Mittwoch, 10. Juni 2026

VollstreckungEssen pfändet mobil

[25.07.2019] Durch den Einsatz einer mobilen Software-Lösung konnte die Stadt Essen die Vollstreckungsbeamten im Außendienst administrativ deutlich entlasten. Auch der Innendienst profitiert von der Einführung des elektronischen Pfändungsauftrags.
Stadt Essen digitalisiert die Vollstreckung.

Stadt Essen digitalisiert die Vollstreckung.

(Bildquelle: Stadt Essen)

Mit der Einführung der Vollstreckungssoftware avviso von Anbieter DATA-team hat die Stadt Essen ihre Prozesse im Forderungsmanagement im Frühjahr 2013 grundlegend optimiert. Manuelle Prozesse wurden verschlankt und automatisiert. Die Kommunikation zwischen der führenden Finanz-Software SAP FI-CA (PSCD Massenkontokorrentlösung für den Public Sector) und avviso erfolgt in Form eines Hintergrunddienstes und garantiert einen sekundenaktuellen Datenbestand in beiden Systemen.

Beauftragungen in Papierform nicht mehr zeitgemäß

Davon profitierte in erster Linie der Vollstreckungsinnendienst. Die Vollziehungsbeamten erhielten weiterhin gedruckte Pfändungsaufträge. Beauftragungen in Papierform waren allerdings nicht mehr zeitgemäß und entsprachen ebenso wenig den Anforderungen an eine effektive Außendienstvollstreckung. Nur die ganzheitliche Betrachtung des Schuldners in Bezug auf seinen Forderungsbestand und bereits veranlasste Maßnahmen führt zu einer erfolgreichen Vollstreckungsstrategie.
Der auf herkömmliche Weise beauftragte Vollziehungsbeamte hatte im Außendienst lediglich auf die Informationen Zugriff, die der papierbasierte Vollstreckungsauftrag hergab. Erwirkte Zahlungen und Pfändungen bezogen sich meist nur auf Forderungen, für die es einen Auftrag gab. Weitere Außenstände konnten nicht berücksichtigt werden. Einwendungen der Schuldner, die Forderung sei unbekannt oder bereits ausgeglichen, konnten mangels Einblick in die Fallhistorie nicht sofort geprüft werden. Der Sortieraufwand, die tägliche Zusammenstellung der Vollstreckungstour sowie der Einzeldruck und Versand der Zahlungsaufforderungen banden den Vollziehungsbeamten täglich mehrere Stunden im Innendienst. Der Innendienst wiederum musste die vom Vollstreckungsaußendienst eingezogenen Beträge im Buchungssystem den einzelnen Forderungen zuordnen.

Mobile Lösung für den Außendienst

Die Stadt Essen beschloss deshalb die Einführung einer mobilen Lösung für den Außendienst. Die Software sollte die Vollziehungsbeamten administrativ entlasten, also: keine Sortierung der Pfändungsaufträge mehr, kein Druck und Versand der Schriftstücke im Büro, keine manuelle Tourenplanung. Weitere Ziele: Vollziehungsbeamte sollten beim Schuldner vor Ort einen vollständigen Zugriff auf die Vollstreckungsakte haben, die Verbuchung der eingezogenen Beträge sollte belegscharf direkt durch den Beamten per Knopfdruck in der Forderungsaufstellung zum Pfändungsauftrag erfolgen, sodass die gewonnene Zeit in die Vollstreckung investiert werden könnte.
Nachdem die Stadt die Anforderungen definiert hatte, wurden die Vorstellungen dem Hersteller der in Essen eingesetzten Vollstreckungssoftware, der Firma DATA-team, erläutert. Bereits in dieser frühen Phase erhielten die Vollziehungsbeamten kostenfreie Testversionen der neuen Außendienstlösung avviso.tourer, um deren Einsatztauglichkeit festzustellen. Die in den Feldtests gewonnenen Erkenntnisse flossen in die Entwicklung neuer Versionen ein. Neben dem Test der Software konnte die Stadt Essen zugleich die favorisierte Hardware auf ihre Praxistauglichkeit im Außendienst prüfen. Die Entscheidung fiel auf Lenovo Yoga 2-in-1 Notebooks mit Windows-Betriebssystem. Da der avviso.tourer vollständig in einem Webbrowser ausgeführt wird, bestehen keine besonderen Leistungsanforderungen an die Hardware. Wert wurde hingegen auf eine möglichst hohe Akkukapazität und Robustheit in Bezug auf Witterungs- und andere Einflüsse gelegt. Es zeigte sich, dass die Kombination der Eingabe per Touchscreen und herkömmlicher Tastatur optimal ist. Ebenso wurde schon frühzeitig die Netzabdeckung für den Empfang der mobilen Daten im Testeinsatz festgestellt.

Vorteile schnell ersichtlich

Nach erfolgreichem Abschluss der Testphase wird die Außendienst-Software seit August 2017 produktiv genutzt. Die teilweise vorhandenen Vorbehalte der Dienstkräfte gegen den elektronischen Pfändungsauftrag waren aufgrund der erheblichen Vorteile durch den Einsatz des avviso.tourer schnell ausgeräumt. Wird der Schuldner nicht angetroffen, kann der Vollziehungsbeamte im avviso.tourer bereits vor Ort eine Zahlungsaufforderung erstellen. Diese wird über einen zeitgesteuerten Massenlauf zentral gedruckt und über die Poststraße zum Versand gegeben. Der manuelle Terminvollzug mit Einzelausdruck und Übergabe zum Versand entfällt vollständig. Die Innendienstzeiten konnten dadurch erheblich verringert werden.
Durch die Möglichkeit der Einsicht in die Schuldnerhistorie hat der Vollziehungsbeamte auch im Außendienst den vollen Zugriff auf alle Dokumente, wie beispielsweise das Original des Amtshilfeersuchens, und bisher ergriffene Maßnahmen. Somit hat sich die durchschnittliche Bearbeitungsdauer eines Pfändungsauftrags erheblich reduziert. Der Innendienst profitiert von einer sofortigen Übernahme aller Außendienstdokumente in die Fallhistorie, etwa Niederschriften über erfolglose Vollstreckungsmaßnahmen, sowie von der sofortigen, belegscharfen Verbuchung der eingezogenen Beträge. Aus diesem Grund wurde auf eine tägliche Büro-Präsenzpflicht der Vollziehungsbeamten verzichtet und die Möglichkeit des Homeoffice eröffnet. Damit verbunden waren Einsparungen in der Bürofläche und dem Inventar.

Rückkehr zu alten Zeiten undenkbar

Auch nach erfolgreicher Einführung des avviso.tourer steht die Stadt Essen im engen Kontakt mit Hersteller DATA-team, um den weiteren Ausbau zur Optimierung der Software zu begleiten. Die Identifikation mit dem avviso.tourer wächst mit jedem Feature, das durch die Anregung der Vollziehungsbeamten den Weg in das Produkt gefunden hat. Eine Rückkehr in die alten Zeiten mit Papieraufträgen ist mittlerweile undenkbar.

Holger Menke ist Leiter des Vollstreckungsaußendienstes der Stadt Essen.




Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Fachverfahren

Unternehmensgründung: Loslegen statt Formulare ausfüllen

[08.06.2026] Aachen und Düsseldorf testen ab Juli den digitalen Kombiantrag im Bund-Länder-Projekt Schneller Gründen. Er soll Gewerbeanmeldung und steuerliche Erfassung verbinden, doppelte Dateneingaben vermeiden und Bearbeitungszeiten verkürzen. mehr...

bericht

Personalabrechnung: Belastbare Strukturen

[29.05.2026] Steigende Komplexität und Fachkräftemangel setzen die Personalabrechnung in der öffentlichen Verwaltung zunehmend unter Druck. Die Auslagerung wird daher zu einem strategischen Instrument, um Risiken zu reduzieren und weiterhin handlungsfähig zu bleiben. mehr...

Dom Luftaufnahme Fulda Domplatz Innenstadt

Fulda: Pilotstandort für schnelleres Gründen

[28.05.2026] Fulda übernimmt eine Vorreiterrolle bei der Modernisierung von Gründungsverfahren. Als eine von neun Pilotkommunen wurde die Stadt mit ihrer Nachbargemeinde Petersberg vom Bund für das Projekt „Schneller Gründen“ ausgewählt. mehr...

eine Frau schiebt eine Restabfalltonne auf die Straße

Kreis Oldenburg: SAP zentralisiert Abfallwirtschaft

[08.05.2026] Pünktlich zum Jahresbeginn hat der Kreis Oldenburg gemeinsam mit dem IT-Dienstleister KDO ein technisches Großprojekt auf Basis seines bestehenden SAP-Systems erfolgreich zum Abschluss gebracht: Die Zentralisierung der Abfallwirtschaft. mehr...

Auf einem Smartphone ist eine digitale G´Hundemarke zu sehen, im Hintergrund ist verschwommen ein Hundesgesicht erkennbar
bericht

Essen: Hundesteuermarke auf dem Smartphone

[06.05.2026] Wer einen Hund hält, muss diesen anmelden und erhält dafür eine Hundesteuermarke. Für die rund 30.000 Hunde in Essen steht diese seit Beginn dieses Jahres nicht mehr als Metallmarke, sondern in digitaler Form zur Verfügung. mehr...

Räumfahrzeug auf einer verschneiten Straße in einer Stadt

Winterdienst: Digital auf den nächsten Schnee vorbereiten

[05.05.2026] Bei frühsommerlichen Temperaturen bereiten sich viele Kommunen bereits auf den nächsten Winterdienst vor. Angesichts zunehmend dynamischer Wetterlagen und hoher Anforderungen an Reaktionsgeschwindigkeit und Koordination gewinnen digitale Lösungen zur Alarmierung und Einsatzsteuerung an Bedeutung. mehr...

Kita
bericht

Kita-Lösungen: Ganztagsbetreuung verwalten

[29.04.2026] Mit dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung ab dem kommenden Schuljahr stehen Kommunen vor der Aufgabe, mehr Angebote zu schaffen und deren Vergabe effizient zu organisieren. Digitale Lösungen können helfen, Nachfrage und Kapazitäten besser zu steuern. mehr...

Straßenfest mit Essensbuden

EDV Ermtraud: Gaststätte online anmelden

[15.04.2026] Das Land Baden-Württemberg hat den Anzeigeweg im Gaststättengewerbe vereinfacht. Das Unternehmen EDV Ermtraud hat jetzt einen Online-Dienst vorgestellt, über den Bürgerinnen und Bürger ihre Anzeige künftig digital einreichen können. mehr...

Mainz: Umstellung auf den digitalen Bauantrag

[14.04.2026] Die Stadt Mainz treibt die Digitalisierung ihrer Verwaltungsleistungen voran: Künftig wird auch das zentrale Fachverfahren Bauantrag digital unterstützt. Die Umstellung auf das neue Verfahren erfolgt schrittweise. 
 mehr...

Hund Vicky

nextgov iT: Digitale Hundeverwaltung

[09.04.2026] Gemeinsam mit kommunalen Fachämtern hat der Anbieter nextgov iT einen Dienst für die digitale Hundeverwaltung entwickelt. Der medienbruchfreie Prozess soll den Bürgerservice erhöhen und die Kommunen entlasten. mehr...

Park im Frühling, Bäume, ein Weg und Bänke

RIWA: Lösungen für die digitale Baumpflege

[08.04.2026] Mit seinem Produktportfolio für ein modernes, digitales Baum- und Grünflächenmanagement gibt GIS-Anbieter RIWA Kommunen ein praxisnahes Werkzeug an die Hand, um ihr Baummanagement effizient zu gestalten. mehr...

Eine Person tippt auf einer Computertastatur.

Erkrath: KRZN migriert VOIS-Plattform

[02.04.2026] Das Kommunale Rechenzentrum Niederrhein (KRZN) hat erstmals eine bereits produktiv genutzte VOIS-Plattform in sein Betriebsumfeld migriert. Es handelt sich um die VOIS-Fachverfahren der Stadt Erkrath für das Einwohnerwesen, das Gewerbewesen sowie die Gebührenkasse. mehr...

Eine lächelnde Frau hält ein Tablet in der Hand, im Hintergrund ist ein Großraumbüro zu sehen.

AKDB: Digitale Einbürgerung wird flexibler

[31.03.2026] Die Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung in Bayern hat den Online-Dienst Digitale Einbürgerung um eine Zwischenspeicherungsfunkion erweitert. Laufende Anträge können nun für bis zu 30 Tage gesichert und zu einem späteren Zeitpunkt beispielsweise über ein anderes Endgerät weiterbearbeitet werden. mehr...

Frau mit laptop auf dem Sofa - Start Kita-Portal cloppenbrügge

Coppenbrügge: Kitaportal gestartet

[26.03.2026] Über ein digitales Kitaportal verfügt jetzt der Flecken Coppenbrügge. Die Kommune im Kreis Hameln-Pyrmont setzt dabei auf Software vom E-Government-Spezialisten NOLIS. mehr...

Mehrere Personen stehen um einen Tisch mit einem Startknopf versammelt.

Kreis Kassel: Medienbruchfrei zur Baugenehmigung

[17.03.2026] Seit März nimmt der Kreis Kassel Bauanträge nur noch online entgegen. Somit läuft das gesamte Baugenehmigungsverfahren vollständig digital ab, was die Abläufe für alle Beteiligten vereinfachen und beschleunigen soll. mehr...