Dienstag, 20. Oktober 2026

SachsenDie Richtung stimmt

[08.01.2015] Der IT-Planungsrat bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück. Dieses Fazit zieht Sachsens CIO Wilfried Bernhardt nach fünf Jahren Amtszeit. Warum der Freistaat eine Vorreiterrolle auf dem Weg der Verwaltungsmodernisierung übernimmt, wird im zweiten Teil der Bilanz des CIOs deutlich.
In Sachsen zeigt sich: Zusammenarbeit ist wichtig auf dem Weg der Verwaltungsmodernisierung.

In Sachsen zeigt sich: Zusammenarbeit ist wichtig auf dem Weg der Verwaltungsmodernisierung.

(Bildquelle: PEAK Agentur für Kommunikation)

Auf Freiwilligkeit der IT-Nutzung sollte man vor allem beim Bürger setzen, nicht immer aber bei der Verwaltung. Für den Bürger ist es wenig attraktiv, eigene IT-Instrumente vorzuhalten, ohne zu wissen, wann und wo er sie in der Kommunikation mit der Verwaltung nutzen kann. Hier bedarf es der Klarheit und Stabilität der einsetzbaren Instrumente – auch über die einzelnen Verwaltungsebenen hinaus. Nach dem E-Government-Gesetz des Bundes ist am 9. August 2014 das Sächsische E-Government-Gesetz in Kraft getreten. Sachsen ist damit bundesweit zum Vorreiter geworden. Das Gesetz verfolgt insbesondere Regelungsziele in den Bereichen Zusammenarbeit, Datenschutz und Informationssicherheit, um die durchgängig elektronische Abwicklung von Verwaltungsverfahren von der Antragstellung bis zur Begleichung von Gebühren sowohl im Verhältnis zum Bürger als auch innerhalb der Verwaltung zu ermöglichen und für die Verwaltungsseite verpflichtend zu regeln. Es stehen zentral betriebene IT-Infrastrukturen, vor allem die E-Government-Basiskomponenten, bereit. Letztere können aufgrund der Vereinbarung zur Mitnutzung auch durch Behörden auf kommunaler Ebene eingesetzt werden. Das wirkt sich positiv auf Wirtschaftlichkeit und Standardisierung im IT-Bereich aus. Mit der Strategie für IT und E-Government wurden ferner Schwerpunkte festgelegt, denen sich der Freistaat Sachsen kurz-, mittel- und langfristig widmet. Noch wichtiger: Es wurde ein Pfad festgelegt, den die Ressorts gemeinsam beschreiten. Nicht zuletzt wurden und werden auf Basis der Verwaltungsvorschrift Informationssicherheit sowie der entsprechenden Leitlinie des IT-Planungsrats Strukturen entwickelt, die dem Schutz von beidem – Inhalt und Infrastruktur – dienen.

IT im Dienst der Verwaltungsmodernisierung

Verwaltungsmodernisierung, IT und E-Government waren politische Schwerpunktaufgaben in der vergangenen Legislaturperiode des Sächsischen Landtags. Insbesondere ging es darum, IT und E-Government nicht isoliert als Instrumente zu verstehen, um die konventionelle Papierkommunikation und die Papierakten elektronisch abzubilden, sondern IT bewusst in den Kontext der Verwaltungsmodernisierung zu stellen, um Potenziale zur effizienteren und konzentrierten Aufgabenerfüllung noch besser erschließen sowie Abläufe und Prozesse optimieren zu können. Aufgaben- und Strukturkritik sowie Prozess-Management und -optimierung standen in engem Kontext mit den Digitalisierungsfortschritten. In Gesprächen mit Kollegen aus anderen Bundesländern und dem Bund stellte ich fest, dass Sachsen Respekt gerade dafür gezollt wird, wie es dem Freistaat in den vergangenen Jahren gelungen ist, die IT in den Dienst der Verwaltungsmodernisierung zu stellen.
IT und E-Government finden in Sachsen einen gefestigten Rahmen in rechtlicher, institutioneller und strategischer Hinsicht vor. Weitere Handlungsnotwendigkeiten sind erkannt und entsprechende Aktivitäten auf den Weg gebracht. So kommt es in den nächsten Jahren darauf an, noch stärker medienbruchfreie, ebenenübergreifende Prozesse zu strukturieren und den Bürger dabei gezielt von Bürokratie zu entlasten – etwa über das elektronische Antragsmanagement bei komplexen Verfahren wie der Gewerbeanmeldung oder dem Baugenehmigungsantrag.

Gute Basis gelegt

Bei der vom Koalitionsvertrag 2009 vorgesehenen Konsolidierung des Staatsbetriebs Sächsische Informatikdienste sind wir ein großes Stück vorangekommen. So wurde der SID einer grundlegenden Reorganisation unterzogen. Die neue, schlankere Struktur bildet nun eine gute Basis für die Vereinheitlichung und Optimierung der Prozesse, die Intensivierung der standortübergreifenden Zusammenarbeit sowie die Homogenisierung der IT-Infrastruktur. Dies sind unverzichtbare Voraussetzungen, um IT-Leistungen zuverlässig und in hoher Qualität für die Kunden zu erbringen. Auch sollte sich der SID vollständig über Leistungsentgelte finanzieren. Um die Voraussetzungen hierfür zu schaffen, hat der SID mit Beginn des Jahres 2013 der Kameralistik den Rücken gekehrt und sein Finanzwesen auf die kaufmännische doppelte Buchführung umgestellt sowie eine Kosten- und Leistungsrechnung nach den Vorgaben des Neuen Steuerungsmodells etabliert.

Noch nicht am Ziel

Obwohl der SID in den vergangenen Jahren auf Wunsch der Ressorts zahlreiche neue Aufgaben – etwa beim Aufbau einer landeseinheitlichen Plattform VIS.SAX für die IT-gestützte Vorgangsbearbeitung oder bei der IT-Betreuung der Gebäude- und Wohnungszählung (Zensus 2011) – übernommen und Angebote geschaffen hat, sind wir bei der planmäßigen Zentralisierung von IT-Aufgaben jedoch leider nicht ganz so gut vorangekommen, wie es zu wünschen gewesen wäre. Ein wichtiger Baustein auf dem weiteren Weg wird neben der Zuweisung umfassenderer Kompetenzen für den SID auch die Realisierung eines neuen gemeinsamen Rechenzentrums mit ausreichender Fläche sein, aufgebaut nach den Sicherheitsanforderungen des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und den neuesten Standards der Energieeffizienz. Hierfür wurde in der Haushaltsplanung bereits eine wichtige Voraussetzung geschaffen.

Kommunizieren – aber sicher

Moderne Verwaltung ist ohne intensive Kommunikation undenkbar. Dabei wird von den öffentlichen Verwaltungen erwartet, dass sie Kommunikationsmöglichkeiten, die sich im gesellschaftlichen Alltag etabliert haben, auch in ihrem Tätigkeitsbereich nutzen. Klar ist aber auch, dass Daten, die Bürger und Unternehmen der Verwaltung anvertrauen, vor dem Zugriff durch Dritte geschützt werden müssen. Mit dem Sächsischen Verwaltungsnetz (SVN) und dem darauf basierenden Kommunalen Datennetz verfügen der Freistaat und die sächsischen Kommunen bereits seit dem Jahr 2008 über ein flächendeckendes und sicheres Datennetz. Unsere Verwaltungsdaten sind durch leistungsfähige Schutzsysteme vor dem Angriff durch Hacker und interessierte Dritte geschützt. In Sachsen wurde damit begonnen, diesen Schutz weiter auszubauen. In enger Kooperation wird derzeit zusammen mit den Kommunen ein neues, noch leistungsfähigeres und sichereres Netz, das SVN 2.0, geplant. Zudem soll künftig eine Sachsen-Cloud das Sächsische Verwaltungsnetz ergänzen und damit auch als Reaktion auf die Diskussionen rund um die bekanntgewordenen nachrichtendienstlichen Abhörskandale ein erheblicher IT-Sicherheits- und Datenschutzmehrwert geschaffen werden. Ab dem Jahr 2016 sollen Speicherplatz, E-Mails und Verwaltungsprogramme von einem zentralen Ort aus zur Verfügung gestellt werden. Die Mitarbeiter des Freistaats Sachsen sollen künftig – gleich an welchem Ort, mit mobilen Endgeräten oder vom PC aus – flexibel und sicher auf Daten und Verwaltungsprogramme zugreifen können. Überhaupt wird der mobile Zugriff auf Verwaltungsdienstleistungen und die Verwaltungsakten in Zukunft eine entscheidende Rolle spielen. Dies sollte bereits bei der Konzeptionierung neuer IT-Projekte nach dem Grundsatz Mobile First Berücksichtigung finden. Zusammenfassend lässt sich also festhalten: Wir sind ein gutes Stück vorangekommen, aber noch nicht am Ziel. Immerhin: Die Richtung stimmt und ich hoffe, dass die neue Staatsregierung in Sachsen diesen Weg beherzt weitergeht.

Dr. Wilfried Bernhardt, Staatssekretär a.D., war bis November 2014 Beauftragter des Freistaats Sachsen für Informationstechnologie.


Stichwörter: Politik,


Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik
Ein neuer virtueller Marktplatz soll Kommunen die einfache Nachnutzung von EfA-Diensten ermöglichen.
bericht

Sachsen-Anhalt: Marktplatz für Lösungen

[20.10.2026] Sachsen-Anhalt treibt die Digitalisierung seiner Verwaltung mit einem klaren Fokus auf Nachnutzung und Standardisierung voran. Ein zentrales Instrument ist dabei der „eGovernment-Marktplatz Sachsen-Anhalt“. mehr...

bericht

Smart Country Convention: Wildberger kündigt weitere Schritte an

[19.10.2026] Bundesdigitalminister Karsten Wildberger hat auf der Smart Country Convention 2026 in Berlin den Ausbau zentraler digitaler Verwaltungsdienste, die Weiterentwicklung des Deutschland-Stacks und neue KI-Anwendungen angekündigt. mehr...

Baden-Württemberg: Schneller Roll-out statt vieler Einzellösungen

[19.10.2026] Baden-Württemberg hat mit dem Bund vereinbart, fünf bestehende Online-Dienste innerhalb von neun Monaten bei allen zuständigen Behörden im Land verfügbar zu machen. Ein zentral organisierter Anschlussprozess soll die Kommunen bei der Umsetzung unterstützen. mehr...

Eine Hand hält ein weißes Puzzlestück über einen Holztisch, auf dem ein weiteres Puzzleteil liegt

GovTech Kommunal: Kein Ersatz, sondern Ergänzung

[15.10.2026] In der Debatte um mögliche Parallelstrukturen bei der Verwaltungsdigitalisierung hat GovTech Deutschland auf die Kritik der Bundes-Arbeitsgemeinschaft der Kommunalen IT-Dienstleister, Vitako, reagiert. In einer Stellungnahme weisen die Verantwortlichen die Vorwürfe zurück, erläutern die Rolle von GovTech Kommunal und bieten den kommunalen IT-Dienstleistern eine Zusammenarbeit an. mehr...

Sechs leere gelbe Stühle stehen in einer Reihe vor einer weißen Wand

Bitkom-Umfragen: Online aufs Amt bleibt (noch) die Ausnahme

[15.10.2026] Die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung macht Fortschritte, bleibt aber hinter den Erwartungen von Bürgerinnen, Bürgern und Unternehmen zurück. Das zeigen zwei aktuelle Bitkom-Umfragen. Insbesondere fehlende durchgängig digitale Verfahren und Medienbrüche sorgen für Unzufriedenheit. mehr...

Entspannter junger Mann mit Handy auf einem hellen Sofa.

Deutschland-App: Zentrale Projektdetails bleiben offen

[15.10.2026] Die Modernisierungsagenda föderal sieht unter anderem die Umsetzung einer KI-unterstützten Deutschland-App vor, die einen zentralen, komfortablen Zugang zu digitalen Verwaltungsverfahren bieten soll. Mit dem aktuellen Umsetzungsstand, der Vergabe und Auftragsvolumina befasste sich jetzt der Bundestag. mehr...

bunte Holztürme, die nebeneinander auf einem Holzfußboden stehen

Vitako: Warnung vor neuen Parallelstrukturen

[09.10.2026] Mit GovTech Kommunal ist Ende 2025 ein neuer Akteur für die kommunale Verwaltungsdigitalisierung gestartet. Der Verband Vitako sieht dessen Aktivitäten kritisch. In einem Positionspapier warnt er vor Doppelstrukturen, zusätzlichen Kosten und einer weiteren Zersplitterung der kommunalen IT-Landschaft und fordert, lieber bestehende föderale und kommunale Strukturen zu stärken. mehr...

Hessen: Positive Halbzeitbilanz

[05.10.2026] Hessen zieht eine positive Halbzeitbilanz seines Pilotprojekts mit dem Bundesdigitalministerium zur flächendeckenden Einführung digitaler Verwaltungsleistungen. Bei der An- und Ummeldung sind bereits mehr als 90 Prozent der Kommunen angeschlossen. mehr...

Körniges Schwarz-Weiß-Foto, Großraum-Büro mit vielen Arbeitsplätzen und Ordnern und Drehregister

Deutscher Städtetag: i-Kfz-Bund greift zu kurz

[24.09.2026] Der Deutsche Städtetag hält die geplante Zentralisierung der Kfz-Zulassung beim Bund für unzureichend. Der Bund wolle vor allem bereits digitalisierte Standardverfahren übernehmen, während aufwendige Fälle bei den Kommunen blieben. Eine spürbare Entlastung sei so kaum zu erwarten. mehr...

Luftbild Schweriner Schloss

Schwerin: Bund und Land bei Kommunalfinanzen gefordert

[21.09.2026] Mecklenburg-Vorpommerns Landeshauptstadt Schwerin erwartet für 2027 und 2028 Defizite in zweistelliger Millionenhöhe. Oberbürgermeister Sebastian Ehlers sieht darin kein lokales Problem, sondern verweist auf die bundesweit schwierige Finanzlage der Kommunen. Er fordert von Bund und Land eine aufgabenangemessene Finanzausstattung und Entlastungen bei gesetzlichen Leistungen. mehr...

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger bei einer Rede im Bundestag

Bund: Eine Milliarde Euro für Verwaltungsdigitalisierung

[10.09.2026] Der Bund will die Verwaltungsdigitalisierung weiter vorantreiben. Im Haushaltsentwurf sind dafür rund eine Milliarde Euro vorgesehen. Bundesdigitalminister Karsten Wildberger kündigte zudem weitere Schritte beim Deutschland-Stack, bei digitalen Verwaltungsleistungen und der Deutschland-App an. mehr...

BU: Visualisierung des Neuen Stadthauses in Bergisch Gladbach.
bericht

Changemanagement: Veränderung steuern

[07.09.2026] Der Erfolg von großen Digitalisierungsprojekten hängt nur zu einem Teil von der Technik ab. Weitaus wichtiger sind eine saubere Strukturierung in steuerbare Einzelprojekte und der Umgang mit den Mitarbeitenden. Das zeigen Erfahrungen aus Bergisch Gladbach. mehr...

Laqptop auf Schreibtisch, am Bildschirm sieht man das Gründerportal

Schneller Gründen: Aus zwei mach eins

[28.08.2026] Unternehmensgründerinnen und -gründer wollen ihre Energie in ihr Geschäft stecken, nicht in bürokratische Formalitäten. Ein neuer Kombiantrag führt Gewerbeanmeldung und steuerliche Erfassung zusammen. Er wird zunächst an zehn Pilotstandorten erprobt. mehr...

NExT: Policy Paper fordert digitaltaugliches Haushaltsrecht

[26.08.2026] Das Verwaltungsnetzwerk NExT und das Ministerium für Infrastruktur und Digitales Sachsen-Anhalt fordern ein Haushaltsrecht, das agile Digitalisierungsprojekte besser unterstützt. Ein neues Policy Paper zeigt, wo starre Regeln, Prüfverfahren und Papierpflichten die digitale Verwaltung bremsen und welche Reformen Abhilfe schaffen sollen. mehr...

Konsultation: Offene Daten stärken

[24.08.2026] Das Bundesdigitalministerium sammelt noch bis zum 15. September in einer Online-Konsultation Vorschläge für einen neuen Fahrplan für Open Data. Die Ergebnisse sollen in den strategischen Rahmen einfließen, den die Bundesregierung Anfang 2027 beschließen will. mehr...