Dienstag, 11. August 2026

DSAG-StellungnahmeE-Rechnung braucht Digitalisierung

[23.06.2023] Ein Diskussionsvorschlag des Bundesfinanzministeriums sieht eine E-Rechnungs-Pflicht bei inländischen B2B-Umsätzen vor. Die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe hält den Vorschlag für nicht ausreichend und fordert einen einheitlichen, komplett digitalisierten E-Rechnungs-Prozess.

Das Bundesfinanzministerium (BMF) stellt eine E-Rechnungs-Pflicht bei inländischen B2B-Umsätzen zur Diskussion. Dazu hat sich nun die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe (DSAG) geäußert. Dass der Diskussionsvorschlag ein elektronisches Meldesystem für Rechnungen vorsieht, bewertet sie positiv. Im Hinblick auf eine vollständige Digitalisierungsstrategie sei dies aber nicht genug. Um einen nachhaltigen Mehrwert für das steuerpflichtige Unternehmen und die Finanzbehörden zu generieren, wäre ein digitales Verfahren erforderlich, mit dem Rechnungen erstellt, geprüft, weitergeleitet und bezahlt werden können, ohne papierhafte Belege austauschen zu müssen, sagt DSAG-Fachvorstand Technologie, Sebastian Westphal.
Die DSAG weist darauf hin, dass es sich bei dem geplanten elektronischen Meldewesen nicht um E-Invoicing handelt. Echtes E-Invoicing gebe es in Deutschland derzeit nicht, stattdessen werde eine elektronische Rechnung in einem elektronischen Format ausgestellt und empfangen, etwa als PDF. Daher geht der neue Diskussionsvorschlag aus Sicht des Industrieverbandes nicht weit genug. Der Vorschlag zum elektronischen Meldewesen sehe drei Elemente im Zusammenhang mit Rechnungen vor: deren Erstellung, Prüfung und Übermittlung. Die konkrete Ausgestaltung dieser Prozesse dürfte jedoch nicht divergieren, um den Umsetzungsaufwand für die Unternehmen gering zu halten und eine hohe Adaptionsrate zu erreichen.

Clearance-Verfahren notwendig

Aus DSAG-Sicht braucht es zusätzlich zum geplanten Meldesystem ein umfassendes Clearance-Verfahren, wie es in anderen Staaten bereits genutzt wird. „Das E-Invoicing sollte nicht nur den elektronischen Austausch, sondern auch die Verarbeitung von Rechnungen zwischen Lieferanten und Käufern umfassen“, sagt Sebastian Westphal. Hierzu bedürfe es eines strukturierten Datenformats, das von den Systemen der Unternehmen automatisch importiert, validiert und abgewickelt werden könne. Neben dem mit dem vorgelegten Diskussionsvorschlag angestrebten Meldewesen, das den Umsatzsteuerbetrug eindämmen soll, könne ein solches Verfahren Kosten, Fehler und schließlich auch die Umweltbelastung reduzieren. Wäre dieses Verfahren mit den Kanälen des digitalen Zahlungsverkehrs kombinierbar, könnten Rechnungen mit den Standardprozessen des jeweiligen Unternehmens verbucht und bezahlt werden.

Gesetzgebung ist gefordert

Die DSAG fordert einen vollwertigen, komplett digitalisierten E-Rechnungsprozess, der für Unternehmen aller Branchen anwendbar ist. Das Format sollte providerunabhängig sein und keine regionalen Unterschiede vorsehen. Die Zielrichtung sollte ein EU-weites System sein, sodass Dokumente wie etwa die zusammenfassende Meldung durch die E-Rechnung überflüssig werden, erklärt Westphal. Technische Punkte, wie das verwendete Format, müssten zudem frühzeitig bekannt gemacht werden, damit Software-Hersteller die für Unternehmen notwendige Tool-Unterstützung implementieren können. Gleichzeitig sollte frühzeitig eine Testplattform bereitgestellt werden. Zur Unterstützung von Kleinunternehmern sollte ein Portal implementiert werden, das es erlaubt, E-Rechnungen manuell zu erfassen.
Aus DSAG-Sicht liegen die Formate und technischen Standards vor, um die Prozesse von der Rechnungserstellung bis zur Zahlung durchgehend zu digitalisieren. Nun sei es an der Gesetzgebung, vereinfachte Abläufe für ein digitales und zukunftsfähiges Verfahren zu schaffen, so der Verband. Die Minimalanforderung sei ein Meldewesen und ein Portal für die Unternehmen – und das idealerweise europaweit.





Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik
Nahaufnahme der Flagge von Mecklenburg-Vorpommern

Mecklenburg-Vorpommern: Landes- und Kommunalverwaltung rücken zusammen

[29.07.2026] Mecklenburg-Vorpommern tritt dem kommunalen Zweckverband eGo-MV bei. Land und Kommunen wollen damit ihre Zusammenarbeit bei IT-Infrastrukturen, Standards und gemeinsamen Digitalisierungsprojekten verbindlicher organisieren. mehr...

Porträtaufnahme von Kristina Sinemus.

Hessen: Digitale Basis für finanzschwache Kommunen

[22.07.2026] Mit einem neuen Förderprogramm unterstützt Hessen insbesondere finanzschwächere Kommunen bei der Einführung grundlegender Technologien für die Verwaltungsdigitalisierung. Damit soll die digitale Transformation auch in Kommunen mit engen finanziellen Spielräumen vorankommen. mehr...

Zahnräder_Hände
bericht

Digitalisierung: Taskforce eingerichtet

[16.07.2026] Niedersachsen versteht die Digitalisierung als ebenenübergreifende Aufgabe. Mit Rahmenwerk, strategischer Steuerung und operativer Unterstützung, gebündelt mit Standardisierung und konsequenter Kooperation, sind Land und Kommunen auf einem guten Weg. mehr...

bericht

Baden-Württemberg: Komm.ONE fordert neue Dynamik

[06.07.2026] Die Verwaltungsdigitalisierung in Baden-Württemberg soll deutlich an Tempo gewinnen. Im Mittelpunkt stehen eine engere Zusammenarbeit zwischen Land und Kommunen, verlässliche Finanzierungsmodelle sowie eine stärkere Rolle des kommunalen IT-Dienstleisters bei der Umsetzung zentraler Digitalisierungsprojekte. Auch eine langfristige Annäherung an die Landes-IT BITBW schließen die Verantwortlichen nicht aus. mehr...

Sachsen-Flagge im Wind

Sachsen: Mittel für kommunale Digitalisierung

[06.07.2026] Sachsen plant im Doppelhaushalt 2027/2028 weitere Mittel für die Verwaltungsdigitalisierung ein. Neben dem Sächsischen Verwaltungsnetz und zentralen Landesportalen sollen auch Kommunen bei digitalen Diensten und internen Verfahren unterstützt werden. mehr...

Gruppenfoto am Spreeufer, das Kanzleramt im Hintergrund

Vitako: Der moderne Staat fängt in den Kommunen an

[02.07.2026] Die Staatsmodernisierung entscheidet sich nicht im Konzept, sondern in der kommunalen Umsetzung. Beim Politischen Abend von Vitako diskutierten Bundestagsabgeordnete und Fachleute, wie kommunale IT-Dienstleister, gemeinsame Standards und klare Governance die Verwaltungsdigitalisierung voranbringen können. mehr...

Porträt Landrat Dr. Achim Brötel

Deutscher Landkreistag: Landkreise als Innovationsräume

[25.06.2026] Digitale Modernisierung muss in der kommunalen Praxis ankommen: Der Deutsche Landkreistag dringt im Austausch mit Bundesdigitalminister Karsten Wildberger darauf, Landkreise bei zentralen Vorhaben der Staatsmodernisierung frühzeitig einzubinden. mehr...

Dr. Annika Busse - Hamburg CIO
interview

Hamburg: Gemeinsam mehr erreichen

[24.06.2026] Seit Ende vergangenen Jahres ist Annika Busse neue Hamburg-CIO. Im Interview spricht sie über Mitarbeitermotivation, Ziele für Hamburgerinnen und Hamburger sowie die Verwaltung und darüber, woran sie am Ende ihrer Amtszeit gemessen werden möchte. mehr...

von rechts: Mehring, Sinemus, Wildberger, daneben noch weitere (unbekannte) Personen

BMDS/Bayern: Kooperation zur flächendeckenden Digitalisierung

[23.06.2026] Im Rahmen einer Pilotkooperation wollen das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) und das Bayerische Staatsministerium für Digitales (StMD) bis Ende dieses Jahres in allen bayerischen Kommunen zentrale digitale Verwaltungsleistungen bereitstellen. Die Rolle des Generalunternehmers auf Ebene des Landes übernimmt die AKDB. mehr...

zwei Männer geben sich die Hand_Karsten Wildberger_mario Voigt

Thüringen: Wichtige Online-Dienste für alle Kommunen

[11.06.2026] Thüringen und der Bund wollen fünf Verwaltungsleistungen bis Ende März 2027 landesweit digital verfügbar machen. govdigital und KIV Thüringen sollen die Online-Dienste in den Thüringer Kommunen bis zur vollständigen Betriebsfähigkeit integrieren. mehr...

Niedersachsen: Im Maschinenraum der Verwaltungsdigitalisierung

[28.05.2026] Seit April unterstützt eine Taskforce niedersächsische Kommunen dabei, wichtige Verwaltungsleistungen online anzubinden. Die Beteiligten arbeiten eng zusammen, um technische, organisatorische und finanzielle Hürden für den Einsatz der Online-Dienste aus dem Weg zu räumen – mit Erfolg. mehr...

bericht

re:publica26: Vom Ankündigen zum Liefern

[21.05.2026] Auf der Digitalkonferenz re:publica26 zieht Bundesdigitalminister Karsten Wildberger eine Jahresbilanz und spricht sich resolut für mehr digitale Souveränität und Open Source aus. mehr...

Komm.ONE: Landesregierung strebt engere Zusammenarbeit an

[18.05.2026] Die neue Landesregierung in Baden-Württemberg will Landes-IT und kommunale IT künftig enger zusammenführen und ein gemeinsames Rechenzentrum aufbauen. Komm.ONE unterstützt die Pläne und sieht darin eine wichtige Grundlage für die weitere Digitalisierung der Verwaltung. mehr...

Offizielles Porträt von Bundesdigitalminister Karsten Wildberger

Ein Jahr BMDS: Gute Ansätze – zu wenig Verbindlichkeit

[07.05.2026] Ein Jahr nach dem Start des Digitalministeriums ziehen weitere Branchenverbände Bilanz. Die Open Source Business Alliance fordert mehr Verbindlichkeit bei Open Source und digitaler Souveränität, der BREKO verlässliche Rahmenbedingungen für den Glasfaserausbau. mehr...

Mitglieder des Digitalausschusses des DStGB

DStGB: Umsteuern zur rein digitalen Verwaltung

[30.04.2026] Wie digitale Lösungen, Automatisierung und Künstliche Intelligenz zur Modernisierung des Staates beitragen und so für die dringend nötige Entlastung der Kommunen sorgen können, diskutierte der Ausschuss für Digitalisierung des Deutschen Städte- und Gemeindebunds auf seiner Frühjahrstagung.
 mehr...