Mittwoch, 4. November 2026

InterviewDigital und bürgernah

[23.04.2018] Die KDZ Westfalen-Süd und Citkomm sind zur Südwestfalen-IT fusioniert. Verbandsvorsteher Thomas Gemke, Landrat des Märkischen Kreises, sieht in der SIT zahlreiche Vorteile, wie er im Interview mit Kommune21 erklärt.
Thomas Gemke

Thomas Gemke, Verbandsvorsteher der Südwestfalen-IT und Landrat des Märkischen Kreises

(Bildquelle: Privat)

Herr Landrat Gemke, im Januar dieses Jahres wurden Sie bei der konstituierenden Verbandsversammlung der Südwestfalen-IT (SIT) zum Verbandsvorsteher gewählt. Was bedeutet das für Sie?

Mich freut es ganz persönlich, dass die beiden Häuser Citkomm und KDZ Westfalen-Süd zum Jahresbeginn 2018 erfolgreich fusioniert sind. Damit ist uns in Südwestfalen einmal mehr eine erfolgreiche Kooperation auf kommunaler Ebene gelungen. Wir – und damit meine ich alle 59 Städte und Gemeinden sowie fünf Kreise in Südwestfalen – haben mit diesem Schritt unseren IT-Dienstleister für die Zukunft stark aufgestellt. Über das Vertrauen, diesen neuen, großen Verband als Verbandsvorsteher maßgeblich mit lenken zu dürfen, freue ich mich sehr.

Warum haben sich KDZ Westfalen-Süd und Citkomm für die Fusion zur Südwestfalen-IT entschieden?

Die KDZ Westfalen-Süd und die Citkomm arbeiten schon seit vielen Jahren, ja sogar Jahrzehnten erfolgreich zusammen. Dadurch ergab sich viel gegenseitiges Vertrauen. Mit dem Strukturförderprogramm REGIONALE 2013 ist die gesamte Region Südwestfalen noch enger zusammengewachsen. Auf dieser Grundlage sind dann auch die ersten konkreten Gedanken zu einer weiteren Stufe der Zusammenarbeit bei unseren IT-Dienstleistern entstanden. Ein zusätzlicher Anstoß waren notwendig gewordene Baumaßnahmen, also die bauliche Ertüchtigung des Rechenzentrums der Citkomm und der Neubau eines Back-up-Zentrums in Siegen. Vor einer Fusion sollte zunächst anhand von einzelnen Geschäftsbereichen die Machbarkeit geprüft werden. Nachdem dieser Schritt erfolgreich vollzogen war und auch die wirtschaftlichen und qualitativen Ziele nachgewiesen werden konnten, war die Fusion der einzig logische Schritt. Wie Sie wissen, setzen wir Westfalen auf Geradlinigkeit. Ich bin deshalb sehr stolz darauf, dass die notwendigen Beschlüsse in den beiden alten Verbandsversammlungen einstimmig gefasst wurden.

Wie ist die Fusion verlaufen?

Der gesamte Fusionsprozess hat sich über mehrere Jahre verteilt. Gestartet wurde er mit der Schaffung eines Dachverbands. Es folgten die Ausschreibung eines gemeinsamen Finanzwesens und dessen Roll-out in ganz Südwestfalen sowie der Bau eines gemeinsamen Rechenzentrums. Auch das waren bereits sehr umfangreiche und anspruchsvolle Projekte, die wir gemeinsam in der Region entschieden und umgesetzt haben. Die gesamte Zeit war von einer offenen Kommunikation und einer intensiven Gremienarbeit mit den Kommunen, die ja auch Eigentümer sind, geprägt. Auch die Geschäftsführungen beider Häuser haben die Fusion von Beginn an unterstützt und gefördert. Ohne diesen Rahmen wäre die politische Willensbildung in allen 64 Kommunen Südwestfalens am Ende des Prozesses kaum möglich gewesen.

„Wir haben jetzt einen leistungsstarken IT-Dienstleister für die gesamte Region Südwestfalen.“

Welche mit der Fusion angestrebten Ziele wurden erreicht?

Vorweg gesagt: Wir haben jetzt einen leistungsstarken und gut gerüsteten IT-Dienstleister für die gesamte Region Südwestfalen. In Zeiten, in denen Digitalisierung zu einem der wichtigsten Standortfaktoren wird und wir Kommunen mit der Umsetzung von E-Government eine der größten Verwaltungsreformen vor uns haben, ist ein solch starker Partner wichtiger denn je – auch mit Blick auf die zunehmende Cyber-Kriminalität und immer massivere Virenangriffe. All das macht eine starke SIT möglich. Wir haben zudem ein neues Finanzwesen in Südwestfalen eingeführt und die SIT verfügt heute über ein modernes und redundantes Rechenzentrum. Die nächsten Jahre werden wir nutzen, um unsere Dienstleistungen zu verbessern und weitere Synergien zu erschließen.

Welche Eigenschaften erfüllt die neue Südwestfalen-IT?

Kurz gesagt: Die neue Südwestfalen-IT ist schneller, besser und preiswerter. Wir benötigen in der Region einen starken Partner in allen IT-Fragen. Der Trend, IT wieder stärker zu zentralisieren, wird weiter anhalten. Das gilt insbesondere für eine ländliche Region wie Südwestfalen. Beide Altverbände haben wichtige Aspekte in den neuen Verband eingebracht. Und doch ist die SIT mehr als nur die Summe ihrer Einzelteile.

Was ändert sich für die Kommunen?

Vieles und nichts. In IT-Fragen ist die SIT der Ansprechpartner für die Kommunen – genauso wie es die Altverbände waren. Durch die Fusion hat die SIT in Teilen ein größeres Leistungsportfolio, das in den nächsten Monaten gemeinsam mit unseren Gremien weiterentwickelt und konsolidiert wird. Die Finanzierung des neuen Verbands musste in einigen Bereichen angepasst werden. Die Abrechnung erfolgt nicht nur über Umlagen, sondern auch nach individuellem Aufwand. Die neue Gremienstruktur ähnelt den Strukturen der Altverbände. Die Fusion wurde mit einem hohen Maß an Einigkeit vollzogen. Die Änderungen für den Einzelnen sind daher nicht so umfangreich und können in den nächsten Wochen und Monaten nachvollziehbar umgesetzt werden.

Welche nächsten Schritte sind geplant?

Wie bei jeder Fusion fängt die eigentliche operative Arbeit erst jetzt an. Zu den wichtigsten Aufgaben gehört das Zusammenwachsen der handelnden Personen an den Standorten Hemer und Siegen zu einem Team. Notwendige organisatorische Änderungen werden nicht im Hauruckverfahren umgesetzt, sondern unter Beteiligung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mitgenommen werden müssen. Dabei werden weitgehend einvernehmliche Lösungen angestrebt. Inhaltlich wird sich die SIT in den kommenden Monaten damit beschäftigen, ein einheitliches Produktportfolio zu entwickeln und natürlich den Kommunen auf dem Weg zum E-Government tatkräftig zur Seite stehen. Ich freue mich sowohl als Eigentümer als auch als Kunde auf die Zusammenarbeit mit unserer SIT und möchte mit ihr das Motto ,Kommunal: digital bürgernah‘ zur Tatsache werden lassen.

Interview: Verena Barth




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik
Gruppenbild Teilnehmer re@adi-Tag 2026

re@di-Netzwerk: Städte bekräftigen Zusammenarbeit

[03.11.2026] Beim diesjährigen re@di-Tag in Bühl haben sich mehr als 70 Vertreterinnen und Vertreter aus neun baden-württembergischen Städten über digitale Lösungen für die kommunale Verwaltung ausgetauscht. Mit einer aktualisierten Willensbekundung bekräftigten die beteiligten Kommunen ihre weitere Zusammenarbeit. mehr...

Nahaufnahme einer Laptoptastatur, einzelne tippende Hand

Hessen: Über 300 Kommunen erhalten Digitalförderung

[03.11.2026] Das Land Hessen unterstützt mehr als 300 Kommunen mit rund 7,9 Millionen Euro bei der Digitalisierung ihrer Verwaltungen. Gefördert werden Basistechnologien wie E-Akten und digitale Bezahlsysteme. Finanzschwächere Kommunen erhalten höhere Förderquoten. mehr...

bericht

AKDB-Kommunalforum: Schulterschluss für den digitalen Staat

[02.11.2026] Auf der Pressekonferenz zum 7. AKDB-Kommunalforum sprachen Bayerns Digitalminister Fabian Mehring sowie die AKDB-Vorstände Rudolf Schleyer und Gudrun Aschenbrenner über die Zukunft der Verwaltungsdigitalisierung. Im Mittelpunkt standen die digitale Dividende, Cyber-Sicherheit, digitale Souveränität und die Weiterentwicklung der AKDB zum zentralen kommunalen IT-Dienstleister. mehr...

Gruppenbild auf Wiese

DStGB: Nicht ohne kommunale Ebene

[02.11.2026] Der Digitalisierungsausschuss des DStGB fordert eine frühzeitige Einbindung der Kommunen in Digitalvorhaben des Bundes. Bei seiner Herbsttagung ging es um gemeinsame IT-Basiskomponenten und eine stärkere Beteiligung an der Wertschöpfung von Rechenzentren. mehr...

Hessen: Rechenzentren sollen Kommunen mehr einbringen

[26.10.2026] Rechenzentren beanspruchen kommunale Flächen und Infrastruktur. Die geplante Gewerbesteuerreform soll den Standortgemeinden höhere Einnahmen bringen. Das Land Hessen hat im Bundesrat Nachbesserungen verlangt, damit die Regelung möglichst viele Betreiber erfasst. mehr...

Wehende Flagge mit dem Landeswappen von Sachsen.

Sachsen: Fünf Online-Dienste landesweit

[26.10.2026] Der Freistaat Sachsen und der Bund haben vereinbart, fünf Online-Dienste bis Ende Juni 2027 in allen zuständigen Kommunalbehörden bereitzustellen. Der Bund finanziert die technische Anbindung, die govdigital gemeinsam mit dem kommunalen IT-Dienstleister Lecos übernimmt. mehr...

Ein neuer virtueller Marktplatz soll Kommunen die einfache Nachnutzung von EfA-Diensten ermöglichen.
bericht

Sachsen-Anhalt: Marktplatz für Lösungen

[20.10.2026] Sachsen-Anhalt treibt die Digitalisierung seiner Verwaltung mit einem klaren Fokus auf Nachnutzung und Standardisierung voran. Ein zentrales Instrument ist dabei der „eGovernment-Marktplatz Sachsen-Anhalt“. mehr...

bericht

Smart Country Convention: Wildberger kündigt weitere Schritte an

[19.10.2026] Bundesdigitalminister Karsten Wildberger hat auf der Smart Country Convention 2026 in Berlin den Ausbau zentraler digitaler Verwaltungsdienste, die Weiterentwicklung des Deutschland-Stacks und neue KI-Anwendungen angekündigt. mehr...

Baden-Württemberg: Schneller Roll-out statt vieler Einzellösungen

[19.10.2026] Baden-Württemberg hat mit dem Bund vereinbart, fünf bestehende Online-Dienste innerhalb von neun Monaten bei allen zuständigen Behörden im Land verfügbar zu machen. Ein zentral organisierter Anschlussprozess soll die Kommunen bei der Umsetzung unterstützen. mehr...

Eine Hand hält ein weißes Puzzlestück über einen Holztisch, auf dem ein weiteres Puzzleteil liegt

GovTech Kommunal: Kein Ersatz, sondern Ergänzung

[15.10.2026] In der Debatte um mögliche Parallelstrukturen bei der Verwaltungsdigitalisierung hat GovTech Deutschland auf die Kritik der Bundes-Arbeitsgemeinschaft der Kommunalen IT-Dienstleister, Vitako, reagiert. In einer Stellungnahme weisen die Verantwortlichen die Vorwürfe zurück, erläutern die Rolle von GovTech Kommunal und bieten den kommunalen IT-Dienstleistern eine Zusammenarbeit an. mehr...

Sechs leere gelbe Stühle stehen in einer Reihe vor einer weißen Wand

Bitkom-Umfragen: Online aufs Amt bleibt (noch) die Ausnahme

[15.10.2026] Die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung macht Fortschritte, bleibt aber hinter den Erwartungen von Bürgerinnen, Bürgern und Unternehmen zurück. Das zeigen zwei aktuelle Bitkom-Umfragen. Insbesondere fehlende durchgängig digitale Verfahren und Medienbrüche sorgen für Unzufriedenheit. mehr...

Entspannter junger Mann mit Handy auf einem hellen Sofa.

Deutschland-App: Zentrale Projektdetails bleiben offen

[15.10.2026] Die Modernisierungsagenda föderal sieht unter anderem die Umsetzung einer KI-unterstützten Deutschland-App vor, die einen zentralen, komfortablen Zugang zu digitalen Verwaltungsverfahren bieten soll. Mit dem aktuellen Umsetzungsstand, der Vergabe und Auftragsvolumina befasste sich jetzt der Bundestag. mehr...

bunte Holztürme, die nebeneinander auf einem Holzfußboden stehen

Vitako: Warnung vor neuen Parallelstrukturen

[09.10.2026] Mit GovTech Kommunal ist Ende 2025 ein neuer Akteur für die kommunale Verwaltungsdigitalisierung gestartet. Der Verband Vitako sieht dessen Aktivitäten kritisch. In einem Positionspapier warnt er vor Doppelstrukturen, zusätzlichen Kosten und einer weiteren Zersplitterung der kommunalen IT-Landschaft und fordert, lieber bestehende föderale und kommunale Strukturen zu stärken. mehr...

Hessen: Positive Halbzeitbilanz

[05.10.2026] Hessen zieht eine positive Halbzeitbilanz seines Pilotprojekts mit dem Bundesdigitalministerium zur flächendeckenden Einführung digitaler Verwaltungsleistungen. Bei der An- und Ummeldung sind bereits mehr als 90 Prozent der Kommunen angeschlossen. mehr...

Körniges Schwarz-Weiß-Foto, Großraum-Büro mit vielen Arbeitsplätzen und Ordnern und Drehregister

Deutscher Städtetag: i-Kfz-Bund greift zu kurz

[24.09.2026] Der Deutsche Städtetag hält die geplante Zentralisierung der Kfz-Zulassung beim Bund für unzureichend. Der Bund wolle vor allem bereits digitalisierte Standardverfahren übernehmen, während aufwendige Fälle bei den Kommunen blieben. Eine spürbare Entlastung sei so kaum zu erwarten. mehr...