Samstag, 15. August 2026

KIDie intelligente Kommune

[20.04.2021] Künstliche Intelligenz soll für Behörden Routineaufgaben übernehmen und dabei helfen, Prozesse zu optimieren oder automatisch zu gestalten. Die Einsatzbereiche sind vielfältig. Zwei Publikationen stellen sie vor.

Künstliche Intelligenz kann Kommunen in vielen Bereichen unterstützen.

(Bildquelle: aimage/123rf.com)

Hierzulande gibt es technologische Innovation nicht ohne große, grundsätzliche Debatten. Das hat Vorteile, wenn es – wie im Fall der Enquetekommission Künstliche Intelligenz – dazu führt, das Leitbild einer „menschenzentrierten KI“ zu entwerfen. Es hat aber auch den Nachteil, dass während solcher zweijährigen Debatten meist nicht genügend über den praktischen Nutzen der Technologie nachgedacht wird. Gleichwohl erscheint das Verfahren verständlich: Man will sich nicht noch einmal eine Technologie vorsetzen lassen, die dann im Nachhinein mühsam reguliert werden muss. Die Crux dabei: Eine seriöse Technikfolgenabschätzung kann erst gelingen, wenn die Technik auch im Einsatz ist.

Positives Narrativ

Als sich im Januar 2020 die Initiative „KoKI – Künstliche Intelligenz in Kommunen“ im Rahmen des Co:Lab gründete, initiiert von KGSt, DStGB, Microsoft und Fraunhofer IESE, sollte der Künstlichen Intelligenz zu einem „positiven Narrativ“ verholfen werden (wir berichteten). Man wollte praxisorientiert vorgehen, „um die Diskussion zu erden und gegenzusteuern“, so hieß es, denn „Zukunftsdebatten brauchen Anwendungen und Praxis“. Ende Februar dieses Jahres wurde der Abschlussbericht des Co:Lab vorgestellt. Der Bericht geht über weite Strecken auf die Herausforderungen und Risiken ein, die sich mit KI verbinden, und an einigen Stellen auch auf die Potenziale. Es soll um einen „gesellschaftlichen, politischen und rechtlichen Ordnungsrahmen für KI“ gehen, an dem möglichst viele Stakeholder mitwirken sollen, und eben auch die Kommunen. „Potenziale hat KI dabei in sämtlichen kommunalen Gestaltungsfeldern wie Bildung, Stadtentwicklung, Mobilität, Pflege oder Politik und Verwaltung“, schreiben die Autoren.

KI im Einsatz

Unter der Voraussetzung, dass KI Ermessensspielräume in der Verwaltung nicht ersetzen kann und soll, beziehen sich die im Bericht genannten Einsatzszenarien allesamt auf die so genannte schwache KI. Darunter fallen „Systeme, die menschliche kognitive Fähigkeiten ersetzen können, um eine definierte Aufgabe zu lösen“. Beispielsweise Automatisierungsprozesse, bei denen einfache und repetitive Routine-Aufgaben von einer KI übernommen werden. Weitere Beispiele sind die Optimierung von Prozessabläufen, natürliche Sprachverarbeitung durch Chatbots oder maschinelle Übersetzungen und Texterkennung sowie die selbstständige Identifizierung und Überwachung.
Reale Beispiele gibt es bislang nur wenige: Die Stadt Bergheim überlässt einem Algorithmus die Zuordnung und Weiterleitung des Posteingangs, der Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg setzt KI beim Zuschnitt der Einschulungsbereiche ein, in Soest werden Straßenschäden automatisch durch kommunale Fahrzeuge erfasst und anschließend kartografiert. Gearbeitet wird auch an der Entwicklung eines digitalen Bauantrags, der einerseits durch Automatisierungsabläufe das Antragsverfahren beschleunigen und durch KI-Entscheidungsunterstützungssysteme für alle Beteiligten transparenter machen soll. Im Kontext Kommune ist es vor allem der Bereich Smart City, der sich für KI-Anwendungen anbietet: Verkehrsflussoptimierung, Smart Grids für die Steuerung und Bereitstellung von Energie, eine auf Open Data fußende Datenökonomie und die digitale Partizipation der Bürgergesellschaft für eine transparente Stadtplanung.

Konkrete Ansätze

Auf „Künstliche Intelligenz für die Smart City“ stellt auch eine weitere aktuelle Publikation ab, in der die Städte Gelsenkirchen, München und Bocholt ihre Praxiserfahrungen schildern. Das lesenswerte Buch liefert einen Überblick über die Grundlagen künstlicher Intelligenz, die wichtigsten Aspekte des Einsatzes in Kommunen sowie konkrete Ansätze zum Vorgehen. Eingebettet in die Diskussion um die gegenwärtige Verwaltungsdigitalisierung im Rahmen des Onlinezugangsgesetzes (OZG) plädieren die Autoren dafür, im Einzelfall zu entscheiden, wann der KI-Einsatz sinnvoll ist und wann es bei klassischer IT bleiben soll. Dies setze aber nicht nur eine aufgeschlossene Haltung gegenüber KI voraus, sondern auch einschlägige Kompetenzen seitens der Entscheider.
Das zeigt das Beispiel Gelsenkirchen: Dort hat sich ein Open Innovation Lab rund um die Schalke-Arena gegründet, in einem Areal, wo Smart-City-Anwendungen etwa in den Bereichen Verkehr, Bildung, Gesundheit, Sport, Abfallentsorgung, Großveranstaltungen, Beleuchtung und Parkraumbewirtschaftung, Wasserversorgung und Energie gut erprobt werden können. An dem Ort entstehen relevant große Datenmengen, die auf einer Datenplattform analysiert und bearbeitet werden. In einem weiteren Projekt namens GeoSmartChange wird der Stadtraum von Gelsenkirchen und Bottrop mittels 360-Grad-Bildbefahrung per Laserscan erfasst und als Digitaler Zwilling hochauflösend, messgenau und georeferenziert dargestellt. Die KI erkennt auch Schilder und kann sie als Bildobjekte beispielsweise für Projekte autonomen Fahrens verwenden.

Chatbot als Einstieg

In ihren Handlungsempfehlungen raten die Autoren zu einem Chatbot als Einstieg in die Welt der KI. Chatbots böten eine Reihe leicht nachvollziehbarer Vorteile wie ständige Erreichbarkeit, höhere Effizienz und bessere Reaktionszeiten. Sie seien schnell einsatzfähig, entlasten Mitarbeiter von Standardanfragen, erhöhen die Servicequalität, können mehrsprachig gestaltet werden und: mit der Einführung eines solchen natürlichsprachigen Systems gehen große Lerneffekte für zukünftige KI-Projekte einher. Für Kommunen bieten sich auf dieser Grundlage viele weitere Einsatzszenarien an: Sei es die automatische Weiterleitung von Anfragen im Callcenter an passende Experten, die automatisierte Prüfung von Nachweisen für Antragsverfahren, Betrugserkennung oder Beschwerde-Analysen und Vertrags-Analysen. Künstliche Intelligenz kann hier zu signifikanten und effizienten Ergebnissen führen.

Akzeptanz notwendig

Die größten Hindernisse bei der Umsetzung von KI-Lösungen in öffentlichen Verwaltungen stellen der aktuelle Stand der Digitalisierung in den Kommunen, die fehlende Harmonisierung der Infrastruktur und die mangelnde Qualifikation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dar. Zu diesem Ergebnis kommen beide Publikationen. Für den Erfolg von KI ist daher die Akzeptanz derjenigen, die damit umgehen sollen, unabkömmlich. Die Beschäftigten müssen „mitgenommen“ und ihnen die Ängste vor KI, vor einem Arbeitsplatzverlust oder einer Entmachtung der eigenen Befugnisse genommen werden. Henning Lühr wies bei der Abschlussveranstaltung des Co:Lab darauf hin, dass Künstliche Intelligenz die bestehende gesellschaftliche Ungleichheit reproduziert, wenn bei ihrer Entwicklung nicht rechtzeitig auf Transparenz, Verantwortung und ein Wertegefüge hingearbeitet wird. Auch aus diesem Grund erscheint politische Steuerung wichtig.

Helmut Merschmann




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Panorama
Drei verschiedene Screenshots der App

Regional-App: Das Fichtelgebirge entdecken

[14.08.2026] Was machen wir heute? Darauf hat die FichtelApp jetzt einige Antworten parat. Ihr neuer Tagesplaner stellt aus Ausflugszielen, Veranstaltungen und Einkehrmöglichkeiten Vorschläge für einen Tag im Fichtelgebirge zusammen – für Gäste ebenso wie für Einheimische. mehr...

Aachen: Krönungssaal erhält AR-Führung

[14.08.2026] Aachen entwickelt eine Augmented-Reality-Führung für den historischen Krönungssaal des Rathauses. Ab 2027 sollen Besucherinnen und Besucher mit AR-Brillen sieben Stationen der Stadt- und europäischen Geschichte erleben. mehr...

Kommune21 im Gespräch: Künzell berichtet über Erfahrungen

[12.08.2026] Wie läuft die Einführung neuer Software im Verwaltungsalltag tatsächlich ab? Im nächsten Webinar „Kommune21 im Gespräch“ berichten die Gemeinde Künzell und JCC Software über Erfahrungen, Schwierigkeiten und Erkenntnisse aus mehreren Digitalisierungsprojekten. mehr...

Screenshot aus einem der gebärdensprachvideos

Augsburg: Digitale Teilhabe ausgebaut

[07.08.2026] Im EU-geförderten Projekt DIWA 4.0 erweitert Augsburg schrittweise den barrierearmen Zugang zu städtischen Informationen. Nach Angeboten in Fremdsprachen und Leichter Sprache stehen auf der Website nun auch Videos in Deutscher Gebärdensprache bereit. mehr...

Databund/BMDS: Besserer Informationsfluss

[06.08.2026] Das BMDS und der Databund haben eine Initiative gestartet, die es ermöglichen soll, dass IT-Unternehmen früher über zentrale Digitalvorhaben des Bundes informiert werden. Gleichzeitig sollen sie ihre Erfahrungen künftig einfacher in die Planungen einbringen. mehr...

Hochwassergebiet, knapp über der Wasserfläche sieht man ein Verkehrsschild, im Hintergrund Bäume und eine Stadtsilhouette

Schleswig-Holstein: Einheitliche Technik für große Schadenslagen

[04.08.2026] Schleswig-Holstein beschafft eine neue Software für die Bevölkerungsschutzbehörden von Land und Kommunen. Sie soll den Austausch von Lageinformationen nahezu in Echtzeit ermöglichen und vor allem bei großflächigen Schadenslagen eine bessere Koordination unterstützen. mehr...

QR-Tafel im Bunten Garten in Mönchengladbach

Mönchengladbach: Smarte Parktour

[04.08.2026] Mit einer Web-App lässt sich eine beliebte Parkanlage in Mönchengladbach nun individuell entdecken. Die digitale Führung verbindet Natur, Geschichte und Wissenswertes mit den Möglichkeiten moderner Technologie. mehr...

Absperrband Feuerwehr dahinter verschwommen Feuerwehrfahrzeuge und Feuerwehreinsatzkräfte
bericht

Katastrophenmanagement: Im Ernstfall den Überblick behalten

[29.07.2026] Kommunen müssen sich heutzutage auf zahlreiche potenzielle Krisen vorbereiten. Doch wann ist eine Lage überhaupt eine Krise? Der KGSt-Lagecheck hilft Kommunen, die Situation einzuschätzen und die richtigen Schritte einzuleiten. Digital und notfalls auch ohne Strom. mehr...

William Schmitt leitet den kommunalen IT-Dienstleister Komm.ONE und folgt nun an der Spitze des Kontrollgremiums der govdigital auf Dieter Rehfeld.

Vitako: Neue Vorstandsspitze

[20.07.2026] Digitale Souveränität, KI, Registermodernisierung und knappe Kassen: Die kommunalen IT-Dienstleister stehen vor anspruchsvollen Jahren. Mit William Schmitt rückt nun der bisherige Stellvertreter an die Spitze ihres Bundesverbands Vitako. mehr...

Farbige Sprechblasen, die mit Linien verbunden sind

TSA: Satzungen und Ortsrecht digital verwalten

[20.07.2026] Viele Kommunen stehen vor ähnlichen Herausforderungen bei der Pflege, Veröffentlichung und Bereitstellung von Satzungen und Rechtsvorschriften. Ein von TSA Public Services initiierter Erfahrungsaustausch soll dabei helfen, bewährte Ansätze kennenzulernen. mehr...

Mehrere Personen auf einem Gehweg, schauen auf ein Smartphone

Hamm: App ins Abenteuer Stadtgeschichte

[17.07.2026] App ins Abenteuer Stadtgeschichte: In der App „Heimat Hamm“ verschmelzen auf einem digitalen Stadtrundgang dank Augmented Reality (AR) Geschichte und Gegenwart. mehr...

Kampagnenmotiv von „125 Jahre Stuttgarter Amtsblatt“ in goldenem Design. Auf der rechten Seite sieht man Leseproben auf verschiedenen digitalen Endgeräten und der Printausgabe.

Stuttgart: Amtsblatt auch als E-Paper

[17.07.2026] Das Stuttgarter Amtsblatt informiert seit 125 Jahren über Kommunalpolitik, Verwaltung und Stadtleben. Nun erscheint das offizielle Bekanntmachungsorgan der Stadt auch als E-Paper mit Vorlesefunktion und Archiv. Die Printausgabe bleibt bestehen. mehr...

DLR-Drohne findet Menschen, die in Not geraten sind – hier im Übungsszenario


DLR: Neue Technik für den Katastrophenschutz

[16.07.2026] In einer groß angelegten Übung im Ahrtal haben 16 Institute des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) gezeigt, wie neue Technologien – etwa Drohnen oder robotische Systeme – die Prozesse im Katastrophenschutz stärken und verbessern können. mehr...

Eine Person arbeitet an einem Laptop. Über der Tastatur sind grafisch dargestellte digitale Benutzerprofile und Checklisten eingeblendet. Die Illustration symbolisiert die digitale Verwaltung von Nutzerdaten, Identitäten oder Registrierungsprozessen.

Kommune21 im Gespräch: Digitaler Wandel in Baden-Württemberg

[15.07.2026] Die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung in Baden-Württemberg steht vor wichtigen Entscheidungen. Im Webinar „Kommune21 im Gespräch“ werden Roland Bernhard und William Schmitt am 21. Juli 2026 über die künftige Ausrichtung der Verwaltungsdigitalisierung, die Rolle von Komm.ONE und die Zusammenarbeit zwischen Land und Kommunen diskutieren. mehr...

Weißer Kopfhörer auf grauer Schreibtischplatte, mit Laptop

Podcast: Verwaltungsdigitalisierung zum Zuhören

[15.07.2026] Ein neuer Podcast des KDO-Tochterunternehmens Public Experts will Verwaltungsdigitalisierung verständlich erklären. In der ersten Folge geht es um die Registermodernisierung – ein Thema mit weitreichenden Auswirkungen auf Verwaltung, Staat und Gesellschaft. mehr...