, Abfallplaner, Veranstaltungen und Ausflugsziele sowie Nachrichten aus der Stadt. „Wir waren bundesweit die erste Großstadt, die die Citykey-App freigeschaltet hat“, sagt CDO Friedrich Fuß.
Digitalisierung wird in Bonn über die digitale Verwaltung hinaus als Mittel verstanden, das die Ziele der Stadt vorantreibt. Zu der an den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen angelehnten Agenda der Bonner Stadtverwaltung gehören Klimaneutralität bis zum Jahr 2035, eine nachhaltige Mobilitätswende und eine starke Teilhabe der Gesellschaft. Die Digitalisierung zählt als eigenständiges Ziel ebenfalls zum Orchester der Zukunftsaufstellung, gilt aber gleichzeitig als Querschnittsthema. Im Klartext heißt das: CDO Friedrich Fuß ist Ansprechpartner, wenn die jeweiligen Projektbüros Digitalisierungsmaßnahmen oder digitale Unterstützung in den Blick nehmen, um im Bereich Klimaneutralität, Mobilität oder soziale Teilhabe Erfolg versprechende Maßnahmen aufzusetzen. „Eine transparente, vom Willen gemeinsam erfolgreich zu sein, getragene Zusammenarbeit zwischen allen Abteilungen der Stadt ist für übergreifende Projekte der Schlüssel zum Erfolg“, so Fuß.

Starke Geo-IT-Szene

Ein wichtiger Treiber der Digitalstrategie ist die hohe Geo-Kompetenz der Stadt. Hier kommt Ulrich Ziegenhagen ins Spiel, der als promovierter Geograf und stellvertretender Leiter der Wirtschaftsförderung Bonn schon früh den Wert der starken Geo-IT-Szene der Stadt erkannt und kanalisiert hat. Gemeinsam mit der IHK Bonn/Rhein-Sieg hat er bereits im Jahr 2004 die geobusiness region bonn initiiert, die Forschung und Wissenschaft, Verwaltung und ein breit angelegtes, innovatives Unternehmensnetzwerk an einen Tisch bringt. Inzwischen hat sich die geobusiness region bonn etabliert. Das Netzwerk bietet ein Geo-Mentoring-Angebot für Studierende, die Kommunikation über die Homepage sowie das jährliche Treffen Geo­DIALOG.
Im Rahmen des Smart-City-Strategieprozesses haben CDO Fuß und Wirtschaftsförderer Ziegenhagen die Player der Geobranche als wichtige Akteure und Innovationsträger der Digitalisierung in einem bundesweit einzigartigen Ansatz integriert. „Ende vergangenen Jahres haben wir als geobusiness region bonn gemeinsam mit den Playern der Smart City Bonn die Workshop-Reihe ‚Smart City Bonn meets Geo‘ gestartet. Ziel dabei war und ist es, das umfangreiche und verteilt vorliegende Geowissen der Stadt Bonn zu bündeln und sinnvoll und nachhaltig für die Smart City einzusetzen“, so Ziegenhagen.

Drei Workshops für das Gemeinwohl

Das Besondere an der Reihe ist, dass sich alle Teilnehmenden als Teil der Stadtgesellschaft zum Gemeinwohlgedanken bekennen und in drei Workshops ehrenamtlich mithilfe digitaler Werkzeuge nach Lösungen für Fragen suchen, welche die Bevölkerung umtreiben. Ein vielversprechender Ansatz ist ein auf Geodaten basierendes Portal, auf dem Teilnehmende Daten zum Themenkomplex Verkehr gesammelt und anschaulich aufbereitet haben. Für Verkehrssimulationen sollen in einem nächsten Schritt Echtzeitdaten aus dem Nahverkehr integriert werden.
Ziel ist es darüber hinaus, Datensätze mit Umweltthemen wie Wetterdaten und Daten zu Luftschadstoffen anzureichern und diese den Bürgerinnen und Bürgern, der Verwaltung sowie politischen Entscheidungsträgern zur Interaktion und Information in Form einer App zur Verfügung zu stellen.

Monika Rech-Heider ist freie Journalistin in Köln.


Stichwörter: Smart City, Bonn


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