InterviewDigital und bürgernah

Thomas Gemke, Verbandsvorsteher der Südwestfalen-IT und Landrat des Märkischen Kreises
(Bildquelle: Privat)
Herr Landrat Gemke, im Januar dieses Jahres wurden Sie bei der konstituierenden Verbandsversammlung der Südwestfalen-IT (SIT) zum Verbandsvorsteher gewählt. Was bedeutet das für Sie?
Mich freut es ganz persönlich, dass die beiden Häuser Citkomm und KDZ Westfalen-Süd zum Jahresbeginn 2018 erfolgreich fusioniert sind. Damit ist uns in Südwestfalen einmal mehr eine erfolgreiche Kooperation auf kommunaler Ebene gelungen. Wir – und damit meine ich alle 59 Städte und Gemeinden sowie fünf Kreise in Südwestfalen – haben mit diesem Schritt unseren IT-Dienstleister für die Zukunft stark aufgestellt. Über das Vertrauen, diesen neuen, großen Verband als Verbandsvorsteher maßgeblich mit lenken zu dürfen, freue ich mich sehr.
Warum haben sich KDZ Westfalen-Süd und Citkomm für die Fusion zur Südwestfalen-IT entschieden?
Die KDZ Westfalen-Süd und die Citkomm arbeiten schon seit vielen Jahren, ja sogar Jahrzehnten erfolgreich zusammen. Dadurch ergab sich viel gegenseitiges Vertrauen. Mit dem Strukturförderprogramm REGIONALE 2013 ist die gesamte Region Südwestfalen noch enger zusammengewachsen. Auf dieser Grundlage sind dann auch die ersten konkreten Gedanken zu einer weiteren Stufe der Zusammenarbeit bei unseren IT-Dienstleistern entstanden. Ein zusätzlicher Anstoß waren notwendig gewordene Baumaßnahmen, also die bauliche Ertüchtigung des Rechenzentrums der Citkomm und der Neubau eines Back-up-Zentrums in Siegen. Vor einer Fusion sollte zunächst anhand von einzelnen Geschäftsbereichen die Machbarkeit geprüft werden. Nachdem dieser Schritt erfolgreich vollzogen war und auch die wirtschaftlichen und qualitativen Ziele nachgewiesen werden konnten, war die Fusion der einzig logische Schritt. Wie Sie wissen, setzen wir Westfalen auf Geradlinigkeit. Ich bin deshalb sehr stolz darauf, dass die notwendigen Beschlüsse in den beiden alten Verbandsversammlungen einstimmig gefasst wurden.
Wie ist die Fusion verlaufen?
Der gesamte Fusionsprozess hat sich über mehrere Jahre verteilt. Gestartet wurde er mit der Schaffung eines Dachverbands. Es folgten die Ausschreibung eines gemeinsamen Finanzwesens und dessen Roll-out in ganz Südwestfalen sowie der Bau eines gemeinsamen Rechenzentrums. Auch das waren bereits sehr umfangreiche und anspruchsvolle Projekte, die wir gemeinsam in der Region entschieden und umgesetzt haben. Die gesamte Zeit war von einer offenen Kommunikation und einer intensiven Gremienarbeit mit den Kommunen, die ja auch Eigentümer sind, geprägt. Auch die Geschäftsführungen beider Häuser haben die Fusion von Beginn an unterstützt und gefördert. Ohne diesen Rahmen wäre die politische Willensbildung in allen 64 Kommunen Südwestfalens am Ende des Prozesses kaum möglich gewesen.
„Wir haben jetzt einen leistungsstarken IT-Dienstleister für die gesamte Region Südwestfalen.“
Welche mit der Fusion angestrebten Ziele wurden erreicht?
Vorweg gesagt: Wir haben jetzt einen leistungsstarken und gut gerüsteten IT-Dienstleister für die gesamte Region Südwestfalen. In Zeiten, in denen Digitalisierung zu einem der wichtigsten Standortfaktoren wird und wir Kommunen mit der Umsetzung von E-Government eine der größten Verwaltungsreformen vor uns haben, ist ein solch starker Partner wichtiger denn je – auch mit Blick auf die zunehmende Cyber-Kriminalität und immer massivere Virenangriffe. All das macht eine starke SIT möglich. Wir haben zudem ein neues Finanzwesen in Südwestfalen eingeführt und die SIT verfügt heute über ein modernes und redundantes Rechenzentrum. Die nächsten Jahre werden wir nutzen, um unsere Dienstleistungen zu verbessern und weitere Synergien zu erschließen.
Welche Eigenschaften erfüllt die neue Südwestfalen-IT?
Kurz gesagt: Die neue Südwestfalen-IT ist schneller, besser und preiswerter. Wir benötigen in der Region einen starken Partner in allen IT-Fragen. Der Trend, IT wieder stärker zu zentralisieren, wird weiter anhalten. Das gilt insbesondere für eine ländliche Region wie Südwestfalen. Beide Altverbände haben wichtige Aspekte in den neuen Verband eingebracht. Und doch ist die SIT mehr als nur die Summe ihrer Einzelteile.
Was ändert sich für die Kommunen?
Vieles und nichts. In IT-Fragen ist die SIT der Ansprechpartner für die Kommunen – genauso wie es die Altverbände waren. Durch die Fusion hat die SIT in Teilen ein größeres Leistungsportfolio, das in den nächsten Monaten gemeinsam mit unseren Gremien weiterentwickelt und konsolidiert wird. Die Finanzierung des neuen Verbands musste in einigen Bereichen angepasst werden. Die Abrechnung erfolgt nicht nur über Umlagen, sondern auch nach individuellem Aufwand. Die neue Gremienstruktur ähnelt den Strukturen der Altverbände. Die Fusion wurde mit einem hohen Maß an Einigkeit vollzogen. Die Änderungen für den Einzelnen sind daher nicht so umfangreich und können in den nächsten Wochen und Monaten nachvollziehbar umgesetzt werden.
Welche nächsten Schritte sind geplant?
Wie bei jeder Fusion fängt die eigentliche operative Arbeit erst jetzt an. Zu den wichtigsten Aufgaben gehört das Zusammenwachsen der handelnden Personen an den Standorten Hemer und Siegen zu einem Team. Notwendige organisatorische Änderungen werden nicht im Hauruckverfahren umgesetzt, sondern unter Beteiligung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mitgenommen werden müssen. Dabei werden weitgehend einvernehmliche Lösungen angestrebt. Inhaltlich wird sich die SIT in den kommenden Monaten damit beschäftigen, ein einheitliches Produktportfolio zu entwickeln und natürlich den Kommunen auf dem Weg zum E-Government tatkräftig zur Seite stehen. Ich freue mich sowohl als Eigentümer als auch als Kunde auf die Zusammenarbeit mit unserer SIT und möchte mit ihr das Motto ,Kommunal: digital bürgernah‘ zur Tatsache werden lassen.
Dieser Beitrag ist in der Ausgabe April 2018 von Kommune21 erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abnonnieren.
Niedersachsen: Im Maschinenraum der Verwaltungsdigitalisierung
[28.05.2026] Seit April unterstützt eine Taskforce niedersächsische Kommunen dabei, wichtige Verwaltungsleistungen online anzubinden. Die Beteiligten arbeiten eng zusammen, um technische, organisatorische und finanzielle Hürden für den Einsatz der Online-Dienste aus dem Weg zu räumen – mit Erfolg. mehr...
re:publica26: Vom Ankündigen zum Liefern
[21.05.2026] Auf der Digitalkonferenz re:publica26 zieht Bundesdigitalminister Karsten Wildberger eine Jahresbilanz und spricht sich resolut für mehr digitale Souveränität und Open Source aus. mehr...
Komm.ONE: Landesregierung strebt engere Zusammenarbeit an
[18.05.2026] Die neue Landesregierung in Baden-Württemberg will Landes-IT und kommunale IT künftig enger zusammenführen und ein gemeinsames Rechenzentrum aufbauen. Komm.ONE unterstützt die Pläne und sieht darin eine wichtige Grundlage für die weitere Digitalisierung der Verwaltung. mehr...
Ein Jahr BMDS: Gute Ansätze – zu wenig Verbindlichkeit
[07.05.2026] Ein Jahr nach dem Start des Digitalministeriums ziehen weitere Branchenverbände Bilanz. Die Open Source Business Alliance fordert mehr Verbindlichkeit bei Open Source und digitaler Souveränität, der BREKO verlässliche Rahmenbedingungen für den Glasfaserausbau. mehr...
DStGB: Umsteuern zur rein digitalen Verwaltung
[30.04.2026] Wie digitale Lösungen, Automatisierung und Künstliche Intelligenz zur Modernisierung des Staates beitragen und so für die dringend nötige Entlastung der Kommunen sorgen können, diskutierte der Ausschuss für Digitalisierung des Deutschen Städte- und Gemeindebunds auf seiner Frühjahrstagung. mehr...
Vitako: Impulse für die Digitalisierung
[29.04.2026] Auf der Vitako-Mitgliederversammlung haben Deutschlands kommunale IT-Dienstleister zentrale Weichen für die Verwaltungsdigitalisierung gestellt. Im Fokus standen der Deutschland-Stack, die interföderale Marktentwicklung, das Zukunftsbild der kommunalen IT sowie Fragen der digitalen Souveränität. mehr...
Bitkom: Schulen erhalten Smart-School-Siegel
[24.04.2026] Bundesbildungsministerin Karin Prien hat in Berlin Schulen für herausragende digitale Bildungskonzepte ausgezeichnet. Der Wettbewerb des Branchenverbands Bitkom zeigt, wie sich digitale Innovationen im Unterricht erfolgreich umsetzen lassen und künftig stärker verbreitet werden sollen. mehr...
Mecklenburg-Vorpommern: Schub für die Registermodernisierung
[21.04.2026] Mecklenburg-Vorpommern hat bis zu 150 Millionen Euro für Registermodernisierung und Maßnahmen für mehr IT-Sicherheit freigegeben. Land und Kommunen betonen die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit bei der Verwaltungsdigitalisierung. mehr...
IT-Planungsrat: Kommunen scheuen EfA-Kosten
[17.04.2026] Eine neue Studie des IT-Planungsrats zeigt, warum Online-Dienste von Bürgern zu wenig genutzt und von Kommunen kaum nachgenutzt werden. Sie schlägt eine föderale Antragsplattform mit kommunalen Marken, Ende-zu-Ende-Digitalisierung und einer Cloud-Infrastruktur vor. mehr...
BMDS/Niedersachsen: Fokusleistungen in alle Kommunen
[16.04.2026] Mit einem neuen Ansatz will das BMDS digitale Verwaltungsleistungen in die Fläche bringen. Kernstück ist die Beauftragung eines Generalunternehmers, der die Ende-zu-Ende-Verantwortung für den Roll-out in den Kommunen übernimmt. Nach Bayern und Hessen hat nun Niedersachsen eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. mehr...
Interview: Wir sitzen im gleichen Boot
[02.04.2026] Im Märkischen Kreis haben sich mehrere Kommunen zum Netzwerk Digitalisierung und E-Government zusammengeschlossen. Welchen Mehrwert der interkommunale Austausch bringt, beschreibt Jasmin Grünschläger, Digitalisierungsbeauftragte der Stadt Menden. mehr...
Schleswig-Holstein: Digitalstrategie 2026 vorgestellt
[19.03.2026] Schleswig-Holstein hat seine neue Digitalstrategie beschlossen. Erstmalig waren zentrale Partner aus Kommunen und Zivilgesellschaft systematisch in den Strategieprozess eingebunden, um einen breiten gesellschaftlichen Ansatz zu ermöglichen. mehr...
Baden-Württemberg: Gemeinsam schneller digital
[18.03.2026] In Baden-Württemberg haben Land und Kommunen eine neue – die inzwischen dritte – E-Government-Vereinbarung unterzeichnet. Das Land will den Roll-out von Verwaltungsleistungen in den Kommunen mit weiteren zehn Millionen Euro finanzieren. mehr...
Thüringen: Land unterstützt Kommunen intensiv
[17.03.2026] Ein neuer Prüfbericht des Thüringer Rechnungshofs sieht beträchtliche Defizite bei der OZG-Umsetzung und der Digitalisierung der kommunalen Verwaltung. In einer Stellungnahme erläutert das Digitalministerium, wie das Land Kommunen unterstützt. mehr...
Verwaltungsdigitalisierung: Lehren für die Zukunft ziehen
[12.03.2026] In 25 Jahren Verwaltungsdigitalisierung mangelte es nicht an ehrgeizigen Zielen. Diese wurden aber trotz der nötigen finanziellen Ressourcen häufig verfehlt. Aus den Erfahrungen der Vergangenheit können Lehren für aktuelle Projekte gezogen werden. mehr...




















